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Informationsgewinn beim Internet-Poker

Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal Online-Poker spielte, litt ich unter der fälschlichen Sorge, dass es sich dabei nur um eine Entsprechung von Live-Poker ohne Tells handelte. Dies ist von der Wahrheit weit entfernt, wenn man einmal begonnen hat, die Nuancen und Feinheiten des Internet-Spiels zu begreifen.

Für mich persönlich ist einer der größten Unterschiede zwischen den beiden Varianten, wie man an Informationen kommt. Bevor ich fortfahre, möchte ich eine Hand wiedergeben, die ich letzte Woche auf Cake Poker gespielt habe. Ein Spieler in erster Position limpte und es wurde zum Small Blind gefoldet, der aufstockte.

Der Big Blind raiste und die beiden Limper callten. Auf dem Flop kamen XkX7X4 in drei verschiedenen Farben, der Small Blind checkte und der Big Blind setzte etwa drei Viertel der Potgröße. Der erste Limper callte und der Small Blind foldete, wodurch die Hand ins Heads-Up ging.

Auf dem Turn kam eine Zwei und der Big Blind setzte zwei Drittel, worauf der Limper All-In ging und der Big Blind sofort callte. Die Karten wurden umgedreht, der Limper hielt mit XaXk Top Pair mit Top Kicker, aber der Big Blind hatte XkXk und somit Top Set. Auf dem River kam zwar ein Ass, aber der Limper war zuvor schon Drawing Dead.

Die Art und Weise, wie der Limper diese Hand gespielt hat, enthüllt einen sehr wichtigen Mangel in dessen Verständnis vom Internet-Poker und den fundamentalen Unterschieden zwischen den beiden Varianten. In diesem Fall brachte er sich in eine Situation, in der er absolut keine Vorstellung von der Qualität der gegnerischen Hand hatte und als er es herausgefunden hatte, war es zu spät.

In diesem Szenario konnte sich der Limper nicht sicher sein, ob der Big Blind nur mit einer schlechteren Hand geraist hatte, weil er aufgrund der Passivität vor ihm Schwäche gespürt hatte. Sein Verlangen, den Pot zu kontrollieren und ohne Position vorsichtig zu spielen, führte dazu, dass er All-In ging. Er brachte sich selbst in eine Situation, in der er über die gegnerische Hand spekulieren musste und in diesem Fall irrte er.

Spekulieren ist kein Erfolgsrezept beim Internet-Poker, daher man möchte dies lieber den Gegnern überlassen. In den Augen des Limpers war sein Gegner im Big Blind vermutlich auf dem Flop nicht favorisiert, aber dies ist eine weitere Spekulation.

Eine alternative Methode, die Hand zu spielen, hätte darin bestanden, aus erster Position einfach zu raisen. Nachdem alle bis zum Big Blind gefoldet und dieser gereraist hätte, wäre dem Spieler klar gewesen, dass eine weitere starke Hand im Umlauf war und er vorsichtig fortfahren musste.

Der Big Blind hätte bestimmt gereraist anstatt seine Könige slow zu spielen, was dem Limper sehr geholfen hätte.

Banner: The Raiser's Edge

Ein grober Fehler

Einer der größten Fehler der meisten No-Limit-Spieler auf niedrigen Limits entsteht in Situationen, in der diese eine starke Hand bekommen, die schwächer als eine andere starke Hand ist, etwa mit Damen gegen Könige oder mit XaXk gegen Asse, und dann in einem All-In landen.

In vielen Fällen achten diese Spieler nicht auf die Setzfolge oder verpassen es, durch Raise oder Reraise an Informationen zu gelangen, solange der Pot noch klein ist. Jede Pokerhand besitzt nur relative Stärke und es bringt nichts, sich über ein Paar Könige zu freuen, wann am anderen Ende des Tisches jemand mit Assen sitzt.

Es gibt nur eine Hand, die vor dem Flop nicht zurückliegen kann und das ist ein Paar Asse. Könige und Damen liegen zwar meistens vorne, aber Sie müssen darauf achten, was die Setzfolge Ihnen mitteilt. Dies gilt vor allem nach dem Flop, wenn die Wahrscheinlichkeit ansteigt, dass Ihre Hand überholt wurde.

Internetspieler können im Gegensatz zu Live-Spielern nicht auf den Luxus physischer Tells zurückgreifen. Gute Live-Spieler sind sehr oft in der Lage, für wenig Geld an Informationen zu gelangen, während dieses Glück Internet-Spielern nicht beschieden ist. Online müssen Sie für Informationen bezahlen.

Die bedeutet, dass Sie mit Bets oder Raises während der frühen Setzrunden herausfinden müssen, womit Sie konfrontiert sind. Dies müssen Sie im Live-Spiel nicht unbedingt tun. Eine weitere Methode des Informationsgewinns ist die Benutzung eines Hilfsprogramms wie Poker Office, das ich seit dem letzten Jahr verwende und dies nie bereut habe.

Die primäre Funktion eines Programms wie Poker Office ist, Ihnen Informationen über die Spielweise Ihrer Gegner zu verschaffen, damit Sie bessere Entscheidungen treffen können. Die Bets und Raises Ihrer Gegner sind Informationen, aber noch mehr interessieren Sie sich für die Häufigkeit gegnerischer Aktionen und die Setzmuster. Vor allem beim Multitabling leistet ein solches Programm ausgezeichnete Dienste, da Sie selbst die vielen Informationen gar nicht verarbeiten können.

