Gewinnraten, Statistiken und Downswings: Teil 1
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- Arved Klöhn, Freitag. 18. Februar 2011
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- winrate, statistik
Die Begriffe Glück und Pech sind untrennbar mit dem Pokerspiel verbunden. Welchen Einfluss haben diese Aspekte tatsächlich? Wie lange muss man spielen, um Glück und Pech zu nivellieren?
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“Spätestens nach einer Millionen Händen haben sich Glück und Pech ausgeglichen”, meinte einer meiner Kollege diese Woche. Dem ist mitnichten so! Bei einem Spieler mit einer durchschnittlichen Gewinnrate spielt die Varianz – Glück und Pech – auch nach so vielen Händen noch eine bedeutende Rolle. Diese Artikelserie soll sich dem Phänomen der Varianz beim Pokerspiel mathematisch nähern und dieser Artikel wird die These, dass selbst eine Millionen Hände die Varianz nicht nivellieren untermauern.
Im ersten Teil werde ich kurz auf die mathematischen Eigenschaften der Gewinnrate beim Poker eingehen. Anhand von zwei Beispielen werden diese Eigenschaften mit Leben gefüllt und es wird sich zeigen, dass Glück und Pech auch über einen vergleichsweise langen Spielzeitraum eine signifikante Rolle spielen.
Im Folgenden gehe ich ausschließlich von No-Limit-Poker aus. Die Überlegungen lassen sich zwar auch auf andere Varianten übertragen, aber insbesondere für Turniere und Sit-and-Gos werden sich andere Ergebnisse ergeben.
Kenngrößen der Gewinnrate
Die Gewinnrate beim Poker hat einen gewissen Erwartungswert (µ) – dieser wird in der Regel in Big Blinds pro 100 Hände angegeben. So bedeutet zum Beispiel die Angabe µ = 5BB/100, dass ein Spieler im Schnitt 5 Big Blinds auf 100 Hände gewinnt.
Eine weitere wichtige Kenngröße der Gewinnrate die Standardabweichung (σ). Diese gibt an, wie sehr die tatsächliche Gewinnrate im Schnitt vom Erwartungswert abweicht. Platt formuliert: Ein aggressiver Spieler hat viele Swings, in den meisten Sessions gewinnt er entweder sehr viel oder verliert sehr viel. Seine Standardabweichung ist hoch. Ein tighter Spieler hingegen hat viel weniger Swings. Seine Standabweichung ist entsprechend niedriger. Die Standardabweichung wird ebenfalls in Big Blinds pro 100 Hände angegeben. Beim No-Limit-Texas-Hold’em mit 100BB Stacks kann man von einer Standardabweichung zwischen 50 und 100 BB ausgehen (ausgenommen Heads-Up-Spiele).
Gewinnraten über einen langen Zeitraum
Um Gewinnraten über einen langen Zeitraum zu simulieren, zu testen oder um bestimmte Aussagen über sie zu treffen, ist die höhere Mathematik sehr hilfreich.
Konkret hilfreich ist der zentrale Grenzwertsatz1, der – grob gesprochen – besagt, dass sich Gewinnerwartung und Verteilung über einen hinreichend langen Zeitraum normalverteilt verhalten. Die Normalverteilung ist eine statistische Verteilung, die sich ausschließlich über Erwartungswert und Standardabweichung definiert. Ergo: Zum Beschreiben und Untersuchen der Gewinnerwartung über einen langen Zeitraum benötigt man nur diese zwei Kenngrößen.
Im Folgenden geht dieser Artikel davon aus, dass die Gewinnverteilung eines Spielers normalverteilt ist2.
Beispiel 1: Ein Spieler mit einer Gewinnrate von 5BB/100
Schauen wir uns zunächst einen durchaus erfolgreichen Spieler an. Er weiß, dass er auf seinem Limit eine Gewinnrate von 5 Big Blinds auf 100 Hände hat. Er hat eine Standardabweichung von 70 Big Blinds auf 100 Hände. Eine solche Standardabweichung ist für Full-Ring-Tische üblich und liegt auch in der Größenordnung von halbwegs tighten 6-max Spielern.
