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Ed Miller

Wie man den gegnerischen Stack gewinnt

Der Gewinn des gegnerischen Stack ist bei No-Limit das Non plus Ultra. Nichts hebt die Stimmung mehr als ein gewonnener riesiger Pot. Doch dazu braucht man besondere Fähigkeiten. Mir fällt auf, dass es den besten Spielern weit öfter als den Durchschnittsspielern gelingt, ihren Gegnern den gesamten Stack abzunehmen.

Jeder kann mit einem Cooler einen Stack gewinnen, etwa mit einem Full House gegen den Nut Flush. Die Kunst besteht aber darin, den gegnerischen Stack in weniger klaren Situationen zu gewinnen. Das sollte auch Ihr Ziel sein: In Situationen den gegnerischen Stack gewinnen, in denen schlechtere Spieler deutlich weniger Geld gewinnen. Dazu einige Techniken, die Ihnen dabei behilflich sind:

Einsatzhöhen

Die Einsatzhöhen spielen eine entscheidende Rolle, ob Sie den gesamten Stack Ihres Gegners oder nur einen Teil gewinnen. Einfach gesagt setzen die meisten Live-Spieler auf Limits wie 1 $/2 $ oder 2 $/5 $ nicht genug. Ich weiß nicht, wie oft ich folgenden Verlauf einer Hand schon beobachtet habe. Es handelt sich um eine NL200-Partie mit vollen Stacks:

Ein Spieler raist auf 10 $ und zwei Spieler callen. Auf dem Flop kommen DkS10D6, der Preflop-Raiser setzt 20 $ und ein Spieler callt. Auf dem Turn kommt der Cj. Der Preflop-Raiser checkt und der Caller setzt 20 $. Auf dem River kommt die C7, der Preflop-Raiser checkt und der Caller setzt 30 $. Der Raiser zeigt HkSq und der Caller zeigt mit H6C6 ein geflopptes Set Sechsen.

Diese Bet sind zu niedrig. Ein geflopptes Set bietet die Chance, dem Gegner den Stack abzunehmen. Mit winzigen Bets können Sie niemandem den Stack abnehmen. Mit dem gefloppten Set hätte ich in dieser Hand auf dem Flop auf etwa 50 $ geraist. Nach einem Call hätte ich das restliche Geld, also 140 $, aufgeteilt und in zwei Raten gesetzt, also 60 $ auf dem Turn und 80 $ auf dem River. Höhere Bets führen nicht dazu, dass Sie immer den Stack gewinnen, da die Gegner natürlich häufig keine ausreichend starke Hand haben, um den Druck auszuhalten. Doch mit einem gefloppten Set sollten Sie sich die Chance auf einen großen Gewinn eröffnen.

Value Bets

Eine andere Stelle, an der Spieler versäumen, ihrem Gegner den Stack abzunehmen, ist der River. Regelmäßig beobachte ich, wie Spieler niedrige Bets bringen oder einen kostenlosen Showdown wählen, wenn sie stattdessen All-In gehen und auf einen Call hoffen sollten. In der Regel wirkt das Board ein wenig gefährlich und sie entscheiden sich zur bombensicheren Variante. Leider kann man bei No-Limit Hold’em mit sicherem Spiel nichts herausholen. Wollen Sie ein Gewinner sein, müssen Sie vielmehr gnadenlos setzen, wenn Sie die bessere Hand haben. Sie dürfen nicht zulassen, dass Angst vor entlegenden Händen die Oberhand gewinnt.

Eine Partie mit Blinds von 2 $/5 $ und 600 $-Stacks. Sie sind mit H6D6 auf dem Button. Ein Spieler raist auf 20 $ und Sie callen. Auch die Blinds callen. Auf dem Flop kommen DkCjC6. Alle checken. Sie setzen 70 $ und der Big Blind callt. Auf dem Turn kommt das Da. Sie setzen 180 $ und Ihr Gegner callt. Auf dem River kommt die H9. Ihr Gegner checkt.

Gehen Sie All-In. Checken Sie nicht und bringen Sie auch keine niedrige Bet. Angesichts der Action gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass Ihr Gegner eine der wenigen besseren Hände hat, und Sie schlagen viele Hände, die eventuell callen. Manchmal hat Ihr Gegner mit XqX10 slow gespielt, aber viel öfter callt er mit XaXk, XaXj, XkXj oder einer anderen Hand, die er nicht aufgeben kann. Langfristig wird der Mut, solche Bets zu bringen, Ihre Gewinne drastisch verbessern.

