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DPM 2009 - Aberglaube und Hoffnung?!

Als ich zur DPM 2009 fuhr, war mir mein gravierender Fehler noch nicht bekannt. Doch auf wundersame Weise fand ich die Antwort.

Für mich gab es nur zwei Gründe für die Teilnahme an der DPM, erstens fand sie in Schenefeld statt und zweitens fiel der Freitag auf den 13. Seit ich mich erinnern kann, habe ich Freitag, den 13., zum absoluten Glückstag erklärt, weil sehr viele Menschen mit diesem Tag Pech verbinden. Ich dachte mir, wenn alle Pech haben, muss ja einer Glück haben. Vor dem Turnier ertappte ich mich ab und zu bei der Hoffnung, dass ich am Freitag, den 13., das richtige Glück an meiner Seite haben würde.

Ich meinte eigentlich, sonst nicht abergläubisch zu sein, aber dass ich mich unbewusst doch in einen Aberglauben verwickelt hatte, wurde mir erst am Donnerstag, den 12.11.2009 bei der DPM 2009 auf eine hervorragende Weise beigebracht.

Mein Mann Oliver spielte am Donnerstag und schied sehr unglücklich als erster aus. So kam es, dass er eine Unterhaltung mit Rainer Vollmar begann. Mein Mann erzählte ihm, dass ich unbedingt am Freitag, den 13., spielen wollte, weil ich diesen zu meinem Glückstag erklärt hatte. Daraufhin sagte Rainer, „Ich bin nicht abergläubisch, weil das nur Pech bringt.“

Ich fand den Satz lustig, lachte, aber erst Sekunden später machte es Klick bei mir. Auf einmal fühlte ich mich total angesprochen. Dieser Satz ließ mein Hirn arbeiten. In Sekundenschnelle arbeitete mein Kopf, auf einmal wusste ich, was ich grundlegend falsch mache. Ich war überzeugt davon, eigentlich nicht abergläubisch zu sein. Aber in meinem Nichtaberglauben war ich es doch. Statt jedes Pokerspiel neutral zu betrachten, hatte ich mir nach ein paar Mal gesagt, Du hast kein Glück, Du kriegst die Kurve nicht zum Sieg. Jedes Mal, wenn ich am Tisch als Chipleader saß, fragte ich mich selbst, was wohl wieder passieren würde, wie ich wohl wieder verlieren würde. Und jetzt stellte ich fest, dass Aberglaube nur Pech bringt. Egal in welcher Form man negativ denkt, durch die eigenen negativen Gedanken ist es einfach nicht möglich, positive Entscheidungen zu treffen.

Mein Kopf arbeitete auf Hochtouren, keiner sah mir das an. Ich erkannte so viele eigene Fehler. Nach ein paar Stunden war auch der zweite Grund weg, weshalb ich eigentlich die DPM 2009 spielen wollte. Ich war froh, dass er mir das am Donnerstag gesagt hatte, denn so konnte ich bis zum nächsten Tag umdenken. Da mein Glücksglaube an Freitag, den 13., weg war, betrat ich das Casino ohne jede Hoffnung, denn ich durfte einfach nicht mehr abergläubisch sein. Ich wollte mich ganz neutral auf das Pokerspiel einlassen und besten Wissens und Gewissens mein Spiel machen. So ging ich ganz stolz zu Rainer und sagte, ich spiele heute frei von Aberglauben. Er lachte und sagte, „Ja, der wahre Optimist ist frei von Hoffnung.“

Pokerblatt

Was tut dieser Mann mit mir? Das war der Schlüsselsatz, um meine eigenen Fehler richtig zu erkennen. Der wahre Optimist. Egal, was ich bisher im Leben auch tat, ich war immer sehr optimistisch. Wenn ich sonst im Leben Entscheidungen traf, machte ich die Entscheidungen nicht von einer Hoffnung abhängig, sondern traf gut durchdachte Entscheidungen. Nur beim Pokerspiel traf ich öfter mal Entscheidungen in einer Hoffnung. Die Hoffnung, dass mein Gegenüber foldet, die Hoffnung, dass ich eventuell treffe und die große Hoffnung, dass mich das Glück aufsuchen würde. Ja, im Grunde hoffte ich auf den Tag des absoluten Glücks.

