Die Vorteile eines kleinen Stacks
Es ist ein großer Mythos, dass große Stacks bei No-Limit kleine schikanieren können, um Vorteil zu erzielen. Dies ist nicht nur falsch, sondern das Gegenteil wahr: Kleine Stacks können gegen große Stacks einen Vorteil erzielen. Bevor ich Ihnen dies erkläre, lösen wir den Mythos auf.
Recht häufig hört man, wie Spieler davon reden, mit großen Stacks die kleinen zu schikanieren, indem sie vor dem Flop loose spielen und häufig raisen. Unglücklicherweise verschafft diese Taktik dem großen Stack in einem Cashgame keinerlei Vorteil, da die zusätzlichen Chips gar nicht im Spiel sind. Haben Sie zum Beispiel 100 $ und ich 1.000 $, sind wir bei 100 $ All-In und meine restlichen 900 $ spielen in der gesamten Hand keine Rolle. Ich könnte sie in meine Tasche stecken und es würde sich nichts verändern.
Aber wenn Sie 100 $ und alle anderen am Tisch 1.000 $ haben, besitzen Sie einen Vorteil. Genau genommen sogar zwei große:
Sie vermeiden das Spiel mit unterschiedlichen Stacks
Das Spiel mit unterschiedlichen Stacks ist einer der kompliziertesten Aspekte bei No-Limit. Die Strategie kann sich aufgrund der Stackgrößen dramatisch verändern. Bei Blinds von 1 $/2 $ würden Sie bei einer bestimmten Hand mit einem 20 $-Stack All-In gehen, mit einem 200 $-Stack callen und mit einem 1.000 $-Stack vielleicht raisen. Wenn Ihre Gegner unterschiedliche Stackgrößen in einer Hand haben (sprich Sie spielen gegen unterschiedliche Stacks), kann Ihre optimale Spielweise je nach Stackgröße variieren.
Nehmen wir etwa an, Sie haben in einer Partie mit Blinds von 1 $/2 $ einen Stack mit 500 $. Ein tighter Spieler in UTG geht mit 20 $ All-In. Ein schwacher Spieler mit 400 $ callt. Sie haben auf dem Button 
. Was sollten Sie tun? Ich würde callen, da ich eventuell ein Set floppe und gegen den schwachen Spieler einen hübschen Pot gewinnen kann. Hätte der schwache Spieler aber gefoldet, würde ich auch folden, da ich wahrscheinlich entweder einen Coinflip (gegen Overcards) bekomme oder klarer Außenseiter (gegen ein höheres Paar) bin und damit gegen den All-In-Spieler klar im Nachteil bin.
Leider bin ich gegen den All-In-Spieler auch dann klar im Nachteil, wenn sich der schwache Spieler im Pot befindet. Der Call des schwachen Spielers ändert nichts daran, dass ich den tighten Spieler schlagen muss, um den Haupt-Pot mit 63 $ zu gewinnen. Ich calle trotz des All-In-Spielers, da es sich aufgrund der Chance, dem schwachen Spieler einen großen Pot abzunehmen, lohnen könnte. Aufgrund der unterschiedlichen Stacks gibt es keinen perfekten Spielzug. Möchte ich vom großen Stack Geld gewinnen, muss ich dem kleinen Stack Equity überlassen.
Versetzen Sie sich nun in die Lage des tighten All-In-Spielers. Nehmen wir an, Sie haben 
. Als großer Favorit wurden Sie nicht nur von einem, sondern von zwei Spielern gecallt. Sie haben eine Riesenchance zu verdreifachen und wurden vom zweiten Spieler nur gecallt, weil dessen Stack viel größer als Ihrer was. Hätte er auch nur 20 $ gehabt, hätte er gefoldet. Er callte nur, weil er und der schwache Spieler deutlich größere Stacks hatten.
Das Spiel mit unterschiedlichen Stacks erschwert Ihre Entscheidungen und zwingt Sie zu Kompromissen. Das Spiel mit kleinem Stack verschafft Ihnen eine einheitliche Stackgröße (Ihre) und einen Vorteil gegen Kontrahenten mit unterschiedlichen Stacks.
