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  • Hole-Cards mit versteckter Power
Geschrieben von Arved Klöhn
Zuletzt aktualisiert: August 3, 2026
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Hole-Cards mit versteckter Power

Ich gehe davon aus, dass die meisten Leser mit Standardempfehlungen, Tabellen und dem prozentuellen Gewinnpotential bestimmter Hole-Cards bereits bestens vertraut sind. Auch kennen wir die Rocks am Poker-Tisch, die geduldig auf ihr Monster warten und denen wir, wenn immer sie sich engagieren, bereitwillig den Pot überlassen.

Auch wenn Suited Connectors schon lange keine Wunderwaffe mehr sind, korrekt gespielt, lassen sie sich, ebenso wie kleine Pocket-Pairs, durchaus gewinnbringend einsetzen. Und, wenn auch entsprechend selten, lässt sich ein ansehnlicher Pot auch mit 6x 4x offsuit gewinnen. Wichtig ist bloß, dass wir, bevor die wundersame Verbesserung eintritt, nicht allen zu erwartenden Gewinn und mehr bereits vorinvestiert haben.

Wie so oft, hängt die Spielbarkeit bestimmter Karten nicht nur von der Anzahl der Gegner ab, sondern in erster Linie von deren Eigenschaften. Je aggressiver sich ein bestimmter Spieler zeigt, desto spekulativer kann ich meine Hole-Cards gegen ihn wählen.Doch Vorsicht: Nicht jeder, der vor dem Flop gerne raist, der regelmäßige Conti-Bets bringt, ist auch bereit, wirklich eine nennenswerte Portion seines Stacks einzusetzen, sobald er Gefahr wittert.Nehmen wir folgendes Szenario: Ein Spieler raist regelmäßig vor dem Flop, gelegentlich callen wir, meist folgt ein Conti-Bet, unser Blatt hat sich nicht verbessert und wir passen. Dieses Spielchen hat sich nun mehrmals wiederholt und wir gehen davon aus, dass er doch nicht jedes Mal etwas getroffen haben kann. Wir raisen sein Conti-Bet am Flop – und er passt. Beim nächsten Mal passiert genau das gleiche. Bet, Raise, Fold. Nachdem wir ihn auf diese Weise mehrmals verdrängt haben, beschert uns der Flop nun zwei Paare, allerdings mit möglichem Flush- und Straight-Draw. Wieder erfolgt sein Bet, wieder raisen wir – und spontan antwortet er mit einem All-in. Aha! Jetzt hat er mitgekriegt, dass wir den Spieß umgekehrt haben und er will uns mit Gewalt verdrängen. Call! Allerdings, dieses Mal zeigt er, zu unserer großen Überraschung, ein Set.

Ich erwähne diese Entwicklung nur deswegen, um den Unterschied zwischen zwei Arten von Spielern besser zu verdeutlichen. Diejenigen, die wirklich leichtfertig mit ihrem Stack umgehen und den Typ, den ich gerade beschrieben habe, der bloß den Anschein der Leichtfertigkeit erweckt, aber, sobald er massiv angreift, mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit ein Spitzen-Blatt vor sich liegen hat. Bei diesem handelt es sich natürlich meist auch um den Geschickteren, der seine Gegner beobachtet und entsprechend einschätzt. Je seltener ich mich gegen ihn auf eine Konfrontation einlasse, desto mehr Respekt wird er mir entgegen bringen. Und somit lasse ich mich auch wesentlich seltener auf Spekulationen ein.

Ich verweise hier auf eine Aussage von Doyle Brunson in seinem Buch „Super/System2“, wo er sinngemäß erklärt, dass sich mit 7x 6x wesentlich höhere Pots gewinnen lassen als mit Ax Kx . Sobald ein Ass oder ein König im Board liegt, wird jeder Gegner vorsichtig. Spielt er hingegen Qx Qx und im Flop liegt 5x 8x 9x , wird er eher bereit sein, noch weiter in diesen Pot zu investieren.

Um Missverständnisse auszuschließen, ich spreche hier natürlich von solidem Poker und nicht von den, insbesondere an manchen Online-Tischen der niedrigen Einsatzebene oft stattfindenden, All-in-Gemetzeln.

Was ich als erstes bedenke, ist die Möglichkeit der Nuts beziehungsweise einem zwar schlagbaren Blatt, das aber in dieser Stärke kaum zu erwarten ist.Nehmen wir dazu ein Beispiel mit Suited Cards. A 2 und K Q. So vielversprechend Kx Qx suited auch aussehen mag, unter welchen Voraussetzungen lässt sich damit ein hoher Pot gewinnen? Fällt das Flush, ohne Ad im Board, muss ich mich selbst zurückhalten, ganz besonders, sollten vier Karo auf dem Tisch liegen. Liegt Ax Jx Tx im Board, kriege ich dann noch meinen Call? Kx Qx plus eine dritte Karte mag günstig sein, doch laufe ich hier wieder Gefahr, am Turn oder River von einer Straight geschlagen zu werden. Kann ich mich aber dann noch von meinen zwei Paaren trennen, insbesondere, wenn der Pot schon Volumen angenommen hat?

Spiele ich hingegen Ax 2x suited, dann investiere ich eine bestimmte Geldmenge vor dem Flop, sehe aber kein Problem damit, mich von diesen Karten rasch zu trennen, wenn sie sich nicht zumindest zu zwei Paaren verbessert haben. Denn, ein gepaartes Ass mit schwachem Kicker ist sicher kein Anlass für hohe Investitionen. Treffen hier jedoch zwei Flushs aufeinander oder im Board liegt etwa Ax 2x Jx 2x Kx , dann kann ich unter Umständen mit teuren Calls rechnen.