Erwarteter Gewinn
Angenommen, dieser Spieler nimmt sich nun vor, während der nächsten Wochen oder Monate 200.000 Hände zu spielen und fragt sich, welchen Gewinn er erwarten kann. Diese Frage zu beantworten ist leicht: Sein erwarteter Gewinn beläuft sich auf 5BB / (100 Hände) * 200.000 Hände, also 10.000BB.
Die viel spannendere Frage jedoch ist: Wie sicher kann er eigentlich sein, dass sein Gewinn tatsächlich in dieser Größenordnung ist?
Standardabweichung
Seine Standardabweichung beläuft sich über diesen Zeitraum auf Wurzel (200.000 / 100) * 70BB, also rund 3.130BB. Im Gegensatz zum Erwartungswert erhöht sich die Standardabweichung nicht linear, sondern nur in Form einer Wurzel3.
Dies bedeutet, der Spieler kann davon ausgehen, dass er nach 200.000 Händen seinen erwarteten Gewinn in Höhe von 10.000 Big Blinds im Schnitt um 3.130 Big Blinds verfehlen (oder übertreffen) wird.
Der Spieler wird also wahrscheinlich nicht genau 10.000 Big Blinds gewinnen, sondern eher deutlich mehr oder weniger. Wie sehr sein tatsächlicher Gewinn abweichen wird, lässt sich noch etwas genauer beantworten.
Konfidenzintervalle
Die Wahrscheinlichkeit, dass sein tatsächlicher Gewinn um weniger als eine Standardabweichung vom erwarteten Gewinn abweicht, liegt bei 70 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass sein tatsächlicher Gewinn um weniger als zwei Standardabweichungen vom erwarteten Gewinn abweicht, liegt bei 95 Prozent4.
Mit anderen Worten: in 95% der Fälle wird unser Spieler im konkreten Beispiel nach 200.000 Händen zwischen 10.000 – 3.130 * 2 BB und 10.000 + 3.130 * 2 BB, also zwischen 3.740BB und 16.260BB gewonnen haben. Dieses nennt man auch das 95%-Konfidenzintervall. Dieses beschreibt, worauf sich der Spieler realistischerweise gefasst machen muss.
Schon anhand dieser Zahlen sieht man eines: 200.000 Hände sind nicht sonderlich viel! Der Spieler muss sich darauf einstellen, einen Betrag zwischen unter 40 Stacks oder über 160 Stacks zu gewinnen.
Das folgende Diagramm verdeutlicht diese Werte. Auf der X-Achse sind die gespielten Hände dargestellt, die blaue Linie zeigt den erwarteten Gewinn an, die rote Linie die Standardabweichung. Orange und Grüne Linie sind die obere bzw. untere Grenze des 95%-Konfidenzintervalls.
Diagramm eines Spielers mit einer Gewinnrate von 5BB/100 und einer Standardabweichung von 70BB/100. (200.000 Hände)
Erst nach knapp 80.000 Händen liegt das 95%-Konfidenzintervall komplett über Null. Das heißt für einen Zeitraum von weniger Händen ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Spieler – obwohl er eine positive Gewinnrate hat – Verlust macht, vergleichsweise hoch.
Länger spielen!
Angenommen, unser Spieler entschließt sich aufgrund der ihm bevorstehenden Varianz, nicht nur 200.000 Hände zu spielen, sondern gleich eine Million. Ein hohes Spielvolumen schlägt der Varianz tatsächlich ein Schnippchen, wie das folgende Diagramm zeigt. Es ist das selbe wie obiges, nur auf der X-Achse verlängert.
Diagramm eines Spielers mit einer Gewinnrate von 5BB/100 und einer Standardabweichung von 70BB/100. (1.000.000 Hände)
Hier zeigt sich sehr deutlich, dass der Spieler tatsächlich erwarten kann, die Varianz ein wenig auszutricksen.
Sein erwarteter Gewinn liegt bei 50.000BB, das 95%-Konfidenzintervall liegt zwischen 36.000BB und 64.000BB. Das heißt, unser Spieler kann davon ausgehen, dass er mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wenigstens 360 Stacks nach einer Millionen Händen gewonnen haben wird.
