Der Versuch, Japanern das Pokern beizubringen
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- Carsten Weidling, Dienstag. 23. Februar 2010
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Zunächst vorweg: Ich bewundere Japan, ich bin ein großer Fan der japanischen Lebensweise und bin versucht anzunehmen, dass die Japaner auf einer höheren Evolutionsstufe angelangt sind.
Tokio ist New York auf Speed – Wie man auf diesem Bild sehr schön sieht
Quelle: carstenweidling.de
Zudem muss man sagen, dass gerade der Japaner in Japan (auffällig ist, dass Japaner außerhalb der Heimat komplett anders sind) zirka sechs Herzen und acht Gesichter hat. Es ist also immer eine Herausforderung, den Japaner in der jeweiligen Situation richtig einzuschätzen und sich dann auch politisch korrekt zu verhalten, um die mannigfaltigen Fettnäpfchen Japans zu umgehen.
In Tokio konnte ich kein Casino entdecken. Was man aber unabdingbar liebt und wahrscheinlich auf einer Ebene mit Kimonos, Sushi und den Melodien jeder einzelnen U-Bahn-Linie nennen muss, ist Pachinko. Dies ist ein Spiel, bei dem sich jeder Spieler mit Hunderten von Metalkugeln bewaffnet vor einem Automaten setzt, die Kugeln oben einfüllt und versucht und vor allem hofft, dass diese ewige klingenden Kugeln durch ein Labyrinth aus Stiften, Kanälen und Klappen einen siegreichen Weg finden. Dabei erhofft man sich, dass der Automat danach noch mehr scheppernde Kugeln ausspuckt.
Und so sitzen die Japaner in Hallen mit Hunderten bis Tausenden Automaten mit riesigen Körben und Wannen voller Kugeln und verursachen einen Lärm, der jedem startenden Jet ein Aufmerksamkeitsdefizit beschert. Ein Wahnsinn schlechthin.
Zwei Japanerinnen im “Burberry-Look”
Quelle: carstenweidling.de
Ich hatte das große Glück, in einem kleinen Lokal unter einer Shinkansenbrücke beim Essen von Yakitori eine Truppe junger Internetdesinger kennenzulernen, die sich mir sehr offen zeigten und, wie es in Japan nicht ungewöhnlich ist, auch wirklich an dem interessiert waren, was ich so treibe.
Die Stichworte „Weltreise“, „Autor“ und Poker“ stießen dabei auf das größte Interesse. Alles was die typischen Insulaner von Deutschland bis dahin wussten, war neben dem typischen Fußball, Bier und Autos, die eigenwillige Mischung aus Dreimächtepackt, Claudia Schiffer und Rammstein.
Nun gut, nach zwei Bier auf meiner Seite und einem bei meinen neuen japanischen Freuden (vielmehr sollten man ihnen auch nicht geben) zogen wir in eine typische Privatwohnung in Tokio weiter. Auf üblichen 24 Quadratmetern in dieser Stadt, die immer wirkt wie New York auf Speed, versuchte ich nun, absoluten Neulingen das Pokern beizubringen. Da man immer sehr lernbegierig und dankbar ist, wurde dies zu einem sehr ruhigen und wissbegierigen, statt zu einem lauten und wilden Abend.
Das traditionelle Tokio wie aus dem Film “Shogun”
Quelle: carstenweidling.de
Das Spiel selbst war natürlich unwichtig, aber es war mal wieder einer meiner geliebten Pokermomente, die den Spaß weit über die Ertragshoffnungen stellen. Für den zugegebenermaßen unwahrscheinlichen Fall, dass Sie mal mitten in Tokio ebenfalls fünf jungen Japanern das Pokern beibringen möchten, hier die wichtigsten Tipps, wie Sie gerade stolz neu dazugelernte japanische Traditionen aus dem Pokerspiel raushalten:
1.Entgegen der Praxis bei den Visitenkarten müssen Sie Spielkarten nicht mit zwei Händen übergeben und entgegennehmen.
2. Sie müssen sich nicht bei jedem generischen Raise mit einer Reihe „von Hai, Hai, Hai`s“ und leichten Verbeugungen bedanken.
3. Sie dürfen den Gewinn eines Pots einstreichen, ohne sich bei den „sehr verehrten Gegnern“ zu entschuldigen, weil das „sehr verehrte Board“ gut zu ihren „sehr verehrten Karten“ gepasst hat.
4. Ein misslungener Bluff muss nicht zwangsläufig mit Harakiri enden.
5. Versuchen Sie nicht, eine „Lächelskala“ aufzustellen, an der Sie zu erkennen versuchen, wie gut des Gegners Blatt ist. Die Graduierungen des japanischen Lächelns sind für ungeübte Europäer nicht zu entschlüsseln.
Und mein Zusatztipp: Gehen Sie niemals, niemals, niemals ohne Ohrenstöpsel in eine große Pachinko-Halle.
Euer Carsten Weidling on Tour
Wer mehr über Carsten und seine Weltreise erfahren möchte, kann gern auf www.carstenweidling.de nachlesen.
Kommentare

















Sehr schöner und interessanter Bericht! Die Gedanken eines Japaners bleiben für uns Europäer wohl immer undurchschaubar.
Mettalkugeln?
ja mann, Metallkugeln!
unfassbar
Pachinko auf YouTube
Abba…. Pachinko kommt dem HEUTIGEM Pokern sehr nahe – Kugeln (chips) rein und auf den Göttlichen 1 Outer oder Runner-Runner warten.
Ich weiss nicht viel ueber Japan, aber wenn man vom Suizid zur Wiederherstellung der Familienehre spricht, sollte man den Begriff Seppuku verwenden. Das nur um den gelungen Artikel abzurunden.
danke mo jetz wissen wir das du sehr klug bist
Bitte. Danke, auch.