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Cashout-Turniere unter der Lupe

Mittlerweile gehören die Cashout-Turniere auf Full Tilt Poker zum Alltag. Im Oktober war das Turnierformat zusammen mit dem Run-It-Twice Feature eingeführt worden. (PokerOlymp berichtete) Was viele nicht wissen: Hinter dem interessanten Format steckt viel mehr als nur die fixe Idee eines Full Tilt Mitarbeiters. Mel Judah, zweifacher Bracelet-Gewinner, hat sich das Format ausgedacht und es patentieren lassen. Vor wenigen Wochen führte Judah nun ein Interview mit dem Two Plus Two Pokercast (Episode 105 vom 24.01.2010) in dem er unter anderem über das Format an sich und seine Pläne für die Zukunft des Formats sprach.

Mel_Judah Mel Judah: Erfinder der
Cashout-Turniere

So erwähnte er zum Beispiel, dass Full Tilt zunächst nur eine Lizenz für ein Jahr von ihm erworben hat. Außerdem habe Full Tilt mit seinem Einverständnis das eigentlich für Live-Turniere gedachte Format für den Online-Einsatz leicht verändert. So sieht sein Originalkonzept eigentlich maximal einen teilweisen Cashout pro Spieler in Höhe von 50% des aktuellen Stacks vor. Danach könnte der Spieler nur noch vollständig auscashen und das Turnier verlassen. Bei den Full Tilt Turnieren hingegen kann man jederzeit, so oft man will, in 10%-Schritten seinen Stack auscashen. Er räumt in dem Interview auch ein, dass die relativ strengen Einschränkungen in seinem Originalkonzept auf das Live-Poker bezogen sind, wo der Verwaltungsaufwand sonst einfach zu hoch wäre.

Wie genau funktioniert Cashoutpoker eigentlich?

Bei einem Cashout-Turnier mit $1.000 Buy-In fließen von jedem Buy-In $500 in den regulären Preispool, der auf die Platzierungen ausgeschüttet wird, und $500 in den Cashoutpool. Wenn die Spieler nun mit 10.000 Chips das Turnier beginnen, sind diese 10.000 Chips beim Auscashen $500 wert. Hat sich ein Spieler nach mehreren Stunden Spiel nun einen Stack von z.B. 40.000 Chips aufgebaut, könnte er die Hälfte auscashen (dafür bekäme er folglich $1.000) und mit den restlichen 20.000 das Turnier weiterspielen. Er könnte aber auch das Turnier verlassen und direkt $2.000 bekommen. Sobald eine bestimmte Zahl von Spielern erreicht ist – im Originalkonzept sind das vier Spieler – kann man nicht mehr auscashen und der restliche Inhalt des Cashoutpools wird dem Preispool für die verbleibenden Plätz zugefügt.

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Was hat Cashoutpoker für Vorteile?

Um diese Frage beantworten zu können, muss man sich erst einmal klar machen, was es bedeutet, wenn ein Spieler auscasht. Jedes mal, wenn ein Spieler teilweise oder vollständig auscasht, reduziert er zum einen seine Varianz, da er das Geld, welches er für das Auscashen bekommt, nicht mehr verlieren kann. Zum anderen reduziert er damit aber seine Equity am Preispool, weil er eine geringere bzw. gar keine Chance mehr hat, im Turnier weiter zu kommen. Diese Equity geht aber nicht einfach verloren, denn der Preispool bleibt ja in seiner Größe bestehen, sondern verteilt sich auf die anderen noch im Turnier befindlichen Spieler. Zusammengefasst heißt das: Wer auscasht, reduziert seine eigene Varianz und Equity, während er die Equity der anderen Spieler erhöht. 

Dieser Umstand bringt einige Vorteile mit sich. Schwache Spieler, die eventuell über Satellites in das Turnier gekommen sind und für die es um ungewohnt hohe Beträge geht, können durch Auscashen ihre Varianz verringern. Wenn man einmal gesehen hat, wie sich  die Spieler z.B. beim Main Event der WSOP auf der Bubble verhalten, dann kann man sich vorstellen, wie gerne ein Großteil der Spieler eine solche Möglichkeit hätte.  Starke Spieler, die mit der Varianz umgehen können bzw. diese sogar gut heißen, weil sie auf der Jagd nach der ganz großen Auszahlung sind, profitieren gleichzeitig von der zusätzlichen Equity, die sie mit jedem Cashout anderer Spieler bekommen.

Wer das System versteht und damit umgehen kann, kann also in jedem Fall einen persönlichen Vorteil für sich daraus ziehen.

Man darf gespannt sein, ob das Format auch im Live-Poker Fuß fassen können wird. Mel Judah geht zumindest davon aus, dass innerhalb der nächsten sechs Monate die ersten Casinos in Las Vegas und Los Angeles Cashout-Turniere anbieten werden. 


Kommentare


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  • Martin Augsburg
  • 14.02.10

Das Verstehe ich nicht…


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  • anonym
  • 15.02.10

Wer lesen kann ist klar im Vorteil! Happy


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  • Reiner_zu_Fall
  • 16.02.10

Hi Matze,

interessanter Artikel, besonders die Folgerung “wer auscasht, reduziert seine Equity UND Varianz”. Am klarsten wird dies, wenn man sich überlegt, ob auscashen bereits am Anfang sinnvoll ist – denn dort sind die 10.000 chips, die man gerade für 1000 $ erworben hat, nur gegen 500$ einzutauschen.

Ich fänds spannend, mal zu schauen, welche Nutzenkurve ein Spieler haben muss, um auscashen im Verlaufe des Turniers als positiv zu bewerten, d.h. in welchem Verhältnis er Varianz, Cash Equity und Chip Equity zueinander bewertet und ob es Situationen geben kann, in denen z.B. der Chipleader durch eigenes Auscashen seinen erwarteten Profit erhöhen könnte (da er bei grosser Chiplead nur einen geringfügigen Teil seiner Chip-Equity aufgibt, aber einen Teil des Cashout-Preispools gewinnt, den er sonst evtl. nicht gewinnen könnte).

Jedenfalls ne spannende Turnierform, die noch mehr Möglichkeiten zum Manövrieren gibt – wobei ich mir nicht sicher bin, ob ein guter Spieler die Hälfte seines Buy-Ins in einen cashout-Topf geben sollte oder nicht doch lieber ein 1000$-Turnier spielt, bei dem das gesamte Buy-In in den Preispool wandert.