Fold Equity ohne Risiko
Fold Equity ist der Gewinn, den Sie von Gegnern erzielen, die folden. Die typische Methode, Fold Equity zu erzeugen, besteht in einer Bet oder einem Raise. Manchmal folden Ihre Gegner und Ihre Chancen, den Pot zu gewinnen, steigen. Diese Fold Equity birgt jedoch ein Risiko, da Sie den Betrag, den Sie gesetzt haben, verlieren können. Als Spieler mit kleinem Stack können Sie aber manchmal Fold Equity ohne jegliches Risiko erzeugen.
Nehmen wir an, Sie spielen in einer Partie mit Blinds von 1 $/2 $ und haben einen Stack mit 20 $ und 
. Zwei Spieler mit Stacks von 500 $ limpen und Sie gehen All-In. Beide callen. Auf dem Flop kommen 

. (Scheint mit einer solchen Hand nicht immer ein Ass zu kommen?) Beide Gegner checken. Auf dem Turn kommt die
. Ein Spieler setzt 20 $ und der andere foldet. Auf dem River kommt der
, Ihr Gegner zeigt 
und Ihre Buben haben gehalten.
Dann beginnt der andere Spieler zu jammern, „Warum hast du gesetzt? Ich hatte einen König! Ich hätte den Pot gewonnen.“ Da einer Ihrer Gegner für Sie auf dem Turn gesetzt hat und der andere foldete, gewannen Sie einen Pot, den Sie sonst verloren hätten. Diese Bet besaß Fold Equity – nicht nur für den Bettor, sondern auch für Sie. Aber im Gegensatz zum Bettor, mussten Sie für diese nichts riskieren, sondern sie kam automatisch.
Hätten alle Spieler zu Beginn 20 $ gehabt, hätten Sie den Pot verloren. Da Ihre Gegner aber noch zusätzliches Geld besaßen, verwandelte sich der Verlust in einen Gewinn. Das ist der zweite Vorteil eines kleinen Stacks – Sie können Fold Equity ohne Risiko hinzugewinnen.
“Aber”, sagen Sie nun vielleicht, “einen kleinen Stack zu haben, bedeutet auch, dass ich niemanden aus der Hand drängen kann. Vielleicht bekomme ich bisweilen kostenlos Fold Equity, aber ich kann diese auch nicht erzeugen, weil ich nicht genügend Geld zum Setzen habe.“ Das stimmt. Aber dies macht Ihren Vorteil des kleinen Stacks in keiner Weise zunichte. Es ist lediglich ein Resultat dessen, was ich zu Beginn sagte, dass unterschiedliche Stackgrößen unterschiedliche Strategien erfordern. Mit 20 $ haben Sie in einer Partie mit Blinds von 1 $/2 $ ein völlig anderes Spektrum von Möglichkeiten als mit 200 $. Ich behaupte lediglich, dass Sie mit einem Stack von 20 $ besser dran sind, wenn Ihre Gegner Stacks mit 200 $ als mit 20 $ haben. Und genauso sind Sie mit einem Stack von 200 $ in der Regel besser dran, wenn Ihre Gegner Stacks mit 2.000 $ als mit 200 $ haben.
Die Verfechter des Mythos werden Ihnen erzählen, es brächte Sie in Nachteil, mit einem kleineren Stack als alle Gegner zu spielen. Sie irren nicht nur, sondern das Gegenteil ist wahr. Unabhängig von Ihrer eigenen Stackgrößen profitieren Sie davon, wenn Ihre Gegner viel größere Stacks haben.
Kommentare

















Absolut Kokolores, genau so kann es auch ein großer Nachteil sein als Short Stack zu aggieren, wenn dem so wäre wie der nette Herr Miller hier beschreibt, dann macht es für mich ja Sinn in Zukunft immer absichtlich früh Chips zu verlieren um dann als Short Stack viel mehr Vorteile zu haben…
Wieder guter Artikel.
