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Im Sperrfeuer

Seit Jahren werde ich mit der These konfrontiert, dass man wenn es schlecht läuft, noch in einer zusätzlichen Gefahr schwebt, weil die Gegner versuchen, einen aus den Pots zu schießen. Das hat natürlich auch sein Wahres, einfach weil es zur Psychologie des Pokerns dazugehört. Und eben weil man sich mit dieser Tatsache abfinden muss, sollte man eben entsprechend reagieren. Erstmals welche Karten man spielt und natürlich auch, wie man sie spielt.

Die meisten Spieler sind der Meinung, dass man am besten ein Spielabbruch ins Auge fasst, wenn man merkt, dass die Gegner anfangen, ihre Bluffs auf einen abzufeuern. Einfach aufstehen und gehen, statt aus der Situation noch das Beste zu machen. Also ich glaube das nicht, natürlich nur solange Sie in der Lage sind, weiterhin Ihr bestmöglichstes Spiel abzurufen. Sollten Sie allerdings merken, dass der schlechte Lauf anfängt, sich negativ auf Ihre Spielstärke auszuwirken oder Ihre Gabe, die Situationen richtig einzuschätzen, schwächt, dann stimme ich dem zu. Dann sollten Sie wirklich am Besten sofort aufhören weiterzuspielen. Wenn Sie hingegen die Unform halbwegs im Griff haben und trotzdem gut spielen, schaut die Sache ganz anders aus. Ich werde das anhand ein paar Beispielen etwas genauer erklären.

Wenn es einige Zeit lang schlecht läuft und die Spieler bemerken, dass Sie kaum einen Pot gewinnen, passiert manchmal folgendes. Manche Gegner glauben nun, nachdem die anderen Sie alle geschlagen haben, jetzt seien eben Sie an der Reihe. Darauf sollten Sie unbedingt entsprechend reagieren. Nehmen wir mal konkret an, Sie haben in früher Position geraist und der Gegner macht einen Call mit einer Hand wie

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Natürlich ist das ein schlechter Call und eigentlich sollte das Ihr Gegner bleiben lassen. Es wäre leicht möglich, dass Sie ein Paar halten – vielleicht Zehner oder noch besser – oder einen König mit einem besseren Kicker. Tatsächlich möchten Sie Gegner haben, die mit solchen Händen callen. Einfach, weil Sie da leicht in vorteilhafte Situation kommen können und ihn in weitere Folge erfolgreiche Action bekommen können.

Wichtig ist nur, dass Sie entsprechend darauf reagieren, wenn Sie bemerken, dass Sie öfters als sonst einen Call bekommen. Nicht nur am Flop, sondern während des ganzen Pots. Man sollte dann im Verhältnis zur sonstigen Spielweise sparsam sein mit Stehl-Versuchen: Vielleicht sollte man auch manche Hände in später Position lieber nicht spielen und die Idee mit einem Raise die Anzahl der Gegner zu reduzieren, geht dann auch selten gut. Selbstverständlich scheitern dann auch meist die Semi-Bluff Wetten am Flop und in weiterer Folge.

Auf der anderen Seite bekommen Sie ordentlich Action, wenn Sie mal eine starke Hand haben. Und Sie werden dann auch, im Gegensatz zu sonst, meist bis zum River ausbezahlt. Damit gleichen Sie den Nachteil, kaum mal einen Pot stehlen zu können, wieder aus. Ihre Value-Bets werden einfach deutlich mehr wert, zumindest solange Ihre Gegner weiterhin mehr Hände gegen Sie spielen, als sie eigentlich sollten. Damit verbessert sich Ihre positive Gewinnerwartung.

Der Schluss wäre also zulässig, dass wenn Gegner anfangen, mit schlechten Karten gegen Sie anzutreten, einfach weil es gerade bei Ihnen nicht gut läuft, sich das als Vorteil erweisen könnte. Wenn sie auf die Art und Weise glauben, Sie jetzt jagen zu können, umso besser für Sie!

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Ihre Gegner werden versuchen, Ihre schlechte Form noch auf andere Art und Weise auszunutzen. Das ergibt sich aus der Dynamik des Spiels und gehört einfach dazu. Vielleicht tragen Ihre Gegner in solchen Phasen die eigenen Bluffs besser vor und das kann sich dann als äußert teuer für Sie herausstellen.

