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Ace Speaks: Ace in Asien - Teil 1

Das ist der erste Text einer zweiteiligen Serie über Rolf’s Performance beim Main Event der Betfair Asia Poker Tour in Singapur – ein Event mit $5.000 Buy-In, 313 Teilnehmern und $451.700 für den ersten Platz.

Gleich anschließend an meinen bisher größten Turniergewinn beim Master Classics Main Event, bei dem ich €87.000 für meinen fünften Platz erhalten hatte, zog es mich nach Singapur. Dort fand das erste offizielle Pokerturnier auf asiatischem Boden statt und ich hatte eigentlich geplant, für Card Player Europe, von dem ich der Bürochef bin, einen speziellen Bericht zu machen. Ebenso hatte ich es arrangieren können, dass meine Freundin im Dealer-Team aufgenommen wurde. Obwohl ich nun doch nicht für einen Bericht dorthin musste, entschied ich mich schließlich, dennoch hinzufahren – und wenn es nur deshalb war, um bei meiner Freundin zu sein und ein bisschen Urlaub zu machen.

Als ich aber herausfand, dass ich noch am $5.000 Main Event teilnehmen können, dachte ich: “Was zum Teufel.” Ich bin immer unterwegs für Stories, Berichte und Interviews – warum sollte ich nicht wirklich dieses Turnier spielen.” Vor allem, als ich feststellte, dass das Feld für ein Event dieser Größenordnung nicht wirklich stark war und natürlich auch weil ich in guter Form war, beschloss ich, die fünftausend zu investieren. Und obwohl ich der Meinung war, dass das gesamte Feld nicht das stärkste sei, waren doch Größen wie Gus Hansen, John Pham und Liz Lieu mit dabei.

Unglücklicher Platz

Ich hatte wirklich Pech bei der Platzauslosung. Während viele Tische nur mit schwächeren Spielern besetzt waren, saß ich zwei Plätze rechts von Harry Demetriou und auch der in Singapur geborene Willie Tann war mit am Tisch. Und dann waren da noch zwei oder drei Spieler, die ich nicht kannte, die doch seht stark und aggressiv spielten. Aber weil die Blinds nur 25-50 waren (bei einer Startdotation von 10.000) und natürlich auch, weil unser Tisch einer der ersten war, der zusammengebrochen war, wusste ich, dass es für mich keinen Grund gab, mich schon unnötig früh mit schlechten Karten in die Pots verwickeln zu lassen.

Also, was tat ich? Richtig, genau das – mitten rein ins Geschehen mit einem nicht ganz so guten Blatt. In der ersten zweiten Hand im Spiel hatten alle bis zu mir am Button gefoldet. Ich hielt SjC10 und entschied mich, auf 125 zu erhöhen. Das Small Blind callte und das Big Blind Harry Demetriou reraiste auf 450. Ich begann zu überlegen. Spielte Harry mit mir? Offensichtlich hatte er von meinem übertrieben aggressiven Spiel bei den Master Classics gehört. Also, was könnte er denken, vielleicht: “Es ist Zeit, Rolf gleich zu Beginn eine Botschaft zu schicken, damit er weiß, dass er mich nicht fertig machen kann.” Während ich ernsthaft über ein Reraise nachdachte, nur um zu zeigen, dass man das mit mir nicht machen konnte, entschied ich mich dann doch für einen Call und wollte eher meine gute Position ausnutzen, als einen verrückten Move in der erst zweiten Hand des Turniers machen. Auch das Small Blind bezahlte und natürlich war ich mit der Situation nicht zufrieden. Ich geriet in Gefahr, zwischen die Fronten zu geraten. Das Small Blind würde in jedem Fall Check-Raise spielen bei einem entsprechenden Flop. Und damit würde ich zwischen die beiden geraten.

Am Flop kam 7-7-2 mit zwei Karo und Harry spielte 475 an. Ich dachte wieder darüber nach, ihn mit einem Raise aus der Hand zu drängen. Aber am Button und mit dem Board wäre mein Bluff zu leicht zu durchschauen gewesen. Also entschied ich nach einiger Überlegung zu folden. Als auch das Small Blind foldete, zeigte uns Harry seine Hand: die Asse. Glück gehabt! Jetzt wusste ich, dass ich gerade noch einem schweren Geschütz ausgewichen war. Ich war so knapp davor gewesen, in der erst zweiten Hand des Turniers, mein komplettes Stack in die Mitte z schieben – und das gegen die Nuts. Glücklicherweise hatte ich mich aber doch entschlossen, wie ein Feigling auszusteigen.

