Top Pair als Bluff-Catcher
- By
- Ed Miller, Mittwoch. 08. September 2010
- Tags
- bluff-catcher, miller
Top Pair ist bei Hold’em eine kritische Hand. Man trifft es häufig und je nach Situation kann sein Wert von ziemlich stark bis annähernd wertlos schwanken. Dieser große situationsbedingte Unterschied sorgt auch dafür, dass Top Pair schwer zu spielen ist. Bewerten Sie Ihr Top Pair nicht in jedem Pot je nach Gegnerschaft neu, können Sie Probleme bekommen.
Grob gesagt kann Top Pair zwei Zwecke erfüllen. Es kann je nach Situation als Hand für eine Value Bet und als Bluff-Catcher dienen. Im nächsten Artikel wende ich mich dem Thema zu, wie man mit Top Pair for value spielt, aber heute geht es darum, wie man Top Pair als Bluff-Catcher einsetzt.
Wenn gute Hände schlecht werden
Bluff-Catcher sind keine guten Hände. Per Definition können Sie nur einen Bluff schlagen, aber nicht viele legitime – wenn überhaupt eine – Hände, die Ihr Gegner haben kann. Meistens sollten Sie deshalb folden. Und selbst wenn Sie sich zu einem Call mit einem Bluff-Catcher veranlasst sehen, werden Sie häufiger verlieren als gewinnen.
Auf dem River ist Top Pair leider häufig nur ein Bluff-Catcher. Dazu eine typische Situation aus einer Live-Partie mit Blinds von 2 $/5 $ und 1.000 $ Stacks. Ein Spieler limpt und Sie raisen vom Button mit 
auf 25 $. Der Big Blind callt, genauso der Limper. Auf dem Flop kommen 

. Alle checken, Sie setzen 50 $ und der Big Blind raist auf 100 $. Der Limper foldet und Sie callen. Auf dem Turn kommt die
. Der Big Blind setzt 75 $ und Sie callen. Auf dem River kommt die
und der Big Blind setzt 150 $.
Raisen Sie vor dem Flop und treffen Top Pair, können Sie in der Regel ein gutes Gefühl haben. Häufig reicht dies aus, um die Hand zu gewinnen. Dieser konkrete Pot lief jedoch nicht nach Plan. Der Big Blind checkraiste auf dem Flop und setzte auf Turn und River. Die Einsätze sind nicht hoch und das Board wirkt nicht bedrohlich, aber Sie stecken dennoch in Schwierigkeiten.
Sie haben nur einen Bluff-Catcher. Die stärkste Hand, die Sie schlagen, ist 
. Die meisten Spieler wären mit dieser Hand passiver und würden eher checken und callen anstatt zu checkraisen und zweimal zu setzen. Das Gleiche gilt für schwächere Hände wie 
, 
und Ähnliches. Trotz der niedrigen Einsätze werden schlechtere Hände nicht oft genug so gespielt, als dass Sie Ihr Top Pair für etwas anderes als einen Bluff-Catcher halten können.
Callen Sie auf dem River, können Sie von einer besseren Hand Ihres Gegners ausgehen. Das könnte 
, 
, 
oder 
sein. Oder eine andere Hand, die Sie schlägt. Ihre einzige Hoffnung besteht darin, dass Ihr Gegner mit einem Flush- oder Straight Draw geblufft hat. Doch auch dies ist unwahrscheinlich, da die meisten Spieler nicht so bluffen. Entweder bringen Sie eine hohe Bet oder bluffen nach einem Anzeichen von Schwäche. Eine Serie von niedrigen Bets in eine offenkundig starke Hand ist selten ein Bluff.
Da Top Pair in dieser Situation ein Bluff-Catcher ist und ein Bluff unwahrscheinlich ist, sollten Sie auf jeden Fall folden. Gegen die meisten Spieler, die gerne solch niedrige Bets bringen, sollten Sie sogar schon früher folden.
Drei Fragen Wie erkennen Sie, ob Ihr Top Pair ein Bluff-Catcher oder eine Value-Hand ist? Und auf welcher Basis entscheiden Sie mit einem Bluff-Catcher, ob Sie callen? Stellen Sie sich drei Fragen.
Hat der Gegner vor Ihnen gesetzt oder Ihre Bet geraist? Lautet die Antwort „Nein“, können Sie mit Ihrem Top Pair vermutlich eine Value Bet bringen. Top Pair ist eine starke Hand und wenn Ihr Gegner keine Stärke gezeigt hat, können Sie davon ausgehen, meist vorne zu liegen.
Denken Sie an die stärkste Hand, die Sie schlagen können. Würde Ihr Gegner mit dieser Hand so viel Stärke demonstrieren? Lautet die Antwort „Nein“, haben Sie vermutlich einen Bluff-Catcher. Um mit Top Pair Value Bets zu bringen, muss Ihr Gegner Hände in seinem Spektrum haben, die Sie schlagen können. Zeigte er zuviel Stärke, um eine schwächere Hand zu haben, sollten Sie eher hoffen, dass er blufft.
Blufft er oft genug, um einen Call zu rechtfertigen? Wenn nicht, sollten Sie folden. Ein Bluff-Catcher ist ein Bluff-Catcher. Bluff-Catcher mit Top Pair und Bluff-Catcher mit Bottom Pair haben beinahe denselben Wert. Dennoch sind viele Spieler deutlich öfter mit Top Pair als mit Bottom Pair zum Call bereit, um einen Gegner „zur Ehrlichkeit zu zwingen.“ Meines Erachtens callen Spieler in dieser Situation zu oft mit Top Pair und vermutlich zu selten mit Bottom Pair. Ist Ihr Top Pair ein Bluff-Catcher, sollten Sie es auch so behandeln. Callen Sie nicht einfach nur, weil Sie frustriert sind, dass Ihre Hand nicht mehr die Beste ist.
Nun ein Beispiel, wie Sie die drei Fragen in einer Hand konkret umsetzen können. Es stammt aus einer Hand mit Blinds von 2 $/5 $ und 1.000 $ Stacks. Sie haben 
und raisen drei Plätze vor dem Button auf 20 $. Ein Spieler hinter Ihnen und die Blinds callen.
Auf dem Flop kommen 

