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Strategie von Ed Miller
Ed Miller

Der Verlust des Stacks

Zu den größten Enttäuschungen beim No-Limit gehört, seinen Stack zu verlieren. Mit dem Verlust des Geldes geht oft ein Gefühl der Betretenheit und des Selbstzweifels einher. „Habe ich etwas falsch gemacht? Hätte ich in der Hand völlig anders vorgehen sollen?“ Jede Entscheidung wird hinterfragt.

Ich möchte eine Hand besprechen, die einer meiner Stammleser beigetragen hat. Die Hand verlief so: Es handelte sich um eine Internet-Partie No-Limit Hold’em mit Blinds von 0,25 $/0,50 $. Mein Leser hat einen Stack mit 22 $ bzw. 44 Big Blinds.

Aus UTG raiste er mit CqDq auf 1,75 $. Der Button reraiste auf 6 $, die Blinds foldeten und mein Leser callte.

Auf dem Flop kamen D5S4S3 und beide Spieler checkten. Auf dem Turn mit der C3 setzte mein Leser Potgröße, also 12,75 $. Sein Gegner ging mit weiteren 3,25 $ All-In und mein Leser callte.

Der andere Spieler hielt ein Paar Asse, der River brachte keine Hilfe und mein Leser hatte seinen Stack verloren.

Als er mir diese Hand schickte, stellte er mir folgende Frage:

“War das Ganze unvermeidlich oder ein weiteres Beispiel für mein schlechtes Spiel? Komm, sag es mir, ich kann es ertragen. Wenn ich wirklich so schlecht gespielt habe, wie es mir scheint, kann ich einen Anstoß gut verkraften.“

Meine Gedanken zu dieser Hand sind simpel, aber ich muss einiges vorausschicken.

Mein Leser begann die Hand mit 44 Big Blinds. Bei dieser Stackgröße setze ich gegen die meisten Internetspieler an einem Tisch mit maximal sechs Teilnehmern mit einem Paar Damen schon gerne vor dem Flop meinen ganzen Stack. Hätte ich die Hand gespielt, wäre sie nur ein wenig anders verlaufen. Ich hätte geraist, der andere hätte gereraist und ich wäre All-In gegangen. Natürlich wäre ich gecallt worden und hätte verloren.

Es hängt vom Handspektrum des Reraisers ab. Nehmen wir an, Ihr Gegner reraist nur mit Buben, Damen, Königen, Assen und AK. Gehen Sie All-In, callt er mit allen diesen Händen. Gegen dieses Spektrum sind Damen etwa 47,5 zu 52,5 Außenseiter. Angesichts des Geldes, das bereits im Pot ist (der Raise auf 1,75 $, der Call des Reraisers mit 1,75 $ und die Blinds), erzielt man daher zumindest ein ausgeglichenes Ergebnis, wenn man gegen das Spektrum dieses Gegners mit Damen All-In geht.

In der Praxis neigen Spieler an Shorthanded-Tischen dazu, mit deutlich mehr Händen zu reraisen. Erwischen Sie einen Gegner mit einer schwächeren Hand, foldet er bisweilen und manchmal zahlt er Sie aus. Mit einem Stack von nur 44 BB gehe ich davon aus, sogar manchmal von Händen wie AT, 88 usw. ausbezahlt zu werden. Aus diesem Grund gehe ich for value All-In.

Poker als Beruf

Mein Leser war dazu verdammt, in dieser Situation seinen Stack zu verlieren. Er schlug einen etwas umständlicheren Weg ein, als ich es getan hätte, aber das Resultat war durch die Karten und die Stackgrößen vorprogrammiert.

Seinen Stack zu verlieren kann sich wie ein persönliches Versagen anfühlen. Sie schieben mit Hand X Ihr Geld in die Mitte, Ihr Gegner tut mit Hand X+1 dasselbe und Sie verlieren. Das fühlt sich schrecklich an und kann Selbstzweifel verursachen.

Lassen Sie uns aber einen Schritt zurückgehen. Beim Poker haben Sie ein Spektrum von Handstärken. Manchmal floppen Sie die Nuts und manchmal gar nichts. Meistens liegen Sie irgendwo dazwischen. Einige der dazwischenliegenden Hände (in der Regel die besseren) sind gut genug, dass Sie Ihren gesamten Stack damit investieren wollen. Mit anderen Worten glauben Sie, dass Ihre Hand im Vergleich zum Spektrum Ihres Gegners vorteilhaft ist. (Selbst wenn der Vergleich negativ ausfällt, können Sie Ihr Geld bisweilen vorteilhaft investieren, aber das liegt außerhalb des Rahmens, den ich hier besprechen will.)

Denken Sie daher über das Spektrum Ihrer Hände nach, mit dem Sie zu einem All-In bereit sind. Dies beginnt mit den Nuts und geht bis zu einer bestimmten Hand am Ende des Spektrums. Wie sieht diese Hand aus? Es ist eine Hand, mit der Sie bei einem All-In ein wenig gewinnen, aber auch ein wenig verlieren können. Daher ist sie grenzwertig, Sie verlieren einige Male, gewinnen aber oft genug, damit sie profitabel bleibt. Würden Sie deutlich öfter gewinnen als verlieren, wäre die Hand nicht mehr grenzwertig und eine schwächere Hand befände sich an der Schwelle.

Zudem kommen de grenzwertigen Hände wesentlich häufiger vor als die Hände im Bereich der Nuts. Sie treffen Top Pair auf dem Flop deutlich öfter als ein Set. Und Sie bekommen Damen, Buben, Zehnen oder AK deutlich öfter als ein Paar Asse. In diesen Grenzfällen All-In zu gehen kann die beste Spielweise sein, aber dies ist bei weitem nicht sicher. Sie werden oft verlieren.