Aber es zeigt sich auch: die realisierte Gewinnrate liegt irgendwo zwischen 3,6BB/100 und 6,4BB/100. Eine Millionen Hände reichen also auch noch nicht aus, wirklich verlässliche Angaben über Gewinnraten zu machen.
Beispiel 2: Ein Spieler mit einer Gewinnrate von 3BB/100
Ein zweites Beispiel soll den Dämon Varianz in all seiner Mächtigkeit darstellen. Diesmal greifen wir uns einen Spieler, der eine etwas niedrigere Gewinnrate hat. Er gewinnt im Schnitt 3BB pro100 Hände, hat aber die gleiche Standardabweichung in Höhe von 70BB pro 100 Hände.
Sein erwarteter Gewinn über 200.000 Hände liegt bei 6.000 Big Blinds, seine Standardabweichung (ebenso wie beim vorigen, besseren Spieler) bei 3.130 Big Blinds und damit liegt sein 95% Konfidenzintervall zwischen -260 Big Blinds und +12.260 Big Blinds. Der Spieler kann also nach 200.000 Händen noch nicht einmal sicher sein, dass er überhaupt Gewinn macht.
So sieht das dazugehörige Diagramm aus:
Diagramm eines Spielers mit einer Gewinnrate von 3BB/100 und einer Standardabweichung von 70BB/100. (200.000 Hände)
Mehr spielen, hilft jedoch auch diesem Spieler. Grindet dieser Spieler eine Millionen Hände, liegt sein erwarteter Gewinn bei 30.000BB. Sein 95%-Konfidenzintervall jedoch klafft immer noch weit auf. Es liegt zwischen 16.000BB und 44.000BB. Das ist ein Unterschied von einem Faktor, der fast 3 beträgt!
So sieht das Diagramm nach einer Millionen Hände aus:
Diagramm eines Spielers mit einer Gewinnrate von 3BB/100 und einer Standardabweichung von 70BB/100. (1.000.000 Hände)
Bisherige Ergebnisse
Soweit hat dieser Artikel gezeigt, dass es einer sehr formidablen Anzahl gespielter Hände bedarf, um sich seiner Gewinnrate anzunähern und die Varianz aus dem Endergebnis zu tilgen. Je niedriger die Gewinnrate eines Spielers ist, desto schlimmer schlägt die Varianz zu buche.
Verlustreiche Sessions sind bei jedem Spieler statistisch vorprogrammiert. Es ist wichtig, dies immer im Hinterkopf zu haben und nicht sofort die Pokerkarriere an den Nagel hängen zu wollen, nur weil die letzten zehn- oder zwanzigtausend Hände schlecht liefen.
Aber der Artikel zeigt auch, dass Ausschläge in die Positive Richtung ebenso vorprogrammiert sind. Tatsächlich kann es passieren, dass ein Spieler, der im Schnitt 3 Big Blinds auf 100 Hände verliert, nach 200.000 Händen noch im Plus ist. Die beobachtete Gewinnrate entspricht eben erst nach deutlich mehr Händen der tatsächlichen Gewinnrate!
Das folgende Diagramm zeigt zum Abschluss eine Gewinnsimulation von elf Spielern. Alle spielen identisch und haben eine Gewinnrate von 5BB/100. Das Einzige, was sie während des Spiels von 200.000 Händen unterscheidet ist Glück oder Pech.
Simulation von elf Spielern mit einer Gewinnrate von 3 BB/100 und einer Standardabweichung von 70BB/100. (200.000 Hände)
Am Ende landen alle im 95%-Konfidenzintervall, aber sie verteilen sich in diesem Intervall breit gefächert und der arme Spieler Nummer 6 war während der ersten 100.000 Hände fast durchgehend in den Miesen.
In den nächsten Artikeln der Serie werde ich auf Downswings, die Ursachen der Varianz beim Poker und auf die Frage, wie man seine eigene Gewinnrate überhaupt ermittelt, eingehen.

