Die Gefahren eines guten Laufs

Meine Meinung war immer, dass zum Schlimmsten, was einem Anfänger beim Poker passieren kann, ein wirklich guter Lauf zu Beginn der Karriere zählt. Erzielt man gleich von Anfang an hohe Gewinne, kann anschließend viel Negatives passieren.

Zunächst bekommt der Spieler eine unrealistische Vorstellung vom Pokerspiel. Er glaubt, die Gewinne kämen praktisch von allein und eine solide Strategie sei einfacher, als es der Wirklichkeit entspricht. Das kann dazu führen, dass dieser Spieler vernünftige Ratschläge ignoriert und größere Probleme bekommt, die unvermeidlichen Rückschläge zu ertragen. Zum Zweiten wird der Spieler dadurch in seinen schlechten Gewohnheiten bestärkt. Was muss er auch ändern, wenn es so gut läuft?

Oft wird darüber gesprochen, wie man mit einem schlechten Lauf umgehen soll, aber meines Erachtens ist es genauso wichtig, die Gefahren eines guten Laufs zu kennen. Während einer guten Phase gewöhnen wir uns schlechte Dinge an und werden unvorsichtig. Langfristig werden diese Tendenzen zu Bumerangs. Mir sind fünf Gefahren eines guten Laufs aufgefallen, die Sie auf jeden Fall umschiffen sollten, wenn die Karten Ihnen das nächste Mal über einen längeren Zeitraum zulächeln.

Die Beteiligung an unprofitablen Pots
Dieser Aspekt ist trivial und vermutlich fast auf jeden zutreffend. Fast jeder Spieler, der über einen längeren Zeitraum eine gute Phase hat, beginnt, looser zu spielen. In bescheideneren Phasen folden wir vermutlich HkH9, wenn wir fünf Plätze vor dem Button sitzen. Aber in unserem manischen Zustand erscheint uns die Hand auf einmal als eine willkommene Gelegenheit, einen weiteren fetten Pot zu gewinnen. Immer häufiger eröffnen wir Pots ohne Position und callen mit und ohne Position mehr Raises. Diese subtilen Anpassungen werden sich auf Dauer als kostspielig erweisen.

Gönnen Sie sich während eines guten Laufs eine Sekunde mehr für Ihre Entscheidungen vor dem Flop. Schieben Sie nicht einfach Ihr Geld in die Mitte, wenn Ihnen eine Hand spielbar erscheint, sondern überlegen Sie, ob diese Hand wirklich zu Ihrem Gesamtkonzept passt. Spielen Sie die Hand nicht einfach, weil Sie etwas lieber als sonst den Flop sehen.

Angriffe auf starke Spieler
Ein Aspekt eines guten Pokerspielers ist die Fähigkeit, sich auf schwache Spieler zu stürzen. Doch während eines guten Laufs kann jeder Kontrahent am Tisch als geeignetes Angriffsziel erscheinen. Passiert dies, laufen Sie Gefahr, die falschen Spieler zu attackieren, wodurch Ihre langfristigen Ergebnisse schlechter werden können. Der folgende Fall beschreibt dies.

Ein großer Pot wird zwischen einem schlechten Spieler namens Barry und einem der besseren Spieler am Tisch namens Sal ausgetragen. Auf dem River zeigt Sal eine überraschende Hand und verliert den Pot. Er spielte die Hand unkonventionell und verlor als Folge einen dicken Pot. Ein anderer starker Spieler namens Steve, der gerade einen guten Lauf hat, verfolgte diese Hand und kommt zu dem Schluss, dass Sal möglicherweise gar kein so starker Spieler ist. Anschließend konzentriert sich Steve auf Sal, beteiligt sich mit schwachen Händen an vielen Pots und hofft darauf, aus Sals schlechtem Spiel Kapital zu schlagen.

Das Problem besteht darin, dass Sal gar kein schlechter Spieler ist und weiß, wie er mit Steves Übereifer umzugehen hat. Eigentlich sollte Steve den schlechten Spieler Barry angreifen und nicht Sal, der stark ist und eine Hand etwas merkwürdig gespielt hat. Dennoch ist mir dieses Szenario immer wieder begegnet. Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Ego die Oberhand über Sie gewinnt. Konzentrieren Sie sich weiterhin auf die wirklich schwachen Spieler am Tisch.

