Die drei Phasen eines Turniers
Cashgames verlaufen in der Regel recht statisch. Die Blinds verändern sich nicht. Die Stackgrößen können zwar unterschiedlich sein, aber sie schwanken meist zwischen groß und sehr groß. Außerdem können Sie nach jeder Hand aufstehen und Ihre Chips in Geld umtauschen. Jeder Chip hat daher den Nennwert, der auf ihm steht.
In Turnieren sind diese Punkte – Blindhöhen, Antes, Stackgrößen und Chipwerte – allesamt variabel und die Beherrschung der strategischen Veränderungen aufgrund veränderter Variablen ist eine entscheidende Fähigkeit des Turnierspielers. Das bringt mich zu einer Frage eines Lesers.
Laut Ihrem Buch „Getting Started In Hold’em“ ähnelt die frühe Phase eines Turniers einem Cashgame, während die Bubble und die Preisgeldphase eher einem Sit-and-Go ähneln. Obwohl meine Hauptkonzentration den MTTs gilt, müsste ich demnach also an meiner Spielstärke im Cashgame und Sit-and-Go arbeiten, um in der frühen Phase, auf der Bubble und nach Erreichen des Preisgelds besser zu spielen. Die mittlere Phase (die Sie als diejenige definieren, in der der durchschnittliche Stack ungefähr 10 BBs beträgt) ähnelt laut Ihren Angaben dem Spiel in einem Qualifikationsturnier. Aber in den Turnieren, an denen ich teilnehme, betragen die durchschnittlichen Stacks selten 10 BBs, sondern sind in der Regel größer. Existiert diese mittlere Phase wirklich, würde ich an meinen Qualifikationsturnier-Qualitäten arbeiten. Soll ich demnach alle drei Varianten – Cashgames, Qualifikationsturniere und Sit-and-Gos üben, um mein Turnierspiel zu verbessern?
Nun, in Live-Turnieren kommt es in der Tat recht häufig vor, dass die durchschnittlichen Stacks nach einigen Runden um die 10 BBs betragen. Aber die tatsächliche Zahl ist nicht so wichtig.
In „Getting Started In Hold’em“ habe ich Turniere kurz in verschiedene Phasen eingeteilt und ungefähr erörtert, was Sie sich von jeder erhoffen sollten. Das Buch wurde für Anfänger geschrieben und dieser Abschnitt war nur eine grobe Skizze. Es ist kein großer Unterschied zwischen durchschnittlichen Stacks mit 10 BBs und solchen mit 15 oder 25 BBs.
Meines Erachtens finden in den meisten MTTs zwei übergreifende Veränderungen statt und beide erfolgen schrittweise während des Turnierverlaufs. Zunächst sinkt die durchschnittliche Stackgröße von 50 bis 150 BBs auf etwa 5 bis 25 BBs (je nach Struktur). Bei Turnieren mit niedrigen Buy-Ins wird diese Veränderung in der Regel am schnellsten vollzogen, aber es handelt sich dabei um einen allgemeingültigen Aspekt des Turnierspiels. Zweitens verschiebt sich der strategische Schwerpunkt von der reinen Anhäufung von Chips zu einer Mischung aus Anhäufung von Chips und Nicht-Ausscheiden.
Allgemein gesagt sollte Ihre Spielweise bei großen Stacks dem Cashgame ähneln. Sie können sich Flops anschauen und es gibt viele Aktionen nach dem Flop. Häufig erleben Sie in den ersten oder zwei Blindstufen viele Pots mit sechs bis acht Spielern, was auch in loosen Cashgames mit schwachen Spielern oft passiert.
Bei kleinen Stacks sollte Ihr Spiel immer noch stark dem Cashgame ähneln, aber einem, in dem jeder Spieler die Hand mit 10 BBs statt 100 BBs begonnen hat. Diese Stackgrößen verlangen aggressives Spiel vor dem Flop und der Raise bzw. All-In-Reraise vor dem Flop sind die beiden bestimmenden Faktoren, mit denen Sie Ihren Stack intakt halten.
Das Turnierspiel unterscheidet sich ab dem Moment deutlich vom Cashgame, an dem die Bubble naht. Sind die Preisgeldränge noch weit entfernt, sollte Ihr Hauptziel darin bestehen, Chips anzuhäufen. Da dies auch Ihr Ziel im Cashgame ist, gleichen sich die Strategien. Sobald jedoch die Bubble naht, müssen Sie die Balance zwischen Anhäufung von Chips und Nicht-Ausscheiden finden, da allein die Anwesenheit am Tisch gewissen Wert besitzt. Zudem können Sie in der Nähe der Bubble Vorteile daraus ziehen, dass viele Gegner ihren Schwerpunkt zu sehr darauf legen, nicht auszuscheiden und lieber eines der kleineren Preisgelder zu gewinnen.
Mein Modell, ein MTT als eine Abfolge von drei Phasen – Cashgames, Qualifikationsturniere und Sit-and-Gos – zu betrachten, ist eine bewusste Vereinfachung, aber sie hat eine gewisse intuitive Wirkung. Zu Beginn eines Turniers sind die Preisgelder noch weit weg und Ihr Ziel besteht darin, Chips anzuhäufen. Da dies auch beim Cashgame Ihr Ziel ist, ähneln sich die beiden.
