Zum Scheitern verurteilt? – Poker und das Peter-Prinzip
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- Rainer Vollmar, Donnerstag. 04. Februar 2010
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- peter-prinzip, poker
Vor gut 40 Jahren formulierten die beiden Kanadier Laurence J. Peter und Raymond Hull in einem gleichnamigen Buch das sogenannte Peter-Prinzip, das bis heute viel Beachtung erfährt und in Wirtschaftskreisen kontrovers diskutiert wird.
Basis des Peter-Prinzips ist die These, dass „in einer Hierarchie jeder Beschäftigte dazu neigt, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.“ Laut Peter und Hull führt dies in der Konsequenz dazu, „dass in einem Betrieb oder einer öffentlichen Einrichtung jede Position von einem Mitarbeiter besetzt wird, der unfähig ist, seine Aufgabe zu erfüllen,“ da in Hierarchien kein Abstieg möglich ist, sondern jeder auf der Stufe seiner Unfähigkeit bleibt, bzw. erst dann nicht mehr befördert wird, wenn er diese erreicht hat.
Zwar sind die teils amüsant formulierten und höchst lesbaren Gedanken der beiden Autoren auf Wirtschaftsbetriebe und Behörden gemünzt (Peter war Lehrer und Professor), doch lassen sich auch Parallelen zum Poker ziehen. Das System Poker sieht vor, dass ein genuines Ziel des Spielers im Aufstieg in den Limits besteht.
Folgt man der Theorie Peters und Hulls, landet jeder Spieler zwangsläufig irgendwann auf einem Limit, bei dem er überfordert ist. In der letzten Konsequenz würde dies bedeuten, dass an Tag X in einem Internetcasino an jedem Tisch nur Spieler sitzen, die auf der Stufe ihrer Unfähigkeit angekommen sind.
Das Szenario lässt sich gut nachempfinden. Spieler X beginnt auf den niedrigsten Limits, er ist begabt, arbeitet an seinem Spiel und kämpft sich in der Hierarchie nach oben. Seine Gewinne werden in Big Blinds pro 100 Hände immer niedriger, aber er erzielt noch Plus. Schließlich landet er auf einem Limit, auf dem er das Rake nicht mehr schlagen kann und maximal ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt oder gar verliert.
Gerade in Deutschland ist aber die Mentalität verbreitet, dass Scheitern etwas sehr Negatives ist und das Eingeständnis einer Überforderung als ehrenrührig angesehen wird. Dies kann dazu führen, dass der Betreffende in der Tat auf der Stufe seiner Unfähigkeit verharrt, anstatt den notwendigen Abstieg in Kauf zu nehmen.
Ende letzten Jahres hat ein Spieler namens Isildur1 nicht nur für Furore gesorgt, sondern ein geradezu prototypisches Beispiel für die Gefahren des Peter-Prinzips geliefert. In atemberaubender Geschwindigkeit stürmte er durch die Limits und kam letztlich bei der Weltspitze an. Das Ende ist bekannt. Bevor Isildur1 die Reißlinie zog und dem Bankroll-Management getreu abstieg, hatte er sein gesamtes Spielkapital verpulvert.
Es wäre vermessen, dem Peter-Prinzip absolute Gültigkeit zu bescheinigen, doch bietet es gerade dem auf sich selbst gestellten Pokerspieler eine wertvolle Hilfestellung. Kehrt man es um, stellt sich die Frage, ob man für das jeweilige Limit wirklich gut genug ist, nur der persönlichen Eitelkeit gehorcht oder schlicht starr im westlichen Hierarchiedenken, das keinen Abstieg duldet, verhaftet ist. Da jeder Pokerspieler zumindest bis zu den mittleren Limits nur für sich verantwortlich (weil er keine Werbeverträge etc. unterschrieben hat) und keiner öffentlichen Scham ausgesetzt ist, sollte ihm die Einsicht, den notwendigen Abstieg zu vollziehen, leichter fallen.
Kommentare

















Interessanter Gedanke und sicherlich was Wahres dran. Neigen doch viele zu glauben, daß man in den höchsten Blinds auch die meißte Kohle macht, anstatt langfristig zu beobachten in welchen Blindstufen man den höchsten durchschnittlichen Stundenlohn “erwirtschaftet”.
“In der letzten Konsequenz würde dies bedeuten, dass an Tag X in einem Internetcasino an jedem Tisch nur Spieler sitzen, die auf der Stufe ihrer Unfähigkeit angekommen sind.” Falsche Schlussfolgerung. Wenn ALLE bei der Stufe ihrer Unfähigkeit angekommen wären, wäre das allg. Spielvermögen gesamt gesehen zwar niedriger als vorher, aber ausgeglichen und alle wären wieder gleich (un)fähig, da die Leute die fähiger waren als man selbst nun bereits ein – x Level höher spielen. Die Gefahr besteht ja eher darin, dass man selbst zu schnell aufsteigt und auf einem höheren Level auf Spieler trifft die besser als man selbst sind und aus was für einem Grund auch immer eben noch nicht weiter aufgestiegen sind.