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1 Zentraler Grenzwertsatz in der Wikipedia
2 Diese Annahme ist trotz des zentralen Grenzwertsatzes sehr stark. Tatsächlich sind die Gewinnverteilungen beim No-Limit-Poker erst bei einer Stichprobengröße von mehreren zehntausend, besser noch hunderttausend Händen normalverteilt. Bei kleineren Stichproben unterschätzt die Normalverteilung die Heavy Tails (hohe 4. Momente) der tatsächlichen Gewinnverteilung.
3 Bezüglich Details zu diesem Sachverhalt sei auf den Wikipedia Artikel zur Standardabweichung verwiesen.
4 Diese Eigenschaften leiten sich aus den Eigenschaften der Normalverteilung ab. Siehe Konfidenzintervall bei Wikipedia.
Kommentare





















Es wird sehr schön deutlich wie nervtötend und frustrierend Poker für schwache Spieler sein kann. Als herausragender Spieler mit starker Winrate muß man glücklicherweise nicht ein Jahrespensum spielen um zu wissen wo man steht und man hält die Varianz auch zumindest soweit in Schach das die unvermeidlichen Downswings nicht ewig dauern. Jetzt müßte man eben nur noch ein herausragender Spieler sein…..
Meine diesjährige Standardabweichung ist 55 auf 100 im Hold’Em NL (Bigstack S.) und 15 auf 100 im Hold’em FL.
Ergänzen darf man zu diesem ausgezeichneten Artikel vielleicht noch, dass 1.) “5 Bets auf 100” nur im statistischen Modell existieren, nicht aber in der Praxis 2.) Das Psychologische in der Praxis hinzukommt und den Braten so richtig fett machen kann 3.) die Statistik an sich nur begrenzt prognosetauglich ist . Kurzum: In der Praxis ist es noch schlimmer!
Hab mal vor einiger Zeit für die 45er auf Stars (7 Preise, Hold’Em NL Turbo) eine Simulation geschrieben in der man ein Intervall und einen ROI angeben kann und das Programm würftelte für dieses Intervall (1.000er Blöcke bspw.) und einen ROI (10% bspw.) die Gewinnerwartung aus. Und es ist lustigerweise sehr einfach einen Tausenderblock negativ zu fahren als Winning Player. Aus dem Gedächtnis: 5%
Sky
Gibt es demnächst auch einen Artikel über SNG??? Mich würde es auch interessieren wie Experten den ROI auf unterschiedlichen Limits bewerten (9-Max SNG mit 3 bezahlten Plätzen).
Trotzdem großes Lob an PokerOlymp!
Jetzt weiß ich warum ich immer verliere…. Weil ich kein bock auf diese Mathematik habe!!!
@Looser: Kollego, nix müssen wissen Mathematik bei Spielen Poker, ABER ex post dient die Aufbereitung dann eben doch der Erkenntnis.
@Publizist: Hierzu noch – “In den nächsten Artikeln der Serie werde ich auf Downswings, die Ursachen der Varianz beim Poker und auf die Frage, wie man seine eigene Gewinnrate überhaupt ermittelt, eingehen.” -, also, das ist ein ganz heißes Eisen, also die “Ermittlung der eigenen Gewinnrate”. Bitte hierzu demnächst vorsichtig vortragen.
Es gibt zwar Verfahren, die “Konfidenzintervalle” berücksichtigen, statistische Signifikanz nahelegen und zur Feststellung einer Kausation oder Kausalität raten. Aber, das bleibt doch alles letztlich Pillefitt. Die Earnrate ist nicht zu prognostizieren, nur grob zu schätzen…
HTH, Sky
Die wohl ausschlaggebendste Varianz wird in dem Artikel leider nicht behandelt, nä(h)mlich die, welche 50 Zentimer vorm Bildschirm hockt. Die hat nämlich viel grössere Auswirkungen und macht diese “Abhandlung” total irrelevant. Für ne Bot-Programmierung sind diese Zahlen allerdings sehr relevant.