In der Mitte eines Turniers sind die Stacks kleiner, aber Ihr Hauptziel sollte weiterhin darin bestehen, Chips anzuhäufen. In dieser Hinsicht ähnelt das Turnier einem Qualifikationsturnier, da es dort in der Regel nur einen Gewinner (oder kaum mehr) gibt und die Stacks klein sind. In einem MTT sind die ersten Preisgelder nach der Bubble niedrig und da das nackte Nicht-Ausscheiden wenig Wert besitzt, lohnt es sich in der Regel nicht, die Chance auf die Vergrößerung des Stacks gegen eines der niedrigen Preisgelder einzutauschen. Einige Spieler richten Ihre Strategie vor und während der Bubble extrem auf das Nicht-Ausscheiden aus anstatt auf die Anhäufung von Chips, was in der Regel ein grober Fehler ist.
Ich würde daher behaupten, dass die Qualifikationsturnier-Phase beginnt, wenn die Spieler an die Bubble denken, und sie endet, wenn es um die wirklich relevanten Preisgelder geht.
Die letzte Phase eines Turniers ist dann wie ein Sit-and-Go, in dem die Verbesserung um ein oder zwei Plätze zusätzliche 3 bis 5 Prozent des Gesamt-Preispools ausmachen kann. In dieser Phase ist es weiterhin wie immer wichtig, Chips anzuhäufen, aber manchmal kann es wichtiger sein, nicht auszuscheiden.
Die Quintessenz ist, dass die meisten Spieler fast während des gesamten Turniers das Nicht-Ausscheiden überbewerten. Der gleiche Spieler, der in einem Cashgame Risiken eingeht und aggressiv ist, ist in einem Turnier vielleicht selbst dann vorsichtig, wenn die Preisgelder noch weit entfernt sind. Dies ist nicht der richtige Ansatz! Mit wenigen Ausnahmen sollte Ihr Ziel in jeder Turnierhand lauten, Chips zu gewinnen, und nicht, das Ausscheiden zu verhindern. Denken Sie daran, dass Sie zu Beginn eines Turniers wie im Cashgame spielen sollten. In der Mitte des Turniers sollten Sie sich wie in einem Qualifikationsturnier verhalten. Halten Sie sich daran, verfolgen Sie den korrekten strategischen Schwerpunkt und haben die größte Chance, einen hohen Betrag zu gewinnen.
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Kommentare














Der Artikel ist imo großer Schwachsinn und unterscheidet sich von den geläufigen MTT-Strategien der “Großmeister” Brunson und Harrington ziemlich gewaltig – gerade in der frühen Phase wird nach diesem Ansatz viel zu viel Risiko eingegangen und effektiver Stack verschenkt, den man später evtl. noch benötigt um Fold-Equity zu erzeugen – der Rest im Artikel ist allgemeines BlaBla…..not good…...
Harrington und Brunson sind anachronistisch und nicht mehr state of the art. Unbestritten sind beide sehr gute Poker-Spieler, aber deren Literatur ist überholt. Wir leben im Jahr 2010 und damit einhergehend auch mit einem weiterentwickeltem Pokerspiel. Ich entdecke hier nur einen Beitrag der ein “Assimilieren” an weitläufig bekannte und zeitgemäße Spielweisen erinnern. Einige lernen aber nie von alten Zöpfen abzulassen und lassen dann lieber solche halbgaren Kommentare ab. Einem Ed Miller bringst Du damit nur zum Lachen ….zzz
Ich muss leider ebenfalls widersprechen, und hab mit Slansky einen guten Lehrmeister gefunden:
Das Ziel muss sein bis ins letzte Viertel zu ÜBERLEBEN. Auf Grund des vielen Dead Moneys in später Phase, der erhöhten Aggression und dem dadurch höheren Glücksfaktors, macht es wenig Unterschied ob ich mit 70% oder 50% des Average in die entscheidende Turnierphase eintrete.
Wenn ich mich berufen fühle wärend der einleitenden Dreiviertel (nennen wir es Vorspiel weil es keinen Einfluss auf den Turniererfolg hat) 3x All-In zu sein, weil ich glaube mit 90% x 80% x 70% einen guten Vorteil zu besitzen, dann bin ich zu 50% draußen und nur zu 50% über Average was aber auf das Turnierergebnis keinen Einfluss hat weil allein das Dead Money im letzten Viertel schon größer ist.
Vor 2 Jahren hab ich so gespielt wie Ed oben schreibt, aber meine Statistiken haben mich eines Besseren belehrt.
