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Ace Speaks: Das Master Classics Main Event (Teil 1)

Das ist der erste Text einer dreiteiligen Serie über Rolf’s Performance beim € 5,000 Main Event der Master Classics of Poker im November 2006.

Eigentlich war ich immer ein strikter Cash Game Spieler, in letzter Zeit jedoch schien es, als hätte ich meinen Horizont mehr und mehr erweitert. Turniere spielte ich nur gelegentlich und zur Erholung, das Buy-In niemals höher als $530. Diesmal jedoch entschied ich mich, nicht weniger als € 5,000 für das No Limit Hold’em Main Event der Master Classics of Poker, welche in meiner Heimatstadt Amsterdam stattfanden, hinzublättern. Ich fand einfach, dass es für mich an der richtigen Zeit war, auch die Turniere auf dem höchsten Level zu spielen. Ein Anreiz für mich war sicherlich die Kombination, dass es fürs TV aufgezeichnet wurde, die vielen Teilnehmer und doch kein zu starkes Feld. Wer mich kennt weiß, dass ich nicht angetreten bin, um dabei gewesen zu sein. Mein Ziel war klar und eindeutig – ich würde versuchen, das Turnier zu gewinnen.

Tag Eins

Mit 347 Teilnehmern fehlten nur drei Spieler zum Maximum von 350. Es war in allen Belangen ein beeindruckendes Event. Das Turnier wurde über vier Tage gespielt, auf den Sieger warteten unglaubliche € 690,000.

Wer meine Kolumne verfolgt weiß, dass ich bei den wenigen Turnieren, die ich gespielt habe, doch recht erfolgreich war. Aber, all meine Ergebnisse erzielte ich bei Turnieren, bei denen das Geld nicht so richtig floss. Dies war nun das erste Turnier, dass ich spielte, das auch eine Struktur hatte, die viele als gut bezeichnen würden. Dies heißt also, dass in allen Phasen des Turniers genug Zeit blieb, um auch spielen zu können.

Bei meinen früheren Turnieren war ich hauptsächlich erfolgreich, weil ich über-aggressiv und mit einer kampflustigen Strategie zu Gange war. Mir war klar, dass ich bei den 90-Minuten-Levels, 10.000 in Chips und den Blinds, die mit gerade mal 25-50 anfingen, mit zuviel Aggression den schnellen Weg aus dem Turnier finden würde. Also spielte ich den ganzen ersten Tag extrem tight. Ich wusste, dass am zweiten Tag ein Redraw der Plätze stattfinden würde und entschied, am ersten Tag zu versuchen, mir ein solides, vielleicht sogar weak-thightes Image aufzubauen. Ich hatte die Hoffnung, dass mir dieses Image zu einem späteren Zeitpunkt im Turnier helfen würde – später, wenn der Druck der Blinds auch wesentlich höher sein würde.

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich nicht versucht hatte, mein Stack aufzubauen und schon gar nicht, dass ich risikoreichen Situationen aus dem Weg gegangen bin. So hatte ich beispielsweise nach ungefähr vier Stunden ein sehr riskantes Spiel, das auch leicht hätte schief gehen können. Nachdem ich einfach nur das Minimum Raise auf 200 von einem schwachen Spieler UTG bezahlt hatte, kam noch ein Zahler nach mir mit und Martin Wendt am Button machte schließlich 1.600 daraus. Beide Blinds und der erste Raiser foldeten. Mit meinen Pocket Queens war ich in einer verzwickten Lage. Ich wusste, dass zumindest Martin eine doch sehr gute Hand halten würde. Aber mir war auch klar, dass er doch gerne ein Reraise setzt, wenn er in Position ist. Somit musste es auch nicht sein, dass er Asse oder Könige in der Hand hielt. Also entschied ich mich, ihn aus der Hand zu betten. Er sollte glauben, dass ich mit den Assen ein wenig Slowplay betreibe. Ich raise auf 5,000, gerade mal soviel, wie jemand spielen würde, der die Asse in der Hand hält. Der Spieler nach mir foldete und Martin begann zu überlegen, zumindest drei, vier Minuten. Schlussendlich foldete er und zeigte mir die Damen – dieselbe Hand, die ich selber hielt. Es war sehr riskant, so zu spielen, aber ich konnte 2.425 in Chips kassieren, ohne den Flop gesehen zu haben. Und was noch wichtig war, mein Image als solider, eher weak-tight Spieler war noch immer intakt. Fast alle Spieler am Tisch hätten mir in diesem Moment die Asse geglaubt.

An diesem ersten Tag hatte ich auch ziemlich früh einen 12.000er Pot gewonnen. Mein A-K hielt bei einem K-5-4 Flop gegen einen loose-aggressive Spieler. Er pushte seinen Open Ended Straight Draw. Ich konnte auch einen Pot gewinnen, als ich ein All-in Raise vom Shortstack Gunnar Ostebrod callte. Mit A-J in der Hand, ein weiterer Bube am Flop und ich schlug sein kleines Pocket Pair. Außerdem konnte ich drei, vier Pots stehlen, mit wirklich nichts in der Hand. Es war nur die Kombination meines Images, meiner Fähigkeit, die Spieler einzuschätzen und meiner Position. Am Ende des Tages war die Hälfte des Feldes ausgeschieden. Für mich hieß das, dass ich mit meinen 23,825 in Chips knapp über dem Durchschnitt lag.

