Wie man bei der WSOP an den Final Table kommt – Der finale Bust-out!
- By
- KurtSF, Sonntag. 08. August 2010
- Tags
- final-table-log, wsop
Der Finaltag ist da und auch das Ende des Deep-Run unseres tapferen Helden Kurt. Lesen Sie in unserem heutigen Beitrag wie er busted, womit und wie er sich dabei fühlt. Viel Spaß:

Das hier ist mit Sicherheit der tighteste Tisch, den ich je gespielt habe. Wir gehen gerade in die 27. Stunde. Ich sitze jetzt seit geschlagenen fünf Stunden zu Pascals Linken und warte auf eine Hand, mit der ich ein paar Chips einsacken kann. Es klappt aber nicht.
Meine M ist unter 5. Ich glaube, jeder ist unter 10, sogar Saar, der eine Menge an Pascal verloren hat. Josh, ein Spieler, von dem ich eigentlich ein paar Moves erwartet hätte, ist super-supertight. Jimmy hat sich in seinem Loch verkrochen. Nur einmal kam er mit JJ heraus. Wir sehen keine Flops.
Es wird zu Josh gefoldet und er pusht aus dem Cut-off. Zu mir wird in der Big-Blind gefoldet. Ich schaue auf AJo. Das ist die beste Hand seit zwei Stunden. Ich will callen. Ich denke an all die Spieler, die ich gebusted habe, durch die ich mich verdoppelt habe. Und die hatten meistens AJ. Keiner war damit vor dem Flop besser, keiner hat damit ausgesuckt. Ich habe mit der Hand mal vom UTG gepusht aber pushen und callen sind so ein gewaltiger Unterschied, dass man es gar nicht in Worte fassen kann. Ich folde und meine M rutscht unter 4.
Mann, das war ein schwerer Fold.
In der nächsten Hand wird zu Max gefoldet. Er pusht all-in. Max hat viele Blinds gestohlen. Er ist gut darin und einer der größeren Short-Stacks. Josh callt und ist all-in. Ich warte bis ich an der Reihe bin und hoffe auf ein Monster… nein, nur Schrott auf der Hand. Ich folde, stehe auf und schaue mir die Hand zusammen mit meiner Cheering-Section an. Auf dem Weg dahin drehe ich mich um und sehe, dass Saar auch noch gecallt hat. ZOMG, das habe ich nicht erwartet!!!
Max covert beide Spieler und alle decken auf. Ich bin aber an der Rail und kann nichts sehen. Erst als sie die Karten in die Mitte schieben, sehe ich, was Sache ist: Max hat JJ. Josh hat AKs und Saar ebenfalls AKs. OMG.
Dieses Mal, Dealer. Max hat beide Spieler gecovert und führt leicht vor dem Flop. Der Flop bringt nur Rags. Dann kommt ein zweites Kreuz auf dem Turn. Saars Farbe. Jetzt darf nur kein Ass, kein King und kein fünftes Kreuz kommen und ich bin zwei Plätze weiter vorne. Die Zeit vergeht quälend langsam. Der Turnierdirektor sagt dem Dealer, er soll endlich den River legen. Dann gehen die Bildschirme aus.
Die Menge schreit wie verrückt und ich habe keine Ahnung was passiert ist. Schreien sie wegen einem Ass, einem King oder einem Kreuz oder weil zwei Spieler raus sind??!? Dann sehe ich, dass der Dealer Chips zu Max schiebt. Die Zeit läuft wieder normal. Ich atme wieder und sage zur Rail: “Das hätte der schlimmste Beat meines Lebens sein können und ich war nicht mal in der Hand.”
Ich gehe zu Josh und schüttle ihm die Hand. Saar ist völlig geschockt und ich sehe zu, dass ich auch seine Hand schüttle. Ich sage ihm auch, dass er toll gespielt hat. Nach einigen Minuten sitzt jeder wieder an seinem Platz. Wir sind nur noch sieben Spieler. Die Karten sind “back in the air” und der ganze Tisch foldet munter weiter.
