Chinese-Poker – Strategie und Tipps (Teil 2)

Vor geraumer Zeit brachte ich auf PokerOlymp einen Artikel zu Strategien beim Chinese-Poker. In diesem Folge-Artikel will ich konkreter auf das einige Punkte eingehen.

Wer die beliebte Pausen-Poker-Variante Chinese Poker nicht kennt, sei auf den Wikipedia-Artikel zu den Regeln verwiesen.

Im Folgenden gehe ich von 6/1-Zählregel ohne Royalties und Naturals aus: Ein einfacher Sieg gegen einen Spieler (Sieg in zwei Händen, Niederlage in einer) bringt +1 Punkt, ein Scoop (Sieg in drei Händen) bringt +6 Punkte. Es ist einem Spieler möglich, seine Hand aufzugeben, wodurch jeder Gegner automatisch +3 Punkte erhält.

Im ersten Artikel dieser Serie ging ich darauf ein, dass eine Hand immer möglichst ausgewogen gebildet werden sollte, so dass man in allen drei Händen (Front, Middle und Back) eine möglichst starke Hand hat. In diesem Artikel werde ich die konkreten Verteilungen der einzelnen Hände aufzeigen und daraus einige weiterreichende Tipps zum Bau einer Hand, sowie zur Frage nach der Aufgabe der Hand ableiten.

Verteilung der Hände

Eine Analyse über 10.000 von einem Rechner ausgetragenen Chinese-Partien ergibt für die einzelnen Hände folgende Verteilung der Hand-Ränge:

Rang Front Middle Back
Straight Flush 0,00% 0,00% 0,99%
Quads 0,00% 0,01% 2,62%
Full House 0,00% 0,59% 34,16%
Flush 0,00% 7,35% 32,46%
Straße 0,00% 18,22% 17,64%
Trips 0,46% 10,04% 0,29%
Two-Pair 0,00% 26,67% 9,61%
Pair 47,08% 33,00% 2,23%
High Card 52,46% 4,12% 0,00%

Diese Verteilung zeigt zunächst einige recht offensichtliche Punkte:

A) Die Front-Hand wird zu knapp 50% ein Paar enthalten. Wenn man es darauf anlegt, kann man beim Chinese-Poker fast immer (in weit über 90% der Fälle) ein Paar in die Front-Hand bauen, doch schwächt dies zumeist die anderen Hände so stark, dass es sich lohnt, auf das Paar zu verzichten. Entsprechend kommen über 50% alle Front-Hände ohne Paar daher.

B) Die Middle-Hand entspricht in über 60% aller Fälle zwei Paaren oder einer schlechteren Kombination. Entsprechend kommt es bei dieser Hand sehr auf die Qualität der zwei Paare oder des einen Paares an.

C) Die Back-Hand ist nur in 30% aller Fälle schlechter als ein Flush und hält in über einem Drittel aller Fälle ein Full-House. Bei der Bewertung der Hand spielt die Qualität des Flushes oder des Full Houses eine signifikante Rolle.

Die Front-Hand

Da man in der Front-Hand nur drei verschiedene Hand-Ränge bilden kann (Trips, ein Paar, High-Card), ist es interessant zu wissen, wie sich diese Ränge aufschlüsseln. Die folgende Tabelle gibt in 5%-Schritten diese jeweils schlechteste Hand aus dem Perzentil an.

Perzentil Hand
5% XaXax
10% XkXkx
15% XqXqx
20% XjXjx
25% X10X10x
30% X8X8x
35% X7X7x
40% X5X5x
45% X3X3x
50% XaXkXq
55% XaXkX8
60% XaXqx
65% XaXjx
70% XaX10x
75% XaX6x
80% XkXqx
85% XkX8x
90% XqXjx
95% XjX10x
100% X4X3x

Zu verstehen ist diese Aufschlüsselung wie folgt: 5% aller Front-Hände sind besser als ein paar Asse, 10% besser als ein Paar Könige, usw.

Aus dieser Tabelle kann man ablesen, dass die Paare sich in den Top 50% recht gleichmäßig verteilen, die High-Cards jedoch fast ausschließlich aus Ax- und Kx-Kombinationen bestehen.

In nur 10% aller Fälle wird man man mit XqXj in der Front-Hand gegen einen Gegner gewinnen – eine Front-Hand dieser Qualität ist also mehr oder weniger wertlos.

Man sieht auch, dass bei den Assen der Kicker eine entscheidende Rolle spielt: Zum Beispiel gewinnt XaXkXq deutlich häufiger (über 25%) als XaX6X3.

