Ein Lottoschein wird ausgedruckt, vom Kunden aber nie bezahlt. Später stellt sich heraus, dass genau dieses Ticket einen Jackpot von $12,8 Millionen getroffen hat. Wem gehört der Gewinn dann: dem ursprünglichen Kunden, dem Händler oder dem Mitarbeiter, der den Schein anschließend selbst kauft?
Mit genau dieser ungewöhnlichen Eigentumsfrage beschäftigt sich derzeit ein Gericht in Arizona. Im Mittelpunkt steht eine Circle-K-Filiale in Scottsdale und ein Ticket der Arizona-Lotterie The Pick, dessen rechtmäßiger Besitzer bis heute nicht feststeht.
Aus 25 zurückgelassenen Tickets wird ein Millionenstreit
Der Ausgangspunkt des Falls liegt im vergangenen November. In einer Circle-K-Filiale in Scottsdale, Arizona, bestellte eine Kundin insgesamt 85 Lottoscheine zu je $1 und damit Tickets im Gesamtwert von $85.
Da ihr $25 fehlten, bezahlte sie allerdings nur 60 der bereits ausgedruckten Scheine. Die übrigen 25 Tickets blieben am Verkaufstresen zurück.
Einen Tag später soll Filialleiter Robert Gawlitza entdeckt haben, dass sich unter diesen unbezahlten Tickets der Volltreffer befand. Der Schein enthielt alle sechs Gewinnzahlen der Arizona-Lotterie The Pick: 3, 13, 14, 15, 19 und 26. Der Jackpot hatte einen Wert von $12,8 Millionen.
Nach den Gerichtsunterlagen kaufte Gawlitza die verbliebenen Tickets anschließend selbst. Zuvor beendete er seine Schicht und zog seine Arbeitskleidung aus.
Gawlitza argumentiert, er habe damit entsprechend der bei Circle K üblichen Praxis gehandelt. Übrig gebliebene Lottoscheine müssten demnach von Mitarbeitern gekauft werden. Er erklärt bis heute, weder gegen Lotterieregeln verstoßen noch interne Abläufe missachtet zu haben. Vor dem Kauf habe er sogar einen Vorgesetzten konsultiert.
Sein Anwalt Josh Kolsrud erklärte gegenüber ABC 15:
Josh Kolsrud
Wenn solche Tickets also versehentlich ausgedruckt werden und unverkauft bleiben, ist es branchenüblich, dass die Person, die sie ausgedruckt hat, dafür bezahlen muss. Wenn nicht diese Person, dann der Filialleiter.
Für Circle K war der Vorgang dennoch nicht akzeptabel. Das Unternehmen entließ Gawlitza nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit und reichte im Februar Klage ein.
Seitdem muss gerichtlich geklärt werden, wem das Ticket überhaupt gehört.
Drei mögliche Ansprüche auf denselben Gewinnschein
Circle K vertritt die Auffassung, dass die Kundin niemals Eigentümerin des späteren Jackpot-Tickets geworden sei. Der Grund: Beim ursprünglichen Ausdruck wurde der betreffende Schein nicht bezahlt.
Nach der Argumentation des Unternehmens bleibt ein solches Ticket deshalb Eigentum des Händlers, bis ein gültiger Kauf abgeschlossen wurde.
Doch nicht nur Circle K und Gawlitza spielen in dem Verfahren eine Rolle.
Auch der Mitarbeiter, der die Lottoscheine ursprünglich ausgedruckt hatte, beansprucht einen Anteil am Gewinn. Er soll die Rückseite des Gewinn-Tickets unterschrieben und mit Gawlitza eine Vereinbarung getroffen haben, nach der ein möglicher Gewinn zu gleichen Teilen aufgeteilt werden sollte.
Damit steht nicht nur die Frage im Raum, ob Gawlitza das Ticket rechtmäßig erwerben konnte, sondern auch, welche Bedeutung die Ansprüche des anderen Mitarbeiters haben.
Die Arizona Lottery hält sich aus dieser Eigentumsentscheidung bislang heraus. Der Jackpot wurde noch nicht ausgezahlt. Zunächst sollen die Gerichte feststellen, wer rechtlich als Besitzer des Tickets anzusehen ist.
Der Fall könnte Regeln für unbezahlte Lottoscheine verändern
Der Streit ist nicht allein wegen der $12,8 Millionen relevant. Eine gerichtliche Entscheidung könnte grundsätzliche Fragen beantworten, die im normalen Lotteriegeschäft nur selten auftauchen.
Dazu gehört vor allem, wann das Eigentum an einem ausgedruckten Lottoschein tatsächlich übergeht. Ebenso muss geklärt werden, welche Rechte ein Händler an bereits produzierten, aber unbezahlten Tickets behält und ob Mitarbeiter solche Scheine selbst erwerben dürfen, ohne in einen Interessenkonflikt zu geraten.
Normalerweise entsteht diese Konstellation kaum, weil Kauf und Bezahlung eines Lottoscheins unmittelbar zusammenfallen. In Scottsdale geschah genau das nicht.
Deshalb könnte das Urteil nicht nur über die Verteilung dieses Jackpots entscheiden, sondern langfristig auch Einfluss auf interne Händlerregeln und die Abläufe von Lotteriegesellschaften haben.
Die sechs richtigen Zahlen sind bekannt. Wem die dazugehörigen $12,8 Millionen zustehen, muss dagegen erst noch entschieden werden.