Warum ansonsten erfolgreiche Spieler beim Poker oft scheitern
In den letzten Monaten habe ich recht viel Zeit mit Casino-Spielern verbracht. Diese gewinnen beim Glücksspiel Geld (und zum Teil sehr viel), indem sie gegen das Casino antreten, Sportwetten abschließen, im Internet Casino-Spiele bestreiten und manchmal auch bei anderen Disziplinen Erfolg haben. Beispielsweise könnte es sein, dass ein solcher Spieler Sportwetten abschließt, Blackjack spielt, Video-Poker spielt oder andere Spiele betreibt, bei denen man unter den richtigen Umständen einen Vorteil hat.
Einige dieser Spieler sind sehr klug und haben Hunderttausende Dollar gewonnen. Mehr als einer jedoch hat mir erzählt, dass er den Versuch startete, beim Online-Poker zu gewinnen – und dabei scheiterte.
Außerdem habe ich noch von einer anderen Gruppe kluger Leute gehört, die beim Poker oft scheitert – Schachspieler. Einige Spitzenspieler im Schach, darunter auch Großmeister und Internationale Meister, haben sich beim Poker mit unterschiedlichem Erfolg versucht. Einige haben recht gut abgeschnitten, während dies bei anderen nicht der Fall war.
Zuletzt trieb mich deshalb die Frage um, warum diese Spieler, die bei anderen Glücks- oder Strategiespielen so erfolgreich sind, sich beim Poker so schwer tun?
Ich kenne die Antwort nicht. Hätte ich die Zeit, würde ich einige dieser Spieler nach ihrer Meinung befragen. Den restlichen Artikel will ich aber dafür verwenden, wilde Spekulationen zu betreiben.
Psychologische Mängel
Meine erste Theorie betrifft die psychologischen Aspekte des Pokerspiels. Aus meiner Sicht ist Poker hauptsächlich ein mathematisches Problem, doch meist ein sehr kompliziertes. Dadurch ist das Spiel schwerer zu „enträtseln“ als Tic-Tac-Toe, andere einfache Strategiespiele oder Casino-Spiele. Da die Problematik mathematischer Natur ist, muss man psychologisch nicht unbedingt bewandert sein. Es reicht, die mathematischen Fragen zu klären. (Darum können Computer auch beim Poker gewinnen, obwohl sie keinerlei psychologische Kompetenz haben.)
Für die meisten Menschen jedoch ist sehr schwer, die mathematischen Probleme zu lösen. Psychologisches Verständnis kann vieles vereinfachen und unkomplizierte Lösungen in Fällen erzeugen, die andernfalls sehr kompliziert wären.
Setzt zum Beispiel jemand auf dem Turn 30 $, weiß ich häufig recht genau, welche Hand er vermutlich hat. Warum? Weil ich die Denkweise dieses Spielers durchschaue. Ich kenne die Art, wie seine Emotionen seine Entscheidungen bedingen. Und daher weiß ich, mit welcher Hand er 30 $ setzt, mit welcher 80 $ und mit welcher er checkt. Diese simplen Hilfen bei der Handanalyse erlauben mir, korrekte Entscheidungen zu treffen, ohne viel über den Spieler zu wissen oder mich in komplizierter Weise mit der Spieltheorie abzumühen.
Unterrichte ich Pokerschüler, stelle ich oft fest, dass diese psychologischen Vereinfachungen sehr schwer zu erlernen sind. Es ist keine angeborene Fähigkeit, zu wissen, dass Spieler in bestimmten Situationen weniger setzen oder dass sie in einer bestimmten, vorhersehbaren Weise auf exzessive 3-Bets reagieren. Diese Erkenntnisse beruhen auf Erfahrung und einer gewissen Begabung, sie wahrzunehmen.
Dieser psychologische Teil spielt jedoch in anderen Glücksspielen oder Schach nicht annähernd eine so große Rolle. Blackjack zum Beispiel ist reine Mathematik. In jeder Situation gibt es eine Computerlösung, die man sich einfach nur merken muss. Zwar gibt es hinsichtlich bestimmter Dealer einen psychologischen Faktor, doch ein Computer hätte kein Problem, perfekt zu spielen.
Ich vermute deshalb, dass einige der ansonsten erfolgreichen Spieler, die beim Poker scheitern, nicht dieselben psychologischen Fähigkeiten haben und während des Spiels nicht die richtigen Schlüsse ziehen.
Falsche Rückmeldungen
Alle erfolgreichen Spieler wissen, dass ein einzelner Gewinn nicht heißt, alles richtig gemacht zu haben, und andersherum. Das Ziel beim Glücksspiel ist, langfristig in Vorteil zu kommen, und der Ausgang eines einzelnen Spiels ist irrelevant.
