Gewinnraten, Statistiken und Downswings: Teil 2 – Sit-and-Gos
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- Arved Klöhn, Dienstag. 22. Februar 2011
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- winrate, statistik
Der Teufel “Varianz” und Sit-and-Gos: Wie viele Turniere muss man spielen, um den Faktor Glück und Pech bei SnGs zu überwinden?
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Im ersten Artikel dieser Serie ging ich auf die Varianz beim No-Limit-Poker ein. Das Ergebnis war frappierend: Die Wahrscheinlichkeit, über einen vergleichsweise langen Zeitraum Verlust zu machen, ist – auch für Spieler mit einer moderaten bis guten Gewinnrate – relativ hoch. Auch über den sehr langen Zeitraum von einer Millionen Händen werden die tatsächlichen Gewinne sehr wahrscheinlich deutlich von dem erwarteten Gewinnen abweichen. Mit anderen Worten: die Varianz spielt beim No-Limit-Poker eine enorme Rolle.
In diesem Artikel will ich die Varianz bei Sit-and-Go-Turnieren beleuchten. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Die Varianz spielt auch bei Sit-and-Gos eine bedeutende Rolle.
Wie auch bei No-Limit-Spielen lässt sich bei Sit-and-Gos die Gewinnrate als normalverteilt approximieren1. Dadurch lassen sich vergleichsweise einfach statische Eigenschaften der zu erwartenden Gewinne über einen längeren Zeitraum modellieren. Im Folgenden gehe ich davon aus, dass die tatsächliche Gewinnrate für ein jeweiliges Turnierformat bekannt ist und will die Frage beantworten, auf welche Ergebnisse man sich langfristig einstellen sollte.
9-Mann Sit-and-Gos
Schauen wir uns ein konkreten Beispiel an: Ein Spieler spielt 9-Mann Sit-and-Gos. In den Turnieren werden 50% des Preispools an den ersten Platz ausgezahlt, 30% an den zweiten und und 20% an den dritten. Der Spieler schlägt diese Turniere auf lange Sicht mit einem ROI (Return On Investment2) von 9%, was – abhängig von der Struktur des Turniers – ein respektabler Wert ist.
Bei einem ROI von 9% gewinnt unser Spieler pro Turnier im Schnitt 0,1 Buy-Ins, bzw. alle zehn Turniere ein Buy-In.
Die Standardabweichung für ein 9-Mann Sit-and-Go unseres Spielers beträgt circa 1,7 Buy-Ins3. Das bedeutet, dass sein tatsächlicher Gewinn pro Turnier im Schnitt um 1,7 Buy-Ins von seinem erwarteten Gewinn abweicht. Diese Größe ergibt natürlich für ein einzelnes Turnier wenig Sinn, aber für die statistischen Betrachtung mehrerer Turniere ist diese Kenngröße sehr relevant.
Mithilfe dieser Größen lässt sich ermitteln, in welchen Bereichen die Gewinne unseres Spielers nach einer größeren Anzahl gespielter Turniere wahrscheinlich liegen werden.
Folgende Tabelle4 fasst die Ergebnisse für 50 bis 20.000 Turniere zusammen.
| 9-Mann Sit-and-Go, 9% ROI | |||||
| Turniere | 50 | 200 | 1.000 | 5.000 | 20.000 |
| Erwartungswert | 5 | 20 | 100 | 500 | 2.000 |
| Standardabweichung | 12 | 23 | 52 | 117 | 233 |
| 95%-Intervall | -18 … 28 | -27 … 67 | -4 … 204 | 267 … 733 | 1.533 … 2.467 |
| Verlustwahrscheinlichkeit | 33,41% | 19,57% | 2,76% | 0,00% | 0,00% |
Die Angaben in der Zeile 95%-Intervall beschreiben die Grenzen des Intervalls in denen der Gewinn des Spielers zu 95% liegen wird. So meint zum Beispiel die Angabe “267 … 733”, dass der Gewinn mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% zwischen 267 und 733 Buy-Ins liegen wird.
