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Der Globetrotter von Carsten Weidling
Carsten Weidling

Pokern um Bolivianos in Bolivien

Zurück in Südamerika. Nachdem ich nun im vergangen Jahr eher im Süden unterwegs war, bin ich nun weiter hochgerutscht. Meine erste Station auf dieser Etappe meiner Weltreise war dann also Bolivien. Wer noch nicht da war, wird bald feststellen, dass Bolivien mindestens zwei Länder sind.

sc2 Impression aus Bolivien – Fast so schön wie ein Gemälde…
Quelle: carstenweidling.de

Zunächst war ich in La Paz. Und ich muss leider zugeben, ich bin in der Höhe von beinahe 4.000 Metern nicht mehr atmungsaktiv. Mein Herz raste, meine Lungen wollen mir ständig mitteilen, dass sie nun bereit wären zu kollabieren und der Rest des mittelalten Organismus fragte beim Großhirn auch ständig nach, was zum Geier ich hier eigentlich will.

Und obwohl La Paz interessanter ist als Santa Cruz, türmte ich dorthin. Die ungefähr 3.000 Höhenmeter Unterschied und die 15 Grad höheren Temperaturen ließen meinen eben nicht höhentauglichen Körper sehr schnell aufblühen. Im Hotel empfahl man mir, mich Nächtens mal auf der Monsenor Rivero umzuschauen. Die Frau hinterm Rezeptionsschalter war bolivianisch süß, so traute ich ihr und machte mich auf den Weg.

PO1 Das Casino – “Das ist ein Superbingo…”
Quelle: carstenweidling.de

Hübsche Restaurants, kleine Bars und, siehe da: ein Casino. Nun ja, zunächst sah ich nur in Leuchtbuchstaben „BINGO“ und ging weiter. Auf derselben Straße fand ich dann noch so eindrucksvolle Etablissements wie das „Mirage“ und das „Palace“. Hübsch mit Leuchtzeugs und Kram. Das „Palace“ war nur ein Automatencasino, und im „Mirage“ war es so gruselig, dass man dem Original in Las Vegas (gleicher Schriftzug) mal einen Tipp unter Brüder geben solle. Unten gab es wieder nur Automaten. Dann führte man mich die Treppe hoch und zwischen Lagerregalen mit Kram der aussah, als wäre er gerade vom LKW gefallen und einer Art Büroeinrichtung, standen in der Ecke ein Black-Jack-Tisch und ein Baccaratisch. Ich zog es vor zu verschwinden.

PO2 In fröhlicher Runde beim bolivianischen Turnier
Quelle: carstenweidling.de

Also zurück zu den „BINGO“-Lettern. Und siehe da (schon wieder), in der ersten Etage standen gleich zehn hübsche Pokertische. Wie ich jetzt sah, hatte die „BINGO“-Halle auch einen Untertitel: „Bahiti`s Club. Auf den Flyern zum Haus sah ich dann auch, dass es diese Kette auch in La Paz, Cochabamba, Sucre, Tarija und Trinidad gibt. Ich hatte Glück, und ein Turnier begann gerade. Man spielt mit US-Dollar und ist für 10 Dollar dabei. Es haben 80 Spieler mitgespielt und sich in den ersten beiden Stunden auch reichlich Re-buys gegönnt. Das Spiel ist wild und alles was suited ist, ist eine Hand. Was einen Blind wert ist, ist auch ein Fünfach-raise wert. Es wird gern bis zum Schluss gebettet und dann hin und wieder auch getroffen.