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Reraise vor dem Flop

Kluge Reraises vor dem Flop können ebenfalls eine sehr wirksame Waffe sein, um Ihrem Gegner den Stack abzujagen. Ein Reraise hat zwei wichtige Effekte für eine Hand:

1. Der Pot wird zügig aufgebaut und das All-In vom River auf den Flop bzw. Turn vorverlegt. 2. Viele Gegner müssen ihre Komfortzone verlassen und Sie hinterlassen einen loosen Eindruck.

Kürzlich beobachtete ich einen Freund bei der folgenden Hand. Es war eine Partie mit Blinds von 2 $/5 $, mein Freund hatte 2.000 $ und sein Hauptgegner in dieser Hand hatte etwa 1.600 $.

Zwei Spieler limpten und der Hauptgegner raiste auf 40 $. Raises wie diesen brachte dieser Spieler sehr häufig. Mein Freund reraiste auf 100 $. Auch er hatte schon ziemlich häufig so gespielt, als Reaktion auf die häufigen Raises seines Gegners. Alle foldeten und maulten über die beiden verrückten Spieler am Tisch, doch der ursprüngliche Raiser callte.

Auf dem Flop kamen DqD9H2. Der Gegner checkte und mein Freund setzte 200 $. Der Gegner checkraiste auf 500 $ und mein Freund ging All-In. Der Gegner callte und zeigte CqC10, während mein Freund DkSk hatte.

Mehrere Beobachter waren schockiert, dass die beiden Spieler auf dem Flop mehr als 300 Big Blinds investierten und keiner mehr als ein Paar hatte. Doch mit der Strategie, vor dem Flop häufig zu reraisen, bereitet man eine solche Hand vor. Wie funktioniert das?

Mein Freund nahm wahr, dass der Spieler zu seiner Rechten immer wieder vor dem Flop raiste. Er musste diese Raises zwangsläufig öfters mit schwachen Händen bringen. Mein Freund entschied sich daher, mit jeder passablen Hand (wie etwa XkX9) zu reraisen. In den meisten Fällen würden alle anderen folden und er befände sich im Heads-Up mit dem loosen Gegner. Dann hatte er Position, im Durchschnitt die bessere Hand und außerdem den Vorteil, in gereraisten Pots nach dem Flop mehr Erfahrung zu besitzen.

Im Grunde konnte er seinen Gegner zerlegen. Auf dem Flop verlor er zwar einige Pots mit 200 $, aber vermutlich gewann er mehr als er verlor. Wichtiger jedoch ist, er wusste, dass seine Reraises den Gegner frustrieren und verwirren würden. Letztlich beging dieser einen Fehler, der ihn den Stack kostete. Als dies geschah, hatte mein Freund glücklicherweise ein Paar Könige, doch die Grundlage für den großen Gewinn hatte er mit häufigen Reraises vor dem Flop gelegt.

Viele Spieler könnten mehr Stacks gewinnen, wenn sie ihre Strategie vereinfachen würden. Probieren Sie es aus!


Kommentare


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  • rocket
  • 11.08.10

Wieso hat er den Vorteil in gereraisten Pots nach dem Flop mehr Erfahrung zu besitzen?


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  • Negraise
  • 11.08.10

Wer mit QTs auf so einem Board All-in geht, hat entweder zuviel Geld oder mangelndes Grundlagenwissen. Mich schlagen reraisebare Standard-Hände wie AA, KK, QQ, AQ, welche ein Reraise rechtfertigen. Selbst wenn man in einem Anflug von leichtfertigen Wahnsinn KQ oder Q9 spielt ist man klarer Favorit. Auch FD mit Overcards würden ausreichend Odds hinterlassen hier ein All-in zu stützen. Welche Hände gibt mir der Gegner 99-JJ??? Hier einen Checkraise zu spielen finde ich zu gewagt und falsch!


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  • tship
  • 11.08.10

@Negraise es geht um das Image, was er vor den Königen in der Hand aufgebaut hat, viele Reraises vor der hand sorgen dafür, das bestimmte Gegner einem keinen Credit mehr für ne starke Hand geben, und somit auch mal QT auf dem Flop einen Shove callen, hast du überhaupt alles gelesen?....


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  • Nick Name
  • 11.08.10

Ich stimme Negraise zu. Ein reraise ist ein sehr starker move und wenn man darauf hin auf dem Flopp allin gesetzt wird müssen alle Sirenen aufheulen – immerhin kann mein Gegner auch nicht wissen was ich spiele also muss er sich bei einem allin ziemlich sicher sein.

