Strategie von Ed Miller
Ed Miller

Wie man auf trockenen Boards zusätzliche Gewinne einfährt

Bisweilen bieten trockene Boards eine sehr günstige Gelegenheit, um mit mittelstarken Händen wie Top Pair zusätzliche Gewinne zu erzielen. Viele Spieler sind immer darauf aus, auf einem trockenen Board einen Bluff zu entlarven und genau dies können Sie ausnutzen, wenn Sie eine Hand haben, die einen typischen Bluff-Catcher schlägt. Insbesondere von Händen wie Pocket Pairs, die sich nicht verbessert haben, werden Ihre Bets in Potgröße auf dem River ausbezahlt, wenn das Board nicht viele hohe Karten enthält oder die Möglichkeit eines Flush oder einer Straight bietet.

Im Folgenden eine Hand, bei der ich vor Kurzem dieses Prinzip zu meinem Vorteil ausnutzte:

In einer Partie mit Blinds von 1 $/2 $ erhöhe ich mit HjH10 im Cut-Off vor dem Flop auf 7 Dollar. Der Button foldet und beide Blinds callen. Ich habe etwa 200 $, der Small Blind 120 $ und der Big Blind hat mehr als 200 $.

Auf dem Flop kommen D4D3S3. Alle Spieler checken.

Auf dem Turn kommt der Sj. Die Blinds checken erneut und ich setze 11 $ in den Pot mit 21 $. Der Big Blind callt.

Auf dem River kommt die S2. Der Big Blind checkt wieder und ich setze mit 43 $ Potgröße. Der Big Blind callt und dreht D6H6 um.

Auf dem Flop checkte ich, weil ich davon ausging, dass ich in den meisten Fällen gecallt werde. Wann immer der Flop drei niedrige Karten bringt und darunter ein Paar ist, müssen Sie damit rechnen, dass loose Spieler mit Overcards und tighte Spieler mit Overpairs callen.

Es wäre nicht schlimm gewesen, auf dem Flop gecallt zu werden, da ich weiterhin Position hatte und sich außerdem noch zwei Gelegenheiten boten, ein Paar zu treffen oder meine Gegner aus dem Pot zu drängen. Gelegentlich würde ich in einer ähnlichen Situation setzen. Aber in diesem Fall entschied ich mich zu einem Check, anstatt einen Bluff in mehreren Setzrunden zu starten.

Auf dem Turn traf ich ein Paar und es wurde wieder zu mir gecheckt. Nun war es an der Zeit, möglichst Gewinn herauszuschlagen.

Es gibt zwar keine Gewissheit, aber von einem Spieler mit einem besseren Buben würde ich eine Bet auf dem Turn erwarten. Jemand mit einer Drei würde eventuell noch einmal checken, vielleicht aber auch die Initiative ergreifen. Unterm Strich ist die Wahrscheinlichkeit nach den beiden Checks recht hoch, dass ich die beste Hand habe und aus schwächeren Blättern Kapital schlagen kann.

Ich setzte halbe Potgröße. Diese Einsatzhöhe gefällt mir in diesen Situationen mit trockenen Boards gut. Niedrige Pocket Pairs und vielleicht sogar Hände mit einem Ass verleite ich zu einem Call und bei aggressiven Spielern kann ich gelegentlich sogar einen Bluff-Raise provozieren.