Die letzte Zeile gibt an, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, über den gegebenen Zeitraum Verlust zu machen.Es zeigt sich, dass unser Spieler mit einem ROI von 9% auch über 1.000 Sit-and-Gos mit einer nicht zu verachtenden Wahrscheinlichkeit Verlust machen kann. Auch über einen sehr langen Zeitraum von 20.000 Sit-and-Gos können seine tatsächlichen Ergebnisse mehr als 400 Buy-Ins von seinem Erwartungswert abweichen.
9-Mann Sit-and-Gos bei geringer Gewinnerwartung
Im folgenden Beispiel betrachten wir einen Spieler, der mit einem ROI von “nur” 4,5% spielt. Die Ergebnisse hier werden beängstigend deutlich: Nach 1.000 gespielten Turnieren macht dieser Spieler mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 17% Verlust, auch nach 5.000 Turnieren liegt diese Wahrscheinlichkeit noch bei 1,6% und sein 95%-Konfidenzintervall liegt zwischen 17 und 483 Buy-Ins:
| 9-Mann Sit-and-Go, 4,5% ROI | |||||
| Turniere | 50 | 200 | 1.000 | 5.000 | 20.000 |
| Erwartungswert | 2 | 10 | 50 | 250 | 1.000 |
| Standardabweichung | 12 | 23 | 52 | 117 | 233 |
| 95%-Intervall | -21 … 26 | -37 … 57 | -54 … 154 | 17 … 483 | 533 … 1.467 |
| Verlustwahrscheinlichkeit | 41,52% | 33,41% | 16,90% | 1,61% | 0,00% |
Um die Varianz von Sit-and-Gos sichtbar zu machen, hier eine Simulation von 10 Spielern mit einem ROI von 10%. Sie spielen alle identisch, das einzige Unterscheidungsmerkmal ist Glück und Pech. Auf der X-Achse sind die gespielten Turniere und auf der Y-Achse die Gewinne in Buy-Ins verzeichnet.
Simulation von zehn Spielern mit einem ROI von 10% – 9-Mann Sit-and-Gos. (je 1.000 Turniere)
Über einen längeren Zeitraum glätten sich die Kurven merklich, doch auch über 5.000 Turniere können die Endergebnisse sehr unterschiedlich ausfallen:
Simulation von zehn Spielern mit einem ROI von 10% – 9-Mann Sit-and-Gos. (je 5.000 Turniere)
27-Mann Sit-and-Gos
Mit mehr Teilnehmern nimmt auch die Varianz bei Sit-and-Gos zu. Nehmen wir als nächstes Beispiel ein Turnier mit 27 Teilnehmern und 6 ausgezahlen Plätzen. Die Auszahlungsstruktur des Turniers hat folgende Gestalt: Platz 1: 38%, 2: 25%, 3: 16%, 4: 10%, 5: 6%, 6: 5%.
Schlägt ein Spieler diese Turniere mit 9% ROI beträgt seine Standardabweichung für ein Turnier circa 2,6 Buy-Ins. Das ist deutlich mehr als die Standardabweichung bei 9-Mann Turnieren. Entsprechend breiter gefächert sind auch die Gewinn-Verteilungen nach einer Vielzahl gespielter Turniere:
| 27-Mann Sit-and-Go, 9% ROI | |||||
| Turniere | 50 | 200 | 1.000 | 5.000 | 20.000 |
| Erwartungswert | 5 | 20 | 100 | 500 | 2.000 |
| Standardabweichung | 18 | 36 | 81 | 182 | 364 |
| 95%-Intervall | -31 … 41 | -53 … 93 | -63 … 263 | 136 … 864 | 1.273 … 2.727 |
| Verlustwahrscheinlichkeit | 39,17% | 29,12% | 10,94% | 0,30% | 0,00% |
Die Erwartungswerte sind mit denen bei einem 9-Mann Sit-and-Go identisch, doch die Standardabweichung ist deutlich höher. Ein Spieler mit einem ROI von 9% bei 27-Mann Sit-and-Gos macht nach 1.000 Turnieren mit einer Wahrscheinlichkeit von über 10% Verlust und auch nach 5.000 Turnieren beträgt diese Wahrscheinlichkeit noch knapp 3 zu 1000.
