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Rückblick WSOP 2006 - Event 17

/ Jon Friedberg schnappt sich einen erstaunlichen Sieg. Die gigantische WSOP 2006 zieht das zweitgrößte Teilnehmerfeld in einem Live-Turnier an.

Janis Joplin sang “Freiheit ist ein anderes Wort für – nichts mehr zu verlieren”. Was dieser Song aus dem Jahr 1969 meint ist, dass es wesentlich leichter ist, etwas zu wagen, wenn es weniger zu verlieren gibt. Jon Friedberg, der Sieger des $1,000 No Limit Hold’em Championships, versteht das. Er gewann das zweitgrößte Live-Turnier in der Geschichte bei der 2006 World Series of Poker, präsentiert von Milwaukee’s Best Light. Friedberg überholte ein Feld von 2,891 Spielern um mehr als eine halbe Million Dollar zu gewinnen. Nur das Main-Event der 2005 WSOP hatte bis dato mehr Teilnehmer. Beeindruckende 270 Spieler beendeten das Turnier im Geld.

Friedberg, der sein erstes Goldarmband gewann, ist ein 31jähriger MBA-Absolvent der Pepperdine Universität. Er ist Geschäftsmann und an einigen neuen Unternehmen beteiligt. Friedberg lebt in Las Vegas.

Es dauerte zwei sehr lange Tage, um 2,882 Teilnehmer zu eliminieren. Übrig blieben die letzten neun, welche an Tag Drei zurückkamen. Wals der Finaltisch begann, war Michael Pomeroy der Spieler, den es zu schlagen galt. Er hatte eine komfortablen Chipvorsprung. Tatsächlich hatte Pomeroy ein Drittel aller Chips. Nur ein ehemaliger Armband-Gewinner war mit dabei – der zweifache Champion Humberto Brenes. Er gewann beide Titel 1993, eines beim Pot-Limit Omaha, das zweite bei Limit Hold’em.

Name Chip Count Sitz #
John Phan 747,000 1
Michael Pomeroy 1,325,000 2
Humberto Brenes 564,000 3
Tom Hawkingberry 675,000 4
Corey Chaston 229,000 5
Mike Halford 89,000 6
Kevin O’Donnell 222,000 7
Jon Friedberg 189,000 8
Thang T. Luu 314,000 9

Nach rund 15 Spielminuten verlor Thang T. Luu die meisten seiner Chips mit A-J gegen Pocket Kings. Nur wenige Hände später schied er aus. Luu, ein geborener Vietnamese der jetzt in Las Vegas lebt, erhielt $49,722.

Mike Halford schied unmittelbar in der nächsten Hand aus. Er war pot-committed mit J-7, als der Flop Q-7-6 kam und er hatte tatsächlich die bessere Hand gegen John Phans Flush Draw. Aber die Herz kam am River, brachte das Flush und Halford war draußen. Der Poker-Profi aus Las Vegas hat nun einen zweiten, fünften, achten und zehnten Platz bei der WSOP in den letzten zwei Jahrzehnten. Er bekam $61,561.

Der Versuch des Superstars aus Costa Rica, Humberto Brenes, nach 13 Jahren wieder ein Armband zu gewinnen, wurde zerschmettert, als Mike Pomeroys A-Q gegen Brenes A-K gewann. Brenes, der einige Firmen in Zentralamerika hat, war bereits 41 mal im Ranking der WSOP. Er verabschiedete sich auf Platz Sieben, der $74,715 zahlte.

Als nächster ging er kanadische Pokerspieler Corey Chasten, als Kevin O’Donnell gegen ihn erfolgreich war. Chaston erhielt als Sechster $88,132.

Nur mehr zu fünft erhöhte Mike Pomeroy seine Chipführung auf 2:1 und hatte die Hälfte aller Chips. Kevin O’Donnell hatte nicht so viel Glück. Gleich nachdem er den großen Pot gewonnen hatte, bei dem Chasten elimiert wurde, hatte O’Donnell das Top-Pair mit A-J. Aber Jon Friedberg traf eine dritte 8 am River. O’Donnell musste gehen und bekam $105,232.