Man könnte auch mehr setzen. Drei Viertel des Pots wären genauso in Ordnung wie eine Bet in Potgröße. Denken Sie jedoch bei der Wahl Ihrer Einsatzhöhe immer an zwei Dinge:

- Top Pair ist für Ihr Handspektrum in dieser Situation recht stark. Sie wollen eine Einsatzhöhe wählen, die Ihr gesamtes Handspektrum in dieser Situation abdeckt und nicht nur Ihr aktuelles Blatt. Setzen Sie mit guten Händen viel und mit Bluffs wenig, wird die Qualität Ihrer Blätter zu durchsichtig. - Häufig haben Sie zwei ungepaarte Karten und wollen Folds Ihrer Gegner erreichen. Häufig wird Ihre erste Bet jedoch gecallt und Sie müssen sich im Voraus überlegen, wie Sie auf dem River eine aussichtsreiche zweite Salve folgen lassen können. Nehmen wir zum Beispiel an, ich hätte in dieser Hand XkX10. Wahrscheinlich würde ich auf dem Turn genauso setzen wie mit XjX10. Vermutlich würden mich unverbesserte niedrige Paare callen. Kommt auf dem River zum Beispiel eine Dame, würde ich diese Karte auf jeden Fall für einen weiteren Bluff nutzen und kräftig setzen, um auf eine Hand wie 66 möglichst großen Druck auszuüben. Aus diesem Grund muss ich dafür sorgen, dass ich nach meinem Einsatz auf dem Turn noch genügend Geld übrig habe, um auf dem River einen Bluff bringen zu können, den meine Gegner schwer callen können.

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Denken Sie auch daran, wie Ihr Gegner Ihre konkrete Setzfolge vermutlich interpretiert. Wollen Sie wie ich in dieser Situation möglichst viel Geld gewinnen und setzen auf dem Turn Potgröße, können Sie dies auf dem River vermutlich nicht wiederholen. Das wäre wahrscheinlich zu viel und würde die meisten Gegner mit niedrigen Paaren vertreiben.

Sie könnten auch erst einen ganzen und dann einen halben Pot setzen, doch diese Setzfolge hinterlässt einen stärkeren Eindruck als meine. Meine Setzfolge wirkt meines Erachtens eher wie ein Bluff und funktioniert daher besser, wenn Sie einen Call provozieren wollen, um mehr zu gewinnen.

Auf jeden Fall setzte ich halbe Potgröße und wurde vermutlich von einem Spieler mit einem niedrigen Pocket Pair gecallt. Warum hat mein Gegner vermutlich genau diese Hand?

1. Da mein Gegner tight ist, hat er meinen Raise vor dem Flop vermutlich nicht mit einer Zwei gecallt. 2. Das Gleiche gilt für eine Drei und diese wird dadurch noch unwahrscheinlicher, dass er drei Gelegenheiten versäumte, aggressiv zu werden. 3. Mit einem besseren Buben als meinem hätte er vermutlich gesetzt, aber ein Bube (besser oder schlechter als meiner) befindet sich auf jedem Fall in seinem Handspektrum. 4. Vermutlich wäre er mit einem Flush- oder Straight Draw bereits aggressiv geworden, dennoch sind diese Hände denkbar. 5. Niedrige unverbesserte Pocket Pairs passen perfekt zu seiner bisherigen Spielweise und machen meines Erachtens einen Großteil seines möglichen Handspektrums aus.

Der River ist für mich nahezu perfekt. Nur eine weitere Drei oder eine Zwei in Herz oder Kreuz wären besser gewesen. Auch ein Bube wäre natürlich eine exzellente Karte gewesen. Diese Karten sind deshalb gut, weil mein Handspektrum aus der Sicht meines Gegners weiterhin viele Blätter ohne Paar enthält, mit denen ich auf dem Turn geblufft hatte. Die erwähnten Karten sind aus der Sicht meines Gegner die am wenigsten gefährlichen. Aus diesem Grund zahlt er mich bei diesen Karten höchstwahrscheinlich aus und zwar durchaus auch höhere Einsätze.

Ich schlug aus der sehr guten River-Karte Kapital, brachte eine Value Bet in Potgröße und wurde ausbezahlt. Hätte der River eine höhere Karte als eine Acht gebracht, hätte ich vermutlich deutlich weniger gesetzt, vielleicht halbe Potgröße. Aber bei der Drei war ich auf maximalen Ertrag aus.

