Bogota – Lieber Hausfrauen oder Koksnasen?
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- Carsten Weidling, Sonntag. 21. März 2010
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Im kolumbianischen Bogota lag mein Hotel mitten in Downtown. Einer Ecke, wo man sich abends mehrfach überlegt, ob man rausgehen soll. Aber auf einer nahen Straße fand ich gleich mehr als 10 Casinos.
Chris, der Chef vom “Jacks”
Quelle: carstenweidling.de
Mit so klangvollen Namen wie Aladdin, Casino-Club und Golden Palace. Doch gepokert wurde hier nur in im „Faraon Dorado“. Hausfrauen und Studenten verspielen hier ihr Taschengeld und langweilen einen. Witzig aber sind die Regeln. Zunächst einmal wird, wie beim Black Jack, nach dem Mischen das Kartendeck mit der Deckkarte vom Button geteilt. Dann gilt Vorwerfen als Fold. Und alle lieben den Mississippistraddle. Was heißt, der Button kann so viel wie er will preflop erhöhen. Gähn und Nerv!
Ganz anders in „Zona T“, dem Stadtteil, wo alles etwas nobler ist. Dort gibt es auch diverse Pokerclubs. Ich probierte das „Rockefeller“ und den Club „Jacks“. Im „Jacks“ stieg ich auch gleich in ein Turnier ein und bemerkte, die Regeln sind internationale Regeln. Das könnte Chris liegen, dem Chef. Er ist halb englisch, halb deutsch, in Jamaika geboren und in Kolumbien aufgewachsen.
Man spielt Turniere von 120.000,- bis 300.000,- Pesos. Also ungefähr 50 bis 120 Euro. Der Club ist schön und bequem und an 5 Tischen wird gespielt. Kurioses: Wenn einer zulange überlegt, wird ihm eine kleine Sand-Eieruhr vor die Nase gestellt. Wer pünktlich am Turniertisch sitzt, bekommt 10 Prozent mehr Stack. Die Chips im Turnier sind ohne Zeichnung und so braucht man etwas, um deren Wert zu verstehen. Spanisch zu können, ist zu empfehlen. Nicht für das Spiel, sondern für den Weltfrieden.
Die großen Spiegel braucht man eben in Südamerika…
Quelle: carstenweidling.de
So wurde ich von einem älteren Herrn, der zwar nicht alt genug war um mit Simón Bolivar gekämpft zu haben, aber sicherlich Seit an Seit mit Pablo Escobar im Schnee wühlte, mehr als nur deutlich darauf hingewiesen, dass ich nun in seinem Land wäre und gefälligst seine Sprache zu sprechen hätte. Bueno! Das Turnierspiel verlief halbwegs normal, wenn auch der allgemeine südamerikanische Optimismus unerschütterlich ist und ein Drei-Outer als gute Investition gilt. Ein solcher gab mir auch schließlich die Chance, zum Cash-Game zu wechseln.
Eine Menge altes “Bling-Bling”
Quelle: carstenweidling.de
Brüder, Pokerfreunde, Landsleute, der Wahnsinn lebt! Viele der Spieler waren unterwegs, als würde man in Kolumbien dem Klischee entsprechend nicht ohne eine armdicke Koksline aufwachen dürfen. Panik, Gottvertrauen und Geldverachtung in Perfektion. Und das war das noch eher moderate Hold`em. Was ich danach beim Pot Limit Omaha erlebte, sprengte meine Vorstellungskraft. Denn was gefühlte 12 Generationen familiärer Kokainmissbrauch so anrichten können, erlebt man hier. „Die Pablo-Escobar-Classics“! Obwohl mit Blinds von 5.000 und 5.000 gespielt wurde, waren immer mindestens 250.000 im Pot. Gern waren aber auch schon preflop mehrere Spieler mit deutlich über 300.000 all in. Und einen Pot von 1,5 Millionen bei diesen Blinds und Pot-Limit muss man erst mal hinbekommen.
Die Träume, die beim PLO ohnehin immer groß sind, können in der Potenzierung von Bogota an diesem Tisch nur einem jahrzentelangen Dauerrausch geschuldet gewesen sein. Das Spiel läuft so: Schauen, beten, raisen, jubeln, Nasenscheidewand malträtieren. Ich bin noch gut davongekommen. Das war aber Glück und hatte nichts mit Poker zu tun. Mir ist jetzt noch schlecht.
Ja, die guten alten Ameisen unter der Haut… äh an den Wänden…
Quelle: carstenweidling.de
Was ich praktisch finde, viele Spieler haben größere Dollarsummen im Club deponiert, von denen sie immer wieder Geld abrufen können. Das ist insofern sinnvoll, als dass die größte Banknote in Kolumbien, der 50.000-Peso-Schein ist, der ungefähr 25 Euro entspricht. Und so wie hier gespielt wird, müssten viele mit dem Handwagen anreisen. Es gibt auch einen VIP-Bereich im Club, bei dem man sich mit Summen von 2 bis 5 Millionen an die Tische setzen kann. Hauptregel: Mehr Kohle, mehr Wahn!