Entsprechend wild verteilen sich die Gewinnkurven bei einer Simulation:
Simulation von zehn Spielern mit einem ROI von 10% – 27-Mann Sit-and-Gos. (je 1.000 Turniere)
Über 5.000 Turniere ist bei den einzelnen Graphen zwar eine Tendenz erkennbar, aber die Endergebnisse streuen sich sehr weit um den erwarteten Gewinn:
Simulation von zehn Spielern mit einem ROI von 10% – 27-Mann Sit-and-Gos. (je 5.000 Turniere)
Ganz allgemein gilt: Je mehr Teilnehmer an einem (Freeze-Out)-Turnier teilnehmen, desto größer ist die Varianz bei diesem Turnier.
100-Mann Double-or-Nothings
Als letztes Beispiel sollen die Double-Or-Nothing Turniere herhalten. Zwar gehören die Turniere auf PokerStars inzwischen (fast) der Vergangenheit an, dennoch sind sie statistisch nicht uninteressant. In diesen Turnieren wird die Hälfte der Teilnehmer mit dem doppelten Buy-In ausgezahlt, die andere Hälfte geht leer aus. Das klingt nach einer sehr geringen Varianz!
Tatsächlich beträgt die Standardabweichung bei solchen Turnieren ziemlich genau 1 Buy-In. Da man bei den Double-or-Nothing Turnieren entweder ein Buy-In gewinnt oder eines verliert, erscheint diese Größe sogar einleuchtend.
Damit ist die Standardabweichung bei DoNs deutlich niedriger als bei anderen SnGs. Doch leider folgt das “Aber” auf dem Fuße: Auch die Gewinnraten sind bei DoNs im Schnitt niedriger als bei SnGs. Ein ROI von 4 bis 5% ist bei DoNs ein gutes Ergebnis. Im Folgenden sind die zu erwartenden Gewinne, Konfidenzintervalle und Verlustwahrscheinlichkeiten für einen Spieler mit einem ROI von 4,5% aufgelistet.
| 100-Mann Double-or-Nothing, 4,5% ROI | |||||
| Turniere | 50 | 200 | 1.000 | 5.000 | 20.000 |
| Erwartungswert | 3 | 10 | 50 | 250 | 1.000 |
| Standardabweichung | 7 | 14 | 31 | 70 | 140 |
| 95%-Intervall | -12 … 17 | -18 … 38 | -13 … 113 | 110 … 390 | 720 … 1.280 |
| Verlustwahrscheinlichkeit | 36,07% | 23,79% | 5,54% | 0,02% | 0,00% |
Die Turniere haben eine geringere Varianz als Sit-and-Gos, die mit dem gleichen ROI geschlagen werden. Doch auch bei Double-or-Nothing Turnieren liegt die Verlustwahrscheinlichkeit nach 1.000 Turnieren noch bei über 5%.
Die Simulation von 10 DoN-Spielern ergibt folgendes Bild:
Simulation von zehn Spielern mit einem ROI von 5% – 100-Mann Double-or-Nothing. (je 1.000 Turniere)
Simulation von zehn Spielern mit einem ROI von 5% – 100-Mann Double-or-Nothing. (je 5.000 Turniere)
Ergebnisse
Wie schon im vorigen Artikel zeigt sich, dass die Varianz eine sehr große Rolle bei Sit-and-Go Turnieren spielt.
Auch bei Sit-and-Gos gilt: Je niedriger die Gewinnrate (der ROI), desto deutlicher wirkt sich die Varianz aus. Der Grundsatz “Viel hilft viel” gilt ebenso bei Sit-and-Gos. Je mehr Turniere gespielt werden, desto weniger Einfluss hat die Varianz auf das Endergebnis. Doch selbst nach 20.000 gespielten Turnieren wird der tatsächliche Gewinn sehr wahrscheinlich deutlich vom erwarteten Gewinn abweichen.
Im Vergleich zum No-Limit ist die Varianz bei Sit-and-Gos etwas geringer. Dies gilt insbesondere für Turniere mit 9 bis 20 Teilnehmern und einer möglichst langsam eskalieren Blind-Struktur, da bei diesen Turnieren hohe ROIs bei einer moderaten Standardabweichung möglich sind. Super-Turbo-Turniere auf der anderen Seite, bei denen die Edge unter 5% liegt, zeichnen sich durch eine wild ausufernde Varianz aus.