Hab ich bereits erwähnt, dass der Tisch tight ist?
Ich warte einfach nur auf meine Spots. Stacks, position, reads, ranges, Hand, Entscheidungen. Ich bin aber card-dead und es gibt einfach keine Spots. Ich muss folden.
Und dann…
Es wird zu mir in der Small-Blind gefoldet. Kevin ist in der Big-Blind. Kevin ist der tighteste Spieler am Tisch. Ich schaue auf Q9o. Meine M ist 3,5. Das ist ein super Standard-Push.
Aber gleichzeitig auch die mit Abstand schlechteste Hand, mit der ich in den vergangenen 27 Stunden meine Chips in die Mitte gebracht habe. Ich denke daran, wie ich mit der Hand wahrscheinlich busten werde. Ich denke über meine M nach und wie viele Hände ich sehen werde, bevor die Blinds mich auffressen. Und wie armselig mein Stack sein wird, sollte ich doch noch eine Hand bekommen.
Trotzdem gibt es einen Grund dafür, warum das in dieser Lage eine Standard-Hand zum pushen ist. Kevin ist sooo tight. Ohne Paar oder Ass wird er nicht callen. Zu 80 Prozent werde ich hier ohne Showdown gewinnen.
Ich lege meinen Card-Protector auf meinen Stack. “Ich bin all-in.” Ich schiebe meine Chips nach vorne, lege meinen Kopf in meine Hand und friere ein. Kevin schaut in seine Karten. Er denkt nach. Er zuckt mit den Schultern. “Ich calle.” Nacheinander deckt Kevin seine zwei Karten auf. Da ist ein Ass, da ist eine Zwei, A2. Ich stehe auf und warte auf das Board.
Wie immer kann die Rail die Karten erst sehen, wenn sie vom Dealer in die Mitte geschoben werden. Als die Karten auf dem Bildschirm auftauchen, explodiert meine Section förmlich. Mein Herz wird warm. Das sind meine Leute. Ehrlich, diese Menschen sind gekommen, um mir zuzuschauen, das sind meine Leute.
Also im Ernst… es geht um hundertausende Dollars und ich setze alles aufs Spiel und pushe mit einer lausigen Dame, die nicht mal suited ist??? Nein, diese Leute sehen, dass ich einen Standard-Move gemacht habe und von einer besseren Hand gecallt wurde. Es ist einfach eine spannende Situation. Bevor das Board kommt, habe ich durch diese Gedanken noch einen Moment der Freude.
Der Flop kommt Ace-high. Kevin trifft sein Ass.
Aber alles ist in Herz. Ich habe das einzige Herz in meiner Hand, die Herz-Neun. Ich stehe nur wenig schlechter da als vor dem Flop. Ich bin noch am Leben. Ich stehe da und schaue zu.
Der Turn ist kein Herz. Es ist eine Neun. ZOMG!
Ich brauche jetzt eine Neun. Ich brauche eine Dame. Ich brauche ein Herz.
Ich nehme den River gar nicht mehr richtig wahr, sehe nur, dass es keine Neun, kein Herz und keine Dame ist. Ich bin eliminiert.
Alles um mich herum ist jetzt völlig irreal und ich bewege mich langsam auf den Ausgang zu. Menschen schütteln mir die Hand. Ich sehe Jimmy. Als er mir die Hand gibt, flüstere ich ihm ins Ohr: “Schmeiß diesen motherfucker aus dem Turnier!” Jetzt bin ich am Ausgang. Muss ich noch etwas machen? Was mache ich jetzt?
Der Turnierdirektor hält mich fest und schickt mich zusammen mit einem Dealer zum Payout-Desk. “Folge ihm.” Der Dealer geht, ich folge. Beim gehen fragt er:
“Hast du deine Players Card?”
“Ja, habe ich.”
