Strategie von Ed Miller
Ed Miller

Durch Handspektren zur Handanalyse

Die Handanalyse ist eine entscheidende Fähigkeit beim Poker. Je besser Sie die Hände Ihrer Gegner eingrenzen können, desto bessere Entscheidungen werden Sie treffen und desto besser werden Ihre Resultate. Die meisten Spieler wenden eine bestimmte Methode bei der Handanalyse an, um ihre Entscheidungen aufzuwerten.

Aber nicht alle Methoden sind gleich gut. Oft findet das Ganze aufs Geratewohl statt, was dazu führt, dass der Anwender gelegentlich einen brillanten Spielzug macht, aber vermutlich häufiger aufs Glatteis gerät. Diesen Systemen ist häufig eines gemein: Der Spieler konzentriert sich rasch auf eine (oder mehrere) Möglichkeit(en) und schließt andere Hände aus. Vermutlich kennen Sie folgenden oder einen ähnlichen Bericht über den Verlauf einer Hand:

“Mein Gegner raiste vor dem Flop und ich callte mit X6X6. Auf dem Flop kam XqX10X7, aber ich setzte ihn auf XaXk und beschloss bis zum Ende zu callen, falls keine hohe Karte mehr käme.

Das Problem hierbei ist die starke Konzentration auf eine Hand, in diesem Fall XaXk. Natürlich raisen die meisten Spieler vor dem Flop mit XaXk, aber das tun sie auch mit AA, KK, QQ, JJ und vielen anderen Händen. Viele Spieler bringen mit vielen Händen auf einem Flop mit XqX10X7 eine Continuation Bet und nicht nur mit XaXk. Es führt in die Irre, sich zu einem so frühen Zeitpunkt der Hand auf nur eine mögliche Hand zu versteifen. Stattdessen sollten Sie sich bei der Handanalyse auf bestimmte Handspektren stützen.

Denken Sie in Handspektren, erkennen Sie an, dass es durch die wenigen Informationen, die man während einer Pokerhand bekommt, keine perfekten Erkenntnisse gibt. Ein Raise vor dem Flop verweist nicht zwangsläufig auf XaXk, XjXj oder eine andere Hand. Bei einem gegnerischen Raise können Sie höchstens ahnen, dass ein bestimmter Spieler beispielsweise eine der folgenden Hände hat: ein Pocket Pair, ein Ass mit einer Sieben oder besser, zwei Karten höher als eine Zehn oder Suited Connectors. (Bei der Erörterung von Handspektren wird in der Regel eine Kurznotation verwendet, die im vorigen Beispiel so aussähe: 22+, A7+, K10+, Q10+, J10, 109s bis 54s.)

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Während der Hand werden die Handspektren, auf die wir unsere Gegner setzen, verfeinert. Angenommen, ein Gegner raiste (vermutlich mit dem oben angegebenen Handspektrum) vor dem Flop und Sie callen. Auf dem Flop kommen DqS10S7. Er setzt. Da er ein aggressiver Spieler ist, gehen wir davon aus, dass er mit jeder Hand aus seinem Spektrum setzt. Aus diesem Grund können Sie sein Spektrum noch nicht eingrenzen.

Hat er eine starke oder eine schwache Hand oder etwas dazwischen? Aufgrund der Hände, die wir bei Ihrem Gegner vermuten, ist jede dieser Möglichkeiten denkbar. Er könnte eine sehr starke Hand mit XqXq, X10X10 oder XqX10 haben, aber auch eine sehr schwache wie X3X3 oder XaX8. Außerdem kommen mittelstarke Blätter wie XqXj, XjXj oder XkX10 in Betracht.

Es gibt aber eine bessere Möglichkeit, als ihn einfach auf eine beliebige Hand zu setzen. Sie können die Anzahl der Hände zählen, die in jede Stärkekategorie fallen. Je mehr Hände in eine bestimmte Kategorie fallen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Ihr Gegner eine Hand dieser Stärke hält. Im Spektrum Ihres Gegners befinden sich recht wenige, wirklich starke Hände. Zu diesen zählen XqXq, X10X10, X7X7, XqX10, XaXa, XkXk, XaXq, SkSj und jede Hand mit der Sq und einem Pik. Auf diesem Flop sind auch recht wenig Hände richtig schwach. Nur die niedrigen Pocket Pairs, 65s, 54s, XaX9 und XaX8 fallen in diese Kategorie.

Die meisten Hände Ihres Gegners sind von mittlerer Stärke. Entweder hat er mit einer Hand wie XkX10 ein Paar, einen Straight Draw mit einer Hand wie XkXj oder X9X8 oder einen Gutshot plus Overcards mit XaXk gefloppt.

Der Abgleich des gegnerischen Handspektrums mit dem Board und die Bestimmung, wie viele starke, mittlere und schwache Hände darunter sind, ist das Wesen der Handanalyse. Mit einer Hand wie X4X4 ist ein Fold in der genannten Situation schlau. Im Durchschnitt ist das gegnerische Handspektrum stärker als Ihr Blatt und zudem ist dieses vermutlich zu stark, um erfolgreich zu bluffen.

Nehmen wir jedoch an, dass Sie CkCq hielten. Diese Hand ist sicher ausreichend stark gegen das Spektrum Ihres Kontrahenten, um einen Call zu rechtfertigen. Nach Ihrem Call auf dem Flop kommt die C7 auf dem Turn und Ihr Gegner checkt. Wie schätzen Sie nun sein Handspektrum ein?