Meine Lieblingshand war ein Weg über diverse Raises bis zum beidseitigen All in mit J4 und K9, bei dem sich J4 den Pot zog, weil er auf dem River den angestrebten Flush bekommen sollte. Beim Cashgame ist es freilich nicht besser. Es wird mit Blinds von 0,25 und 0,50 Dollarcent gespielt. Man kann zwischen 20 und 50 Dollar an den Tisch bringen. Die meisten kommen mit 20 Dollar und dann hauen sich die Jungs die Taschen voll, dass ich aus dem Grinsen nicht mehr rauskam, weil mir immer klarer wurde, warum denn nun „BINGO“ über dem Eingang steht. Das heißt, am Anfang sind bei jeder zweiten Hand 1 bis 4 Spieler All in.

sc8 Jaja, die Frauen – immer am Tratschen und im Schatten…
Quelle: carstenweidling.de

Erst gegen 4 Uhr morgens wurde das Spiel anständig und einige am Tisch hatten so viele Chips vor sich liegen, dass sie vorsichtiger wurden. Alkoholfreie Getränke gibt es kostenlos, die Mädels sind atemberaubend wie La Paz und es wird am Tisch geraucht wie bescheuert. Und meine Lieblingsbesonderheit: Die Karten sind die dünnsten, mit denen ich je gespielt habe. Alle sind verbogen, dass es sie quasi über den Tisch wippen.

Ach ja, das Turnier. Wie man sehen kann, war der Final Table eine illustre Runde. Ich war natürlich der einzige Ausländer. Und nicht nur an diesem Tag, sondern seit 2 Monaten und der erste Europäer seit knapp Menschengedenken. Sonnenbrillen und anderen Krimskrams gibt es nicht und alle hatten Spaß. Ich bin Zweiter geworden und wurde von einem Neuspieler geschlagen. „BINGO“ hat letztlich gewonnen, aber ich hatte danach reichlich Bolivianos in der Tasche, im Wert von… Zeug.

Euer Carsten Weidling on Tour

Wer mehr über Carsten und seine Weltreise erfahren möchte, kann gern auf www.carstenweidling.de nachlesen.

Poker als Beruf

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Kommentare


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  • Michaela
  • 11.03.10

Leider kennen wir uns nicht persönlich. Aber ich muss dir sagen, ich mag deine Texte sehr. Und ich bin ein bisschen neidisch. Schreib wieter so. So muss Poker doch echt Spaß machen.


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  • Frank767
  • 11.03.10

Weiter so. Endlich hören wir mal ein paar andere Pokergeschichten.


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  • hunger
  • 11.03.10

Und gefährlicher kann es in Bolivien auch nicht sein. Immerhin hat man mitten in Berlin die ept überfallen. Smoke


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  • Carsten Weidling
  • 11.03.10

Dazu ein Sofortkommentar. Ich bin gerade in Bogota/Kolumbien. Und da lachen sich die Spieler schlapp über die Nummer in Berlin. Wo doch gerade Kolumbien so gefährlich sein soll und Deutschland so sicher. Und wer um die Bemühungen weiß, das Image von Kolumbien aufzubessern, wird die leichte Schadenfreude hier verstehen. Aber auch darüber demnächst mehr in der Geschichte aus Kolumbien. Gruß in die Heimat Carsten on Tour


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  • the rock
  • 11.03.10

let`s rock!


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  • the rock
  • 11.03.10

... war in berlin…. Happy Smoke


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  • LP89
  • 12.03.10

Super Beitrag. Wie eigentlich alle von dir. Ja, in Berlin war es ganz schön wild. Aber wie ich gerade in der Bild lese, hat es gestern beim Metallica-Konzert bei dir in Bogota total geknallt. Warst du dabei?


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  • Carsten Weidling
  • 14.03.10

Oh nein. Ich muss ja nicht bei jedem Theater mitmachen. Obwohl man auf einer solchen Reise schon immer mal in kuriose Sachen vestrickt wird. Aber nein, in Kolumbien hatte ich wirklich, neben meiner Schreiberei, genug andere Abwechslung. Und da ich hier nun gerade wieder verschwinde und nach Venezuela fliege, kann ich abschließend sagen: Kolumbien lohnt sich. – Wenn man aufpasst!