Wie Sie verlieren ist irrelevant, solange Ihre Einschätzung des gegnerischen Spektrums korrekt war. Es spielt keine Rolle, ob Sie Ihr Geld mit Damen gegen Asse in die Mitte brachten und verloren oder ob Sie Ihr Geld mit Damen gegen Buben in die Mitte brachten und ein Bube auf dem River kam. Genauso spielt es keine Rolle, ob Sie Ihr Geld mit Damen gegen AK in die Mitte brachten und das Wettrennen gewannen oder ob Sie Ihr Geld mit Damen gegen Asse in die Mitte brachten und eine Dame floppten. Ein Gewinn ist ein Gewinn, ein Verlust ist ein Verlust und wenn Ihr Spielzug unter Berücksichtigung aller Möglichkeiten profitabel ist, war es in der Regel der richtige.

Seinen Stack zu verlieren ist ein normaler Bestandteil von No-Limit, der ständig vorkommt. Verlieren Sie selten Ihren Stack, schieben Sie Ihr Geld nicht oft genug mit diesen grenzwertigen Händen in die Mitte. Natürlich wollen Sie Ihren Stack nicht verlieren, aber die Tatsache an sich ist noch kein sicheres Anzeichen für einen Fehler.

Das All-In mit Damen in dieser Hand war absolut vernünftig, nur ging es in diesem Fall nicht gut. Außerdem löste es bei meinem Leser ein schlechtes Gefühl aus. Dies macht mir Sorgen. Meines Erachtens sollte jeder No-Limit-Spieler mit dem Verlust seines Stacks Frieden geschlossen haben, damit er so aggressiv spielen kann, wie dies für langfristige Gewinne notwendig ist.

Gewinne bei No-Limit sind kein Pappenstiel. Wenden Sie das notwendige Studium und die erforderlichen Spielzeiten auf und gestatten sich zunächst viele Irrtümer, werden Sie die Partien mit niedrigen Blinds meistern und zügig Gewinne einfahren. Sie müssen sich aber Irrtümer gestatten. Seinen Stack zu verlieren ist lediglich Bestandteil Ihrer Erfahrungen.


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Kommentare


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  • Sky
  • 05.10.09

“Zu den größten Enttäuschungen beim No-Limit gehört, seinen Stack zu verlieren.” LOL, wie wahr.

Darum spiele ich auch oft short stacked, ist ja sowieso Pillefit, ob man mit 20 Bets am Tisch sitzt oder mit 50. Richtiges Poker fängt an, wenn man, sagen wir mal, 300 Bets tief ist.

QQ war im erörterten Beispiel auf Set Value gespielt, muss nicht schlecht sein. LOL

PS: MFG und gute Arbeit!


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  • lolo
  • 05.10.09

ahja und da richtiges poker erst mit 300 BB anfängt ist es sinnvoller sich mit 20BB an den tisch zu setzen?


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  • Sky
  • 05.10.09

@lolo: “Sinnvoller” stand da nicht, LOL. Gemeint war: Wenn Du mit 20-50 Bets (besser gleich 20, wenn Dus gerne einfach hast) am Tisch sitzt, dann ist es halt easy, wenn Du halbwegs die Wertigkeiten beachtest. Und wenn dann “irgendwie” 42 Bets weggehen mit QQ pre-flop gegen die Schweine, jo mei. Das muss klar kommuniziert werden, Ed tut das natürlich und schreibt sehr gut, Old Sky würde das ja keiner glauben.


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  • Gausdal
  • 05.10.09

Ich würde OldSky gar nix glauben, denn:

- Im Normalfall ist das Max-Buy-In 100BB; zu sagen, deep stack geht erst bei 300BB los, ist damit Käse, da es sehr selten vorkommt, dass zwei Spieler mit 300 BB am Tisch sitzen.

- “QQ war auf set value gespielt” ist ebenfalls Käse – warum sollte der Spieler dann betten, nachdem er sein Set nicht getroffen hat?

- “ist ja sowieso pillefit, ob man mit 20 Bets am Tisch sitzt oder mit 50” aha, Sky spielt also auch mit 50 Bets SSS.

Ich würde OldSky ein gutes Buch empfehlen, z.B. Harrington on Cash Game – dort werden NL Cash Game und Unterschiede zwischen Short Stack und Deep Stack gut erläutert.


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  • Sky
  • 05.10.09

@Gausdal: Etwas mehr Humor und Textverständnis, bitte… Natürlich wars ein wenig provokativ Poker als bigstack-Spiel zu verstehen… Amüsant die Kuhkuh-Hand gegen die Schweine, gell?!


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  • zawi
  • 06.10.09

Der beste Satz kommt aber zum Schluss:

“sollte jeder No-Limit-Spieler mit dem Verlust seines Stacks Frieden geschlossen haben”

Oder noch besser:

! sollte jeder No-Limit-Spieler bereits vor dem Spiel mit dem Verlust seines Stacks Frieden geschlossen haben !


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  • Sky
  • 06.10.09

Wenn ich “Stack” oder “buy-in” schon höre, wie doof muss man eigentlich sein um diesem Geringteil seiner Bankroll überhaupt nachtrauern zu können?

Schlimm ist natürlich der rake oder juice, der stopfst Dir rein, richtig rein, so wie Dus brauchst, LOL.

Privatrunden müssen nicht verkehrt sein.


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  • Sky
  • 06.10.09

Kennt noch jemand Lichtgeld? LOL