“Hol sie raus, du wirst sie brauchen.”
Am Desk ist eine kleine Frau in der Mitte des Amazon Rooms und ich sage zu ihr: “Event 8, Platz 7.” Sie fragt nach der Players Card und ich gebe sie ihr. Sie gibt mir eine Karte, auf der steht “2010 WSOP Event 8, 7th Place”. “Bring diese Karte zum “Käfig” und sie werden dich auszahlen.
Ich drehe mich um und meine ganze Rail ist da. Pfapfap, split, el nino, alle. Ich schüttle Hände wie verrückt und ich weiß nicht, was ich sonst tun soll. Sie beglückwünschen mich. Ich werde Mitgliedern von grindhouse vorgestellt, die ich bis jetzt noch nicht kannte. Ich kann mich aber an nichts erinnern, mein Hirn ist Matsch. Es dämmert mir, dass ich den meisten Leuten einige tausend Dollar schulde.
“Ich lasse mir das Geld erst morgen geben”, sage ich. “Mein Hirn funktioniert noch nicht. Ich komme damit im Moment nicht klar. Ich rufe euch morgen an.”
Fortsetzung morgen mit dem Epilog des Ganzen.
Hier der Link zum Thread bei twoplustwo.com
Kommentare






















Nochmal zur Info: Kurt hat im Event #8 als Siebter 72.087 Dollar gewonnen. Auf diesem Weg auch von mir vielen Dank an Kurt (er liest ja hier mit Hilfe von Google mit) und herzlichen Glückwunsch.
OK, die Bankroll geht dann wohl von ca.8k auf vielleicht 80k hoch, sehr schön, sehr dicht berichtet!
Nicht ganz Sky…. er hat doch 75% vom ticket verkauft…
Man bleibt, was man ist.
Ein schmaler Grat, früher pushen und den Sprung auf 7 verpassen bzw. dann weiter auf Sieg spielen ?!
Etwas zuwenig Infos in der entscheidenden Phase, was bedeutet Card Dead wenns um Stealing mit tightem Image gegen tighte Spieler geht?
Trotzdem nett wie weit man mit minimalistischem Poker kommen kann.
Auch mein absoluter Respekt an Kurt. Vor alem von der Kondition her eine tolle Leistung. Dieser blöde Pascal …
Sicher doch ist der 7 Platz ein sehr gutes Ergebnis, aber er schreibt ja immer, dass der Tisch voll tight ist. Hätte meiner Auffassung nach den Tisch mehr “bearbeiten” müssen, nicht bis er so einen kleinen Stack hat, wo ich als Bigstack auch mit 74 suited ein All in callen kann und eh niemand mehr foldet. Vor allem, wenn ich 75% verkauft hätte, dann hätte ich nur auf Sieg gespielt… Gibt in der Schweiz eine Sendung, wo man ein Los kaufen kann und wenn dann glücklicherweise Dein Los gezogen wird (sehr sehr kleine Chance), kannst Du einen Preis, wie eine Reise nehmen, oder gegen andere die gambeln wollen , um die Million mitspielen.. (meistens dann Chance 1:5 oder so) War doch für Kurt eine ähnliche Situation, da kommst Du einmal im Leben unter die letzten 20 in einem Riesenturnier und Du hast die Chance richtig zu gambeln und viel zu gewinnen und auch einiges zu verlieren, oder auf sicher gehen und weniger Gewinnen. Also wenn ich jemals die Wahl habe, eine Reise für 10k zu nehmem und auf Sicher zu gehen, oder um nichts und eine Mio für 1:5 zu spielen, dann muss ich keine Sekunde studieren und werde gambeln.
Gratulation an Kurt, aber schade, dass er von seinem tighten Nutten Image unter den letzten 20 kein Kapital geschlagen hat…
endlich mal ein kommentar von baskendoyle dem ich voll und ganz zustimme!