Denken wie ein Shortstack-Spieler
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- Ed Miller, Donnerstag. 04. November 2010
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Eines der kontroversesten Themen, über das ich je geschrieben habe, behandelte ich im No-Limit-Hold’em-Teil meines Buches „Getting Started in Hold’em“. Dort erläuterte ich eine Strategie, bei der man sich nur mit 20 Big Blinds, also etwa 100 $ in einer Partie mit Blinds von 2 $/5 $, einkauft. Bei dieser Strategie wartet man auf hohe Paare und Hände mit hohen Karten (auf welche genau, hängt von der Position ab), forciert diese vor dem Flop mit Raises und schiebt auf dem Flop sein restliches Geld in die Mitte. Dabei handelte es sich um eine extrem simple Strategie, doch behauptete ich im Buch, dass selbst Anfänger damit profitabel abschneiden können.
Das Buch erschien 2005 und seitdem hat sich No-Limit-Hold’em dramatisch verändert. Die heutigen Spieler sind wesentlich stärker als die damaligen. Meine Strategie beruhte darauf, dass Gegner mit 97s gegen die Buben des Shortstack-Spielers antreten und daraus Gewinne resultieren. In einigen Live-Partien mit niedrigen Einsätzen findet man heute immer noch naive Spieler, die sich darauf einlassen, doch im Internet sind die Gegner selbst auf den niedrigsten Limits zu clever, um sich von dieser Strategie über den Tisch ziehen zu lassen.
Dennoch sind Shortstack-Spieler im Internet weiterhin sehr erfolgreich. Sie wenden aber nicht mehr meine sehr einfache Anfängerstrategie an, sondern eine deutlich ausgereiftere. In diesem Artikel will ich Ihnen zeigen, wie diese Spieler mit ihren kleinen Stacks Gewinn erzielen.
Stehlen der Blinds
Meine tighte Strategie beruhte darauf, dass man mit seinen starken Händen ausbezahlt wird. Spielt man sehr tight, verliert man aber viel Geld in den Blinds. Diese Verluste muss man ausgleichen, und dazu braucht es Spieler, die die starken Hände ausbezahlen, ansonsten wird man langsam aber sicher von den Blinds aufgefressen.
Die modernen Shortstack-Spieler bewegen sich in einem zumeist tighten Umfeld. Sie reagieren darauf, in dem sie sich durch Stehlen der Blinds mehr Pots ohne Kampf sichern.
Nehmen wir als Beispiel eine 10 $/20 $-Partie mit einem Shortstack (400 $) auf dem Button an. Alle Spieler vor ihm folden und der Shortstack-Spieler raist auf 45 $ oder 50 $. Dazu muss er nicht auf eine starke Hand warten, sondern kann mit einem breiten Spektrum stehlen. In vielen Fällen werden die Blinds folden und der Shortstack-Spieler kassiert 30 $ ab.
Theoretisch sollten die Blinds gegen einen Shortstack-Spieler mit schwächeren Händen callen als gegen einen großen Stack. Je kleiner die Stacks, desto unwichtiger die Position. Demnach sind die Blinds gegen einen Shortstack-Spieler durchschnittlich weniger im Nachteil und es werden mehr Hände profitabel. Jahrelang passten sich viele Spieler nicht entsprechend an und die Shortstack-Spieler konnten besonders profitabel die Blinds stehlen.
Bei vertauschten Rollen, also dem Shortstack-Spieler in den Blinds, wissen die modernen Shortstack-Spieler, dass sie mit ihrem kleinen Stack looser als mit einem großen spielen können. Unterm Strich gewinnen die Shortstack-Spezialisten mehr mit Steals und verlieren weniger in den Blinds. Das führt zu moderaten, aber dauerhaften Gewinnen.