Ich möchte keinesfalls behaupten, dass hohe Kartenwerte, wie Kx Qx , Kx Jx oder Qx Tx nicht spielbar sind, aber nur mit entsprechender Vorsicht. Damit bloß ein Top-Pair zu treffen reicht keinesfalls aus, sich auf eine teure Konfrontation einzulassen.

Auch dazu ein kurzes Beispiel: Ich spiele K J. Es fällt ein Flop von 6 10 J. Am liebsten wäre mir, diesen Pot gleich zu kassieren. Zwar halte ich das Top-Pair, doch, erfolgt der Call, vielleicht sogar der Call meines Raises, könnte ich mit einer ganzen Menge von Gefahren konfrontiert sein, etwa Ax Jx , Jx Tx , ein Open-Ender oder gar ein Set.

Verbessert sich dieses Blatt aber wesentlich, wird unsere Stärke meist zu offensichtlich. Zu selten kriegen wir dann den erhofften Call. Außerdem, spielen wir Kx Qx oder Kx Jx und im Board liegt Kx Kx x-x-x, wird eine Konfrontation gegen Ax Kx , aus der wir uns nur schwer heraushalten können, ziemlich kostspielig.

Für den regelmäßigen Einsatz spekulativer Karten gibt es einen Begriff, der dem Baseball entliehen ist, und zwar: „Small Ball“ (im Gegensatz zu „Long Ball“). Daniel Negreanu hat kürzlich in seinem Blog darüber einiges erzählt.Die Strategie, die dahinter steckt, ist folgende: Man ist wesentlich öfter an Pots beteiligt und lockert dadurch sein Image. Zwar reduziert dieser Umstand die kalkulierbare Fold-Equity, doch steigt die Wahrscheinlichkeit eines Calls, wenn sich das Blatt gelegentlich verbessert.Wir investieren dabei immer nur einen kleinen Teil unseres Stacks. Zwar sind Conti-Bets und seltene, gut getimte Bluffs immer möglich, doch grundsätzlich gibt es keinen Anlass für weitere Investitionen, wenn sich das Blatt nicht verbessert hat und wir auf Gegenwehr stoßen.Negreanu führt diesbezüglich sogar ein Beispiel von den Gefahren mit Ax Kx an. Ich zitiere wörtlich:

„Angenommen, der Flop bringt Ax 9x 6x und du setzt auf dein Ax Kx . Ehrlich, du möchtest damit nicht einmal gecallt werden! Jeder Spieler, der hier seine Chips locker investiert, könnte Ax 9x , Ax 6x , 9x 9x oder 6x 6x vor sich haben, und du bist von Anfang an kaputt.“

Wäre es also hier nicht besser, derjenige zu sein, der Ax 6x spielt und einem optimistischen Gegner mit A-K seinen Stack abnimmt? In jedem Fall, fällt nur das Ass ohne die Sechs und ein Gegner raist uns, dann wissen wir, dass wir, zu hoher Wahrscheinlichkeit, geschlagen sind. Nachdem die Verbesserung auf zwei Paare entsprechend selten eintritt, in nur 2 Prozent der Flops (beziehungsweise rund 3,5 Prozent auf zwei Paare oder besser), spiele ich Ax 6x somit auch nur dann, wenn sie suited sind, was das Verbesserungspotential in diesem Fall wesentlich erhöht.

Die niedrigen Prozentsätze der Verbesserung, ungeachtet ob wir Ax -Xx, 9x 8x oder 2x 2x spielen, verweisen natürlich wiederum direkt darauf, wie wenig Geld wir darauf investieren sollten. Voraussetzung ist immer, dass die Stacks der Beteiligten entsprechend hoch sind, andernfalls sich die Implied Odds keinesfalls rechnen.

Voraussetzung ist auch, dass wir zumindest einem beteiligten Spieler zutrauen, seinen Stack auf ein Over-Pair oder zwei Paare zu investieren, auch wenn eine Straight oder ein Flush im Board liegt.

Und, auch wenn wir unser Image entsprechend lockern, ohne mit gewisser Fold-Equity rechnen zu können, lässt sich ebenfalls kaum Profit erzielen.

Der positive Effekt tritt selten ein, kann sich aber auch durchaus günstig auf den weiteren Spielverlauf auswirken. Während wir, nachdem wir mit 6x 4x offsuit einen ordentlichen Pot gewonnen haben, auch mit unseren Premium-Hands mit deutlich erhöhter Call-Wahrscheinlichkeit rechnen können, hat so mancher Spieler, wenn ihm damit seine Asse gecrackt worden sind, seine Kontrolle verloren. Tilt!

Abschließend möchte ich noch zwei Punkte hinzufügen:

Ein Raise mit 9x 2x , Jx 6x oder ähnlichem ergibt nur dann Sinn, wenn dieses zu wirklich hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Fold führt. Nachdem reine Bluffs auch vor dem Flop selten anwendbar sind, ist es grundsätzlich besser, einen Zeitpunkt abzuwarten, wenn das eigene Blatt, für den Fall eines Calls, auch über gewisses Verbesserungspotential verfügt.

Dazu kommt noch, Image-Auflockerung ist eine Sache, den Maniac zu spielen aber eine andere. Bringen wir unsere Raises all zu oft, stehen wir zwar im Mittelpunkt des Geschehens, aber nur insofern, dass alle Gegner nur darauf lauern, uns zu zerschmettern. Von Fold-Equity dürfen wir bestenfalls träumen. Und der Überraschungseffekt könnte sich durchaus umkehren, wenn wir mit 5x 4x das untere Ende der Straight erwischen, um von Tx 9x geschlagen zu werden, weil sich der eine oder andere Gegner angewöhnt hat, mit jedem beliebigem Blatt zu callen.

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