Die folgenden Artikel dieser Serie werden sich mit Downswings auseinandersetzen. Ferner werden die Gründe für eine hohe Varianz beleuchtet und die Frage beantwortet, wie man seine Gewinnrate überhaupt ermitteln kann.

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1 Prinzipiell lässt sich jede Verteilung – wenn sie nur häufig genug wiederholt wird – durch eine Normalverteilung beschreiben. Dies ist durch den zentralen Grenzwertsatz begründet. Siehe vorigen Artikel. Bei Sit-and-Gos nähert sich die Gewinnverteilung schon bei einer recht geringen Anzahl gespielter Turniere der Normalverteilung an.
2 Der ROI berechnet sich auf folgende Weise: (Durchschnittlicher Gewinn) / (Buy-In + Gebühr). Ein Spieler, der bei einem $10+1 SnG im Schnitt $1 gewinnt, hat also einen ROI von ($1) / ($10 + $1) = 0,0909 ~ 9%.
In den folgenden Überlegungen des Artikels wird die Gebühr eines Turniers nicht weiter erwähnt. In den Berechnungen wird von einer Standardgebühr von 10% bei den SnGs und 8% bei den DoNs ausgegangen. Bezüglich der hier angestellten Betrachtungen hat eine höhere oder niedrigere Gebühr keine Relevanz – sie beeinflusst ausschließlich den ROI.
3 Die Standardabweichung von Sit-and-Gos lässt sich zum Beispiel via Excel recht genau und einfach bestimmen. Man trägt alle möglichen Payouts untereinander ein, wobei man mehrfach vorkommende Werte auch mehrfach einträgt. Vermittels der Funktion STDDEV lässt sich die Standardabweichung bestimmen. Die Gewinnrate hat keine großen Auswirkungen auf die Standardabweichung (so die Gewinnrate keine extremen Werte annimmt) – im weiteren Verlauf des Artikel wurde die Standardabweichung jedoch akkurat unter Berücksichtigung der Gewinnrate berechnet.
4 Die einzelnen Angaben der Tabelle errechnen sich wie folgt:
Der Erwartungswert ist die Anzahl der Turniere multipliziert mit dem Erwartungswert eines einzelnen Turniers.
Die Standardabweichung ist die Wurzel der Anzahl der Turniere multipliziert mit der Standardabweichung eines Turniers.
Die Grenzen 95%-Konfidenzintervalls betragen Erwartungswert ± doppelte Standardweichung.
Die Verlustwahrscheinlichkeit ergibt sich durch Berechnung der Verteilungsfunktion der Normalverteilung an der Stelle 0.
Kommentare






















Kurz eine Replik auf Kommentare zum vorigen Artikel:
sind Standartabweichung und Wahrscheinlichkeit bekannt, handelt es sich um ein einfaches Binomenales statistisches Modell, also eher um Schulmathematik.
Es handelt sich bei den bisher angestellten Betrachtungen keineswegs um binomial verteilte Größen. Beim No-Limit-Holdem liegt zunächst eine diskrete “Gewinnverteilung” für den Ausgang einer Hand vor. Die lässt sich auch recht einfach angeben: Jedem Ereignis von -100BB (Stack verlieren) über ±0 BB (nicht involviert) bis zu +100BB (Stack gewinnen) ist eine gewisse Wahrscheinlichkeit zugeordnet. Nimmt man eine gewisse Datenmenge an Händen eines Spielers daher, kann man diese Wahrscheinlichkeiten für diesen Spieler leicht heuristisch bestimmen. Diese “Gewinnverteilung” ist allerdings reichlich sperrig, das heißt man kann mit ihr nicht besonders schön rechnen. Glücklicherweise nähert sich die Summe über viele dieser Verteilungen der Normalverteilung an. Entsprechend kann man die Gewinnverteilung über eine hinreichend große Anzahl an Händen als normalverteilt annehmen und mit der Normalverteilung weiter rechnen.
Woher wird die Standartabweichung für das NL-Hold’em eines Spielers denn konkret hergeleitet?
