Mein deeper Run beim Main Event der WCOOP – Teil 2
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- villains_hero, Sonntag. 17. Oktober 2010
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- hero, villians, wcoop
Heute präsentieren wir Teil 2 des Erlebnisberichts vom Main Event der WCOOP. Unser Kolumnist villains_hero lässt in gewohnt kompetenter Manier das Turnier Revue passieren. Viel Spaß damit…
Spät im Main Event, dieses Mal mit 
, hatte ich einen schönen Spot, der dieses illustriert: Hero eröffnet besagtes 
in MP mit gut 100BB dahinter und hat sich schon an dieser Stelle für 3bets bzw. 3bet-Shoves der Villains hinter sich verschiedene Pläne zurechtgelegt, ob nun Fold, Call oder 4bet-Bluff-Shove, je nach Stacksize und Image des Villains. Gegen den einen Villain mit 14BB hätte ich gecallt, gegen einen anderen mit 90 BB gefoldet und gegen einen wieder anderen mit 40BB ge4bet-shovt.
Diese Hand erwähne ich auch, weil wieder das mit Equity gesegnete und zugleich wunderbar bluffgeeignete
[xx]-suited eine Rolle spielt. Zuende erzählen mag ich sie aber noch nicht, weil es letztlich gegen den weltberühmten Chad Brown ging und außerdem noch geschätzte 20 A4-Seiten vergehen werden, bis wir zur späten Phase des Main Events kommen.
Generell will ich sagen: Je besser man versteht, was sich mit 20, 35, 50 oder 80 BB für Möglichkeiten bieten, abhängig von den gegnerischen Stacks, desto besser spielt man MTT-Poker. Und wenn man dann noch schnell versteht, ob die Gegner das auch verstehen oder nicht, dann spielt man noch besser.
Ok, wir waren stehengeblieben in jenem Spot, als Hero mit A5s per 5bet seinen 65BB-Stack in die Mitte stellt, von TT gecallt wird und die Augen schließt. Als er sie wieder öffnet, liegen zwei Asse auf dem Tisch, weil Pokerstars (wie allgemein bekannt) die Spieler proportional nach erzeugtem Rake mit Kartenglück belohnt. Und ich hab‘ im September 2010 einen Riesenhaufen Rake erzeugt, deswegen die beiden Asse, also alles korrekt gelaufen.
Erst mal lief es prima weiter, im Level 1.000/2.000 mit 230k-Stack war die Ausgangsbasis bestens und der Optimismus fast so groß wie die Müdigkeit nach 12 Stunden Daddeln. Aber dann kam der ärgerlichste Spot meiner WCOOP 2010, nachdem ich mit loosem, aber nicht sonderlich aggressivem Image 
in MP gefunden hatte, eröffnete und vom anderen (sehr guten) Bigstack direkt hinter mir und einem Medium-Stack am Button gecallt wurde. Zu dritt sahen wir das Board 

. An dieser Stelle wäre c/f von Hero kein Fehler.
Stattdessen feuerte ich eine dünne, aber wahrscheinlich vertretbare cbet in der Annahme, dass a) der Big Stack wegen des Spielers hinter ihm nun das eine oder andere bessere Pocketpaar (77-99) sowie Hände mit haufenweise Equity (KQ, QJ) folden wird und b) der Mediumstack preflop leicht geovercoldcallt hat und auch oft genug folden sollte.
Dummerweise callte gegen meine cbet der Bigstack und der Mediumstack foldete, so war es nicht geplant. Nun war ich immer noch bereit, c/f zu spielen, und die Hand wäre in Ordnung gewesen. Dann erschien die
zum Board 


, und mein müdes Gehirn schaltete ohne mein Zutun in den Cashgame-Barrel-Modus, weil die
eine prima Karte ist, um superstark zu reppen und einen Bluff zu feuern. Also bettet Hero groß – und der Villain callt sehr schnell.
„Schneller Call = Draw“, das weiß wahrscheinlich jeder Pokerolymp-Leser und ich natürlich auch: „Klarer Fall, der Kollege callt mit Paar plus Flushdraw“, denk ich mir am Turn und plane jetzt erst recht, auf jedem Nicht-Herz-River nochmal zu betten, so dass er jedes Onepair und hoffentlich die meisten Twopairs folden sollte.
Der River war dann 



. Hero bettet etwa 100k in den 130k-Pot und kriegt sowas von Pickel, als der Villain shovt, wahrscheinlich mit einem langsam gespielten Flush. Mit seinem schnellen Call am Turn hatte der Villain einen schönen Fake-Timing-Tell ausgesandt (Respekt, mal wieder), und Hero hat sich ohne Not um die Perspektive gebracht, dafür zu sorgen, dass Jason Mercier einmal ein Turnier nicht gewinnt.
