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Wie man bei der WSOP an den Final Table kommt – Beginn des zweiten Tages

Eine erholsame Nacht sieht anders aus, doch unser Held Kurt kehrt mit einigem Optimismus und passablem Stack zu Tag 2 von WSOP-Event 8 ins Rio zurück. So ging es für ihn weiter:

Wenn ich sage, dass ich pünktlich zum Spielbeginn um 14.30 Uhr ankam, bedeutet dies, dass ich mehr als eine Stunde zu früh war. Ich mag das. Wir zogen vom Pavillon Room zum Amazon Room um. Ich ging rein und fand meinen Platz. Platz 1, verdammte Scheiße! Ich hasse den ver*ten Platz 1! Ich muss nicht nur aufpassen, dass der Dealer mir meine Karten nicht einzieht (ich weiß, ich weiß, man muss seine Karten schützen!), sondern es ist außerdem fast unmöglich die Plätze 9 und 10 im Auge zu behalten. Der Dealer meinte, wir müssten bis 30 Minuten vor Turnierbeginn warten, bevor wir unsere Chips aus den Säckchen holten, daher machte ich mich auf den Weg, mir die Umgebung näher zu betrachten.

Der Pavillon Room liegt direkt neben den Toiletten und der Eingang zum Raucherbereich ist am Ende des Raums. Der Amazon Room war eindeutig weiter von den Toiletten entfernt und zum Raucherbereich musste man eine halbe Meile gehen. Ich überprüfte den Hinterausgang und entdeckte eina Tür, durch die man an einem kleinen Servicebereich vorbei in den „Pausenraum“ kommt. Ich habe diesen in Anführungszeichen gesetzt, weil es sich um einen Außenbereich, und keinen Raum, handelte. Es waren aber Tische unter Sonnenmarkisen aufgestellt und zwei Wagen mit Toiletten. Perfekt! Einen Katzensprung vom Tisch entfernt gab es einen Platz zum Pissen und Rauchen. Ich lasse es mir gut gehen und erhole mich bis etwa vor Turnierbeginn im Schatten, ehe ich reingehe und meine Chips auspacke.

Ich weiß nicht, ob ich mich oder meine Gegner (alles, worüber sie außer Poker nachdenken, ist prima) in eine behagliche Stimmung versetzen will, jedenfalls spule ich meine übliche „Redseliger Tischnachbar“-Nummer ab. „Hey, ich bin Kurt. Ich komme aus Kalifornien, wo kommst Du her?“ Zu meiner Linken sitzt ein freundlicher Texaner, der auf meine Konversation eingeht. Wir labern ein wenig, dann beziehe ich die anderen Spieler am Tisch mit ein. Ich finde heraus, wo jeder herkommt, wie toll sie es finden, dass sie es in den zweiten Tag geschafft haben, und bevor die Karten überhaupt ausgeteilt werden, habe ich den gesamten Tisch im Grunde abgecheckt.

Nicht dass ich etwas von diesen Informationen gehabt hätte, schließlich saß ich nur da und foldete. In meinem Kopf gab es ein wildes Durcheinander widersprüchlicher Stimmen. „Du wirst Dich nicht ins Geld folden, DU FISCH!“ „Warum zur Hölle nicht? Ich werde dieses Turnier nicht gewinnen und es wäre bitter, so weit zu kommen und leer auszugehen.“ Sieht so aus, als wäre es in meinem Kopf ziemlich heftig zugegangen, aber weil ich überhaupt keine Karten bekam, hieß das Motto „Fold.“

Der freundliche Texaner schob seinen Short Stack früh in die Mitte und schied aus. Zwei mittelgroße Stacks bekamen gleichzeitig gute Hände und warfen sich gegenseitig raus. Geht es nach diesem Tisch, sind wir ruckzuck im Preisgeld. Ich linse zum Monitor und sehe, dass wir noch fünf Plätze vom Preisgeld entfernt sind. Fein! Der Turnierdirektor gibt über das Mikrofon bekannt, dass nach zwei weiteren Eliminierungen Hand für Hand gespielt wird. Ich muss dringend pissen, aber ich kann wohl noch bis zur Hand für Hand-Phase warten. Ich folde noch einige weitere Minuten und der Turnierdirektor gibt über das Mikrofon bekannt:

“Nach dieser Hand beginnt die Hand für Hand-Phase. Die Dealer hören nach Beendigung dieser Hand bitte auf zu geben und STEHEN AUF. Es wird gewartet, bis alle Dealer stehen, dann beginnt die Hand für Hand-Phase. JEDER SPIELER, DER WÄHREND DIESES ZEITRAUMS AUFSTEHT, ERHÄLT EINE STRAFE.“

Poker als Beruf

Verdammt, ich muss pissen. Wir sitzen blöd am Tisch, der Dealer steht und es zieht sich. Eine Minute, zwei Minuten, fünf Minuten. Ich rufe über den Flur: „Floor! Ich muss auf Toilette.“ Er schaut mich an, als wolle er sagen, warum erzählst du mir das? Daher sage ich, „Es hieß, wenn ich aufstehe, erhalte ich eine Strafe!“ Er antwortet, „Wenn du gehen muss, geh“ und reißt mir förmlich den Stuhl unterm Hintern weg. Na gut.

Ich lasse Wasser, rauche eine Zigarette und kehre zurück. Die Dealer stehen immer noch und die Spieler warten, dass es weitergeht. Es zieht sich wirklich. 10 Minuten, 15 Minuten. Jeder fragt, was zur Hölle los ist. Am Tisch hinter mir scheint es einen Tumult zu geben, doch kein Mitarbeiter will meine Fragen beantworten und wir warten weiter und wundern uns.

Schließlich dringt die Stimme des Turnierdirektors wieder über das Mikrofon zu uns:

“Glückwunsch meine Damen und Herren! Sie sind alle im Preisgeld!“ Darauf folgt eine Anweisung, was man nach dem Ausscheiden zu tun hat, um sein Geld zu bekommen. Der Raum bricht in lautes Gejohle aus. Und wir spielen weiter. Ich folde einige weitere Hände.

Etwa 15 Minuten später bekomme ich in früher Position ein Paar Damen und raise. Der einzige Caller hat einen ziemlich großen Stack und mehr Chips als ich. Fantastisch. Der Flop ist trocken und bringt nur niedrige Karten, ich bringe eine Continuation Bet und er foldet. Ich bin glücklich. Und folde weiter.

Die meisten Short Stacks sind nun ausgeschieden, aber es gibt immer noch einige “Laufkundschaft” am Tisch. Außerdem zwei typische Internetspieler, einer auf Platz 5, der andere auf Platz 7. Der Spieler auf Platz 5 schien sich beim Live-Spiel unwohl zu fühlen, der andere war offenbar schon einmal hier. Außerdem sitzt auf Platz der „Pokerstars Pro“. Dieser Typ ist von Kopf bis Fuß mit Logos vollgepflastert und trägt eine verspiegelte Sonnenbrille. Es handelt sich aber nicht um die normale Pokerstars-Ausrüstung, sondern es steht “Offizieller Pokerstars Pro” drauf. Seine Freundin hat irgendetwas mit PokerNews zu tun und drückt ihm am Tisch die Daumen. Ich habe ihn nicht erkannt.

Der „Pokerstars Pro“ sollte mein Fluch werden, aber nicht aus den Gründen, die Ihr Euch denkt. Ich muss ihm Anerkennung zollen, der Mann war ein Roboter. Er saß völlig bewegungslos da, die Augen durch die verspiegelte Brille verdeckt, ständig in der EXAKT gleichen Haltung: Rücken gerade, Kopf nach vorne gebeugt, linke Hand ruhig auf dem Tisch. Er bewegte sich nur, um seine Karten anzusehen, Chips in den oder aus dem Pot zu bewegen und sich anschließend wieder in seine statuenhafte Position zu begeben. Der Dealer befand sich zwischen uns, daher musste ich mich vorbeugen und meinen Kopf recken, um ihn zu sehen. War er nicht in der Hand, sah ich ihn so da sitzen: Rücken gerade, Kopf nach vorne gebeugt, linke Hand ruhig auf dem Tisch. Und der Clou: Fieserweise schützte er seine Karten mit der linken Hand. Spielte er eine Hand, sah ich somit das GENAU gleiche Bild: Rücken gerade, Kopf nach vorne gebeugt, linke Hand ruhig auf dem Tisch. Ich hatte KEINE Chance zu erkennen, ob er gefoldet hatte oder noch überlegte.

