Strategie von Ed Miller
Ed Miller

Wie man Erfolg misst

Poker ist ein seltsames Spiel. Es gibt kein Ergebnis. Spielen Sie in einem Cashgame, gibt es keinen Gewinner. Spielen Sie ein Turnier, gibt es einen Gewinner und unendlich viele Verlierer. Ihre Gegner können grausam spielen und einiges gewinnen. Sie können großartig spielen und mit fliegenden Fahnen untergehen.

Diese ganzen Merkwürdigkeiten haben mehr als einen Spieler völlig frustriert und dazu geführt, dass diese bei den Pokergöttern um eine Wende flehen. Sicher, wenn Sie dazu gebracht werden, um mehr Glück zu bitten, haben Sie vermutlich keinen Erfolg gehabt. Doch wie sieht Erfolg beim Poker aus? Dieser Artikel stellt meinen Versuch dar, zu erklären, was für mich persönlich als Pokerspieler Erfolg bedeutet.

Zunächst sage ich Ihnen, was es nicht ist. Es ist nicht die Gewinnquote. Sehen Sie sich im Internet um, werden Sie Dutzende von Menschen finden, die Ihnen erzählen, dass Sie grottenschlecht sein müssen, wenn Sie in Partie X nicht 20 $ pro 100 Hände gewinnen. Oder sie erzählen Ihnen, dass sie selbst 20 $ pro 100 Hände gewinnen, einem gewöhnlichen Sterblichen wie Ihnen dies aber nicht zutrauen und Sie mit 10 $ pro 100 Hände zufrieden sein können. Ansonsten sind Sie aber wirklich grottenschlecht.

Vergessen Sie diese Leute. Die meisten erzählen Unsinn und gewinnen nicht annähernd so viel, wie sie erzählen. Tatsächlich sollten Sie davon ausgehen, dass jeder Pokerspieler bei seinen Erzählungen über seine Gewinne die Wahrheit zumindest ein wenig überstrapaziert. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse nicht mit den Fantasien von jemand anders. Sie können diesen vermutlich nicht gerecht werden.

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Sind Sie ein guter Pokerspieler, können Sie dabei definitiv Geld gewinnen. Aber wenn Sie nicht gerade ein extrem außergewöhnlicher Spieler sind, werden Sie sich in absehbarer Zeit nicht in einem tropischen Paradies zur Ruhe setzen können. Ihre langfristigen Gewinne werden moderat ausfallen. Dies liegt schon an den nackten Zahlen. Es gibt viele gute Pokerspieler und nicht jeder von ihnen kann ein Vermögen gewinnen. Soviel Geld gibt es einfach nicht.

Ich zum Beispiel habe das Glück, mehr als 250.000 Exemplare meiner Pokerbücher verkauft zu haben. Meines Erachtens werden die meisten, die meine Bücher kaufen und studieren, bessere Pokerspieler. Aber die wenigsten von ihnen werden mehr als 100.000 Dollar beim Poker gewinnen. Das geht gar nicht. Multiplizieren Sie die beiden Zahlen und Sie bekommen eine Summe, die sogar das Verteidigungsministerium beeindrucken würde.

Was bedeutet dies? Für mich bedeutet dies, dass wir Erfolgskriterien beim Poker entwickeln müssen, die nicht finanzieller Natur sind. Erfolg bedeutet nicht, so viel Geld zu gewinnen, wie manche Internet-Maulhelden vorgeben. Erfolg beim Poker heißt, im Austausch für die Zeit und den betriebenen Aufwand etwas Bedeutsames zurück zu bekommen.