Sieg gegen Willie Tann bei einem kleinen Pot

Als nächstes wurde ich in einen Pot gegen den starken Willie Tann verwickelt. Die Blinds noch immer aus 25-50, eröffnete er mit 150 in Early Position. Ich saß zwei Plätze nach ihm und hatte noch immer 9.400 in meinem Stack und so beschloss ich, mit meinen Pocket Kings nur zu callen. Zwei andere Spieler bezahlten auch, womit wir zu viert am Flop waren. Als am Flop Q-4-2 mit zwei Karo (die ich nicht hatte) kam, entschied ich mich wieder, Willies Bet von 475 nur zu callen. Ich war froh, dass die anderen beiden Spieler ausstiegen, denn so konnte ich Heads-Up spielen. Ich konnte so meine Position nutzen und musste mir keine Sorgen über einen dritten Spieler machen, der vielleicht am Flop einen Treffer gehabt hat. Als am Turn ein Bube kam und Willie checkte, entschied ich mich, ebenfalls zu checken. Das hatte zwei Gründe. Zunächst wollte ich mich nicht in die Gefahr eines Check-Raise begeben, ohne zu wissen, wie genau meine Chancen standen (das lag an der Art und Weise, wie ich meine Könige gespielt hatte). Und zweitens erleichterte das Checken mein Spiel am River. Als eine weitere 2 am River kam und Willie wieder checkte, musste ich meine Hand nun verkaufen. Ich entschloss mich zu einem Value Bet mit 1025. Für mich war klar, dass jeder an einen Bluff meinerseits glauben musste. Nach einiger Überlegung callte Willie, wahrscheinlich mit As-hoch, vielleicht sogar A-K. Ich klopfte mir selbst auf die Schulter, dass ich die Hand recht gut gespielt hatte. Es war eine gute Balance zwischen minimalem Risiko und doch der Möglichkeit, ein paar Chips zu machen.

Ein paar dumme Hände an meinem neuen Tisch

Als mein Tisch zusammenbrach, kam ich wieder an einen sehr starken. Tatsächlich sah es so aus, als säße gar kein schwacher Spieler am Tisch. (Für meine Gegner mag es vielleicht so ausgesehen haben, als wäre ich der schwache Spieler. Vor allem nachdem ich einige Hände sehr schlecht gespielt hatte an diesem Tisch, war diese Einschätzung nicht grundlos…) Es war ein starker und “tight-aggressive “Tisch. Ich entschied mich zu einem ultra-soliden, vielleicht sogar weak-thighten Image, in der Hoffnung, diesen Vorteil später nutzen zu können. Aber ich wusste, dass meine Stärke an einem Tisch mit guten Spielern nicht leicht zu verschleiern war, vor allem nicht, wenn es dann ums Geld gehen würde. Also entschied ich mich, es einfach laufen zu lassen. Die Blinds waren noch immer nieder, die Tische mit zehn Spielern besetzt und eine großteils tighte Strategie, indem ich die unbedeutenden Hände alle entsorgte, wurde nicht wirklich bestraft.

Nach rund 30 Minuten Folden fand ich schließlich AA under the Gun. Nachdem ich so tight gespielt hatte, beschloss ich, nur zu limpen, in der Hoffnung, dass mich einer der aggressiven Spieler aus dem Pot haben wollte und ich ihn dann reraise könnte. Aber genau in dem Moment, als ich nur zahlte, begannen gleich zwei Spieler zu scherzen: “Asse?” – Und natürlich kam es so wie es kommen musste, das wurde der erste Multiway Pot an diesem Tisch. Der Flop kam mit K-4-3 rainbow, was gut für mich war. Ich entschied mich, entsprechend meinem Image, nur zu checken und das Setzten einem anderen Spieler zu überlassen. Damit war auch ein Check-Raise möglich. Aber natürlich checkten alle. Als eine 6 am Turn kam und das Big Blind die Hälfte des Pots anspielte, entschied ich mich zu folden. Das war besser, als noch mehr Fehler zu begehen. Mein erster war, am Flop nicht zu raisen und weiters dann noch, einmal nicht anzuspielen.

Ich spielte noch eine Hand in dieser schlechten, weak-tight Manier. Wieder callte ich nur mit einem hohen Paar in der Hand, wieder brachte ich kein Check-Raise am Flop und Turn an. Ich konnte gerade noch ein paar Chips aus einem Bluff-Bet von Harry Demetriou abstauben. Aber abgesehen davon, dass ich den einen Pot mit meinen Damen gewonnen hatte, war es für den ganzen Tisch offensichtlich, dass ich in dieser Hand genau nichts richtig gemacht hatte. Ich hatte sie nicht geschützt und meinen Gegner auch noch eine Gratis-Karte beschafft.

Das war die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht war, dass ich noch immer 10.900 in Chips hatte und die Chance, dass ich später mein weak-thightes Image zu meinen Gunsten nutzen könnte. Ob ich dann tatsächlich hier auch erfolgreich war, könnt Ihr in meiner nächsten Kolumne lesen…..

Rolf Slotboom


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