Ace Speaks: Das Master Classics Main Event (Teil 3)
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- Rolf Slotboom, Sonntag. 05. August 2007
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Das ist der letzte Teil der dreiteiligen Serie über Rolf’s Performance beim € 5,000 Main Event der Master Classics of Poker im November 2006. Rolf ist der inoffizielle holländische Champion 2005.
So, nach drei Tagen harter Arbeit hatte ich es als Chipleader an den TV-Finaltisch des Main Events bei den Master Classics geschafft. Der erster Platz war hier € 690,000 wert. Ich hatte bei meinen bisherigen Turnieren noch nie einen Deal gemacht und so wusste ich, dass es hier um einen Betrag spielte, der mein Leben verändern könnte. Aber noch immer waren meine Gedanken nicht wirklich auf das Geld fixiert. Ich spielte viel mehr um den Ruhm, den der Sieg bei einem so großen Turnier mit sich brachte. Das Geld – obwohl das bei diesen Plätze schon beachtliche Summen waren – war noch immer Nebensache.
Ace bremste sich wieder ein wenig ein
Wie ich es schon einige Male zuvor in diesem Turnier getan hatte, entschied ich mich, den Fuß wieder ein wenig vom Gaspedal zu nehmen. Wir waren zu neunt am Finaltisch mit einigen Short Stacks. Dadurch lief man immer Gefahr, gecallt zu werden und in eine gefährliche Hand zu laufen. Diese Gefahr wurde noch durch den Umstand erhöht, dass mich meine Gegner gestern dabei gesehen hatten, dass ich mit 
fast 40 % meines Stacks riskiert hatte und noch weitere 40 % mit meinem 5 hoch für den Call des All-in Reraise investierte. Alles in allem wusste ich, dass meine hohen Preflop Raises keinen wirklichen Respekt bewirkten und deshalb entschied ich mich, ein wenig vorsichtiger vorzugehen.
Oder sagen wir besser, das was eben vorsichtig für mich bedeutet. In den ersten zwei Spielstunden setzte ich zwei massive Reraises in Situationen, in den denen ich sicher war, dass mich meine Gegner nicht zahlen würden – und tatsächlich taten sie es nicht. Ohne Showdown und – zumindest in den Augen meiner Gegner – auf sehr tighte Art und Weise, baute ich mein Stack auf über 1 Million aus, das waren rund 30 % aller Chips.
Gefahr von Links
Das war die gute Nachricht. Die schlechte war, dass, als wir nur mehr zu fünft waren, ich zwei gefährliche Gegner unmittelbar links von mir hatte. Gleich neben mir saß der starke und sehr erfahrene Jan Sjavik, der bereits viele Finaltische erreicht hatte, und zu seiner linken saß der aktuelle Chipleader des Events, Alex Jalali. Der Deutsche hatte sein Stack auf fast 1,2 Millionen, also rund 100K mehr als ich hatte, ausgebaut. Das war zu dem Zeitpunkt, als die grausamste Hand dieses Events für mich kam.
Die Blinds waren 7K-14K, Ante 1K. Alle hatten bis zu mir im cutoff gefoldet und ich hielt 
. Die meisten Spieler würden in dieser Situation ein Standard-Raise auf das drei- bis vierfache Big Blind raisen. Aber ich wollte meiner Overbet-Strategie der letzten Tage treu bleiben und erhöhte auf 120K. Das brachte mir zwei Vorteile. Ich verhinderte dass Jan Sjavik ein “billiges” Spiel am Button bekam (er hatte nur 360K, ein Call hätte ihm ein Drittel seines Stack gekostet und er hätte sich sehr schwer getan, mich am Flop auszuspielen). Und zweitens – die Spieler links von mir waren auch gestern an meinem Tisch und hatten meine verrückten Moves miterlebt. Deshalb hoffte ich, dass einer vielleicht AQ oder AJ halten und so gegen mich antreten würde.
Nachdem Jan gefoldet hatte, erhöhte Alex sofort auf 400K. Er tat es in einer Weise, die schon durchblicken ließ, dass er eine gute Hand hielt, zumindest ein Ass. Es war die Art, wie er setzte, das Tempo, mit dem er seine Chips setzte. Sein ganzes Verhalten war Indiz für jemanden, der mehr Stärke demonstrieren wollte, als er eigentlich hatte. Ich begann zu überlegen. “Rolf, es hat vielleicht funktioniert. Eventuell hast du deinen Gegner wirklich genau da, wo du ihn haben wolltest.”
