Appell an die (Online-)Gerechtigkeit
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- Martin Voigt, Mittwoch. 15. November 2006
Online-Poker oder Sportwetten über das Internet haben immer noch einen halbseidenen und finsteren Ruf. Wirklich finster und halbseiden ist aber die Heuchelei und Scheinheiligkeit, mit der Gegner von Online-Sportwetten und –Poker diese Angebote diffamieren, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen.
Nach Auffassung der Bundesregierung kann nur der Staat dafür Sorge tragen, dass die Spielsucht eingedämmt wird. Daher sollte es neben den staatlichen Angeboten wie Lotto oder Oddset keine privaten Glücksspielanbieter geben.
Soso, es geht also um die Eindämmung der Spielsucht und nicht nur darum, die Monopolstellung in diesem Markt aufrecht zu erhalten. Sind Sie auch schon mal von Callcentern angerufen worden, die Ihnen Lose der staatlichen Klassenlotterie NKL bzw. SKL anbieten wollten? Befindet sich nicht auf jedem zweiten Bus ein Werbebanner für Lotto oder Oddset? Eindämmung? Wie wird die Spielsucht vom Staat überhaupt bekämpft? Die Quoten bei den staatlichen Glücksspielen sind nur mäßig attraktiv. Hilft es einem Spielsüchtigen, dass man sein Geld bei Oddset schneller verliert als bei der Konkurrenz? Oder dass Oddset und Lotto anonym sind, im Gegensatz zu Sportwetten im Internet? Und sicherlich geschah es auch nur zum Wohle der Bürger und nicht des schnöden Mammons wegen, dass die Mindestspieldauer der Glücksspielautomaten in den Spielhallen von 12 Sekunden auf 5 Sekunden gesenkt wurde.
Der sächsische Staatssekretär Dr. J. Staupe verkündete ein Verbot von Online-Sportwetten für Sachsen (und damit nach sächsischer Auffassung die gesamte Bundesrepublik). Dr. Staupe ist übrigens nicht nur Politiker, sondern hat noch eine interessante Nebenbeschäftigung. Er ist Aufsichtsratsmitglied der Lotto-Gesellschaft Sachsenlotto, die u.a. Sportwetten (Oddset) anbietet.
„Interessenkonflikt“? Aber nicht doch, ich bitte Sie. Das sächsische Innenministerium ist sich sicher, dass die Tätigkeit beim staatlichen Glücksspielanbieter seine Meinung in keinster Weise beeinflusst. Dieser Meinung Dr. Staupes nach sei es zweckmäßig, gewisse Internetseiten zu blockieren, um den Zugriff auf nicht-staatliche Anbieter von Sportwetten zu verhindern. Er hat sicherlich nichts anderes als das Wohl der Bürger im Auge.
In den USA wurde gerade ein Gesetz verabschiedet, das den Zahlungsverkehr zwischen US-Bürgern und Online-Casinos und Pokerräumen erschwert. Es wurde zusammen mit der Port Security Bill gegen Terrorismus eingebracht. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Bill Frist, möglicher republikanischer Präsidentschaftskandidat für 2008, weiß: Terroristen nutzen Online-Poker zur Geldwäsche. Ja, sie lesen richtig. Terroristen sollen Online-Poker zur Geldwäsche nutzen, daher ist es zwingend notwendig, den Geldtransfer von US-Bürgern (!) zu Pokerräumen zu verbieten.
Ob sich Bill Frist jemals in einen Online-Pokerraum eingeloggt hat, ist nicht überliefert. Überliefert ist jedoch, dass Mr. Frist für die religiöse Rechte steht, denen Glücksspiel ein Dorn im Auge ist. Mit religiösem Eifer werden den Bürgern des „land of the free“ Freiheiten genommen und es wird versucht, Andersdenkenden die eigene Sicht der Dinge aufzwingen.
Darin, dass man in den USA problemlos Waffen beeindruckenden Kalibers kaufen kann, sieht Mr. Frist übrigens keine Gefahr.
Wohin man auch schaut, kommunizieren Lobbyisten hehre, altruistische Motive, wenn sie das Verbot oder die Einschränkung von Online-Poker oder –Sportwetten fordern. Könnte es aber nicht auch sein, dass gewisse Herren versuchen, die eigene Agenda durchzusetzen, und sich dabei zugleich auf einen hohen moralischen Sockel setzen, während sie, ohne mit der Wimper zu zucken, versuchen, die Öffentlichkeit über ihre wahren Motive im Unklaren zu lassen.
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Kommentare












Dieser Artikel drückt präzise aus,was viele denken.Bravo Martin!Die egoistischen ,materialistischen und pseudosozialen Interessen diverser Politiker und Lobbyisten werden schonungslos dargestellt.Im nächsten Schritt sollte aber wirklich jemand versuchen,diesen Leuten das Handwerk zu legen!