PokerOlymp Spielerportrait: Barry Greenstein

So richtig Spaß macht Poker ja eigentlich nur dann, wenn man gewinnt. Allerdings kommt das gewonnene Geld ja nicht von irgendwo, sondern ganz konkret aus der Tasche des Kontrahenten. Eine Tatsache mit der die meisten Spieler kein Problem haben, im Gegenteil. Manchmal versüßt des Gegners Niederlage sogar den eigenen Triumph. Wenn der Bezwungene jedoch Barry Greenstein heißt und man diesen soeben kurz vor den Geldrängen aus dem Turnier befördert hat ist einem diese Art von Schadenfreude wohl eher fremd. Der amerikanische Pokerprofi spendet nämlich den Großteil seiner Turniergewinne an diverse Charityprojekte. Mittlerweile sind das mehrere Millionen Dollar und daher wird Barry Greenstein wohl zu Recht als “Robin Hood des Poker” bezeichnet.

Am 30. Dezember 1954 wurde Barry in einem Vorort von Chicago (Illinois) geboren. In Sachen Poker war Barry ein Frühstarter. Bereits mit 4 Jahren klärte ihn sein Vater über die Verwendung der Plastikchips auf, welche der kleine Barry im Wohnzimmer gefunden hatte. Prompt lehrte er ihn dann auch Five-Card Draw, was neben Gin-Rummy und anderen Kartenspielen zur Lieblingsbeschäftigung des intelligenten Junge werden sollte. Anfangs musste meist seine Mutter als Gegner herhalten, mit 12 Jahren waren es dann schon seine Mitschüler, die Barrys Talent für Poker anerkennen mussten. Als Teenager konnte sich Barry mit seinem Hobby regelmäßig sein Taschengeld aufbessern und es gab selten ein Wochenende, welches der Vorzeigeschüler nicht am Pokertisch verbrachte. Als 18-jähriger betrug seine Bankroll nach eigenen Angaben rund $1.500 – sicherlich eine Summe, für die man im sich im Jahre 1972 schon eine Menge leisten konnte… Andererseits konnte man lukrative Homegames damals in Illinois auch nicht besonders oft finden… Und was will man machen, wenn man all sein Geld am Tisch hat, auf dem Turn die Nuts hält und der Gegner all-in raist? Barry musste nicht lange überlegen – gegen den 1-Outer seines Gegners war er jedoch machtlos und das erste Mal so richtig pleite… Dieser erste Tiefschlag in seiner noch jungen Karriere war für Barry eine bittere und zugleich lehrreiche Erfahrung. Ein Moment, der ihn für immer daran erinnern sollte, dass alles auch noch schlimmer kommen konnte.

Die nächsten Jahre widmete er sich tagsüber dem Studium der Computerwissenschaften und nachts dem Pokerspiel, vorzugsweise No-Limit Hold’em. Am grünen Filz konnte es kaum besser laufen – $1.000 pro Nacht lagen nun durchaus im Rahmen des Möglichen. Sein Studium hingegen lief derweil nicht ganz nach Plan. Statt mit den erhofften “Highest Honours” erreichte er seinen Abschluss am College lediglich mit „High Honours“. Für einen so ehrgeizigen Menschen wie Barry war dieses Ergebnis inakzeptabel – voller Wut warf er das Diplom kurzerhand aus dem Fenster.

Trotz dessen hatte Barry seine akademische Laufbahn noch lange nicht abgeschrieben. Er entschloss sich, nun auch noch Mathematik auf einem Graduiertenkolleg zu studieren und arbeitete nebenher an seiner Promotion. Dank seiner stetig wachsenden Einkünfte aus dem Pokerspiel musste sich Barry um die Finanzierung seines Studiums nun wirklich keine Sorgen machen – vielleicht ein Grund dafür, dass es Langzeitstudent Greenstein eher gemächlich anging: Ganze 10 Jahre brauchte er, bis er letztendlich kurz vor Abschluss seiner Doktorarbeit stand. Den akademischen Titel sollte Barry jedoch nie erreichen, denn sein Leben nahm nun eine unerwartete Wendung. Zusammen mit seiner ersten Ehefrau Donna bemühte er sich inzwischen um das Sorgerecht für deren drei Kinder aus erster Ehe. In dem bevorstehenden Rechtstreit mit Donnas Ex-Mann war Barrys Beruf als Profispieler allerdings ein großer Nachteil. Ein „richtiger“ Beruf musste also her und so heuerte der junge Familienvater bei dem Start-up-Unternehmen Symantec in Silicon-Valley als Programmierer an. Eigentlich war das Ganze nur als Übergangslösung gedacht, doch Barry entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem der wichtigsten Mitarbeiter des Unternehmens. Für die Promotion blieb nun erstmal keine Zeit mehr und auch im nahe gelegenen Cameo Card Club war Barry nur noch selten zu Gast.