interessanter Artikel. Aber diese Berechnungen kann man erst im Nachhinein machen. Denn ein Spieler weiß erst, sagen wir mal nach 100k Händen seine Gewinnrate, die sich wiederum in den darauffolgenden 100k Händen ändern kann, weil die Gegner besser oder schlechter wurden oder man selbst. Es geht doch einzig und allein darum, gut Poker zu spielen, man soll nach einer halben Stunde erkennen, wer der Dumme am Tisch ist, dafür brauche ich nicht 1 Million Hände. 20 Hände reichen und ich sag dir, ob das ein winnigplayer ist. Wenn das der Fall ist, dann sollte er auf jeden Fall weiterspielen und nicht mit Poker aufhören.
Zuerst einmal ein Lob an die Redaktion für den Artikel
Zwei Dinge möchte ich anmerken. ZUm einen sollte man bedenken das die Analysen sich um das 95%-Konfidenzintervall drehen. Ist gibt also immer noch eine 2,5 % Chance das es noch schlechter bzw. besser läuft. Und das selbst bei 200.000 Händen. Jeder kann für sich ausrechnen wie lange er dafür braucht. Ich brauche dafür ca 1 Jahr
Viel entscheidender ist aber wie sich eine negative Varianz auf das eigene Spiel auswirkt. Einem Bot ist es egal wie er die letzten 200.000 Hände abgeschnitten hat. Er spielt so wie immer. Ich denke die meisten Spieler sind nicht dazu in der Lage
Ich rede jetzt gar nicht davon, das jemand total tilted. Es reichen ja schon kleine Veränderungen so das man keine Winrate mehr hat.
Aber das ist ja die eigentliche Herrausforderung beim Pokern , das man so oft wie möglich sein bestes Spiel liefert
Gruss Jörg
Hey Arved
Bei der Win Rate in Poker muss man immer aufpassen:
bb/100 = big blinds pro 100 Hände
BB/100 = Big Bets pro 100 Hände
ptbb/100 = poker tracker big blinds pro 100 Hände
Was hast du verwendet in obigem Artikel ?
Danke für die bisherigen Kommentare.
@Hugo: Im nächsten Artikel werde ich auf verschiedene SNG-Typen eingehen.
@hans & hugo: Ich denke, der Artikel zeigt auch, dass es nur sehr schwer möglich ist, die eigene tatsächliche Gewinnrate genau zu bestimmen. In einem späteren Artikel werde ich darauf eingehen. Aber ich kann schon vorwegnehmen, dass so eine Ermittlung eigentlich nicht geht :P.
@Jörg: Bei 95% kann man zwar von hinreichender Sicherheit sprechen, aber mathematisch auszuschließen sind starke Ausreißer niemals. Und da es hunderttausende Online-Pokerspieler gibt, wird es auch immer wieder Spieler geben, die über einen sehr langen Zeitraum deutlich über oder unter ihren eigentlichen Erwartungen spielen.
@matula: Big Bets pro 100 und ptbb pro 100 sind so weit ich weiß identisch. Die Maßzahl entstammt der Zeit als noch vornehmlich Limit gespielt wurde. Aber in diesem Artikel sind ausschließlich Big Blinds pro 100 gemeint.
bin seit 4 monaten 26 stackes unter EV!
... allein diesen monat sind´s 9,5 … aber ich lieg noch knapp im plus! 
@gringo: 26 Stacks a 100 Bets (Profis sagen Bets im NL, was eben dem Big Blind entspreicht, “bb”, “BB” und erst recht “ptbb” sind Pillefit)?
Oder a 20, dann wären’s 520 Bets zusammen, das ginge. ;)
Wobei die von Dir angegebene “EV” die sog. “Allin-EV” ist und somit aussagekräftig, aber eben auch begrenzt. – Man müsste noch Cooler berücksichtigen und natürlich die Qualität(!) der erhaltenen Karten.