Die Standardabweichung wird von einigen Programmen direkt angegeben. PokerTracker 2 bot unter anderem diese Statistik an. Für PokerTracker 3 gibt es im Repository einen Custom Report, der sowohl Standardabweichung als auch 95%.Konfidenzintervalle angibt (Link). Ob andere Pokerdatenbanken soetwas anbieten, kann ich leider nicht ad hoc beantworten.
Alternativ lässt sich die Standardabweichung jedoch auch in mühseliger Kleinarbeit bestimmen, indem man die Ergebnisse einer möglichst großen Testmenge von Händen festhält und von dieser Verteilung die Standardabweichung bestimmt.
Ganz allgemein habe ich bisher immer einfach vorausgesetzt, dass die eigene Gewinnerwartung (5BB/100 oder 10% ROI o.ä.) bekannt ist und dann fröhlich drauf los gerechnet. Mir ist natürlich klar, dass einem diese Größe gar nicht bekannt sein kann – darauf will ich in einem späteren Artikel auch noch eingehen. Es handelt sich hierbei um Überlegungen der Art, dass ich mich Frage: gegeben ich wüsste, dass meine Gewinnrate 5BB/100 entspricht und gegeben, ich würde bot-ähnlich eine große Zahl an Händen abreißen können und immer mit das gleiche A-Game an den Tag legen – wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass ich trotzdem nach X Händen Verlust mache. Es geht mir zunächst um die Antwort auf die Frage, was statistisch gesehen im Poker überhaupt möglich ist.
Sehr schöner Artikel Arved!
Weißt du ob Programme alla Pokertracker die Standardabweichung-Angabe aus ihrer Gesamtdatenbank bestimmt haben, oder einfach einen Standard Exel Wert für große Zahlen und die jeweiligen konkreten Ergebnisse benutzt haben?
Ich sehe auch das größte Problem in der Bestimmung eben der Standardabweichung. Bei SNGs mag sich das mit einer sehr großen Datenbank lösen lassen, aber zB beim Cashgame hängt es ja auch sehr vom eigenen Spielstil und vom Stil der Gegner (d.h. auch Site und Limit) ab. Agressiver heißt auch höhere Standardabweichung.
Nur weiter mit solchen Artikeln! (Bin auch Mathematiker und Physiker..)
Densch
Hallo Arved,
ich bin mathematisch gesehen eher laie (pokertechnisch wohl auch…). Du gehst in deinen Artikeln von einem ROI bzw. einer Winrate aus, die doch aber zuerst mal auch von der Varianz beeinflusst werden und deshalb eigentlich nie gesondert gesehn werden dürften. Also kann ich doch nie sicher sein, ob mein ROI gerade aktuell so stimmt, oder er nur von der Varianz gepusht wird??? Dass heißt ich kann erst ab einer gewissen Anzahl an Turnieren meinem ROI “trauen” und kann erst nach zig tausend Turniere erkennen, dass ich doch ein Fish bin. Falls ich vorher vom Glück geküsst war!!?? (So kann man sich die Fische mit einem beachtlichen Halbwissen auch warmhalten…)
Gruß Bon
Sup! – Alles wieder sehr interessant. Ich habe selbst mal die 45er auf PokerStars mit ihrer Preisstruktur iteriert und die Ergebnisse waren schockierend.
Für MTTs mit großer Teilnehmerzahl kommt man bezogen auf die Swings oder die Erwartung bereits auf eine benötigte Turnierteilnahmezahl, die im Leben nicht erreicht werden kann. In RL-MTTs ist es dann noch schlimmer.
Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass RL-Turnier-”Profis” ganz primär dadurch entstehen, dass sie ein oder mehrere Turniere gewonnen haben oder zumindest einen vorderen Platz belegt haben.
Was wiederum zynische Kommentare über einige RL-Profis erlaubt. – Entsprechende Namen dürfen hier als bekannt vorausgesetzt werden. Oder soll Old Sky mal welche nennen?
MFG – Sky
Wurden die rakes berücksichtigt? Oder sieht’s dann noch schlechter aus? Ist Poker doch ein reines Glückspiel? Und wenn man etwas länger als die statistische Wahrscheinlichkeit sagt auf der falschen Seite der Varianz ist kann man das jemals wieder aufholen? Lg
Alles klar. Entweder man ist sehr viel besser wie die anderen, was zunehmend unwahrscheinlicher wird, oder man hat Glück, oder es bleibt noch ein bisserl Spassfaktor.