1990 kehrte Barry wieder als Vollzeit-Pro an die Pokertische zurück, nachdem er seinen Job bei Symantec aus persönlichen Gründen gekündigt hatte. Texas Hold’em war zu dieser Zeit noch relativ unbekannt in den kalifornischen Casinos und Barry konnte dank seiner Zeit in Illinois auf reichlich Erfahrung in dieser Variante zurückgreifen. Schnell machte er sich einen Namen als einer der besten Cashgame Spieler in Südkalifornien und es gab kaum eine Session, an der er nicht von wissbegierigen Zuschauern umringt war. Ob Barrys ehemalige Freundin Mimi Tran damals auch zu seinem Fanclub zählte, ist nicht überliefert, jedenfalls hatten sich die beiden zu jener Zeit in einem Kasino kennen gelernt. Positiver Nebeneffekt dieser Liaison war im Übrigen auch der berühmte Deal, den die beiden schlossen: Barry brachte Mimi das Pokerspiel bei und die Vietnamesin verpflichtete sich im Gegenzug dazu, Barry Unterricht in ihrer Muttersprache zu geben. Über die Qualität von Barrys Vietnamesischkenntnissen ist nichts bekannt, doch seine begabte Schülerin erklomm schnell Limit um Limit. In relativ kurzer Zeit hatte sie sich ihre Fähigkeiten so perfektioniert, um ihrem Lehrer sogar an den High-Stakes-Tischen gegenüberzusitzen.

Aber auch Barry konnte seine Pokerfertigkeiten noch weiter verbessern. Immer häufiger zog es ihn jetzt sogar nach Las Vegas, um es dort mit Legenden wie Doyle Brunson oder Chip Reese aufzunehmen. Mittlerweile gehörte der Mann aus Kalifornien zur absoluten Weltelite in Sachen High-Stakes-Cashgame. Turniere waren hingegen zu dieser Zeit nicht unbedingt Barrys Spezialität, doch irgendwann reizte auch ihn die Teilnahme an einem WSOP Mainevent. Bei seinem ersten Auftritt in Las Vegas erreichte er 1992 auf Anhieb den 22. Platz und nahm $8,080 mit nach Kalifornien. Auch wenn das Teilnehmerfeld mit 201 Teilnehmern noch überschaubar war, eine durchaus beachtliche Leistung. Große Turniererfolge blieben ihm aber, nicht zuletzt auf Grund der Tatsche, dass er sich hauptsächlich auf Cashgames konzentrierte, in den folgenden Jahren verwehrt. Erst 2003 feierte er seinen ersten großen Erfolg auf der Turnierbühne. Beim $125.000 Dollar Seven-Card Stud Turnier in Larry Flints Casino setzte er sich gegen ein kleines, aber erlesenes Teilnehmerfeld durch und sicherte sich die Siegprämie von $770.000. Einen Großteil dieses Geldes spendete Barry an die wohltätige Organisation Children, Incorporated. Seine Hoffnung dabei war, dass viele Pokerspieler seinem Beispiel folgen und ebenfalls einen Teil ihrer Gewinne spenden würden. Zwar hatte sich Barry auch früher schon großzügig gezeigt, doch auf Grund der Befürchtung, dass das am Cashgame-Tisch gewonnene Geld als „schmutzig“ angesehen werden könnte, spendete er lieber anonym. Turniere betrachtete man hingegen aber mittlerweile eher als Sportevent, so dass sich der „Poker-Philanthrop“ dazu entschied, fortan mehr davon zu spielen, um das dort erzielte Preisgeld wohltätigen Einrichtungen zukommen zu lassen.

Weitere große Turniererfolge sollten nun nicht mehr lange auf sich warten lassen. 2004 gewann Barry das $10.000 Main Event der WPT in Tunica und erhielt dafür $1.278.370. Auch zwei WSOP Bracelets kann Barry sein Eigen nennen. 2004 holte er sich den Sieg beim $5.000 No-Limit Deuce-to-Seven Draw Event. Ein Jahr später konnte er auch das $1.500 Pot-Limit Omaha Turnier für sich entscheiden. Seine Einnahmen aus Turnieren betragen heute insgesamt $5.706.108. (Stand: März 2008)

Barry hatte zahlreiche Fernsehauftritte beim “Poker Superstars Invitational” und war bis jetzt in jeder Staffel von “High Stakes Poker” vertreten. Seit 2006 ist er Mitglied des “Team Pokerstars”. Er zählt ohne Frage zu den bekanntesten Pokerprofis und gilt darüber hinaus als einer der angesehensten Vertreter seiner Berufsgruppe. Barry ist Vater von sechs Kindern, darunter auch sein Sohn Joe Sebok, welcher ebenfalls Pokerprofi ist.

Vor drei Jahren veröffentlichte Barry Greenstein sein Buch “Ace on the River”. Seitdem hat er stets ein paar Exemplare im Koffer, wenn er auf Turniertour ist. Jedem Spieler, der Barry aus einem Turnier eliminiert, schenkt er ein persönlich signiertes Exemplar von seinem Buch samt kurzer handschriftlicher Analyse der entscheidenden Hand auf Seite 1. Eigentlich eine Frechheit, dass der herzlose Gegner, der den armen Kindern ihren Anteil nicht gönnt, auch noch beschenkt wird. Moralisch vertretbarer ist es dann doch wohl eher, Barry beim Cashgame zu schlagen. Doch das ist bestimmt nicht einfacher.

Sebastian Huppertz

WSOP Statistik



Cashes: 32
Finaltables: 10
Bracelets:2

WPT Statistik



Cashes: 17
Finaltables: 8
Titel: 3

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