LOL, kriegt ja nicht jeder die selben Karten, nein Setups (Cooler) sind hier nicht gemeint, sondern die Anzahl der Kuh-Kuhs, Cowboys und der Schweine…
MFG, Sky
ich bin ja beigeisteter Pokerspieler, ohne Frage. Aber leider auch professioneller Mathematiker ;-)
Als Kritik also von mir mal laienhaft angemerkt:
sind Standartabweichung und Wahrscheinlichkeit bekannt, handelt es sich um ein einfaches Binomenales statistisches Modell, also eher um Schulmathematik. Diese scheint, wenn auch wenig wissenschaftlich auf “Wikipedia” verweisend korrekt gerechnet zu sein. Aber selbst wenn, sagen wir aus statistischer Betrachtung, eine mittlere Gewinnwahrscheinlichkeit (oder Größe, hier als µ zusammengefasst) ermittelt wurde: Woher wird die Standartabweichung für das NL-Hold’em eines Spielers denn konkret hergeleitet?
Wird dieser Wert nicht plausibel begründet, sehe ich keinen Nutzen in der Verwendung dieses Modells,
mfG
@ gringo
Die Abweichung von AllinEV stellt nur einen Teil der Varianz da.
Diese Kennzahl berücksichtigt nicht wie oft Du mit einem Set gegen ein höheres Set läufst. Auch nicht wie das Board in dieser Situation aussieht. Wenn Du in diesen Situationen Glück hast ist das Board so koordiniert, das es die Action einbremst wenn nicht versenkst Du einen Stack.
Das gleiche gilt nur umgekehrt wenn Du das höhere Set hast.
Oder ob Du mit einem Set gegen einen guten Spieler spielst der mit einem Overpair nicht seinen Stack verliert oder gegen einen schlechten Spieler.
Diese ganzen Situationen die meiner Meinung nach einen Großteil der Varianz ausmachen berücksitigt diese Kennzahl nicht.
Aber trotzdem ist es Ärgerlich wenn sich die zwei Kurven in die falsche Richtung voneinander entfernen.
Gruss Jörg
@professioneller Mathematiker ;-)
Wer Standardabweichung zweimal mit T an achter Stelle des Worts schreibt, erzeugt explizit kein Vertrauen.
Erst recht nicht bezogen auf die Stochastik (Ratekunst). Die Ratekunst arbeitet regelmäßig mit solchen Modellen; in diesem Fall sind diese Modelle ausgezeichnet geeignet um dem Spielenden seinen Erfolg zu erklären. D.h. nahezulegen, dass 100k Hände schon vorliegen müssen, um die (oder den) EV überhaupt erst grob schätzen zu können.
Die stochastischen Verfahren zur Herleitung von Kenngrößen sind natürlich spekulativ. Die können nicht “konkret hergeleitet” werden und als belastbar vorausgesetzt werden. Jedenfalls nicht im Sinne einer angenommenen Wahrheit. Wahr ist in der Realität nichts.
HTH, Sky
@ sky und jörg:
nee nee … ich mein schon “26 Stacks a 100 Bets”!!!
klar, ihr habt schon recht, jedoch wär es “etwas” aufwendig diese setups auszuwerten, nur um dann festzustellen, das der downswing noch gravierender ist!
...ich schau lieber nach vorn, versuch nicht zu tilten und weiter an meinem spiel zu arbeiten!
Ich finde den Einwand von “professioneller Mathematiker” schon gerechtfertigt, gleichwohl Standardabweichung mit d geschrieben wird… Mathematiker sind eben keine Deutschlehrer.
Allerdings muss man dazu sagen, dass die angenommene StdAw. in diesem Modell ein reiner Inputfaktor ist. Bei dessen Variation ändern sich eben die KI-Werte und die Gewinnkurve verschiebt sich nach oben oder unten. Insofern ists halt als Annahme zu sehen. Wär ma ne geile Diplomarbeit, empirische Überprüfung der Varianz eines 5BB/100H Spielers =)
Viel schlimmer ist das, was oben angsprochen wurde. Nämlich die psychologische Seite, die hier komplett ausgeblendet ist, wenn man längere Zeit am Stück verliert. Klar, sowas hat in Statistiken auch nix verloren, aber das sollte man bei der Interpretation der Kurve bedenken.