"All-in" – Jetzt oder nie!
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- Martin Voigt, Freitag. 02. März 2007
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- all-in, turnier, strategie
„All-in!“ Diese zwei Wörter kennzeichnen den ultimativen Move, den man in einem Turnier oder am No Limit-Tisch machen kann. Man setzt alles. Man riskiert sein Turnierleben, oft bloß auf die zwei Karten, die man vor dem Flop zugeteilt bekam. PokerOlymp gibt Hinweise darauf, wann man alle seine Chips riskieren kann und wann man es lieber sein lassen sollte.

Fall 1
Sie sitzen in einem No Limit Cashgame mit 200$ Buy-in und Blinds 1/2. Der Big Blind hat gerade einen großen Pot verloren und nur noch 26$ in seinem Stack. Alle folden zu Ihnen im Small Blind. Sie halten 
, keine besonders schlechte, aber auch keine besonders gute Hand. Was tun? Sie gehen all-in. Das klingt tollkühn? Für läppische 2$ soll man 26$ riskieren, und das mit einer mittelmäßigen Hand? Ob Sie es glauben oder nicht, selbst wenn Sie Ihre Karten aufdecken würden, der Big Blind sähe, was Sie halten, und nur dann das all-in callt, wenn es korrekt für ihn ist+), selbst dann ist es besser, mit Q8s 26$ zu riskieren, als zu folden.
Woran liegt das? Zuerst einmal wird man in über der Hälfte der Fälle die Blinds ohne Widerstand einsammeln, und für den Fall, dass man gecallt wird, ist man nicht chancenlos, sondern gewinnt auch noch in 39,5% aller Fälle.
Fall 2
In einem SitnGo steigen die Blinds auf 200/400, während Sie nur noch 2000 Chips haben. Alle folden zu Ihnen im SB, wo Sie 
vorfinden. Wieder sollten Sie all-in gehen. Es ist verständlich, dass man ein Turnier ungern mit einer Hand wie 9-6 aufs Spiel setzt, aber nur wer bereit ist, auch mit mäßigen Karten dem Turniertod ins Auge zu blicken, kann sich langfristig durchsetzen.
Fall 3
Lange schon wurden Ihnen im großen MTT keine guten Karten mehr zugeteilt. Bei Blinds von 1000/2000 haben Sie einen Stack von 17.500. Alle folden zu Ihnen im SB mit 
. Sie ahnen sicherlich, was ich Ihnen rate. All-in!
Gerade aus dem Small Blind heraus sollte man sehr loose all-in gehen, wenn man nur wenige Big Blinds im Stack hat. Es sitzt nur noch eine Person hinter einem, die nur in seltenen Fällen eine wirklich gute Hand hält. Zu häufig gewinnt man die Blinds, als dass man das mit dem All-in verbundene Risiko scheuen darf. Mit wenigen Blinds im Stack ist übrigens alles andere als ein All-in selten sinnvoll, da man sonst den Nachteil hätte, nach dem Flop zuerst agieren zu müssen, d.h. der Big Blind Position auf einen hätte. Und raist man beispielsweise bei Blinds von 2/4 und einem Stack von 30$ auf 12$, woraufhin der Big Blind all-in geht, dann ist man aufgrund der Pot Odds sowieso dazu verpflichtet, das All-in zu callen.
In Turnieren hat man als Spieler, der zuerst alle seine Chips in die Tischmitte befördert, einen weiteren Vorteil. Der Big Blind kann sich nicht nach den Pot Odds richten, sondern muss tighter reagieren, callt also noch seltener. Andererseits sollte man natürlich in Bubble-Situationen, also kurz vor den Preisen in Turnieren, vorsichtiger sein, wenn im Big Blind jemand sitzt, der deutlich mehr Chips hält als man selbst. Und es kann in Turnieren manchmal besser sein kann, statt mit sehr schlechten Karten all-in zu gehen, einen Orbit lang auf Karten zu warten, mit denen man bessere Chancen hat, abzudoppeln, wenn man gecallt wird. Diese Ausnahmesituationen sind aber selten und stellen keine Ausrede dafür dar, in den Blinds zu tight zu agieren.
Hier ist eine Liste der Karten, mit denen Sie (abhängig von Ihrer Stackgröße) im NL Cashgame aus dem SB all-in gehen sollten, statt zu folden, selbst wenn der BB perfekt reagiert:
10 BB: 
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+ , 
+ , 
+ , 
+ , 
+ , 
, 

8 BB: 
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+ , 
+ , 
+ , 
+ , 
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+ , 
+
6 BB: 
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+ , 
+ , 
+ ,
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+ , 
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+ ,
+
5 BB: 
+ , 
+ , 
+ , 
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+ , 
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+ , 
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4 BB: 
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+ , 
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3 BB: 
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+ , 