Das ist der Vorteil, wenn Sie auf trockenen Boards ein solides Paar haben. Vermutlich trauen Ihnen Ihre Gegner keine gute Hand zu (wie in diesem Fall, bei dem Sie auf dem Flop gecheckt und auf dem Turn halbe Potgröße gesetzt haben) und Sie werden auf einen Bluff gesetzt. Verpassen Sie nicht die Gelegenheiten, bei denen Sie auf dem River Geld gewinnen können!


Kommentare


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  • 19.10.09

Wieso sollte jemand mit 66 auf der Hand den Flop checken und was machst Du, wenn Du auf turn oder river einen reraise bekommst? Aus meiner Sicht ist die Hand für dich optimal gelaufen und kein Indikator wie man in solchen Situationen spielen sollte.


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  • bau123
  • 19.10.09

finde das der bet am river sehr skuril ist,schliesslich muss ich meinem gegener doch irgendeine hand geben,und sinn machen würde doch 56 also openend der angekommen ist oder flushdraw auf dem flop oder flushdraw vom turn,und nichht zu vergessen a3 oder 23,alles hände die aus dem blind callen würden…ohne einen guten read auf meinen gegner ist die hand so nicht optimal gespielt


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  • jörg
  • 19.10.09

Bei den Pot Odds kann auch ein tighter Spieler im Big Blind mit sehr vielen Händen callen die Ihm am Ende schlagen. Die niedrigen Pokets sind die einzigen Hände die er schlägt von denen er auch eine Auszahlung bekommt. Außerdem muss er bei einem reraise folden. Check-Call ist meiner Meinung nach die bessere Alternative.


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  • Jack M.
  • 19.10.09

Ich dachte, es wäre ein alter Hut in solchen Situationen mit einem guten Paar ab und zu nen so großen Bet zu machen, dass es wie ein Bluff aussieht.

Die bisherigen Kommentare zeigen, dass es wohl doch eher unbekannt ist.

Zu bau: kaum eine hand mit einer drei passt in die Range von BB. Es sei denn, er ist völlig Gurke und callt mit sowas vor dem Flop. Bliebe nur noch sowas wie A3s – und davon gibts nur noch 2 combos. Überhaupt ist meiner Meinung nach seine Hand ziemlich klar eine, die einen Showdown sehen will. Mit nem Draw hätte er womöglich den Turn selbst gesetzt als ein Semibluff. Ein mittleres Paar passt perfekt zu seiner Spielweise. Und er muss es ja auch nicht immer haben, damit der Zug funktioniert – oft genug reicht schon. Und meiner Erfahrung nach callen die Gegner liebend so fette Bets mit kleinen Paaren weil sie denken ich bluffe.


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  • 19.10.09

naja, ausser nem Set kann der Flop doch kaum besser sein für 66, warum er, trotz der schlechteren Position, den Pot nicht für sich beansprucht auf dem Flop, is mir n Rätsel, ansonsten klingts aber ganz plausibel..


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  • Sky
  • 19.10.09

Der flop-check gefällt mir nicht, bei diesem Board scheint eine Contie angebracht. OK, wowas wie 66 wird callen, aber das macht ja nix.

Der Rest ist Pillepalle.


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  • Sky
  • 19.10.09

OK solide Line, 66 (opder so) kann, aber muss sich nicht preflop melden. Kingsofcard hat irgendwo eine vergleichbare Hand mit einem Erfolg aus den Blinds gemeldet. Das sind alles Hände, die um Sackhaarebreite entschieden werden, da gibts kein Gut oder Falsch.


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  • SickNik
  • 20.10.09

hm also finde die spielweise nicht unbedingt verkehrt vom BB… evtl checkt er ja postflop mit der intention zu checkraisen? erstens hat er ein overpair zweitens ist er im BB und könnte damit eine 3 presentieren… mir gefällt aber der river pot size bet auch net, tät eher einen “small value” bet von 1/3 pot machen, auf reraise natürlich fold….



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