Für viele Spieler ist es einfach nur der Spaß, den die Zeit am Tisch mit sich bringt. Hebt Poker Ihre Laune und trainiert Ihr Gehirn, kann das schon den Erfolg ausmachen. Vielleicht stehe ich damit allein, aber ich habe schon zu viele Wutausbrüche am Tisch erlebt, um zu wissen, dass viele Spieler beim Poker keinen Spaß haben. Die einzige, mir bekannte Methode, Poker zu genießen, ist die Arbeit an seinem Spiel, um ein besserer Spieler zu werden. Ich erlebe Freude, wenn ich eine zusätzliche Bet oder einen zusätzlichen Pot gewinne, nachdem ich neu erworbenes Wissen angewendet habe. Einer meiner Lieblingsspielzüge ist, auf dem River mit einem All-In einen großen Pot zu stehlen, weil ich aufgrund der Handanalyse weiß, dass mein Gegner schlicht nicht callen kann. Ein weiterer besteht darin, auf dem River eine Value Bet zu bringen, weil mein Gegner vermutlich ein Ass als höchste Karte hat und aufgrund meines aggressiven Stils Verdacht schöpft und sich nicht zu einem Fold durchringen kann. Jedes Mal, wenn mir solch ein Spielzug gelingt, durchströmt mich ein Glücksgefühl. Dies sind Spielzüge, die ich zu Beginn meiner No-Limit-Karriere nicht gemacht habe, weil meine Handanalyse nicht gut genug war. Ich hatte nie das Vertrauen, dass mein Gegner eine Bet nicht callen könnte und mein Stil war nicht aggressiv genug, um einen Call mit einem Ass als höchste Karte zu provozieren. Diese Momente sind die konkreten Erfolge auf meiner unendlichen Reise, mich beim Poker zu verbessern.

Ich konzentriere mich am liebsten auf bestimmte Hände und Sessions, in denen ich gut gespielt habe, um meinen Erfolg zu messen. Andere richten ihr Augenmerk mehr auf Zahlen. Anstatt sich finanzielle Ziele zu setzen, versuchen sie eine bestimmte Anzahl Hände im Monat zu spielen. Erreichen sie ihr Ziel, waren sie erfolgreich. Einige Internetspieler dagegen versuchen ihr Spiel so zu verändern, dass sie bei ihren Statistiken bestimmte Werte erreichen. Je näher sie ihrem Ziel kommen, desto erfolgreicher waren sie. Diese konkreten Maßeinheiten bedeuten mir wenig, aber ich kann mir vorstellen, dass es sich dabei um sinnvolle Methoden handelt, Erfolg beim Poker zu messen.

Allerdings bin ich eindeutig der Meinung, dass Sie sich als Gradmesser für Erfolg beim Poker nicht auf Geld konzentrieren sollten. Dafür gibt es zwei wichtige Gründe. Erstens können Sie von den vielen Dingen, die Sie beim Poker beeinflussen können, die Höhe Ihrer Gewinne am wenigsten beeinflussen. Setzen Sie sich finanzielle Ziele, werden Sie zwangsläufig enttäuscht werden. Das liegt an der Varianz. Zweitens werden Sie ein wenig verzweifelt sein, wenn Sie Ihre finanziellen Ziele regelmäßig verpassen. Täglich treffen verzweifelte Pokerspieler schlechte Entscheidungen. Sie spielen auf höheren Limits, als Sie sollten. Sie leihen sich bei Freunden Geld, das sie vermutlich nicht zurückzahlen können. Oder sie werden das Opfer anderer, die schnelles Geld machen wollen. Konzentrieren Sie sich auf Ihr Spiel und die Aspekte, die Sie fernab vom Geld beeinflussen können, werden Sie eher nicht den Kopf verlieren und Ihre Erfolge mehr genießen können.