EV-technisch war dieser Triple-Barrel-Bluff wahrscheinlich vertretbar, extrem varianzlastig zwar, aber letztlich könnte er knapp profitabel sein, weil in Villains Turncall-Range genug Hände sein dürften, die eine dritte Barrel am River nicht mehr schlucken können und folden. Aber das ist zugleich der Punkt: Die Turnbet alleine ist eher nicht profitabel, dafür ist Villains Flopcall-Range zu Ax-lastig. Mit der Turnbet verpflichtet sich Hero folglich, am River noch einmal draufzuhauen. Er investiert also einen Großteil seines Stacks allein für Foldequity fast ohne Potequity dahinter, und das in einem Spot, wo eben dieses überhaupt nicht nötig gewesen wäre: c/f Flop oder c/f Turn, und alles ist gut, die Hand wäre ok gespielt und Hero mit exzellentem Stack weiter bestens im Turnier positioniert.
Hätte ich zum Zeitpunkt der Hand nicht schon 12 Stunden Poker in den Neuronen gehabt, wäre wach gewesen und hätte so etwas wie ein A-Game abrufen können, dann hätte ich wahrscheinlich am Flop oder Turn den c/f gefunden. Aber so war ich müde und im ABC-Robotermodus. Und was macht der ABC-Cashgame-Roboter an diesem Turn? Klar, er feuert automatisch mit dem Plan, die meisten River nochmal zu feuern, weil an diesem Turn bet/bet gegen fast jede Range genug Folds generiert – Standard, aber hier schlecht. Denn der Roboter feuert leider auch, ohne darüber nachzudenken, dass er in einem Turnier nicht nachladen kann und in dieser Phase kurz vor dem großen Geld solche superdünnen Stunts gegen andere Bigstacks nicht nötig hat.
Danach war ich am Ende. Der Stack mit den restlichen etwa 30BB war es noch nicht, aber der Spieler, der ihn verwaltete, der war es: Zum einen müde und erschöpft, zum anderen superenttäuscht nach dieser Selbsthinrichtung – der bald eine weitere, die finale, folgen sollte.
Zum zweiten Mal hat mir die WCOOP jetzt gezeigt, wie anstrengend und körperlich fordernd Poker ist. Obwohl ich nur gut die Hälfte der Events gespielt und speziell die sehr späten ausgelassen habe, ist mein Biorhythmus hoffnungslos durcheinander geraten. Es hat eine Woche gedauert, bis ich nachts wieder zu einer halbwegs normalen Zeit einschlafen konnte.
Die WCOOP 2010 hat meine Vermutung bestätigt, dass erfahrene Cashgame-Spieler auch ohne große Turniererfahrung dennoch in Turnieren einen Edge haben. Und dieser Edge sollte größer sein, je größer das Turnier ist. Denn je länger die effektiven Stacks sich deutlich jenseits von 100BB bewegen, desto mehr Zeit bleibt, das überlegene Spielverständnis des Cashgame-Spielers einzubringen, Schwächen der Gegenspieler erst auszuspähen und schließlich auszubeuten. Und desto später kommt erst der Vorteil der Turnierspieler zum Tragen, die sich mit 40BB besser auskennen als jemand wie ich, der gerade erst anfängt, sich solche Stacksizes zu erschließen.
Also, Main Event spielen oder nicht? Einfach zu beantworten: Spielen natürlich, nicht spielen ist für Mädchen. Etwa eine Woche vorher konnte ich absehen, dass ich mich auf jeden Fall registrieren würde, einfach weil ich unheimlich Lust hatte, mich in einem Turnier dieser Größenordnung zu versuchen – und weil ich überzeugt war, dass das Bezahlen des Startgelds eine profitable Investition sein sollte, eben weil es so ein großes Turnier ist, wo zwar die besten Turnierspieler der Welt die Messer gewetzt haben, wo aber auch jemand wie ich gewisse Dinge einbringen kann, die sich auszahlen sollten.
Weil ich im Zweifel eh den kostspieligsten „Register“-Button jemals klicken würde, habe ich dann angefangen, Main-Event-Qualifier zu spielen und sehr glücklich gleich die ersten beiden gewonnen, was neben dem Startplatz noch 5,2k T-Money einbrachte.