und alle Gegner checken. Da bisher niemand aggressiv war, können Sie Ihre Hand for value spielen. Spieler mit schwächeren Assen und Draws werden vermutlich callen. Sie setzen 80 $ und nur der Small Blind callt.
Auf dem Turn kommt die
. Der Small Blind setzt 120 $. Da nun jemand aggressiv ist, müssen Sie sich die zweite Frage stellen. Würde Ihr Gegner mit 
so spielen? Das ist vorstellbar, da er eine Hand wie 
oder 
haben und mit Paar plus Flush Draw setzen könnte. Sie könnten aber auch Drawing Dead gegen einen Flush sein oder gegen eine andere bessere Hand weit hinten. Die Bet ist niedrig genug und Ihre Gewinnchancen sind groß genug, dass Sie callen können.
Auf dem River kommt die
. Der Small Blind setzt 500 $. Würde Ihr Gegner mit 
so spielen? Fast sicher nicht. Top Pair ist somit nun ein Bluff-Catcher. Blufft Ihr Gegner häufig genug, um callen zu können? Da seine Bet nur wenig mehr als Potgröße beträgt, müssen Sie in einem von drei Fällen gewinnen, um einen Call zu rechtfertigen. Auf diesem Board ist ein Bluff nicht annähernd so wahrscheinlich. Sowohl der Flush Draw als auch der Straight Draw mit 
sind angekommen. Nicht viele mögliche Hände würden so viel auf Flop und Turn investieren, und praktisch keine auf diesem River. 
wäre denkbar und auch 
, doch weit öfter hat Ihr Gegner die Hand, die er repräsentiert. Sie haben einen Bluff-Catcher und bekommen nicht die Odds für einen Call. Folden Sie.
Stellen Sie sich mit Top Pair diese drei Fragen, kommen Sie öfter von der Hand los, wenn Sie dies tun sollten.
Kommentare























Starke Geschichte, man sollte das Ganze halt irgendwann mal in 30s unter Stress auch so gut hinkriegen.
zawi bringt es genau auf den Punkt! Live kann man solche Überlegungen ja noch anstellen, aber Online?
Das wäre doch mal ein interessanter Artikel: Wie kann ich diese und weitere sinnvolle Überlegungen machen wenn ich unter Zeitdruck stehe? Beim Multitabling multipliziert sich die ganze Geschichte ja noch.
Für eine genaue Analyse sind natürlich 30 Sek viel zu wenig Zeit. Deshalb muss die genaue (Nach-)Analyse natürlich offline erfolgen. Du must Spielsituationen durchdenken und Dir überlegen welche Parameter die Entscheidungen beieinflussen.
Wenn Du bei dieser Analyse gründlich vorgegangen bist, kannst Du diese Ergebnisse beim nächsten mal wieder abrufen. Dann reichen auch 30 Sekunden weil Du dir die Gedanken ja zu Hause im stillen Kämmerlein gemacht hast.
Wenn Du nach ein paar Jahren genügend Spielsituationen in Petto hast kannst Du leichter in den meisten Fällen die richtige Entscheidung treffen. Das nennt man dann auch Erfahrung
Und mit dem Multitabling sollte man es nicht übertreiben. Wenn man nur ABC-Poker spielt weil man an 6-8 Tischen aktiv ist, bleibt kaum Zeit wirklich über etwas nachzudenken.
Gruss Jörg
Wieder ein sehr guter Artikel von Miller.
Zu den “30 Sekunden” noch, oft sinds natürlich weniger, wenn Du 4 oder 9 Tische beackerst, dann hast Du nur wenige Sekunden:
Wenn der Gegner wie verrückt brettert, dann gehst Du am besten ganz dull und ganz schnell raus.
Hab mal ein Coaching mit einem recht guten Spieler gesehen, folgende Situation: short handed, unser Mann CO mit KK, small blind und ein anderer Limper callen den Preflop-Raise und man sieht zu dritt J73 rainbow.
Nun, unser Mann macht seine Conti und schmeißt auf den Check-Raise des Small Blinds a tempo weg, LOL. Der hatte allerdings einen Read und seine Daten, logisch. Aber stell Dir mal vor wie teuer das Ding geworden wäre, hätte er den CR bezahlt und dann weiter bezahlt und bezahlt…
Wenn Du in die Zahlemannrolle kommst, dann brauchst Du ja wegen der absehbaren Pot-Entwicklung eine Equity, die nicht weit von 50% entfernt ist. Deshalb ist der Zahlemann ohne Read überhaupt nicht die Standard-Line, wenn man das mal so beschreiben darf.
When in doubt, fold&muck.
Sky
dann haben wir ja geklärt, warum du anscheinend nicht so erfolgreich bist, die Erklärung ist denkbar einfach, wer immer foldet, kann den Pot nicht gewinnen. Schön in die Miesen folden lol