Die Quintessenz lautet, dass der Gradmesser für Ihren Erfolg beim Poker ein individueller sein sollte. Sie können nicht die Maßstäbe anderer bei sich anlegen. Die Gewinnquote eines anonymen Forenmitglieds betrifft Sie nicht und die entsprechenden Zahlen sind vermutlich ohnehin nur ein Produkt übersteigerter Fantasie. Sie müssen andere Aspekte im Spiel entdecken, die Sie eher betreffen. Ich konzentriere mich am liebsten auf bestimmte Hände, die ich gut gespielt habe. Vermutlich entdecken Sie andere Aspekte, die Ihnen mehr bedeuten. Egal was es ist – sofern Sie sich auf vernünftige Weise selbst bewerten, werden Sie hoffentlich zu dem Schluss kommen, dass die ganzen Stunden, die Sie investiert haben und die ganzen Auf und Abs, die Sie erleben mussten, sich definitiv gelohnt haben.


Kommentare


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  • Sky
  • 30.03.10

“Erfolg beim Poker heißt, im Austausch für die Zeit und den betriebenen Aufwand etwas Bedeutsames zurück zu bekommen.”

Der Kollege hat recht, Old Sky, der in den Micros für $5/Stunde (ohne Rakeback) gut ist (bestätigt über ca. 1k Stunden, vllt sollte tatsächlich mal etwas höher gespielt werden?), sieht das auch so. Klingt ein wenig pathetisch, aber es ist richtig, es geht beim Poker erst einmal um das Spielverständnis. Das nur durch massenweises Spiel überhaupt erst gewonnen werden kann, also nix reallife-poker, Kollego.

Zudem muss man wissen, dass man als Spieler entweder meist Fish (>90%) oder Rakecow (8%?) ist. Erst wenn die Rakegrenze durchbrochen wird, also eine BR im Bereich 100k+ da ist, kann eigentlich von richtigem Poker gesprochen werden. Das gilt auch für Real-life und die Melke von RL-Fishen.


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  • runner
  • 30.03.10

Im Prinzip stimme ich Sky in seiner Aussage zu, allerdings ist das mit der Rakecow und der 100k-Roll einfach Unfug. Definition von “richtigem” Poker lasse ich jetzt auch mal dahingestellt sein.

Entscheidend ist auf den unteren Limits, in denen der Rake eine Rolle spielt eine positive winrate zu generieren. Nur dann bist du winning player. Btw, streng genommen zählt Rakeback auch zu deinen winnings, da dir ja nur ein teil deiner bezahlten gebühren erstattet wird. Nach dieser Definition ist jeder, der mit RB Gewinn erwirtschaftet ein winning player. Ach ja, ed miller’s beitrag lässt sich meiner meinung nach auf seine Quintessenz reduzieren.

Just my 2 cents…


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  • Sky
  • 30.03.10

100k war hier ein Synonym für eine BR, die gross genug ist, dass die Rakecowumgebung verlassen werden kann.

Sicherlich kann man FLHE mit 500 Bets auf sagen wir mal $50/$100 profikorrket angehen, also bei 50k. Eventuell gehts auch im Stud-Bereich, der grundsätzlich weniger swinganfällig ist, billiger.

Aber irgendwo bei 30-100k fängt Poker an, kein Zweifel.

MFG WB


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  • Ach ja?
  • 31.03.10

Erklär doch mal kurz, weshalb der Stud-Bereich weniger swinganfällig ist …


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  • Baskendoyle-Imitat
  • 31.03.10

also ich gewinn’ jeden Tag min. 1000 Franken – Hopp Schweiz Smoke


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  • jaloos
  • 02.06.10

Danke für diesen Artikel!!! Für mich war es ebenfalls in letzter Zeit die Frage, was mich an diesem Spiel so sehr fasziniert oder was mich dazu bewegt es häufig zu spielen. Meine Gewinne überstiegen bisher meine erwartungen (ohne das ganze überstrapazieren zu wollen ;), sind aber tatsächlich moderat. Es ist eine Entschädigung für eine aufgebrachte Zeit und was noch bedeutsamer ist das ich persönliche meinen spielstil verbessert habe und dies ist wirklich ein Erfolg der mich zufriedener stimmt als meine bisherigen Gewinne



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