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Die Middle-Hand

Die genaue Aufschlüsselung der Middle-Hände sieht wie folgt aus:

Perzentil Hand
5% Flush
10% K-high Straße
15% T-high Straße
20% 7-high Straße
25% 5-high Straße
30% X8X8X8xx
35% X3X3X3xx
40% XkXkX6X6x
45% XqXqX5X5x
50% XjXjX2X2x
55% X9X9X7X7x
60% X6X6X5X5x
65% XaXaxxx
70% XkXkxxx
75% XqXqxxx
80% XjXjxxx
85% X8X8xxx
90% X6X6xxx
95% X3X3xxx
100% High Card

In der Middle-Hand hat man mit Trips oder besser eine sichere Bank. Doch bei der Bewertung von Zwei-Paar- und Ein-Paar-Händen zeigt sich, dass hierbei die Qualität der Paare eine herausragende Rolle spielt. Bei zwei Paaren ist faktisch immer nur das höhere der beiden Paare ausschlaggebend und bei einem Paar spielen die Kicker keine Rolle.

Anhand der Tabellen für Front- und Middle-Hand kann man abschätzen, wann es sich lohnt, zwei Paare in der Mittelhand aufzubrechen und das schlechtere in die Front-Hand zu bauen oder wann zwei Paare in die Middle-Hand stärker sind. Darauf werde ich später noch genauer eingehen.

Die Back-Hand

Die genaue Aufschlüsselung der Back-Hände sieht wie folgt aus:

5% Aces-Full
10% Queens-Full
15% Tens-Full
20% Nines-Full
25% Sevens-Full
30% Fives-Full
35% Treys-Full
40% AK-high Flush
45% AQ-high Flush
50% AJ-high Flush
55% KQ-high Flush
60% KT-high Flush
65% Q-high Flush
70% 8-high Flush
75% Q-high Straße
80% T-high Straße
85% 6-high Straße
90% XjXjX9X9x
95% XjXjX2X2x
100% Pair

Ins Auge springt bei dieser Aufschlüsselung, dass die Flushes sehr differenziert betrachtet werden müssen. Ein Q-high Flush gewinnt etwa 25% seltener als ein AK-high Flush. Überhaupt sind die niedrigen Flushes nur sehr wenig wert. Wenn das Aufbrechen eines kleinen Flushes Raum für deutlich stärke Hände in der Middle und Front erlaubt, sollte man dies in der Regel tun.

Auch die kleinen Full Houses sind mögliche Kandidaten, nicht gebaut zu werden, um Front und Middle zu stärken. Allerdings müssen hierbei die Zuwächse bei den anderen Händen sehr stark sein, da auch das niedrigste Full-House noch zu circa 60% die Back-Hand gewinnt und eine ziemlich sichere Bank ist.

Zwei Paare für Front und Middle

Das am häufigsten vorkommende Problem beim Bauen einer Chinese-Hand ist die Verteilung von zwei Paaren auf die vorderen Hände. Zum Beispiel:

  Front Middle Back
Variante 1 HaC7C3 HqDqH8D8C2 SkSjS9S4S3
Variante 2 HaH8D8 HqDqC7D3C2 SkSjS9S4S3

In diesem Beispiel stellt sich die Frage, ob man zugunsten des Achter-Paares in der Front auf die Two-Pair in der Mitte verzichten sollte. Ein Blick in obige Tabellen kann die Entscheidung erleichtern: Variante 1 wird in der Front-Hand in etwa 75% der Fälle verlieren und die Middle-Hand in etwa 45% der Fälle. Variante 2 hingegen verliert in der Front-Hand in etwa 30% der Fälle und in der Middle-Hand in etwa 75% der Fälle. Damit verliert Variante 2 im Schnitt seltener als Variante 1 und ist entsprechend vorzuziehen.

Anders sähe es in diesem (nur leicht modifizierten Beispiel aus):

  Front Middle Back
Variante 1 HaCkC3 HqDqH8D8C2 SkSjS9S4S3
Variante 2 HaH8D8 HqDqCkD3C2 SkSjS9S4S3

Hier verliert Variante 1 in der Front-Hand in etwa 55% der Fälle und in der Middle-Hand in etwa 45% der Fälle. Variante 2 kommt weiterhin auf 30% und 75%. Damit verliert Variante 1 jetzt im Schnitt insgesamt etwas seltener als Variante 2 und ist marginal besser. Im Vergleich zum vorigen Beispiel wertet der AK-Kicker die Front-Hand gewaltig auf, was für die zwei Paare in der Mitte spricht.

Indikatoren, die für eine Aufteilung von zwei Paaren sprechen, sind:

»» Man kann keine guten Kicker in die Front-Hand legen.

»» Das niedrige Paar ist vergleichsweise hoch (Zehnen oder besser).

»» Das Paar in der Front-Hand ist durch einige Blocker geschützt.

Der letzte Punkte meint, dass ein Paar in der Front-Hand stark an Wert gewinnt, wenn man möglichst viele höhere Karten in der eigenen Hand hat. Hält man zum Beispiel selbst ein Ass, ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Gegner ein Paar Asse hat (und dies eventuell in die Fron-Hand baut) halbiert.

Surrendern – Wann sollte man aufgeben?