Tag Zwei

Aber am zweiten Tag brauchte es nicht lange, um mich zu zerstören. In Late Position reraiste ich ein Raise von J.J. Hazan mit A-Q offsuit (am Tag zuvor hatte ich diesen Move zwei Mal mit absolutem Mist durchgebracht). Diesmal aber reraiste J.J. sofort all-in – und ich war gezwungen zu folden. Die Aktion kostete mich rund 4.300. Schneller als mir lieb war, schrumpfte mein Stack auf 16K. Aber ich konnte schnell wieder aufbauen, indem ich zwei Reraises gegen zwei schwache Raiser (Mark Teltscher und Matthias Stieger) durchbrachte. Dann konnte ich Simon Galloway mit T-T gegen 9-8 eliminieren. Ich hatte sein 6K All-in Raise richtig als schwache Hand eingeschätzt und so war ich das erste Mal über der 30K Marke. Allerdings konnte ich meine Leistung nicht lange genießen, denn nach der Eliminierung von Simon brach unser Tisch zusammen.

An meinem neuen Tisch saßen nicht viele bekannte Gesichter, nur der starke Norweger Jan Sjavik. Aber da gab es mehr als genug Action. Bevor ich noch meine Chips auf den Tisch gestellt hatte, sah ich, wie der Big Blind (800), der sich als mein unmittelbarer linker Nachbar herausstellen sollte, erfolgreich einen Pot gewann. Er stellte sein komplettes 45K Stack in die Mitte und hielt nur DkDj! Ein Paar Limper im Pot, erhöhte er auf 7.000 und meinte, damit den Pot zu gewinnen. Aber der erste Limper reraiste auf 23.000 um zu zeigen, dass er tatsächlich eine anständige Hand hält. Mein Nachbar aber reraiste all-in anstatt seine Hand zu folden. Er schlug J-J seines Gegners, indem er den König am Flop traf. Für mich ergab sich somit folgende Einschätzung des Tisches: Ich saß da mit einigen guten oder aggressiven Big Stacks, ein paar Unbekannten und nicht zu vergessen, dem Irren unmittelbar zu meiner Linken mit fast 100K. Um es nett auszudrücken – da hatte ich nicht den besten Tisch erwischt.

In meiner fünften Hand, die Blinds waren 400-800 mit 100 Ante, raiste ich auf 3.1000 aus Early Position. In der Hand hielt ich Pocket Queens. Alle steigen aus, bis zu einem jungen Asiaten im Small Blind. Er zögerte drei Sekunden und ging dann voller Zuversicht mit 48K all-in. Der Big Blind foldet und ich bin an der Reihe. Ich starrte den mir unbekannten Spieler ungefähr eine Minute lang an. Ich weiß, dass ich die asiatischen Spieler eigentlich sehr gut einschätzen kann. Ich mochte das Gefühl nicht, das in mir aufkam. Mein Gegner agierte ein wenig unsicher und zumeist ist dies eher ein Zeichen für Stärke. Doch in der letzten Hand hatte dieser Spieler genau dasselbe gemacht (da aber aus dem Big Blind und er gewann den Pot ohne Showdown). In meinen fünf Händen war es also das zweite Mal, dass er all-in war. Ich entschied mich, an die Chance zu glauben und callte die 30K. Einige Spieler hätten ein kleineres Reraise angesetzt, wenn sie Asse oder Könige hielten. So viel zu meiner Einschätzung. Mein Gegner zeigte mir K-K für das höhere Paar und ich war 4:1 Underdog.

Die erste Karte aus dem Deck war ein König! Ich war so tot, wie man nur sein kann. Aber an einem dieser wunderbaren Wendepunkte in Turnieren kamen auch ein Bube und eine 10 am Flop und ich war mit meinem Open Ended Straight Draw wieder am Leben. Tatsächlich schrie ich: “Dealer, Du machst das! Ein Ass oder eine Neun – Du schaffst das!” Am Turn kam eine Blank, aber nachdem ich noch ein paar Mal geschrieen hatte, wurde ich offenbar erhört. Am River ein Ass für mich. Ich war am Leben, mit viel Glück im richtigen Moment.

Danach gab ich mit einem stupiden Versuch zu stehlen 4.100 ab . Ich musste gegen ein Reraise des Big Blind folden und so beendete ich den Tag mit 65K. 54 Spieler der anfänglichen 347 waren noch übrig, also lag ich mit meinem Stack im Durchschnitt. Was aber viel wichtiger war, ich hatte den dritten Tag erreicht. Nach dieser für mich absolut glücklichen Begegnung mit Q-Q gegen K-K hatte ich das Gefühl, dass ich mein Ziel wirklich erreichen könnte – meinen ersten großen Turniersieg. Ob ich es geschafft habe, könnt Ihr in meinen nächsten zwei Artikeln lesen.

Rolf Slotboom


Kommentare


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Fisch
  • Fisch
  • 09.07.07

Ein Gütesiegel ist für mich wenn ich aus einem Artikel für mein praktisches Spiel dazulerne.Dies ist hier der Fall.Freue mich auf die Fortsetzung


Fisch
  • Fisch
  • 09.07.07

cooler Bericht!