Fazit: Gehen Sie mal hin und behalten Sie sich Ihre „Zoo-Einstellung“. Denn was für possierliche Tierchen Sie sich da in ihren Revierkämpfen anschauen können, macht schon Laune. Doch wie im Zoo heißt es: “Betreten des Geheges auf eigene Gefahr”.
Euer Carsten Weidling on Tour
Wer mehr über Carsten und seine Weltreise erfahren möchte, kann gern auf www.carstenweidling.de nachlesen.
Kommentare

















Hallo, schöne Grüsse aus Bogota, Downtown. Man kann hier auch abends rausgehen. Und hören Sie bitte auf aus reiner Effekthascherei irgendwelche Horrormärchen zu erzählen. Ihr Schilderung hat mit der Realität in dieser Stadt nichts tun.
LAL Nit Der Blog ist nicht gerade interessant.
wie hier wieder übertrieben wird! das mit der sprache passiert dir in jedem land, “du bist hier in meinem land,du musst meine sprache sprechen”, sogar in vegas haben sie zu mir gesagt,”the only spoken language in the states is english. und die sache mit dem omaha ist auch normal, dass bei 5/5 die pötte 250 und mehr betragen auch mal mit 300 preflop allin. auch kann man in den meisten casinos dieser welt depots mit seinen dollars einrichten. und der buttonstraddle wird auch im zockerparadies las vegas gespielt. einzig und allein die sanduhr ist was außergewöhnliches (is ja der hammer), aber auch in anderen casinos wurde bei zu langem überlegen schon mal “time” anonciert.
Weiter so Carsten, lese deine Texte mit Begeisterung und mag deinen Stil. Du hast – im Gegensatz zu vielen anderen – was zu erzählen.
Hallo Freunde der sachlichen Schilderung. Natürlich übertreibe ich. Ist doch kein Ratgeber und Sachbuch. Ist eine Reiseschilderung, ihr Lieben. Ich bin auch Downtown rausgegangen und hatte Spaß. Und ich habe auch nicht gesagt, dass sowohl das mit der Sprache als auch das mit den Depots hier einzigartig ist. Es ist mir eben nur hier besonders aufgefallen und so eben Teil meine Geschichte. GESCHICHTE! Sachbücher gibt es woanders. Aber eines kann ich gleich sagen. Ich hatte in Bogota eine gute Zeit und habe nette Leute kennen gelernt. Ich werde sogar in einer Woche wieder hinfliegen, weil ich eine sehr nette Verabredung habe. Also alles gut in Bogota. .... Mann, bin ich gespannt, was passiert, wenn der Text über Caracas demnächst hier reinkommt. Da bekomme ich bestimmt Haue von den Venezuela-Fans. Liebe Grüße aus Panama und nehmt es locker. Carsten on Tour
Nur nicht verteidigen! Ich mag deine Texte!
Ich war auch schon mal in Bogota und muss sagen, ein bisschen unwohl habe ich mich da auch gefühlt. Auch wenn nichts passiert ist. Leider habe ich nicht gespielt. Nächstes Mal! Der Text ist witzig!
ich war auch schon dort und der carsten hat recht,ganz üble stadt. vorsicht!
Toll geschrieben, interessanter Bericht
saludos desde Medellin Carlos http://www.kolumbienforum.net
Super Geschichte. – Ich steh auf deinen Stil.
Hab echt gelacht. Und bin keiner der Neider. Aber das nächste Mal willl ich mit.
guten Abend die Herren und besser wissenden… es ist doch immer wieder ein Erlebnis diese Globetrotter Geschichten zu lesen. was bedeutet Effekt Hascherei??? wird wohl mit Spaß am leben und an der Arbeit verwechselt? Der Kollege ohne Namen aus Bogota Downtown hat wohl nich so viel Spaß da? Es sind keine “sachberichte”
sondern “Erlebnisse” mit ner Prise Humor
und ein bisl Übertreibung
(egal), die uns allen vielleicht den Geschmack auf Urlaub machen sollen. Oder für die H4 Fraktion, die sich das alles nicht leisten kann oder will. Mir gefällt es, mir macht es Lust und wem es nicht gefällt der sollte selber schreiben. Aber ob die hier jeden schreiben lassen??? glaube nicht. Ich wünsche Carsten noch viel Spaß …
Deine Stories werden besser und besser. Weiter so, ist total spannend.