Grundsätzlich finde ich den Bericht sehr schön weil er das genau das fundamentale Problem beim Pokern anspricht; wie bringe ich meinen Gegner dazu mich zu callen wenn ich die stärkere Hand habe bzw wegzuschmeissen wenn ich nichts habe ?? Fragen über Fragen Happy


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  • Der coole Duke
  • 11.08.10

Beide Sichtweisen sind richtig. Man muss halt selbst am Tisch gesessen haben um die Situation richtig anaysieren zu können.

Die Situation stellt sich hier wohl so da: Das der ursprüngliche Raiser permanent raist und auch der Freund dementsprechend schon öfters mit einem weiteren Raise reagiert hat. Keine Besondere Situation, deshalb sind auch keine Alarmglocken angegangen. Der ursprüngliche Raiser hat gemeint der Freund spielt mit dem Druck der Stakes als er All in gesetzt wurde und war halt der Meinung das Q t gut ist. Im richtigen Moment hat der Freund halt die richtigen Karten bekommen, genauso gut hätte der unsprüngliche Raiser AA umdrehen können, dann wäre der Freund der Depp!

Tja, das ist halt Poker! Du musst halt erkennen, wann die Sterne für Dich günstig stehen!

Ansonsten fand ich den Artikel nicht schlecht. Schade wäre gerne am Tisch gewesen mit den Mini-Bets, so kann ich mir meine Gegner schön zurecht legen. Kann immer billig bis zum River gucken und wenn ich die Nuts habe, pushen, das ist ja das verrückte, die callen Dich ja auch noch.

Ich weiß nicht wie oft ich schon mit einem Gutshot auf den River sehr günstig die Nuts Straße getroffen habe Bsp. AKQ4J und ich habe T, und flush ist nicht möglich und es liegt auch kein Paar im Board. Also stelle ich dann die kompletten Chips rein und werde von Sets und 2Pair gecallt!


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  • Nick Name
  • 11.08.10

Nachtrag:

Es gibt auf Youtube einen interessantess Video über Stu Ungar , darin heisst es über seine Spielweise: “His chips were in constant motion – all the time, if u bet he raise , if u call he raise ”.

Ich glaube der Schlüssel zum Erfolg im Poker liegt irgendwo im psychologischen Bereich und nicht darin auf AK zu warten- und Stuy muss es verstanden haben über das betten und die Reaktionen des Gegners herauszufinden was dieser haben könnte.

http://www.youtube.com/watch?v=o5...IEoPM


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  • Sky
  • 11.08.10

Guter Beitrag, viele Spieler machen mit Nuts oder Fast-Nuts den Sack nicht zu und betten niedrig weiter, damit der Gegner in der Hand bleibt. Gegen gute Gegner kann es nicht die richtige Bet-Sequenz Flop/Turn/River billig zu gestalten, OK, vllt den River. Smile


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  • Der coole Duke
  • 12.08.10

@Nick Name: Ich glaube Du hast Recht! Die Kunst ist es wirklich den Spieler zu spielen und nicht die karten und Stu war ein Genie darin. Hätte gerne mehr von Ihm geseehen. Ich glaube das Durrr garnicht so weit von der Spielweise von Stu entfernt ist.


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  • Key
  • 12.08.10

@der coole duke..ich bin ja sonst kein “anderen-Fehler-Vorhalter” aber “gar nicht” WIRD GAR NICHT zusammengeschrieben!! Solche Sachen sehe ich hier immer wieder. Riesen Sprüche usw posten aber dann sowas. mfg


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  • Standard
  • 14.08.10

@Key: ähhh ok, da hat jetzt jemand ein Wort zusammen geschrieben was nicht zusammen gehört und das war Dir jetzt ein Kommentar wert. Ach ja und ich denke schon das Du ein Oberlehrer bist! Ach ja und den Riesen Spruch habe ich dann auch nicht gefunden auf den Du Dich beziehst.


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  • Key
  • 15.08.10

@Standart..ja das war mir ein Kommentar wert. Solche und andere “gehen-gar-nicht-Sachen” sieht man hier öfters. Ich habe also schon oft genug drüber weggesehen. Der “riesen Spruch” war auf andere Kommentare von duke,sky,baskendoyle,der Spanier u.ä. Leuten bezogen. Ich bin mit Sicherheit kein Oberlehrer, habe nur normalen Menschenverstand.