Berufsspieler hassen nichts mehr wie Shortstacks am Tisch.
Ed sollte noch einen Artikel für einen Crashkurs schreiben, dass es einen Unterschied macht ob ich mich als Shortstack einkaufe, oder als Shortstack ende.
@crashkurs: Eds Artikel dreht sich um Cashgame…
Der Inhalt des Artikels ist doch ein alter Hut!
Gut zu lesen war er trotzdem :). Nicht aber, dass jetzt der Eindruck entsteht SSS wäre profitabel. SSSler sind das allerletzte! Und die meisten von denen machen auch keinen Gewinn sondern erhöhen nur die produzierte Rake an einem Tisch :D.
Oje, Jack M. ist etwas abgetiltet:
“SSSler sind das allerletzte!”
Lieber Jack M., es gibt ja auch noch Spieler die nicht durch Poker Geld verdienen müssen, die aber auch keine Lust haben ihr Geld zu verzocken. Es macht nämlich einen großen Unterschied ob man jeden Tag spielen will (kleine Varianz), oder nur einmal pro Woche (große Varianz).
Außerdem macht es doch soviel Spass einem Pro in den H…..n zu tr…n !
Grüße, zawi
Jo. Mich stören ja auch nur die stratologischen Semi Pro SSSler die an 12 Tischen hocken, mit 11% ihrer Hände all-in gehen, aufstehen nachdem sie mit K7s gegen meine 88 gewonnen haben und sich 10 Minuten später wieder mit ihrem Babystack an Tisch setzen.
Sorry aber ich wollte nicht das der Eindruck ensteht das ich die Berichte von Ed sonst nicht lesen mag oder geschweige Herrn Miller als Kokolores Typ hinstellen möchte!
Wenn der Eindruck entstanden ist, möchte ich vielmals um entschuldigung bitten!
JA Cash Game (hatte ich beim ersten Lesen registriert…) aber trotzdem empfinde ich ist Theorie und Praxis zwei verschiedene Dinge, und ich persönlich hatte beide Varianten ausgiebieg getestet. Tatsache ist das der Bericht nicht falsch ist, jedoch sind meine Erfahrungen als Deep Stack spieler an Cash Game Tischen viel besser gewesen…. bei der Short Stack Variante hab ich auf Dauer gesehen die Geduld verloren diese offensichtliche Struktur durchzuziehen!
bei sss hat man ganz einfach einfachere Entscheidungen zu treffen und kann nicht so große Fehler machen, letztendlich ist es doch fast nur push and fold. nicht zu vergessen wie ärgerlich wenn man die nuts hat und nicht vernünftig setzen kann….....
ohne zu wissen wer Ed miller jetzt is stelle ich hier nur eine These auf, Ed Miller hat noch nicht wirklich viel Geld beim Pokern gewonnen. Das soll ejtzt keine Beleidigung sein oder so aber dieser Artikel baut auf dem Wissen eines “Pokeranfängerbuchs” auf. Wenn du Standard Game (TAG) nach Lehrbuch spielst ist das evtl. ne Möglichkeit kar. Das wirklich große Geld wartet aber bekanntlich nicht hinter den “Premium-Showdown” Hands sondern woanders… hier fängst du mit nem Small Stack überhaupt nix an da es nicht die Karten sondern deine Chips bzw. die Fehler/Verhaltensanalyse beim Gegner ist die dir die Kohle beschehrt, du arbeitest mit deinem Stack und da is n shortstack immer n gefundenenes Fressen…
@fanta4
nur mal so ein Tipp: google den Typen doch mal bevor du so einen kompletten Schwachsinn erzählst. Dann wirds auch nicht so peinlich für dich.
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Solides Material, Ed Miller lese ich mit am liebsten.
Den Losern sei natürlich angeraten aus diesem Artikel den Schluss zu ziehen erst einmal Chips zu verlieren, um dann Shortie richtig zuzuschlagen. So wurde das wohl tw. verstanden.