Diese neue Information erlaubt Ihnen, das gegnerische Spektrum besser einzugrenzen. Vermutlich hätte er sich entschieden, mit seinen stärksten Händen auf dem Turn erneut zu setzen und zudem mit XaX7, 87s und 76s. Mit den schwachen Händen gab er wohl auf, da sich diese nicht verbessert haben und außerdem checkte er mit vielen seiner mittelstarken Händen, weil er damit keinen großen Pot aufbauen wollte.

Aus diesem Grund ist genauso wahrscheinlich wie zuvor, dass er X2X2 oder XaX8 hält, aber wesentlich unwahrscheinlicher, dass er XqXq oder XaXa hat. Der Check auf dem Turn sagt Ihnen, dass die schwächeren Hände seines ursprünglichen Handspektrums wahrscheinlicher geworden sind als die stärkeren. Man kann die starken Hände nie völlig ausschließen, da Ihr Gegner eventuell versucht, eine Falle aufzustellen. Aber man kann diese nach dem Check auf dem Turn mit Fug und Recht für unwahrscheinlicher halten als zuvor.

Nehmen wir an, Sie checken mit CkCq ebenfalls – ein vernünftiger Spielzug. Auf dem River kommt die D3 und Ihr Gegner checkt wieder. Nun können Sie die starken Hände fast völlig ausschließen. Nur wenige Gegner würden in dieser Situation mit einer starken Hand zweimal checken. Schwache Hände sind genauso wahrscheinlich wie zuvor, das Gleiche gilt für mittelstarke. Sie können das gegnerische Spektrum nun recht gut auf gescheiterte Draws, Hände mit Top Pair wie XkXq oder schwächer und sehr schwache Hände wie ein Ass als höchste Karte und X2X2 eingrenzen. Zudem könnte unser Gegner mit vielen Händen seines Spektrums den Eindruck haben, seine Hand sei für einen Fold zu stark. Aus diesem Grund ist aufgrund der Handanalyse eine Value Bet eindeutig profitabel.

Die beste Methode der Handanalyse besteht darin, sich an Handspektren zu orientieren. Auf diese Weise können Sie die unvollständigen Informationen, die Sie im Verlauf der Hand hinzugewinnen, am besten verarbeiten und optimale Entscheidungen treffen. Haben Sie Hände bisher nicht auf diese Weise analysiert, sollten Sie es ausprobieren. Es ist schwierig, den Dreh herauszubekommen, aber da es sich lohnt, sollten Sie es üben, üben, üben.


Kommentare


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  • The pro
  • 07.01.10

Auch diesen Artikel gibt es nur, um Neue Spieler zum Pokern zu bringen und alte zu halten. Die Illusion, man könnte irgendein “edge”am Pokertable sich erarbeiten. Ihr werdet alle langfristig nur dazu da sein, Rake zu produzieren, und eure Zeit zu verschwenden. Macht euer Geld lieber in euren regulärem job, oder geht taxi fahren, kellnern etc. Sicheres Geld in jeder beziehung.


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  • Ali
  • 07.01.10

Viele, so wie ich, spielens aber einfach aus Zeitvertreib und da finde ich solche Artikel schon ok.


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  • Lol
  • 07.01.10

Lol@the pro


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  • Jörg
  • 07.01.10

Ich frage mich warum Leute wie the pro überhaupt auf Seiten wie pokerolymp gehen Tongue

Sicher wird nicht jeder der sich mit Pokern beschäftigt durch poker spielen reich werden. Das schaffen nur ganz wenige. Aber ich denke es reicht schon wenn man 0 auf 0 kommt bzw. einen kleinen Gewinn beim Pokern macht. Und dabei helfen einem solche Artikel halt. Ich sag nur ” Winnning the battle of mistakes” Huh Gruss Jörg


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  • threekingz
  • 07.01.10

@ Würde mal stark vermuten, The Pro ist ein ein frustrierter Spieler. Aber es gibt nunmal leute, die von Online Poker leben. die müssen schon irgendwas verstanden haben. aber der Artikel ist jetzt wirklich nicht so der Burner


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  • Dankeschön!
  • 07.01.10

Es Miller ist einer der wenigen Autoren, die auf Pokerolymp in schöner Regelmäßigkeit noch wirklich brauchbare Strategieartikel posten. Gut lesbar, einleuchtend und hilfreich!

Danke, weiter so, Ed!


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  • nh
  • 08.01.10

Man sollte sich bei der Handanalyse an Handspektren orientieren? Boah, tolle neue Erkenntnis … wenn es das Jahr 2005 wäre.


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  • JKlein
  • 15.01.10

Die wenigen Pokerspieler, die von diesem (zugegebnerweise genialen) Spiel leben können, verdienen Ihr Geld nicht aus Gewinnen mit diesem Kartenspiel (live/online egal), sondern aus dem “Merchendising” drumherum, wie z.B. Verträge mit Online-Plattformen, für diese Sie dann in die Fernsehkameres grienen. Wer glaubt mit diesem Glücksspiel dauerhaft zu Geld gewinnen, sollte aufpassen, ob er nicht schon spielsüchtig ist. Beim Roulett gibt es auch viele “totsichere” Systeme, mit denen man angeblich gewinnen kann. Außer dem Buchverleger gewinnt aber keine, oder will jetzt hier jamand ernsthaft behaupten, Roulett wäre kein Glückspiel, nur weil es Bücher darüber gibt? Insoweit hat The Pro ein stückweit schon recht. Nichtsdestotrotz macht des Spiel großen Spaß und ist eine unterhaltsame Methode sich mit Freunden zu Vergnügen, und hier sind solche Tipps wie von Herr Miller durchaus zu gebrauchen. Smoke



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