Der No-Limit Semibluff

Viele Spieler glauben, No-Limit Poker sei ein Spiel, in dem Psychologie wesentlich wichtiger ist als Mathematik. Das ist falsch. Hier ein Beispiel:

Die Blinds sind $100-$200 und Sie halten A8o im Big Blind. Ein Spieler in Early Position raist auf $800 und der Spieler zu seiner Linken callt. Sie haben noch $3.000, weniger als die beiden. Ein Call wäre offensichtlich falsch. Was aber ist mit einem All-in? Um herauszufinden, ob ein All-in richtig ist, müssen Sie sowohl Hände lesen können, als auch Mathematik beherrschen. Nehmen wir beispielsweise an, Sie schätzen die Ranges Ihrer Gegner auf 99+, AK und AQs. Außerdem gehen Sie davon aus, von QQ+, sowie AKs gecallt zu werden. Wäre es unter diesen Voraussetzungen korrekt, mit A8o all-in zu gehen?

Wie löst man dieses Problem? Zuerst einmal bestimmt man die Zahl der Karten-Kombinationen, die die beiden Gegner haben können. (Behalten Sie im Hinterkopf, dass Sie schon selbst ein Ass halten.) 33 Kombinationen sind Paare, 12 sind AK und 3 sind AQs. Das sind insgesamt 48 Kombinationen. Beide Spieler werden mit 18 dieser Kombinationen (dreimal AA, sechsmal KK, sechsmal QQ und dreimal AKs) callen. Jeder einzelne Spieler wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 18/48 callen und zu 30/48 folden. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Spieler folden werden, beträgt 5/8×5/8 oder ungefähr 40%. In 60% der Fälle wird man gecallt. Es kommt sehr selten vor, dass beide Spieler callen werden, daher ignorieren wir diese Möglichkeit, um die Berechnung zu vereinfachen.

Kommt diese Situation 100 mal vor, dann werden Sie in 40 Fällen den Pot stehlen und $1.700 gewinnen. In den anderen 60 Fällen werden Sie zehnmal mit Assen, zwanzigmal mit Königen, zwanzigmal mit Damen und zehnmal mit AKs konfrontiert sein. Gegen Asse werden Sie durchschnittlich in einem Fall, gegen Könige und Damen in jeweils sechs Fällen und gegen AKs in zwei Fällen gewinnen. Werden Sie gecallt, dann werden Sie also in 15 der 60 Fälle gewinnen und in 45 der 60 Fälle verlieren.

Ingesamt gewinnen Sie in 40 Fällen $1.700 und in 15 Fällen $3.900 und verlieren in 45 Fällen $3.200. $68.000 plus $57.500 minus $144.000 macht Minus $18.500. Ein Verlust von $18.500.
Ist das All-in also schlecht?
Nein. Es ist zwar richtig, dass Sie mit einem All-in durchschnittlich $185 verlieren. Das ist aber besser als die Alternative. Die kostet Sie jedesmal $200.

Beachten Sie, dass ein All-in mit Buben gegen diese Gegner schlechter (und eindeutig falsch) wäre. Man wird den Pot genauso oft stehlen können, aber seltener gewinnen, wenn man gecallt wird. Außerdem ist die Alternative nicht der Verlust von $200. Mit einem Call wird man mit Sicherheit besser abschneiden, solange man postflop gut spielt. Stellen Sie selbst ein paar Berechnungen dazu an.

Wie üblich besteht der Sinn und Zweck dieses Artikels nicht darin, zu zeigen, wie eine bestimmte Hand gespielt werden sollte. Stattdessen soll aufgezeigt werden, über was man beim Pokern nachdenken sollte.

David Sklansky


Kommentare


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  • Berni69
  • 21.09.09

Schöner Artikel schöne Berechnung, aber ich habe da eine noch einfachere Lösung: wenn ein Spieler in early position 4 mal BB raist und wird gecallt ,DANN SCHMEISSE ICH A8 OFFsuit EINFACH WEG!!!! Spart Geld und Zeit!



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