Die Aussagen zu Isildur1 sind meiner Meinung nach a) sachlich teilweise komplett flasch (er ist in erster Linie gescheitert auf den Higstakes (nachprüfbar) wegen der Varianz und nicht wegen des Peter-Prinzips) und b) hochspekulativ (niemand externes, auch ihr, wisst nichts darüber ob er sein Spielkapital verpulvert hat; vielleicht hat er noch ne riesen BR? ggf. auch nicht, aber man weiss es halt nicht).
[...]
Manchmal spiele ich lieber 1-2 Limits unter dem was ich eigentlich spielen könnte. Ich fühle mich dann einfach wohler und das tut auch meinem Spiel gut. Hab mich da auch ziemlich gut unter Kontrolle. Wenn es nicht läuft, steige ich entweder bei den Limits etwas ab (wo man manchmal aber noch leicht On-Tilt ist) und spiele weiter oder aber (was besser ist), hör komplett auf und versuche es an einem anderen Tag wieder. Und wenn sich das Bankroll wieder etwas stabilisiert hat, kann man ja einen erneuten Versuch starten. Einmal wollte ich auch schnell nach oben: “Spielte ein 200$ Turnier und schied glaub nach 2-5 Minuten schon aus.” Ich brauchte sehr lange, bis mein Bankroll sich davon erholt hatte und den Denkzettel habe ich auch gebraucht. Beim Poker muss man halt sein Ego gut im Griff haben und auch mal in den sauren Apfel beissen können…
das Peter-Prinzip ist in der tat ein wichtiger betandteil in hirarchien. allerdings gibt es dabei in der wirtschaft kontrollmechanismen, eben die hirarchie. der in der unfähigkeitsstufe angelangte bekommt keine beförderung mehr und verharrt dort bzw. lernt weiter in dieser stufe bis er sie beherrscht und ggf. in seine nächste unfähigkeitsstufe gelangt.
in der biologie nennt man das evolution. unfähigkeit selbst zu erkennen ist in der evolution nicht vorgesehen. es würde dazu führen das wir uns zurückentwickeln, oder bestenfalls stehen bleiben.
urinstinkte wie angst sind dem verstand gewichen. so brauchen wir heute keine angst mehr vor unserer umwelt und unseren gegnern zu haben, da sie keine gefahr für leib und leben mehr darstellen.
dies führt dazu, dass wir mehr risiken eingehen und ggf. mehr schaden erleiden. eines ist sicher. 99,99% der pokerspieler die ihr geld beim pokern verlieren, werden es überleben.
bleibt zu hoffen das unser verstand uns aus den fehlern anderer lernen lässt die gefahren zu erkenn und daraus zu lernen.
Phil Ivey wird niemals überfordert sein. Hört ihr!? Niemals!!!
Sag niemals nie
Gilt gerade beim Poker auch umgekehrt ! Auf höherer Stufe herrscht mehr Spielverständnis, während untere Limits nur so herumspielen. Fazit: Peter nach oben und unten beachten. Die goldene Mitte für sich finden.
Ich denke man kann das Prinzip nicht ganz auf das Pokern beziehen. Denn beim Pokern wimmelt es von Spielern, die sich bereits als Anfänger ob an der Spitze sehen und Ihre Unfähigkeit nur auf das eigene Pech zurückführen. Die meisten Pokeranfänger würde ich mit Flugpassagieren vergleichen, die nach einem Flug sich selbst als Piloten fühlen und meinen selbst ein Flugzeug fliegen zu können. Dieser Höhenflug führt jedoch zum schnellen Absturz. Traurig, aber wahr.
Langfristig gesehen werden die Realisten mit gutem Pokerverständnis sich im Plusbereich finden und immer Spass und Freude am Pokern haben.
Ich würde Unfähigkeit durch Nicht-weiter-Machbar ersetzten, es geht ja weniger um die geistigen Kapazitäten sonder mehr um die verfügbaren Ressourcen (BR, Varianz, Zeit, Familie, Stimmung, Wille, Gesundheit, Alter, Lebensplanung, Hobbies) und die Umgebung (wie weit lassen mich die anderen nach oben).
Die optimistische Idee die Grenzen nach oben auszuloten ist jedenfalls äußerst riskannt:
http://www.wissenschaft.de/wissenschaf....html
Jeder, der in den Limits aufsteigen will, kommt irgendwann auf ein Niveau, auf dem er Schwierigkeiten hat mitzuhalten. Aber dies ist nur eine Gefahr mit falschem (oder nicht vorhandenem) Bankroll-Management. Angenommen, ich spiele bis 100 $ im niedrigsten Limit und steige auf, wenn meine Bankroll größer als dieser Betrag ist. Wenn ich das höhere Limit nicht schlagen kann, werde ich bald wieder runterfallen. Steige ich dann aus Prestige-Erwägungen nicht ab (“unter meiner Würde”), verliere ich auf Dauer Geld.
Zurzeit ist isildurr wieder bei fulltilt zusehen.Er spielt wieder die höchsten blindstufen mit ich denke das fulltilt ihm geld gegeben hat das er dort weiterspielt weil es für sie am profitabelsten ist.Isildurr ist eine gute publicity fur fulltilt.die wollen uns einfach täuchen.