Strategie von Ed Miller
Ed Miller

Dünne Value Bets

Je länger ich Poker spiele, desto mehr wächst meine Überzeugung, dass ein einzelnes Konzept das Herzstück fast aller erfolgreichen Strategien ist. Dies gilt für No-Limit Hold’em genauso wie für Limit Stud Eight-or-better. Bei diesem zentralen Konzept handelt es sich um dünne Value Bets.

Die Idee ist einfach. In der letzten Setzrunde haben Sie eine ordentliche, aber nicht berauschende Hand, wie es in jeder Session mehrere Male vorkommt. Doch aufgrund des konkreten Verlaufs der Hand sind Sie der Meinung, Ihre Hand sei besser als die Ihres Gegners. Sie setzen, Ihr Gegner callt und Sie gewinnen.

Obwohl der Grundgedanke einfach ist, besteht eine große Kluft zwischen Spielern, die permanent dünne Value Bets bringen, und denen, die darauf verzichten. Dünne Value Bets führen nicht einfach nur dazu, dass Sie mit mittelmäßigen Händen ein paar Dollar mehr gewinnen, sondern auch, dass Sie häufiger und profitabler bluffen können. Hinzu kommt, dass Sie mit Ihren Bets in früheren Setzrunden größere Hebelwirkung erzeugen. Spieler, die dauerhaft dünne Value Bets bringen, werden feststellen, dass fast jede Aktion in einer Hand – beginnend mit der Entscheidung, sich am Pot zu beteiligen – profitabler ist.

Warum ist dieser eine Aspekt so wichtig? Schauen wir uns ein Beispiel bei No-Limit Hold’em an:

Sie spielen 2 $/5 $ mit 500 $-Stacks. Drei Plätze vor dem Button raisen Sie mit DaD10. Der Button und der Big Blind callen. Auf dem Flop kommen C10C8D6. Der Big Blind checkt, Sie setzen 50 $ in den Pot mit 62 $, der Button foldet und der Big Blind callt. Auf dem Turn kommt die D2. Der Big Blind checkt, Sie setzen 120 $ in den Pot mit 162 $ und der Big Blind callt. Der River bringt den Sk. Der Big Blind checkt und Sie 180 $ in den Pot mit 402 $.

Denken Sie wie die meisten No-Limit-Spieler, fragen Sie sich vermutlich, womit Ihr Gegner callen soll, und würden auf diesem River niemals setzen. Es ist auch durchaus möglich, dass Ihre Gegner aufgrund Ihrer aktuellen Spielweise und Ihrer Kenntnisse von Ihnen mit keiner schlechteren Hand callen. Ich würde aber behaupten, dass dies eine großartige Gelegenheit für eine Value Bet ist, wenn Sie sich zur Gewohnheit gemacht haben, deutlich häufiger auf dem River zu setzen.

Auf einem Flop mit drei Karten zu einer Straight treffen Spieler häufig ein Paar plus einen Draw. Auf diesem Flop betrifft dies zum Beispiel Hände wie T9, T7, 98, 97, 96, 76, 99, 77 sowie weitere Kombinationen aus Paar und Flush Draw. Solche Hände sind Kandidaten für einen Call (und nur einen Call, aber keinen Raise) auf Flop und Turn. Durch die Karten auf Turn und River kommt keiner dieser Draws an und falls Ihr Gegner einen davon hält, hat er auf dem River eine Hand mit einem Paar, mit der er einen Bluff entlarven kann. Ihre Hand schlägt praktisch alle diese Hände. Die einzigen realistischen Hände, gegen die Sie verlieren, sind passiv gespielte QQ und JJ, slow gespielte XkX10 oder eine Hand wie DkD9, die einen König enthält und einen Call auf dem Turn ermöglichte.

Nehmen wir an, ich wäre im Big Blind, hielte 87 und wäre in einem Pot mit 402 $ mit einer River-Bet von 180 $ konfrontiert. Gegen die meisten Spieler würde ich ohne großes Nachdenken folden. Aber der Grund liegt darin, dass die meisten Spieler auf dem River nicht oft genug setzen – weder for Value noch als Bluff. Bei einem Call ginge ich gegen die meisten Spieler davon aus, mir eine Hand wie KT, TT, 88, 66, 97 usw. zeigen zu lassen. Selbst mit einer solch starken Hand wie CkC9 würden die meisten Spieler auf dem River checken. (Da ich eine Bet mit XaX10 befürworte, können Sie sicher erkennen, welchen Spielzug ich mit XkX9 empfehle.)

Die meisten Spieler bluffen auch zu selten auf dem River. Verpassen sie ihre Draw, checken sie, zucken mit den Schultern und sagen, „Pech gehabt.“ Aus diesem Grund kann ich mit X8X7 problemlos folden, da ich weiß, dass die Bet auf eine wirklich starke Hand hinweist.