Hier sei noch einmal bemerkt, dass Alex der einzige Spieler war, der mich coverte. Wir waren die beiden überlegenen Chipleader, die anderen drei Spieler hatten doch einen beachtlichen Nachteil. Der gesunde Menschenverstand besagt, dass wir beide nicht so früh in diesem Event aneinander geraten sollten. Aber natürlich kam mir das nicht in den Sinn. Ich wollte dieses Ding hier gewinnen. Die Geldleiter empor zu steigen und unnötige Risiken vermeiden, hatte bei mir keine Priorität.
Hinzu kam noch, dass ich dachte, ich hätte die beste Hand! Also ging ich ohne zu zögern einfach mit 1,023 Millionen all-in, und wollte meinem Gegner so ein wenig Kopfschmerzen bereiten. Als Alex für einige Zeit zu überlegen begann, wurde mein Gefühl, dass er AQ hielt, noch stärker. In diesem Falle hatte ich ihn wirklich genau in der Situation, in der ich ihn haben wollte, und noch eine 3:1 Chance, eine mehr als 2 Millionen schweren Pot zu gewinnen. Sicherlich wäre ich noch glücklicher gewesen, wenn er gefoldet hätte, und ich risikofrei seinen 400K bekommen hätte. Und, es war ja auch nicht sicher, dass er wirklich AQ hielt. Er hätte genauso gut AK wie ich haben können oder ein Medium Pocket Pair. Damit hätte er sogar einen leichten Vorteil gegenüber meinem Big Slick gehabt.
Schließlich callte Alex und drehte 
um. Obwohl jetzt alles nach einem Split Pot aussah, war ich doch minimal im Vorteil, weil ich zwei (OK, nebensächliche) Chancen auf ein Flush hatte und er nur eine. Die erste Karte aus dem Deck war
. Keiner von uns hatte eine Herz und der Rest der Hand schien eigentlich schon als reine Formalität. Aber dem war nicht so! Zwei weitere Pik kamen am Flop, auch der
. Wir hatten beide den Drilling. Obwohl ich wie üblich nach einer roten Karte schrie, kam eine weitere Pik am Turn und dann noch eine am River. Mein Traum, dieses Event zu gewinnen, war zerstört, Ich war es, der als Pechvogel übrig blieb.
Bester Holländer, eine großartige Show, der höchste Turniergewinn – aber nicht der Sieg, den ich wollte
Nachdem ich am zweiten und dritten Tag so unglaublich viel Glück gehabt hatte, vor allem als ich es wirklich nötig gehabt hatte, hatte sich nun die Glücksfee eindeutig von mir abgewandt. Sicherlich, ich konnte niemandem außer mir selbst die Schuld dafür geben. Es hatte keinen Grund dafür gegeben, in den Krieg zu ziehen. Schon gar nicht gegen den einzigen Typ, der mich wirklich schlagen konnte. Ich hätte auch kein so großes Eröffnungsraise machen müssen. Ich wusste, dass ich sehr riskant spielte, denn ich wollte meine Chancen, dieses Turnier zu gewinnen, noch optimieren. Aber dadurch steigt nun mal auch das Risiko, aus dem Turnier auszuscheiden. Das ist ganz normal im Vergleich zu einer konservativen Strategie. Aber ich versuchte es aus einer anderen Seite zu sehen. Mit AK gegen AK bei fünf Spielern am Tisch und am Flop 

, wäre die Chips auf jeden Fall alle in die Mitte gewandert.
Alles in allem hatte ich einen Scheck über € 87,000 für den fünften Platz, meinen höchsten Turniergewinn bei einem großen Turnier und einen exzellenten Auftritt im nationalen TV. Somit hatte ich keinen Grund, mich zu beklagen. Vielleicht hatte ich auch mehr bekommen, als ich verdient hatte, wenn ich an meine zum Teil entscheidenden Outdraws in den letzten Tagen dachte. Sicherlich waren auch meine Spielstrategie, meine exzellenten Manöver und mein gutes Gespür für Tempowechsel ausschlaggebend dafür gewesen, mich in eine gute Gewinnposition zu bringen. Dass ich das Ganze nicht so zu Ende bringen konnte, wie ich es mir erhofft hatte, war natürlich eine Enttäuschung für mich. Aber ich denke, auch meine Gegner, die ich an den letzten Tagen aus dem Turnier befördert hatte, waren ebenso enttäuscht gewesen.
Eine kleine Abschlussbemerkung
Immerhin war es mein erstes Main Event bei einer großen Turnierserie. Sofort nach diesem Turnier flog ich nach Singapur. Das bedeutete, dass ich innerhalb von 24 Stunden nach Ende meines ersten Main Events bereits mitten in meinem zweiten war. Wie ich meine Chips in diesem verbraten habe – tja, das wird das Thema meiner nächsten beiden Kolumnen sein.
Rolf Slotboom
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