Aus diesem Grund sollte jedem erfolgreichen Spieler klar sein, dass er bei einem Call mit einem Draw (mit den korrekten Pot Odds) auch dann alles richtig gemacht hat, wenn er nichts trifft, und er in einer vergleichbaren Situation immer so spielen sollte.
Die Varianz beim Poker ist aber subtiler. Beim Poker muss man nicht nur die Wahrscheinlichkeiten für die nächsten Karten berechnen, sondern dem Gegner auch ein Spektrum zuweisen. Angenommen, Sie landen im All-In und Ihr Gegner zeigt die Nuts. Aua. Spielten Sie gut oder schlecht? Vielleicht ja, vielleicht nein. Vielleicht haben Sie das gegnerische Spektrum richtig eingeschätzt und sind unglücklich in die Nuts gerannt. Oder Sie haben es falsch eingeschätzt und Ihr Gegner hat deutlich öfter die Nuts, als Sie vermutet haben.
Angenommen Sie setzen und Ihr Gegner foldet. Gut, oder? Nicht unbedingt. Möglicherweise haben Sie die Wahrscheinlichkeit überschätzt, dass Ihr Gegner mit einer schlechteren Hand callt, und Ihre Bet hatte letztlich einen negativen EV.
In die Nuts zu rennen oder zu viele „schlechte“ Folds zu bekommen, kann Ihnen eine falsche Rückmeldung zu Ihren Handlungen bringen. Das kann der Grund sein, warum Leute, die in anderen Spielen zuhause sind, in die Irre geführt werden.
Rückkehr zu emotionalen Entscheidungen
Fast jeder will Poker auf eine bestimmte Weise spielen. Risikoscheue Leute spielen eher tight, machen vorsichtige Folds und sind sich recht sicher, wenn sie ihr Geld investieren. Aggressive Leute bluffen gern und forcieren das Geschehen.
Mathematisch gesehen müssen Sie jedoch die Balance zwischen diesen „Stilen“ finden. Die Psychologie des Spiels zwingt einen, zwischen diesen Stilarten (und einigen anderen) hin und her zu springen, um Vorteil aus den systematischen Fehlern der Gegner zu schlagen.
Auch in diesem Fall glaube ich, dass Menschen dazu fähig sind, ihre natürlichen emotionalen Tendenzen zu bekämpfen, wenn sie begriffen haben, dass dies korrekt ist. Poker jedoch erzeugt so viel Verwirrung und so viele störende Signale, dass fast jeder lieber so spielt, dass er sich wohlfühlt, und nicht so, wie es am profitabelsten wäre.
Abschließende Gedanken
Meines Erachtens muss man in drei großen Bereichen kompetent sein, um beim Poker erfolgreich abzuschneiden: Analytische Fähigkeiten, psychologisches Talent und Selbstbeherrschung. Es ist ein unglaublich frustrierendes, aber intellektuell anspruchsvolles Spiel. Gut möglich, dass einige Spieler in Disziplinen erfolgreich sind, die eine oder zwei dieser drei wichtigen Fähigkeiten erfordern, ansonsten aber scheitern.
Kommentare






















Sehr schöner und interessanter Artikel! Ich bin selber Schachspieler der mittleren Klasse (Landes-und Verbandsliga) und besitze neben analytischen Fähigkeiten ein gewisses psychologisches Talent sowie eine sehr grosse Selbstbeherrschung! Dennoch scheitere ich oftmals an zwei Dingen: meiner unglaublichen Varianz- ich kenne wirklich keinen der im Showdown fast IMMER vorne ist und dann oft noch von 20 oder 30 % überholt wird! Badbeats sind bei mir regelmässig zuhause! Zweitens sind meine Denkstrukturen vor meinem Hintergrund
des Schachspielens so komplex und gehoben, dass diese Denkweise für die Limits die ich spiele zu hoch ist. Ich traue den Spieler Denkweisen und Moves zu von denen Sie meilenweit entfernt sind und mache deshalb immer mal wieder falsche Laydowns… Spielt von Euch noch jemand Schach und geht es genauso? Würde mich interessieren!
Ich spiele zwar kein Schach aber trotzdem mal meine Meinung
Gerade auf niedrigen Limits muss man darauf achten das man nicht zu komplex denkt und somit auch spielt.
Keep it simple
du bist zu gut für poker. bleib beim schach, da kannste auch mit dir selber spielen.
Ich glaube, die Hauptgründe, warum viele an Poker scheiteren sind folgende: Mangelnde Geduld (das einzige Spiel, wo man erst nach Wochen und Monaten sieht, ob man gut ist oder nicht), mangelnde Selbstkritik (ICH bin der einzige, der immer ausgesuckt wird, obwohl ich ja so gut bin) und mangelnde Lernbereitschaft (Poker hat einen viel höheren Theorieteil als andere Spiele)....