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Schlechte Bluffs
Spieler mit einem guten Lauf haben zuletzt vermutlich viele erfolgreiche Bluffs gestartet. Dies spornt viele Spieler an, immer mehr gewagte Bluffs vom Stapel zu lassen. Schließlich überschreiten sie die Grenze und bringen wilde und unprofitable Bluffs. Werden sie gecallt, bleibt der Fehler oft unbemerkt, weil der Spieler mit den Schultern zuckt und denkt, „Ich kann nicht jede Hand gewinnen.“

Nehmen Sie sich während eines guten Laufs einige Sekunden mehr Zeit, bevor Sie einen wagemutigen und aggressiven Spielzug bringen. Ist diese Gelegenheit wirklich günstig für einen Bluff oder sind Sie nur heiß darauf, Ihre Chips in die Mitte zu bringen? Große Bluffs sollten sparsam eingesetzt werden. Ertappen Sie sich häufig dabei, wie Sie denken, „Ich kann nur gewinnen, wenn ich setze“, sollten Sie vermutlich Ihre Aggressivität etwas herunterschrauben.

Verstärkte Neigung zu Lieblingsspielzügen
Nehmen wir an, Sie haben letzte Woche die folgende Hand bei No-Limit mit Blinds von 1 $/2 $ gespielt. Ein Spieler raiste auf 7 $ und der Button callte. Sie callten im Big Blind mit HjH9.

Auf dem Flop kamen DaCjS9 und Sie hatten Bottom Two Pair.

Sie checkten, der Preflop-Raiser setzte 20 $, der Button foldete und Sie checkraisten auf 50 $. Ihr Gegner callte.

Auf dem Turn kam die D9, Sie checkten, der Button setzte 60 $ und Sie gingen All-In. Ihr Gegner zeigte XaXk und Sie gewannen die Hand.

Seit dieser Hand spielten Sie wie entfesselt und gewannen mehrere Tausend Dollar. Sie haben diesen doppelten Check-Raise mehrfach ausprobiert und dabei meist gute Resultate erzielt.

Der doppelte Check-Raise auf Flop und Turn könnte Ihr neuer Lieblingsspielzug werden. Nach einigen Erfolgen wenden Sie ihn eventuell bei jeder Gelegenheit an. Jeder Flop bietet eine neue Chance, den doppelten Check-Raise vom Stapel zu lassen. Lassen Sie dies nicht zu!

Lieblingsspielzüge sind aus mehreren Gründe schlecht. Unter den meisten Umständen ist ein einfacher Spielzug – Einsätze auf Flop und Turn – besser als ein komplizierter Lieblingsspielzug – Check-Raises auf Flop und Turn. Überbeanspruchen Sie die Lieblingsspielzüge, wählen Sie dauerhaft die schlechtere Spielweise und werden überdies sogar noch sehr durchschaubar, wenn Sie dieser zu oft anhängen. Sie verschaffen sich die Reputation, permanent einen doppelten Check-Raise zu bringen, und Ihre Gegner passen sich entsprechend an.

Stellen Sie fest, dass Sie einen Spielzug viel häufiger als sonst anwenden, sollten Sie sich abseits des Tisches die Frage stellen, wann dieser wirklich optimal und wann ein einfacherer, geradlinigerer Spielzug besser ist.

Kostspieliger Lebenswandel
Die letzte Gefahr ist sowohl sehr verbreitet als auch eine große Bedrohung für Ihre Bankroll. Während eines guten Laufs geben viele Spieler ihre Gewinne aus. Natürlich ist Geld letztlich da, ausgegeben zu werden, aber viele Pokerspieler gehen dabei viel zu weit, wenn sie einen guten Lauf haben. Genießen Sie Ihr Glück, aber denken Sie auch daran, dass in Zukunft unvermeidlich schlechtere Zeiten auf Sie zukommen werden. Gewinne in guten Phasen helfen Ihnen, Verluste in schlechten Zeiten zu kompensieren, aber dies ist nur möglich, wenn Sie das Geld nicht schon ausgegeben haben.