Slansky hat doch recht gehabt.
ich persönlich halte das Vorgehen, dass in dem Artikel beschrieben wird für keinen so schlechten Ansatz…
Sammelt man in der frühen Phase keine Chips, gerät man schneller unter Druck als die, die es getan haben. Ich lasse mich ausblinden und habe keine Möglichkeit mehr Druck auszuüben. Ich kann nur noch push/fold spielen. Die Spieler mit großem stack, haben häufig die Möglichkeit Druck auf meine Blinds auszuüben und ich kann nur mit Premiumhänden callen/all in pushen, den Coinflip suchen oder folden… Als kleinerer stack habe ich nicht die Möglichkeit mit der Angst der anderen zu spielen, aus dem Turnier auszuscheiden/dann spielt man mit mir. Was auch noch zu berücksichtigen ist. Ein All in callt sich mit großem Stack leichter als mit kleinem. Du kannst so mit AK gegen den BB der dein All in mit QJ callt fliegen gehen. er würde nicht callen wenn es um mind. 40 % seines stacks geht. Vor allem denkt der BB der zu gleich big stack ist, dass Du in nächster zeit etwas tun musst und gibt Dir nur eine Mittel-Starke Hand. (BB der einfachheit halber)
Ich spiele MMT´s so, dass ich preflop loose passiv spiele(ausser premiumhände) und nach dem flop tight aggressiv. Vor allem in den ersten blindstufen… Je höher die Blinds desto tighter werde ich pre- flop…
Der Erfolg gibt mir eigentlich Recht.
Ach ja! bevor ichs vergesse. Was bringt mir Fold-Equity…. Brunson und Harrington gehen auch von Turnieren mit flacher Struktur und langen Blindzeiten aus, was alles verändert. Der Druck kommt erst Recht spät. Ich komme nicht so schnell in die situation schwere Entscheidungen treffen zu müssen.
und zum Kommentar von zawi: Denke dran Du kannst den Faktor Glück mit einem großen Chipcount ein wenig nach hinten hinaus zögern.
1. Ich werde als Big Stack weniger angegriffen 2. wenn ich einen bad beat kassiere ists nicht das Turnierende 4. Du kannst länger warten, kannst mehr Blinds bezahlen 3. Ziel solte es sein so weit zu kommen wie möglich! Auszahlung EPT zum Bsp. 30k € ca bis Platz 20… Die großen Sprünge folgen später erst und was habe ich davon… wenn ich mit AK von A 10 gecallt werde und bye bye… nur weil mein chipcount meinem gegner nicht wehtun kann.
Voraussetzung für alles ist, dass es in der Mittleren Phase mit dem Chips sammeln klappt. Aber Klappt es nicht, ists nicht so schlimm, denn, es wäre einem nicht anders ergangen wenn man gewartet hätte und am schluss der druck bei dir liegt und nicht bei den anderen.
Ausblinden lassen ist ebenso sinnlos, wenn die Fold Equity weg ist ist auch das Turnier weg.
Also “Überleben mit möglichst geringem Risiko unter Beibehaltung der Fold Equity”.
Check-Raises, Squeezes, 3-Bet Bluffs, All-Ins möglichst unterlassen sofern nicht nötig. Am tighten Tisch mit guten Reads gibts Extrachips zu holen. Der loose Chipleader ist im Beuteschema ganz oben, gut zu beobachten wie dessen Stack rauf und runter geht, von wegen Fold Equity, gegen den will jeder spielen bevor er weg ist.
Etwas unbefriedigend aber Schwanzeinziehn beim Vorspiel ist häufig der beste Weg – zumindest statistisch gemittelt.
Also mir gefällt es, dass viele noch am Harrington festkleben. Seine Bücher sind wirklich toll, gut zu lesen und eine wirklich ausgezeichnete Basis. Tatsächlich kommt man mit dieser Spielweise heute nicht einmal mehr in einem 3-Dollar-Turnier dauerhaft wirklich weit. Ich habe selbst (viel zu) lange daran festgehalten. Du wirst dich zwar immer wieder mal damit in die Preisgeldränge bewegen, aber du wirst nie jemand sein, der dort mit viel Stack ankommt (außer du hast einen wahnsinnslauf einmal). Aber den meiner Meinung nach wichtigsten Satz bei Harrington übersehen trotzdem viele: Lieber viermal ohne Geld ausscheiden und ein Turnier gewinnen als fünfmal irgendwo ITM landen. Der Sieg bringt dir mehr Geld und Prestige….an wen erinnert man sich? An den einfachen WSOP-Sieger oder an den, der 8-mal zwischen Platz 200 und 50 war?
Außerdem bringt ein Sieg natürlich viel mehr Geld als acht solche Cashes.
PS: Ich hoffe dennoch, dass viele an Millers Beitrag zweifeln….je mehr desto besser
Ich würd auch gern anders spielen aber gegen Statistiken anrennen macht wenig Sinn außer dass es weniger langweilig ist.
“Die letzte Phase eines Turniers ist dann wie ein Sit-and-Go, in dem die Verbesserung um ein oder zwei Plätze zusätzliche 3 bis 5 Prozent des Gesamt-Preispools ausmachen kann. In dieser Phase ist es weiterhin wie immer wichtig, Chips anzuhäufen, aber manchmal kann es wichtiger sein, nicht auszuscheiden.”
Es grüsst die Binse.