Man beachte, dass es sich dabei um ein Worst-Case-Szenario handelt, in dem der BB Ihre Karten kennt. In Wirklichkeit bietet sich meistens ein All-in mit einer noch größeren Palette an Händen an. Auch ein All-in mit T8s bei 10 BB im Stack sollte einem im richtigen Leben langfristig Geld einbringen, da ein Big Blind ja nicht wissen kann, dass es gerade korrekt ist, mit J2o zu callen.
+)In den meisten Fällen ist damit gemeint, dass der Big Blind die bessere Hand hält, es gibt aber auch Fälle, in denen der BB knapp (49-51 o.ä.) hinten liegt, aber aufgrund der Pot Odds korrekterweise callen kann, denn er muss ja nur noch 24$ bringen, um einen Pott von 52$ zu gewinnen.
Martin Voigt
Kommentare





















warum soll man nur für den BB zu bekommen so ein Risiko eingehen? wenn man 10,5 % chancen hat und für 26 E 2E zu bekommen aber spielt nur weiter so
Cash-Game kauft man Chips nach und nix anderes kopfschütel
Dieser Strategie kann man nur beipflichten…. ..jedoch ist auch das eigene Image am Tisch wichtig für solch eine Strategie.
Sehr guter Artikel
Kann man diese All-in Strategie mit Q8 auch bei einem Buy-in von 20k und Blinds von 100-200 anwenden??? Ist diese Strategie auch im High Limit richtig? Das Buy-in und die Blinds sind mal 100 gerechnet also das gleiche Spiel die gleichen Voraussetzungen
Diese All-in Strategie ist mathematisch wasserdicht, also auch bei High Stakes Poker mit einem Buy-in von 100k richtig.
Gut, zugegeben, in einem Cashgame kommt es selten dazu, dass die effektiven Stacks so klein sind, aber bei Turnieren ist das Wissen, wann ein All-in definitiv besser ist als ein Fold, sehr nützlich. Im Artikel habe ich die Liste mit den Händen im Zusammenhang mit einem Cashgame angeführt, weil es in Turnieren Situationen geben kann, in denen eine Aktion, die langfristig Chips gewinnt, nicht immer (nur fast immer) langfristig Geld gewinnt.
Also im cashgame würde ich das laßen, zuminderst an denn kleineren Tischen, mit q 8 all in zu gehen. Man wird einfach zu oft gecalled. Bei Tunieren natürlich vollkommen richtig
Was heisst 10 BB, BB ist BigBlind aber die 10?
hallo,
kann man hier vielleicht noch den weg zu diesen zahlen herleiten? wenn ich nämlich dem bb eine callingrange von 50% gebe komme ich auf ganz an zahlen (ca. 50:50). ich rede hier von fall 1. auch komme ich hier auf weniger als 50% calling range vom bb, wenn er mathematisch richtig spielt. mache ich nun einen fehler oder hat der autor sich mir den call in 50% der fälle vertipt und meinte eigentlich das richtige. dann würden auch die ca. 40% wieder hinkommen.
Mit 10 BB ist die effektive Stackgröße gemeint. Beispiel: Sie haben 200$, der Big Blind 24$, die Blinds sind 1/2. Dann ist die effektive Stackgröße 12 BB, denn effektiv setzt man 24$ = 12 Big Blinds ein.
Nachdem mir mein Red nahegelegt hatte, möglichst wenig Formeln und Mathematik niederzuschreiben ;-), hatte ich eine Herleitung zunächst weggelassen. Für die Interessierten: In Fall 1 mit Q8s würde man bei einem Fold gegen alle 1225 (50*49/2) möglichen Gegnerhände im Schnitt 1$ pro Hand verlieren. Geht man all-in, dann callt der BB optimal mit den 469 Händen (22+, A2+, K2+, Q8+), mit denen er ausreichende Pot Odds (24/52 = 46,1%) hat. “In über der Hälfte der Fälle”, nämlich gegen 756 Hände kassiert man die Blinds. Da man gegen die Calling Range von (22+, A2+, K2+, Q8+) in 39,5% aller Fälle den Pott von 52$ gewinnt, fährt man mit einem All-in (-0,79$ pro Hand) besser als mit einem Fold, selbst wenn der BB optimal reagiert.
hallo,
in der Zeile 8 BB müßte doch bei D6 auch ein + Zeichen stehen.
Oder habe ich das mit den + Zeichen völlig falsch verstanden?
“hallo,
in der Zeile 8 BB müßte doch bei D6 auch ein + Zeichen stehen.
Oder habe ich das mit den + Zeichen völlig falsch verstanden?”
Gutes Auge, der Mann! Wurde korrigiert.
sorry ich hab immer noch nicht verstanden was 10BB heißt, kenn mich halt nicht so aus.
huhu hab ich das richtig verstanden mit der effektive stackgröße:? wenn der BB 100 ist und ich gehe mit 500 All in ist die Stakgröße 5BB ?
“huhu hab ich das richtig verstanden mit der effektive stackgröße:? wenn der BB 100 ist und ich gehe mit 500 All in ist die Stakgröße 5BB ?”
Genau so ist es.
Von effektiver Stackgröße schreibe ich, da unser Stack durchaus größer sein kann, wir aber nicht alles riskieren, wenn der Gegenspieler weniger hat. In diesem Beispiel könnten wir mit 500 all-in gehen, wenn der BB 100 beträgt. Dann ist unsere Stackgröße 5 BB. Wenn der BB aber nur 300 in seinem Stack hat, dann beträgt die effektive Stackgröße nur 3 BB, da nur 3 BB aufs Spiel gesetzt werden können.
vielen dank
Donnerwetter