Mehr Fold Equity
Die Gegner von Shortstack-Spielern folden nicht nur bei Steals der Blinds, sondern auch nach All-Ins vor oder auf dem Flop. Zwar stellt ein All-In eines Stacks mit 20 Big Blinds scheinbar keine besonders große Drohung dar, doch in Wirklichkeit ist es eine schlagkräftige Waffe. Es handelt sich dabei um einen Semi-Bluff, bei dem der Shortstack-Spieler zwei Gewinnmöglichkeiten hat: Entweder er zwingt den Gegner zum Fold oder er bekommt die beste Hand. Der Caller dagegen kann nur gewinnen, indem er die beste Hand produziert. Das bedeutet, dass man mit schwächeren Händen All-In gehen als ein All-In callen kann.
Shortstack-Profis kennen die exakten All-In-Spektren eines Stacks mit 20 Big Blinds genauer als ihre Gegner mit großen Stacks. Als Folge bringen sie profitablere All-Ins und machen auch bessere Calls. Dieser Vorteil plus der Vorteil beim Stehlen der Blinds macht einen Großteil ihrer Gewinne aus.
Immanente Vorteile
Die beiden letzten Abschnitte könnte ich in einem Satz zusammenfassen. Shortstack-Profis spielen mit effektiven Stacks von 20 Big Blinds besser als die meisten Deepstack-Profis. Sie wissen mehr über die korrekten Spektren für Steals, Blind-Defense, All-Ins und Calls von All-Ins.
Shortstack-Spieler besitzen gegenüber den großen Stacks aber auch zwei immanente, strukturelle Vorteile. Erstens sind sie immer im Vorteil, wenn sie gegen zwei oder mehr Kontrahenten All-In gehen. Haben diese Gegner beide noch weiteres Geld, kann der eine den anderen zum Folden bringen und damit kostenlose Equity für den Shortstack-Spieler freisetzen.
Zweitens hat aus der Sicht des Shortstack-Spielers jeder Gegner gleich viel Geld. Seine korrekte Strategie ist somit ziemlich einfach. Für einen Spieler mit einem großen Stack ist es dagegen schwieriger, da er sich strategisch ständig neu an den jeweiligen Stack anpassen muss. Das bedeutet, dass er zwangsläufig gelegentlich Kompromisse eingehen muss, die Geld kosten. Da der Shortstack-Spieler diese Kompromisse nicht eingehen muss, besitzt er einen Vorteil.
Abschließende Gedanken
Besuchen Sie ein Internetforum zum Thema Poker, dauert es vermutlich nicht lange, bis sie auf eine Beschwerde über Shortstack-Spieler stoßen. Zugegeben, diese Beschwerden sind nicht unbegründet, denn Shortstack-Spieler genießen mehrere wesentliche Vorteile, die auf Kosten der Deepstack-Spieler gehen und gegen die diese fast nichts unternehmen können.
Mehrere Internetanbieter haben bereits strukturelle Änderungen vorgenommen, um die Chancen auszugleichen, doch selbst dann verschwindet der Vorteil der Shortstack-Spieler nie ganz.
Kommentare























Meine Erfahrung nach 4 Jahren Poker ist das es überhaupt keine Strategie gibt die man auf Papier bringen kann und die dann am Tisch auch funktioniert. Ich hab mal ausprobiert mich mit dem Mindesteinsatz an einen 9er Tisch zu setzen und nur Hände zu spielen wenn beide Karten J oder besser waren bzw mit Paaren den Drilling zu treffen. Fazit: es funktioniert nicht.
Zum Spiel Papier, Schere, Stein wird es wohl nie ein Buch geben weil es offensichtlich ist das es hierzu keine Strategie geben kann, zu Poker gibt es Bücher die sich mit Starthänden, Position und Bankrollmanagement befassen – als ob das beste Bankrollmanagement der Welt Verluste ausgleichen und man mit der besten Position nie geraist oder allin gestellt werden könnte. Meine Erfahrung ist das es dann am besten funktioniert wenn man Spass am Spiel hat, entspannt ist und nicht an die Chips denkt.
gl all
Gutes BR Managment kann in der Tat Verluste ausgleichen und dauerhaft verlustreiche Varianten wechselt man oder gibts sie auf. Ansonsten wäre es ja ein schlechtes oder gar kein BRM oder Poker für Masochisten und Trotzköpfe.