Nun, dies ist die WSOP, also schert Euch zum Teufel, wenn Ihr meint, ich würde agieren, bevor ich an der Reihe bin. Ich fragte ihn deshalb in jeder Hand, ob er noch Karten habe. Versteht Ihr, ... er antwortete nicht. Er saß einfach da, Rücken gerade, Kopf nach vorne gebeugt, linke Hand ruhig auf dem Tisch und ignorierte meine Frage. Was für ein rücksichtsloser Depp.

Die letzten 20 Minuten vor der Pause verbrachte ich mit Folden (was sonst) und fragte ihn in jeder Hand, ob er noch Karten hat (und wurde immer ignoriert). Ich bat den Dealer, ihn zu fragen, ob er noch Karten hat. Er antwortete dem Dealer. Das ist mein neuer Trick.

Pause! Ich zische durch die Hintertür, gehe zu den Toiletten und pisse, ohne in einer Schlange stehen zu müssen. Anschließend rauche ich unter der Markise zwei Zigaretten. Ich berechne meinen M im nächsten Blind-Level, schreibe ein Twitter-Update, tausche SMS mit El Nino und habe immer noch einige Minuten Pause. Ich erlaube mir einen Gedanken daran, dass ich bei der WSOP zum ersten Mal im Preisgeld gelandet bin. Zu diesem Zeitpunkt habe ich 2.800 $ sicher! Abzüglich des Buy-In mal mein Anteil von einem Viertel minus die Abzüge von Vater Staat habe ich …summasummarum …. nicht ganz 200 $ gewonnen.

Fortsetzung morgen mit Kurts großem Lauf an Tag 2.

Hier der Link zum Thread bei twoplustwo.com


Diskutiere Wie man bei der WSOP an den Final Table kommt – Beginn des zweiten Tages ausführlicher auf PokerRing

Kommentare


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  • DER SPANIER
  • 30.07.10

“Offizieller Pokerstars Pro” Laugh

Das war wohl so ein selfmade Pullover der von Omi gestrickt worden ist ^^


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  • Marocstyle
  • 30.07.10

Der Spanier ist aber lustig…...! :-D


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  • DFlo
  • 30.07.10

Ich finde den Bericht total spannend und vorallem sehr sympatisch! Freue mich schon auf morgen und die Fortsetzung!


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  • -_-
  • 30.07.10

Ich finde diese Artikel Serie super! heute hab ich allerdings einen kleinen Kritik-Punkt: Statt pissen hätte man auch pinkeln schreiben können, das passt einfach nicht richtig zum restlichen Artikel, der zwar auch mit lockerer Zunge geschrieben wurde aber bis jetzt nicht vulgäres enthielt.

P.S.: Im Dritten Abschnitt ist ein Rechtschreibfehler: ”...und entdeckte eina Tür…”

Ansonsten weiter so, sehr lesenswert!


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  • Baskendoyle
  • 30.07.10

@_: Der Lektor hat gesprochen… Smoke PS: Nach einem ! schreibt man gross weiter (Ich finde diese Artikel Serie super! heute…; richtig wäre hier mit Heute weiterfahren… Arbeitest Du als Beamter oder so? Smoke


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  • -_-
  • 30.07.10

Hehe, nein das nicht. Ist natürlich clever leute auf Rechtschreibfehler hinzuweisen wenn man selber welche schreibt… Smile


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  • carlos
  • 30.07.10

Schickt mir mal den originaltext ich übersetz euch alles auf einmal. will mehr lesen!


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  • lol
  • 30.07.10

He, Baskendoyle, steh mal auf und schaue auf deinen Stuhl. Möchte wetten, daß da ein paar Korinthen liegen!


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  • Kriechbaum
  • 31.07.10

ERBSENZÄHLER PACK !!!!!!

Mfg Kriechbaum ANBLASEN !