Meine Simulation von 10.000 Partien ergab, dass eine beliebige Chinese-Hand in etwa 10% aller Fälle gescoopt wird (gegen einen Gegner in allen drei Einzel-Händen verliert).

Spielt man Chinese-Poker nach der 6/1 Regel, ist immer eine Katastrophe gescoopt zu werden, da dies gleich 6 Punkte kostet (während eine Niederlage in nur zwei Einzel-Händen nur einen Punkt kosten würde).

Häufig wird jedoch mit der Möglichkeit des Surrenderns (also der Aufgabe der Hand gespielt). Dabei verliert man automatisch gegen jeden Gegner drei Punkte, spart sich jedoch das Risiko gescoopt zu werden.

Rechnerisch gilt bei der 6/1-Regel, dass man immer dann surrendern sollte, wenn die Wahrscheinlichkeit für einen gegnerischen Scoop über 40% liegt.

Die Simulation über 10.000 Partien zeigte, dass bei grade mal 6,7% aller Hände die Wahrscheinlichkeit eines gegnerischen Scoops über diesem Wert lag. Entsprechend sollte man nur dann die Hand aufgeben, wenn sie wirklich hoffnungslos ist.

An folgender Tabelle kann man Ablesen, wann eine Aufgabe angeraten ist. Sie fast die oberen drei Verteilungen für Front-, Middle-, und Back-Hand zusammen. Für die Frage nach der Aufgabe gilt folgende Faustregel:

»» Liegt eine der Hände im grünen Bereich, sollte nie surrendert werden.

»» Liegen alle Hände im roten Bereich Bereich, sollte immer surrendert werden.

»» Liegen zwei Hände im roten Bereich, muss die dritte mindestens im 45%-Perzentil liegen, ansonsten sollte häufig surrendert werden.

»» Liegt eine Hand im roten Bereich, müssen die anderen beiden mindestens im 50%-Perzentil liegen, ansonsten sollte häufig surrendert werden.

Percentil Front Middle Back
5% XaXax Flush Aces-Full
10% XkXkx K-high Straße Queens-Full
15% XqXqx T-high Straße Tens-Full
20% XjXjx 7-high Straße Nines-Full
25% X10X10x 5-high Straße Sevens-Full
30% X8X8x X8X8X8xx Fives-Full
35% X7X7x X3X3X3xx Treys-Full
40% X5X5x XkXkX6X6x AK-high Flush
45% X3X3x XqXqX5X5x AQ-high Flush
50% XaXkXq XjXjX2X2x AJ-high Flush
55% XaXkX8 X9X9X7X7x KQ-high Flush
60% XaXqx X6X6X5X5x KT-high Flush
65% XaXjx XaXaxxx Q-high Flush
70% XaX10x XkXkxxx 8-high Flush
75% XaX6x XqXqxxx Q-high Straße
80% XkXqx XjXjxxx T-high Straße
85% XkX8x X8X8xxx 6-high Straße
90% XqXjx X6X6xxx XjXjX9X9x
95% XjX10x X3X3xxx XjXjX2X2x
100% X4X3x High Card Pair
Einige Beispiele:
  Front Middle Back
Hand 1 HkHjS3 SqCqH9D8D2 C2D3C4H5S6
Hand 2 HkSqD5 S7D4C3H3C2 C10H9C8H7D6
Hand 3 DaH2S2 DqS9C7C4H4 HjS8D6S6C3
Hand 4 DkDqSj S9C8H8S8D2 D7S6H5C4H3

Bei den Händen 1 und 2 liegen alle Einzel-Hände im roten Bereich, eine Aufgabe ist also dringend angeraten. Auch Hand 3 – drei niedrige Paare – sollte in der Regel aufgegeben werden. Die Zweien in der Front-Hand sind zu wenig, um die wertlosen restlichen Hände auszugleichen. Hand 4 hingegen sollte gespielt werden, da die Trips in der Middle-Hand allein ausreichend stark sind.

Ein letzter Hinweis

Beim Chinese-Poker bauen sich die meisten Hände recht automatisch. Es gibt zwar für 13 Karten genau 72.072 mögliche Anordnungen, doch die meisten Hände (über 90%) haben nur eine optimale Lösung und diese springt auch schell ins Auge. Alle in diesem Artikel angestellten Überlegungen helfen am Ende nur bei den wenigen grenzwertigen Fällen, in denen es mehrere valide Bau-Optionen gibt.

Und der wohl beste Tipp, den man Chinese-Spielern geben kann ist dieser: Schaut euch die 13 Karten genau an. Der häufigste Fehler, der gemacht wird, ist dass man die offensichtlich beste Lösung schlicht übersieht. Und nichts ist ärgerlicher, als wenn man nach der Abrechnung feststellt, dass man anstelle von High-Card–Paar–Baby-Flush auch Paar–Straße–Straße hätte bauen können.

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Kommentare


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  • 05.03.12

sehr gute info, vielen dank herr klöhn



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