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Strategie von Ed Miller
Ed Miller

Blufft mein Gegner?

Ihre Gegner bei No-Limit Hold’em bluffen. Das mag Sie schockieren, aber es stimmt. Die entscheidende Frage ist aber vielmehr, ob Ihre Gegner damit durchkommen oder ob Sie etwas dagegen unternehmen.

Haben Sie keinen geeigneten Plan, um mit gegnerischen Bluffs zurecht zu kommen, sollten Sie diese vielleicht einfach zulassen. Zwar bluffen alle Spieler gelegentlich einmal, aber die wenigsten bluffen so oft, dass Sie diese mit zufälligen Calls zu Ehrlichkeit zwingen können. Suchen Sie Ihre Gelegenheiten für einen Call nicht mit Bedacht aus, sollten Sie Ihren Gegnern vermutlich deren gelegentliche Bluffs einfach gestatten.

Da mich diese Einstellung aber nicht zufrieden stellt, möchte ich Ihnen dabei helfen, einen Plan zu entwickeln, durch den Ihre Gegner zumindest manchmal nicht mehr mit ihren Bluffs durchkommen.

Dazu das erste Prinzip, um Bluffs zu entlarven. Ihre Gegner werden weitgehend nicht mit Händen bluffen, die Showdown Value besitzen, sondern nur mit Händen, die ihrer Meinung nach keine Chance haben, wenn die Karten aufgedeckt werden. Mit anderen Worten werden Ihre Gegner mit C9D7 auf einem Board mit CkC8S6D2Da vielleicht bluffen, wahrscheinlich aber nicht auf einem Board mit CkC8S6D2D9. In der zweiten Hand würden die meisten Spieler eher durchchecken.

Wenn Ihr Gegner ein breites Spektrum wertloser Hände haben kann, sollten Sie einen Bluff für möglich halten, aber eher nicht callen, wenn es dafür wenige Möglichkeiten gibt. Hierzu einige Beispielhände, in denen Sie mit dieser Technik mögliche Bluffs entlarven bzw. einen schlechten Call vermeiden können.

In einer No-Limit-Partie mit Blinds von 2 $/ 5$ haben die meisten Spieler effektive Stacks von 500 $. Alle folden und Sie haben vier Plätze vor dem Button DaDk. Sie raisen auf 25 $, der loose Spieler auf dem Button callt und die Blinds folden.

Auf dem Flop kommen HjH9C3. Sie setzen 35 $ und er callt. Es sind 127 $ im Pot. Auf dem Turn kommt die D4. Sie checken und Ihr Gegner checkt ebenfalls. Auf dem River kommt die C4. Sie checken und Ihr Gegner setzt 100 $.

In diesem Fall können Sie einen Call in Betracht ziehen. Ich halte diesen nicht gegen jeden Spieler für selbstverständlich, aber diese Hand erfüllt das Kriterium „breites Spektrum wertloser Hände.“ Wieso?

Ihr Gegner ist loose und kann sich demzufolge den Flop mit Händen wie XqX8, X10X7, H5H2 und einigen mehr angesehen haben. Durch den Flop mit XjX9X3 und zwei Herz-Karten sind viele Draws möglich: Flush Draws und Straight Draws, die sich um XjX9 ranken. Sehr häufig hat Ihr Gegner bei seinem Call auf dem Flop eine solche Hand, während er mit einem starken Blatt wie X3X3, XjX9 oder XaXj womöglich geraist hätte. Selbst wenn er mit einem Call eine Falle stellen würde, sind die starken Hände von Natur aus unwahrscheinlicher. Ein Call weist daher mit größter Wahrscheinlichkeit auf einen Draw oder ein mittelstarkes Paar mit XjX6, X9X7 oder vielleicht X5X5 hin. Der Check Ihres Gegners auf dem Turn bestätigt fast sicher, dass er keine starke Hand hat. Schwache Paare und Draws sind weiterhin in seinem Spektrum.

Die Karte auf dem River verbessert praktisch keine Hand, mit der Ihr Gegner auf dem Flop gecallt haben konnte. Nur ein Zufallstreffer mit H7H4 wäre denkbar. Aus diesem Grund befinden sich in seinem Spektrum weiterhin die schwachen Händen und die Draws, von denen die meisten nun wertlos sind. Gemäß des Bluffs-Prinzips würde er mit Händen wie X9X7 oder X5X5 vermutlich checken, um sich den Showdown anzusehen, und demzufolge kann seine recht hohe Bet auf dem River durchaus ein Bluff sein.

Pokerblatt

Nun eine weitere Hand. Sie sind auf dem Button und halten DaCq. Ein Spieler limpt und Sie raisen auf 25 $. Der Big Blind und der Limper callen.

Auf dem Flop kommen D10H5C5. Ihre Gegner checken, Sie setzen 45 $ in diesen Pot mit 77 $ und nur der Big Blind callt. Auf dem Turn kommt die H9. Der Big Blind checkt und Sie checken ebenfalls. Im Pot sind weiterhin 167 $. Auf dem River kommt der Cj. Ihr Gegner setzt 100 $.