Trotzdem tun mir die Pros leid, in paar Jahren wirds dann wahrscheinlich tolle Strategiebücher geben wie man am besten den SB bestiehlt und der SB seinen halben BB optimal verteidigt …
“Gutes BR Managment kann in der Tat Verluste ausgleichen”
Das musst Du mir mal erklären. wenn ich 1000 $ verloren habe und mein Brm sagt mir das ich in den Limits absteigen muss, dann hab ich nach dem Abstieg meine 1000 $ wieder ? oder nur 300 ?
Durch BRM wirst du zumindest nicht so schnell wieder 1000 $ verlieren und dafür gibt es das BRM. Du steigst nämlich die Limits wieder ab und dadurch wird dein Verlust kleiner, bzw. wenn du es, bevor du die 1000 € verloren hast, geschafft hast in das Level aufzusteigen, solltest du bei deinem Abstieg anschließend zumindest wieder Break-Even spielen. Und da man ja die Level aufsteigt, hast du ja eigentlich nicht 1000 $ aus deinem eigenen Kapital verloren, sondern gewonnenes Geld, so sollte es zumindest sein. Und Wenn du auf Micro-Limits 1000$ verlierst, solltest du dir mal überlegen, was du falsch machst.
Und zu deiner These mit der Position, hast du schon recht, dass man auch in guter Position gereraist werden kann. Das spielt aber kaum eine Rolle. Ich mach mit dir jede Wette, dass wenn du 100x A10s UTG raist und 100x A10s vom Button raist, wirst du mit den Raises in Position (also vom Button) wesentlich mehr Pötte gewinnen (egal wie die Action anschließend ist) als out if position. Und dementsprechend natürlich auch propfitabler spielen.
vielleicht sollte als ergänzung noch erwähnt werden, dass ein donkey sein geld auch mit brm verlieren wird. nur langsamer. ;)
“Du steigst nämlich die Limits wieder ab und dadurch wird dein Verlust kleiner”
Sry aber mein Verlust wird durch den Abstieg an sich nicht kleiner – erst wenn ich Gewinn mache wird er kleiner; ein Abstieg in den Limits ist aber keine Garantie dafür Gewinn zu machen – sonst würde es doch keine Spieler geben die das Spielen komplett hinschmeissen.
Was die Position angeht so will ich mich nicht mit der halben Pokerwelt anlegen
wenn ich jedenfalls Jungen habe und der Button meint mich raisen zu müssen dann geh ich mit ihm allin – wo käm ich denn dahin wenn ich meinem Gegner alles glauben würde 
Der Abstieg in den Limits beim BRM garantiert, dass du länger mit deiner Bankroll spielen kannst. Natürlich wenn du ein schlechter Spieler bist, dann verlierst du irgendwann trotzdem alles. Ohne Bankrollmanagement verliert ein schlechter Spieler viel mehr als mit.
manche wolle es einfach nicht begreifen !!!! die sind halt dumm wie 5m waldweg !!!aber ich bin sehr sehr dankbar für diese spieler !!! (hört auf diese spieler zu belehren, das euer sozusagen schon euer geld)
“das euer sozusagen schon euer geld”
ja genau , sich aber hier über die Intelligenz anderer Leute auslassen.
hiermit entschuldige ich mich in aller form über diesen und auch noch über die kommenden rechtsschreibfehler (die natürlich sehr sehr viel über mein pokerspiel und intelligenz auszusagen vermögen) bei herrn spezi !!! der wie es mir scheint ein richtiger spezi ist !!!! um nocheinmal daraufhinzuweisen herr spezi in dem vorangegangenen text ging es um den inhalt nicht so sehr um rechtsschreibung !!! verstanden ???
Der Herr Miller scheint ja ein wandelndes Pokerlexikon zu sein!? BRM Probleme hatt der sicher nicht…..bei dem Fachwissen.Respekt
@player also ich hab den Satz immer noch nicht begriffen. schont euer Geld?
aber Ausrufungszeichen Fragezeichen usw. kommen direkt hinter den Buchstaben! Danach macht man wieder ein Leerzeichen. Sieht sonst ziemlich doof aus.