Jon Friedberg begann sein Spiel, als sie nur mehr zu viert waren. Er nahm sich das, was der Chipleader Pomeroy übrig lies. Der eliminierte dafür den nächsten Spieler. Tom Hawkingberry, welcher auf einer Gasförderanlage arbeitet, explodierte, als er mit A-4 gegen Pomeroys A-J verlor. Pomeroy schaffte ein Flush und beförderte Hawkingberry auf Platz Vier. Er erhielt $122,596.

Das bringt uns jetzt zu Janis Joplins Pokerstrategie. In einem Interview nach dem Turnier, fasste Friedberg die Gründe für seinen Sieg zusammen. Es ist manchmal einfacher, mit einem kleinen Stack zu spielen, als mit einem großen. “Ich habe lieber weniger Chips”, sagte Friedberg, “so verrückt sich das anhört, aber mit einem kleinen Stack habe ich das Gefühl, dass ich nichts zu verlieren habe. Wenn ich viele Chips habe, habe ich auch Angst sie zu verlieren und das beeinträchtigt mein Spiel. Für mich ist es ein eindeutiger Vorteil, wenn ich shortstaked im Turnier bin. Dann habe ich den Willen zum Spielen, Chancen auszunützen, einfach mein Spiel zu spielen. Und das kann ich mit wenigen Chips einfach besser.

Friedbergs Strategie sollte sich als effektiv herausstellen. Er drängte John Phan aus einigen großen Pots. Friedberg wurde Chipleader und er dominierte fortan den Finaltisch. Mike Pomeroy verlor alle seine Chips mit Q-3 gegen Friedbergs Pocket Fives. Pomeroy traf zwar eine Dame, aber Friedberg auch eine Fünf, womit Pomeroys Traum vom Sieg ausgeträumt war. Michael Pomeroy, ein Automechaniker aus Detroit, fuhr mit $157,322 davon.

Als das Heads-Up Duell begann, genoss Friedberg eine 4:1 Chipführung. Später erinnerte sich Friedberg an seine Gefühle, als er gegen John Phan um das Armband kämpfte. “Ich glaube, ich brauchte die 4:1-Führung, um ihn schlagen zu können. Er ist eine der besten Spieler der Welt. Um ehrlich zu sein, ich hatte Todesangst gegen ihn zu spielen, auch mit einer so großen Chipführung.

Die Angst sollte aber als unbegründet herausstellen. Phan konnte Friedbergs Chiplead nie ernsthaft gefährden. Nach ungefähr 90 Minuten im Heads-Up kam die letzte Hand. Phan versuchte es pre-flop die Blinds zu bekommen, mit Q-4 suited in der Hand. Friedberg bezahlte das All-in jedoch mit A-7 suited in der Hand. Das letzte Board zeigte 10-9-3-2-7, Friedberg hatte ein Paar Sieben und seinen ersten WSOP-Sieg.

Als Runner-Up erhielt John “The Razor” Phan $289,389 an Preisgeld. Er war sichtlich enttäuscht über diesen Ausgang. “Ich habe es versucht und kann stolz sein”, sagte Phan, “Es gibt auch morgen noch Poker, und ich werde morgen wiederkommen.”

Friedberg im Interview: John war der Gegner, den ich am meisten am Tisch fürchtete. Aber er wird auch nicht glücklich sein, wenn er die TV-Aufzeichnung sieht und feststellt, dass ich ihn in einigen Schlüsselhänden aus dem Pot gedrängt habe. John ist ein großartiger Spieler und ich bin überglücklich, dass das Turnier heute zu meinen Gunsten ausgegangen ist.”

“Ich kam als Achter (im Chipcount) von neun Spielern. Ich konnte schnell verdoppeln. Und dann hatte ich einige Male Glück, dass ich Chips gewinnen konnte. Jeder Pokerspieler träumt davon, ein WSOP Goldarmband zu gewinnen. Ich kam hierher und jetzt habe ich eines. Ich kann es kaum glauben.”



Originaltext: Max Shapiro


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