In diesem Fall sollten Sie folden. Ihr Gegner kann nur wenige wertlose Hände haben und demzufolge blufft er vermutlich nicht. Der Big Blind callte auf dem Flop ohne Position, obwohl noch ein Spieler hinter ihm war. Der Flop brachte ein Paar und Karten in drei verschiedenen Farben, wodurch keinerlei Draws möglich waren. Seine mutmaßlichen Hände für einen Call sind ein Drilling Fünfen, eine Zehn, ein Pocket Pair oder vielleicht zwei hohe Karten wie XaXk oder XkXj. Auf dem River wurden Sie von Blättern wie XkXq und XqXj überholt und liegen gegen die Paare und Drillinge weiter hinten. Sie schlagen praktisch keine Hand. Diese Bet ist vermutlich kein Bluff und es gibt keinen Grund, an der Ehrlichkeit Ihres Gegners zu zweifeln.

Diese beiden Beispiele repräsentieren die beiden Extreme des Spektrums, bei der Frage, ob Sie einen Bluff entlarven sollten. In der ersten Hand waren viele Bluffs denkbar und in der zweiten fast keiner. In vielen Pots liegt die Wahrheit dazwischen und ein Call hängt stark von Ihrem Urteilsvermögen und den gegnerischen Tendenzen ab.

Nehmen wir etwa an, ein Spieler limpt mit 5 $ vom Cut-Off. Der Small Blind stockt auf und Sie raisen im Big Blind mit DkDq. Nur der Limper callt. Der Flop bringt D9C7C6. Sie setzen 50 $ und Ihr Gegner callt. Auf dem Turn kommt die Hq. Sie setzen 140 $ in diesen Pot mit 165 $ und Ihr Gegner callt. Auf dem River kommt das Da. Sie checken und Ihr Gegner geht in diesem Pot mit 445 $ mit 310 $ All-In.

Zweifellos ist dies eine sehr schwierige Situation. Das Ass ist eine wirklich gefährliche Karte, weil Flush Draws mit einem Ass und Hände wie XaX9 und XaX8 Sie nun schlagen. Viele Spieler würden mit einem Ass aber nicht so spielen. Mögliche Abweichungen sind zum Beispiel ein Fold auf dem Turn mit einem schwachen Draw wie XaX8 und auch mit einer Hand wie CaCj ist ein All-In auf dem River keineswegs selbstverständlich. Zwar ist das Ass definitiv eine Drohung, doch nur wenige Spieler würden mit einem Ass so spielen, wenn sie nicht gerade mit CaCq einen glücklichen Volltreffer gelandet haben.

Wofür fürchten Sie sich dann, wenn das Ass auf dem River keine völlig glaubwürdige Drohung ist? Auf dem Turn schienen Sie die beste Hand zu haben und das Ass hat weder den Flush Draw noch den Straight Draw auf dem Flop vervollständigt.

Diese Bet kann durchaus ein Bluff sein. Viele Draws sind nicht angekommen und Ihr Gegner könnte mit dem gefährlichen Ass maximale Hebelwirkung entfalten. Die Bet könnte aber auch eine sehr starke Hand bedeuten, mit der Ihr Gegner bisher nicht die Katze aus dem Sack gelassen hat. Es gibt in diesem Fall keine eindeutige Antwort – gegen einige Spieler würde ich callen und gegen andere folden.

Unabhängig von Ihrer Entscheidung im letzten Beispiel sollten Sie aber nicht zufällig vorgehen. Mithilfe des ersten Prinzips zum Entlarven von Bluffs können Sie schlussfolgern, dass dies möglicherweise ein Bluff und ein Call deshalb unter Umständen ein guter Spielzug ist.

Halten Sie sich an das Prinzip, werden Sie nicht immer richtig liegen. Sie werden aber planvoll spielen und mit etwas Erfahrung einige exzellente Calls machen, über die Sie vorher nicht einmal nachgedacht haben.


Kommentare


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  • nextsunday
  • 04.03.10

im ersten beispiel ist der river falsch gespielt, wenn ich mit AKsu einen rivercall in betracht ziehe (mit A hoch), dann kann man lieber selber anspielen mit ca 70$, wenn man hinten ist spart man 30$. Es gibt bessere Spots als mit A hoch Bluffs aufzudecken, besonders weil die odds bei 100 für 127 ziemlich schlecht sind und man damit schon ziemlich sicher sein muss um einen check call als strategie zu spielen!


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  • thE_dEVILFISh
  • 04.03.10

Passend platzierte und passend hoch dimensionierte Block-Bets halte ich oft für die bessere Variante als einen Check zu spielen.

Außerdem würde ich es davon abhängig machen, ob mein Gegner zuletzt evtl. Tilt war oder eben nicht. Der Faktor “Loose” spielt auch noch eine Rolle, aber dieser wurde ja bereits erwähnt.


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  • SickNik
  • 04.03.10

Guter Artikel, aber die letzte hand würd ich denk ich folden, geb ihm da auch set oder str8 nachdem er preflop nur gelimpt hat…


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  • Newcomer
  • 05.03.10

Sry, aber der Artikel bringt einen nicht wirklich weiter. Die Range der Hände mit denen geblufft wird ist einfach viel zu groß. Zudem kommt das “donken” gerade ganz groß in Mode… Lieber einen Pot abschenken, selbst wenn man glaubt der Gegner blufftt, als einen Hero-Call zu machen und sich dann doch die stärkere Hand anschauen müssen. Der Spot bei dem man gegen einen typischen Bluffer die Nuts hält kommt (fast) immer irgendwann…


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  • Sky
  • 06.03.10

Sehr schöner Artikel, auch die Feststellung, dass in der Praxis oft grundsätzlich zu wenig geblufft wird sich ein Call nicht lohnt. Überl übrigens auch, dass bereits halbwegs gute Spieler in Beispiel 2 (zwei Vieren auf Turn und River) mit jedem Pair gelegentlich eine Value Bet versuchen…