Es gibt ja nichts Besseres als gegen einen Gegner zu spielen, der praktisch niemals blufft. Erstmals weil man sich darauf verlassen kann, dass sie wirklich was auf der Hand haben, wenn sie spielen, und somit kann man sie meist auch ganz gut lesen. Damit hat man als starker Spieler einen sehr großen Vorteil.

Wenn aber jetzt auch ein schwächerer Spieler anfängt, gegen Sie bluffen, einfach weil er gemerkt hat, dass es bei Ihnen nicht gut läuft, treffen die beiden oben beschriebenen vorteilhaften Aspekte leider nicht mehr zu. Es wird schwieriger, seine Hände zu lesen und er wird Ihnen so manchen Pot stehlen, den sonst wohl Sie gewonnen hätten. Besonders bei Pokervarianten wie Limit Hold’em oder Stud, in denen die Größe der Pots im Verhältnis zu einem Bet recht groß ist, kann Sie ein Bluff des Gegners mitunter recht teuer zu stehen kommen.

Es ändert also eine Menge, wenn ein schwacher Spieler sich jetzt auch entscheidet, gegen Sie den einen oder anderen Bluff zu wagen und somit mehr oder minder aus der Situation heraus eine erfolgreiche Pokerstrategie verfolgt. Ich will jetzt nicht weiter auf diese strategischen Überlegungen eingehen. Nur soviel, ein Gegner, der jetzt auch nur manchmal bei Limit Hold’em einen Bluff wagt, spielt nicht nur ein wenig besser, sondern im Verhältnis zu einem Gegner, der praktisch niemals blufft, deutlich stärker. (Lesen Sie dazu auch „The Theory of Poker“ von David Sklansky. um das Thema weiter zu vertiefen).

Durch Ihre unglückliche Performance wird also aus einem schwachen Gegner ein durchaus ernstzunehmender. Das bedeutet, solange er seine Bluffs gegen Sie auf seine etwas zufällige Art abfeuert, können Sie diese schwer durchschauen und lesen. Somit wird dieser Gegner vielleicht zu jemandem, dem Sie aktuell besser ausweichen möchten. Und dank der Spieltheorie wissen wir, dass auch wenn Sie sich sicher sind, dass er seine Strategie dementsprechend geändert hat, Sie nicht verhindern können, dass sich Ihre Bilanz gegen ihn verschlechtern wird. Egal, ob Sie ihn jetzt immer ausbezahlen, niemals ausbezahlen, oder auch aus der Situation entscheiden manchmal zu bezahlen und manchmal wegzuschmeißen.

Also wenn es schlecht läuft kann das eben auch sein, weil Gegner, die sonst eigentlich angenehm zu spielen wären, die Bluffs gegen Sie auspacken und das hat negative Auswirkungen auf Ihre Ergebnisse. Wenn sich gleich mehrere dazu aufraffen und gleichzeitig ihren Stil gegen Sie entsprechend adaptieren, reicht das schon, um kurzfristig vom gewinnenden Spieler zum Verlierer zu werden. Wenn Sie merken, dass das der Fall ist, macht es Sinn den Tisch zu wechseln oder überhaupt es für den Abend sein zu lassen.

Zusammenfassend kommen wir zu dem Schluss, dass ein schlechter Lauf in manchen Situationen durchaus auch Vorteile bringt, auf der anderen Seite sehr wohl positive Erwartungshaltungen beim Spielen beschädigen kann. Es kommt nur darauf an, wie Ihre Gegner auf Ihre kleine Pechsträhne reagieren (wobei die Grundvoraussetzung bleibt, dass Sie trotzdem Ihr bestmöglichstes Pokerspiel spielen.) – Nach meiner Erfahrung werden Sie die Bandbreite der Reaktion bei Ihren Gegnern erkennen. Um die Situation erfolgreich zu bestehen, müssen Sie ganz genau erfassen, was sich an Ihrem Tisch abspielt und dann eben die optimal kalkulierte Entscheidung zu treffen. Das kann eben sein, sich mit Ihrem Spiel entsprechend auf die Situation einzustellen, oder eben zu dem Schluss zu kommen, dass es mehr Sinn macht, sich eine andere Partie zu suchen.

Mason Malmuth


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