Die Zeit nach einem guten Lauf ist ideal, um Ihr Budget zu überprüfen. Auf diese Weise wissen Sie genau, welche Rücklagen Sie brauchen und wie viel Sie ausgeben können.


Kommentare


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  • nh
  • 13.01.10

Den hier finde ich seit längerer Zeit mal wieder echt ok.


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  • Jörg
  • 13.01.10

Ich weiss nicht was hier einige Leute von den Beiträgen erwarten. Tongue Glaubt Ihr das das es die Mutter aller Beiträge gibt und nachdem jemand diesen Beitrag gelesen hat wird aus jedem Donk ein guter Pokerspieler? Glare Es geht darum abseits des Pokertischs mal über Poker nachzudenken. In dem Beitrag hat Ed 5 Punkte angesprochen.Wenn evtl nur einer bei Dir zutrifft und Du dort eigene Nachlässigkeiten entdeckst, hat der Beitrag schon etwas gebracht. Ein wirklich guter Spieler wird man nicht an einem Tag sonndern evtl. nach ein paar Jahren Huh Smoke


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  • Ausnerson
  • 13.01.10

Einer der besseren Artikel von Ed Miller

und Mariusz : Du bist der der hier immer nur gequirlte Scheisse schreibt und alle für dumm verkaufen willst.

Mit deiner Einstellung kannste Mao Mao spielen gehen, sorry ist aber so!

Laugh

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  • Dan
  • 13.01.10

Marius L = Lucky Balboa


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  • Nicht-Mariusz
  • 13.01.10

Ich finde die Beiträge von Miller sehr wertvoll. Pokerartikel müssen nicht ständig von mathematischen Formeln überquellen, um lesenswert zu sein.

Habe in den letzten Monaten genau den beschriebenen Lauf erlebt und mich dann auch ähnlich unvorteilhaft Verhalten.

Und: Dieses ständige Kritisieren von PO-Artikeln geht mir echt auf den Geist. Die Unhöflichkeit, einen Artikel mit “gequirlte Scheisse” zu titulieren, käme mir nie in den Sinn. Oder habt ihr für das Lesen hier etwa bezahlt?


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  • Lucky Balboa
  • 13.01.10

Ich find den Artikel nicht schlecht etwas trocken aberd as ist millers stil das ist o.k


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  • setarkos
  • 13.01.10

“Gequirrlte Scheisse”? Warum so … unfreundlich? Ed Miller gibt sich offensichtlich Mühe bei seinen Artikeln, was man bei vielen Jung-Bloggern nicht bemerken kann. Soetwas anonym im Netz abzuwerten ist nicht gerade Ausdruck von Charaktergröße. Mariusz, mach es wie ich: Einfach Artikel von Autoren lesen, die man mag und Mitmenschen nicht beleidigen. Unser Leben ist viel zu kurz, als dass es sich lohnt, sich fortwährend gegenseitig gegen das Schienbein zu treten.

Viele Grüße, setarkos


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  • finnela
  • 13.01.10

ich find den bis jez ganz gut aber das beste hab ich ganz unten gelesen mariús l = lucky balboa ist wirklich super^^ Laugh


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  • winrateEV+
  • 13.01.10

sehr gelungen


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  • sge
  • 16.01.10

Guter Artikel, trifft den Punkt, jedoch kann man dasselbe auch andersrum für “down swing” anführen. Beispiel: Ich bin gestern gleich dreimal mit qq gesuckt worden , beim vierten Mal gefolded. Ebenso verhält es sich seit Wochen bei mir mit AK, wenn ich ak halte hält mein gegner üblicherweise aa Blink wenn ich jetzt mein spiel dahin gehend ändere (also null vertrauen in irgendeine Hand), werde ich auch nix mehr gewinnen, außer der Erkenntnis, dass ich mich von opoker verarscht fühle!



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