Zum Thema Schachspieler: Die meisten guten Schachspieler sind in sich gekehrte Autisten (oder so etwas in der Art), die vielleicht die Mathematik verstehen, aber nie die Idee, dass dahinter jemand sitzt, der sein Spiel anpasst. Selbst Schach-Weltmeisterschaften sind entschieden worden, nur weil ein Gegner das erste Mal einen anderen Eröffnungszug gemacht hat als sonst (vor allem Bobby Fischer vs Spasski mit seinen Damenbauerneröffnungen)...
@Richi Mit deinem Posting zeigst du schon, dass du nicht einmal das Grundprinzip von Poker verstehst. Selbst wenn du 1000-mal vorne bist (und niemals hinten), wirst du mindestens 300-mal verlieren, das ist die Mathematik dahinter.
Weil Poker ein Verdammtes Glücks spiel ist Schach hat man ALLES selber in der Hand beim Pokern hat es der DEALER in der hand…!
ich sitze immer neben der dealerin. die hat grundsätzlich immer mein bestes Stück in der hand.
Das Problem liegt in den Unterschieden.Schach ist ein Nullsummenspiel mit vollständiger information und poker eben nicht.im klartext;wenn der gegner beim schach ein patzer ist führt er einem das zug um zug vor augen.es ist also dort gar nicht unbedingt notwendig in seine gehirnwindungen reinzuschauen solange ein deutlicher spielstärkenunterschied vorhanden ist um ihn zu schlagen.aber die abstrusen denkweisen von einem voll-donk nachzuvollziehen ist manchmal grausam aber unvermeidbar.schwieriger weil die meisten dort nach ihrem “bauchgefühl” spielen und keinerlei logik o.ä folgen(wobei es sich beim bauchgefühl meistens eindeutig eher um gehirnblähungen handelt). Sorry aber deine denkweise ist nicht zu hoch sondern einfach zu (ver)kompliziert.simple gehirne,simple spielzüge sowohl im eigenen spiel als auch bei den anahmen über das der gegner. Kleiner Tip;lös dich mal von der Steinitz-Tarrasch geprägten abstrakten denkweise das man nur die richtigen züge machen braucht und dann auch gewinnt,so gerecht ist poker nun mal nicht(kurzfristig).Ich würde da E.Lasker mal empfehlen zu lesen der wuste nämlich das man nicht gegen die figuren selbst sondern gegen den mensch spielt der sie führt und nebenbei soll er auch ein formidabeler poker spieler gewesen sein.
Vor allem braucht man zum Pokern Selbstvertrauen und die richtige Bankroll.
Gerade in Österreich gibts sehr gute Schachspieler die auch sehr gute Pokerspieler sind, die können einfach die Hände schneller und klarer durchdenken.
Hallo Ed könntest du mal bitte David Sklansky fragen, weshalb profesionelle Schachspieler im Poker so schlecht abschneiden. Vielleicht hat er eine Antwort dafür. Schliesslich behauptet er ja das Poker vergleichbar mit Chess, Bridge, Backgammon ist. Meiner Meinung nach ist Chess überhaupt nicht mit Poker vergleichbar. Wenn ich an Chess denke, denke ich an Kasparov, aber wenn ich an Poker denke, da fallen mir viele Spieler ein. Wer soll da der Beste sein? Die Bandbreite ist gross, da gibt es einen Haufen… Was ich damit sagen will ist, dass der Glücksfaktor beim Poker viel höher ist als beim Chess, darum haben es Chess- Spieler schwieriger mit Poker gut abzuschneiden. Obwohl sie auch Ahnung von Logik, Strategie, Statistik usw. haben. Dani
Poker ist ein Spiel auf Dauer . Deshalb lassen sich ernsthafte Schlüsse , ob du ein guter Spieler bist erst nach einem gewissen Zeitraum abschätzen . Psychologisches Geschick bedeutet sich seinen Gegenspielern anpassen zu können . Dafür muss man sie beobachten und stehts fokusiert und konzentriert sein . Riskante Spielzüge und entsprechende Calls sollte man erst nach mehreren Sessions und viel gespielten Stunden mit den gleichen Gegnern machen , wenn man immer wieder gleiche Parameter im Setzverhalten und Tells erkennt . Je mehr man spielt und je mehr Gegner man kennt , desto schneller kann mann dann neue Gegner einschätzen. im Prinzip gibt es eine überschaubare Zahl an verschiedenen Gegnern , die du dann Kategorisierst . Nicht zu vergessen ist, dass du selber immer variabel spielen musst , damit deine Gegner dich auch nicht so leicht lesen können. Das Hauptproblem bei Schachspielern ist , dass sie ihre Umwelt nicht so gut wahrnehmen ,sondern eher auf ihr Blatt fokusiert sind.