Mein aufrichtiges Mitleid mit allen Pros die keine Nebengeschäftchen haben.
Kurze Antworten:
@Densch:
Wenn die die Programme die Standardabweichung angeben, dann bestimmen sie diese fast sicher aus der Datenmenge. Und ja, bei SnGs ist die Standardabweichung erstaunlich invariant gegenüber des ROIs (mit anderen Worten, ob ich die Turniere mit 0% ROI schlage oder mit 15%, wirkt sich nicht sehr auf die SD aus). Beim No-Limit hingegen kann der Wert irgendwo zwischen 50 Big Blinds und über 150 liegen. Insbesondere im Heads-Up hat mit mit mächtiger Varianz zu kämpfen.
@Bon:
Ja, ich “schummel”. Ich tue einfach so, als würde ich den ROI kennen. Tatsächlich sieht man aber in dem Artikel recht deutlich, dass es eher unmöglich ist, den eigenen ROI genau zu bestimmen. Es ging mir aber vor allem darum zu zeigen, dass – selbst wenn man den eigenen ROI kennen würde – die Ergebnisse meilenweit davon abweichen können. Und ja, es gibt mit Sicherheit viele tendenziell schwache Pokerspieler, die über einen langen Zeitraum positive Ergebnisse produzieren und noch gar nicht wissen, dass sie mit ihrer Spielanlage langfristig sehr wahrscheinlich Verlust machen werden.
@Sky:
Bei MTTs hört diese Überlegung mehr oder weniger auf. Diese Biester haben eine so verquere Auszahlungsstruktur, dass es eine riesige Anzahl von Wiederholungen braucht, bis die Gewinnverteilung normalverteilt wird. Die Varianz bei MTTs ist unvergleichbar hoch. Allerdings sind bei bestimmten Turnierstrukturen potentiell sehr hohe ROIs möglich. So hat zum Beispiel ein Turnier-Profi bei den großen Sonntagsturnieren mehr als 100% ROI. Damit lässt sich die Varianz natürlich aushalten.
@Blöde Frage:
Ja, die Rake ist berücksichtigt. Im Grunde macht die Rake bei diesen Überlegungen nichts aus – sie vermindert nur den ROI.
Vielen Dank an alle bisherigen Repliken!
@ Arvid Danke für die schnelle Antwort.
@ Sky Sorry, aber was sind RL-MTT`s?
Gruß Bon
Bon, RL steht für Real Life oder Realleben, MTT für Multi Table Tournament, also das was man als normales oder “großes” Pokerturnier versteht.
Du kannst Dir vorstellen, wie die von Arved beschriebene Varianz gerade bei Turnieren im Realleben reinhaut. D.h. der Spieler, sollte er nur grössere Turniere, also mit vielen Teilnehmern, spielen wird seiner Lebenserwartung in Geld ($EV) nicht gerecht.
Insofern sind auch Einzelerfolge von Spielern in großen Turnieren mit Vorsicht zu genießen. Ein Kumpel von mir merkte schon vor Jahren treffend an, dass man dadurch “Profi” wird, dass man Turniere gewinnt. Gänzlich unabhängig vom Skill (Erfahrung, “Spielstärke”).
Sky
Wieder so ein Mist von jemandem, der von einer pokerseite gesponsert wird. ES GIBT KEINEN VORTEIL beim Pokern, ausser gegen extrem schwache besoffene Spieler, die mit Ass 7, ein Ass auf dem Flop treffen und happy durchziehen. Ansonsten gilt, setzt ihr euch an einen beliebigen Tisch mit 9 Leuten ist es völliger Quatsch zu behaupten, hier hätte man einen Vorteil von 9%. Eher ist die chance 50/50 und dadurch ist die Möglichkeit gegeben, eine unendlich lange Verlustserie zu generieren.
@Mathe
Genau von denen die meinen die Chancen stünden in etwa 50/50 lebt man natürlich wenn man ernsthaft pokert….. Aber ich stimme zu, dass ein genereller großer Vorteil nur selten vorhanden ist bzw. diese Zeiten mit zunehmend vorhandenem Pokerwissen an den Tischen vorbei sind.