Schauen wir uns eine weitere Beispielhand an, die zeigt, wie Sie durch Bezahlen für Informationen beim Internet-Poker Geld sparen können. Auch diese Hand wurde bei Cake Poker gespielt und fand an einem No-Limit Hold’em-Tisch mit Blinds von 1 $/2 $ statt. Zwei Spieler limpten und der Button raiste mit XaXk auf 12 $. Der erste Limper callte und der zweite foldete.

Beide Spieler hatten zu Beginn der Hand Stacks mit ungefähr 200 $. Auf dem Flop kamen CaS7D4, worauf der Limper 20 $ in den Pot mit 29 $ setzte. Der Spieler mit XaXk callte. Auf dem Turn kam die C2 und der Limper setzte dieses Mal 50 $, worauf der Button erneut callte. Im Pot befanden sich nun 169 $ und beide Spieler hatten noch etwa 120 $ vor sich. Auf dem River kam ein König, wodurch der Button Two Pair bekam. Der Limper ging All-In, der Button callte mit seinem Top Two Pair und musste sich ein Set Vieren seines Gegners anschauen.

Der Button verlor letztlich seinen gesamten Stack, weil er dazu gezwungen wurde, darüber zu spekulieren, ob seine Hand noch die beste war. Analysieren wir seine Spielweise, um herauszufinden, wo sein Fehler lag.

Sein Raise vor dem Flop war natürlich Standard, aber als sein Gegner auf dem Flop die Initiative übernahm, hätte ihm ein Raise auf 80 $ genau verraten, wo er mit seiner Hand stand. Nach einem All-In seines Gegners hätte er seine XaXk folden können, da es ein klarer Fehler ist, nur mit einem Paar in einer solchen Situation bei No-Limit mit großen Stacks All-In zu gehen.

Selbst wenn sein Gegner nur gecallt hätte, wäre dies ein klares Indiz gewesen, dass eine Hand wie Top Pair mit Top Kicker aller Voraussicht nach nicht die beste Hand ist. Durch einen Raise auf dem Flop hätte sich der Button von seiner Hand trennen und mehr als die Hälfte seines Stacks retten können. Stattdessen bescherte ihm seine gesamte Spielweise einen Blindflug und er musste bis zum Ende spekulieren, womit sein Gegner setzte.

Es ist beim Poker immer eine gute Idee, sich seine Entscheidungen möglichst zu vereinfachen. Dies bedeutet, voraus zu planen und so zu spielen, dass eher der Gegner spekulieren muss als man selbst. Der Spieler mit XaXk tat genau das Gegenteil und verlor im Endeffekt die Kontrolle über den Pot. Dieses Beispiel zeigt, dass auch ein Raise eine Möglichkeit darstellt, unter bestimmten Umständen Pot-Kontrolle auszuüben.

Carl “The Dean” Sampson ist Repräsentant von Cake Poker und schreibt regelmäßig auf pokersharkpool.


Kommentare


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  • Jack M.
  • 29.05.09

Also ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der zweiten Hand eine gute Idee ist, auf dem Flop einfach mal 40% seine Stacks zu Raisen um dann mit TPTK und Pot Odds von fast 1:3 noch folden zu wollen.


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  • andi e.
  • 29.05.09

wow, der kennt sich aus….. Laugh


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  • noworkteam
  • 29.05.09

du siehst ja was passieren kann(wird), wenn du deine hand nicht definierst: du wirst langsam in den pot reingesogen. praktisch bist du mit TPTK drawing dead, und dann helfen dir potodds von 1:3 auch nichts mehr.


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  • Jack M.
  • 29.05.09

Klar seh ich was passieren kann. Nach dem Showdown. Und manchmal ist das eben so, dass mein Gegner eine gute Hand hat und ich ihn ausbezahle. In dem gegebenen Beispiel bringt ein Raise auf dem Flop vielleicht sogar Informationen: wie z.B.: mein Gegner callt, also hat er ein Set; oder: mein Gegner callt, also ist er ein Idiot, der denkt AJ ist auf dem Flop Bombe; oder: mein Gegner foldet, also hab ich ihn grade von einer schlechteren Hand vertrieben.

Und woher weiß ich nun, was davon stimmt?


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  • Stephan
  • 29.05.09

Ein ganz wichtiges Hilfsmittel zum Informationsgewinn beim Internet-Poker fehlt noch: Tracker-Programme! Ohne ausreichende Statistiken über die Gegner kann das Setzverhalten nämlich alles mögliche bedeuten; erst wenn es für den Gegner atypisch ist, kann man halbwegs brauchbare Aussagen treffen.


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  • Online-Pro
  • 29.05.09

Gegen dich würd ich ja gern mal am gleichen Tisch sitzen…. du bist einer von diesen Gegner die man aus fast allen Pots reraist, weil du ja alles foldets (es könnte ja sein obwohl du schon fast die hälfte deines Stack gesetzt hast… lol). Wieviel verdienst denn du? Absolut schwacher Blog!!! Ich spiel Loose-Agressiv und such mir genau solche Gegner wie du!


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  • noworkteam
  • 30.05.09

jack, ich gebe dir recht, wenn du einen donk vor dir hast. aber in meinem level kenne ich sehr viele spieler, und wenn ein solider spieler meinen reraise called bzw. reraised schrillen bei mir die alarmglocken. dann ist TPTK meist hinten. vielleicht werde ich manchmal ausgeblufft, aber bei einem rainbowflop ohne viele straightdrawmöglichkeiten ist folden meist die beste alternative. natürlich sieht die ganze sache gegen maniacs und donks schon wieder ganz anders aus.