Ende
Kommentare























Wieder sehr interessant wie du das alles schön ausformuliert hast ;) Was ich gut finde, das du dich vorher so extrem auf Tunierpoker vorbereitet hast. Sieht man nicht bei viele CG highrollern, die spielen ja lieber gerne bunt drauf los in tunieren + mangelnde motivation
Ich selber spiele jeden Sonntag die Majors auf den Europäischen Seiten und bin der Meinung das die PS Tuniere einfach viel zu lange dauern ;) Ich tue mir so etwas nicht an. Klar wird die Varianz durch die Struktur verringert, aber ein guter Spieler kann ja auch mit schnelleren Blinds klar kommen
lustig wie du auch das Metagame mit A4s herranrufst, doch finde diesen Move solltest du nicht unbedingt an der Hand fest machen, sondern an der Situation. Klar wissen wir beide warum ein kleinen Axs für diesen Situation sehr gut geeignet ist. Aber wenn ich ich so an meine letzten 4/5 betbluffs( die größten teils gut gingen ;) ) denke hatte ich da immer total unterschiedliche hände
Ich als Tunierspieler finde die zeit zwischen 20 und 40BB am wichtigsten. Viele Spieler schalten dort in den tight modus und vermeiden Turn/river zu spielen. Denke da ist noch das meißte value gegenüber schlechteren spielern zu holen. Aber 3/4 bets kann man natürlich hier auch gut anbrigen ^^
Noch ein Tip am Ende, wenn du so ein 12 stunden Tunier spielst, dann suche dir doch einfach einen buddy und spielt zusammen. Kannst dir gar nicht vorstellen wie das vorm tilten schützt
grüße vom DOnkr bÄrliner
Freue mich immer wieder erneut, wenn es neues von Dir zu hören gibt. Nicht nur super spannend, informativ und interessant zu lesen, sondern auch an einigen Stellen so witzig, dass ich teilweise Tränen lache. Von mir ein ganz klares “I like”, weiter so!
Hier noch meine 2 absoluten Favoriten:
“Ok, wir waren stehengeblieben in jenem Spot, als Hero mit A5s per 5bet seinen 65BB-Stack in die Mitte stellt, von TT gecallt wird und die Augen schließt. Als er sie wieder öffnet, liegen zwei Asse auf dem Tisch, weil Pokerstars (wie allgemein bekannt) die Spieler proportional nach erzeugtem Rake mit Kartenglück belohnt. Und ich hab‘ im September 2010 einen Riesenhaufen Rake erzeugt, deswegen die beiden Asse, also alles korrekt gelaufen.”
“Danach war ich am Ende. Der Stack mit den restlichen etwa 30BB war es noch nicht, aber der Spieler, der ihn verwaltete, der war es: Zum einen müde und erschöpft, zum anderen superenttäuscht nach dieser Selbsthinrichtung – der bald eine weitere, die finale, folgen sollte.”
Tja, die 66-Hand war schon trocken vorgetragen gegen den anderen Bigstack. Sklansky würde den Kopf schütteln und die Konfrontation mit guten Argumenten verdammen, aber ansonsten wars wohl +$EV, wenn auch knapp – wenn die genannten Parameter stimmen…
Jason Mercier hatte vor Kurzem auch einen ill-getimten CR-Bluff im TV-Cashgame – gegen die zweiten Nuts (Flush). Der andere Spieler (ZeeJustin) war nach dem CR schon etwas blass, höhö.
Große Spieler spielen genau so!
Sky
“ge4bet-shovt” und “geovercoldcallt” hat schon was Satirisches, ist aber leider wohl nicht satirisch gemeint.
Nah, Fachsprech. Hört sich auch auf Englisch nicht so toll an, wenn auch noch deutlich besser.
BTW, Bonusfrage: Weiß jemand hier warum Poker Poker heißt?
@sky ich glaub das wurde von poque oder poké abgeleitet was wiederum ein französisches karten spiel war und als poker in den usa bekannt wurde
tröööööt – was z.H. bedeutet denn “reppen” ???
Es gibt wohl das gute alte Poch undn angeblich solls davon abgeleitet sein, nein, es gibt eine andere sehr logische Erklärung.
“Reppen” referenziert “Rappen”, stammt aber von “repräsentieren”. Wenn Du hoch bettest am Flop auf einem “XXY”-Board, reppst Du bspw. die Holecards “X?”, eskaliert die Lage bei großer Tiefe, dann “YY” oder sogar “XX”.
HTH
Sky
Der sehr gute Spieler ist halt auf den etwas billigen Flush Bluff net reingefallen – c’est la vie!
Bitte mehr davon. Öffnet meinen sehr beschränkten Horizont immer wieder ein bisschen…
es gibt mehr davon, Baskendoyle. Ich bin ja mit diesen ersten beiden Teilen des Reports noch nicht einmal beim Main Event angekommen, insofern bin ich mir auch nicht sicher, warum die hochgeschätzten Kollegen “Ende” druntergeschrieben haben.
Wann geht es weiter? Ich warte ungeduldig….