Nehmen wir nun an, ich spiele gegen jemanden, der mit starken Händen und geplatzten Draws setzt, aber mit Händen wie XkX9 oder XaX10, die für eine dünne Value Bet geeignet wären, nach mir checkt. Gegen diesen Spieler würde ich die 180 $ in dem Pot mit 402 $ praktisch ohne Zögern callen. Warum? Weil ich 3,2 zu 1 Pot Odds bekomme und ein Call schon profitabel ist, wenn ich in 25 Prozent der Fälle gewinne. Aufgrund der Spielweise kann ich von einer höheren Gewinnquote ausgehen. Er setzt mit starken Händen wie Top Two Pair, einem Set oder einer Straight, aber diese wachsen nicht auf den Bäumen. Geplatzte Draws wie XqXj und CaC4 gibt es jedoch wie Sand am Meer. Wenn ich also davon ausgehen kann, dass mein Gegner entweder eine starke Hand oder gar nichts hat, und ein Call schon profitabel ist, wenn er jedes vierte Mal nichts hat, ist dies für mich in der Regel ein klarer Call.

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Nehmen wir nun noch an, ich spiele gegen jemanden, der mit starken Händen setzt, manchmal mit geplatzten Draws blufft und auch mit Händen wie XkX9 und XaX10 dünne Value Bets bringt. Mit X8X7 stecke ich definitiv in der Klemme. Zwar weiß ich, dass mein Gegner bluffen könnte, aber auch, dass ich bei einem Call im Normalfall verliere. Gute Gegner gestalten die Häufigkeit ihrer Bets mit diesen verschiedenen Hand-Typen variabel und erschweren meine Entscheidung maximal. Entweder folde ich und verliere gegen Bluffs oder ich zahle alle Hände wie XkX9 und XaX10 aus.

Dies ist der Grund, warum ich dünne Value Bets als Herzstück einer schlagkräftigen Poker-Strategie ansehe. Gehen Sie in diesem Kontext korrekt vor, hat dies drei positive Konsequenzen:

1. Sie gewinnen mit Ihren mittelstarken Händen mehr Geld.
2. Ihre Bluffs werden glaubwürdiger, weil Ihr Gegner nicht weiß, ob sein Bluff-Catcher leicht besser oder leicht schlechter als Ihre Hand ist.
3. Sie gewinnen mehr Geld mit Ihren starken Händen, da Ihre Gegner gelegentlich mit nicht so guten Händen Ihre Bets auf dem River callen.

Meines Erachtens sollten die meisten Spieler sich bei der Arbeit an Ihrem Spiel auf diesen Bereich konzentrieren. Sie checken permanent auf dem River und dadurch ist es für sie schwerer, mit den guten Händen ausbezahlt zu werden und mit den schlechten zu bluffen. Wollten Sie in meinem ersten Beispiel checken, sollten Sie bei Ihrer nächsten Session nach weiteren Gelegenheiten für Bets auf dem River Ausschau halten. Gelingt Ihnen dies, werden Sie ein Spieler sein, vor dem Ihre Gegner deutlich mehr Angst haben müssen.


Kommentare


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  • meckererererer
  • 12.03.10

hab den Artikel nur überflogen, da die Überchrift alles über den Inhalt sagt. genausu wie letzte Woche,letzten Monat,vor3 Monaten…... 3von 4 seiner Stategieartikeln haben den River und den bösen checkbehind zum Thema. Bin für den ersten sehr dankbar Cool aber die Leser vergessen doch nicht alles innerhalb kürzester Zeit Glare und wann setzt der DFB endlich durch dass Bayer Leverkusen nur noch 2Punkte pro Sieg bekommt? alles unassbar!


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  • SickNik
  • 12.03.10

nichts neues aber gut erklärt!


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  • somiking
  • 12.03.10

Wie wärs, mit einem check auf dem River. Wenn der Gegner auf einem geplatzten call ist. verleitet ihn das vielleicht zu eine anständigen bluff so 350$ könnte auch sehr profitabel sein. oder gefährlich. man weiß es nicht…. aber trotzdem lesenswert


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  • blacksheep
  • 12.03.10

value bet? wasn dass? danke, dass ich hier zum ersten mal was zu diesem thema höre, bzw, lesen darf. jaja, ich weiss – ich muss es ja nicht lesen. bayer leverkusen – denen kann man auch 5 punkte pro sieg geben. gewinnen werden die doch nie was…


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  • meckerererer
  • 12.03.10

die sollen aber nicht nur nie was gewinen sondern auch absteigen!


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  • Sky
  • 12.03.10

Guter Artikel.


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  • zawi
  • 15.03.10

In Turnieren gegen einen LAG ist der Value Check/Call aber echt eine Alternative. Der LAG könnte nämlich auf Grund seiner genetisch getriebenen Spielweise die dünne Value Bet durchaus kräftig raisen was den Showdown eventuell zu teuer macht.



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