Wieso hatte ich mich so verrannt in meinen Gedanken, weil ich zu viele Glücksfälle am Tisch erlebt hatte? Motivierten mich die anderen Glücksfälle, ebenfalls auf Glück zu hoffen oder hatte ich mich deshalb gedanklich auf Pech programmiert? Was auch immer der Auslöser war, ich erkannte sofort den Fehler und sagte. „Du hast Recht, wenn ich im Geschäftsleben Entscheidungen treffe, dann hoffe ich nicht wie beim Pokern. Ich treffe bewusste Entscheidungen und stehe hinter jeder Entscheidung. Ich frage mich sonst nicht im Nachhinein, warum ich was entschied, so wie es beim Pokern öfter vorkam. Mir wurde spontan klar, dass ich oft Hoffnungsentscheidungen getroffen hatte.

Mir wurde bewusst, dass ich im Leben abseits des Pokern nicht hoffe, sondern handele. Entscheidungen treffe, hinter denen ich stehe. Und genau darin bzw. in der Kombination von Hoffnung und Aberglauben entdeckte ich meine bisherige Pokerschwäche, die bei mir zur absoluten Pokerlustlosigkeit geführt hatte.

Der letzte Satz war für mich so wichtig, dass ich mir sicher bin, dass ich das Erreichen des Finales in erster Linie Rainer zu verdanken habe. Denn anders hätte ich (und ich kenne mich am BESTEN) nicht die Geduld für Dr. Fani an meinem Tisch aufgebracht. Entweder hätte ich ihn mit Glück früh ins Aus geschossen oder ich mich selbst durch eine Hoffnung, doch im richtigen Moment wegen Freitag des 13. Glück zu haben.

Also ging ich ins Turnier und versuchte mein Spiel ohne Hoffnung und frei vom Aberglauben zu machen. Beim Turnier sucht man sich seine Gegner nicht aus, aber wenn ich die Wahl gehabt hätte, hätte ich mir gewünscht, den Dr. Fani nicht am Tisch zu haben. Ich hatte schon ein paar Mal in kleineren Turnieren mit Dr. Fani am Tisch gesessen. Und für mich gehört Dr. Fani zu den sehr wenigen Spielern, bei denen ich bis heute den Zusammenhang seiner Spiel- und Setzweise nicht richtig einordnen kann.

Ich sitze auf Platz 3 und er auf Platz 4. Jedes Mal wenn ich gesetzt habe, hat er gecallt. Wenn ich geraist habe, hat er bezahlt. Ich merkte schnell, dass es sinnlos war, gegen ihn zu spielen. Nach dem Gespräch mit Rainer wollte ich mich aber auf keinen Fall mit Dr. Fani auf ein Hoffnungsspiel einlassen, sondern ihn in die Falle locken. Da er sowieso alles bezahlte, was ich setzte, (das kann der ganze Tisch bezeugen), ergab es für mich keinen Sinn, preflop viel zu setzen. Also setzte ich klein an und fütterte ihn, für andere ganz offensichtlich. Ich checkte, wenn ich nichts hatte, daraufhin setzte Dr. Fani, ich foldete. Wenn ich was hatte, setzte ich und Dr. Fani foldete.

Dann kam die Hand. Ich raiste vor dem Flop ein wenig und Dr. Fani zahlte. 3 Pikkarten gingen auf und ich hatte SjS10. Ich checkte, weil ich wollte, dass Dr. Fani zahlt, aber er ging All-In und ich callte. Dr. Fani zeigte CaS5, keine Gefahr, ich nahm ihm alle Chips bis auf 400 ab. 2 Runden später war er weg. Dieser bewusste Kampf und mein Sieg war ein riesengroßer Erfolg und besonders wichtig für meine neue Reife und neue Disziplin.

Nachdem der Platz von Dr. Fani frei wurde, kam ein neuer Spieler an den Platz. Ich sah zuerst nur die Hand und eine mir bekannte Stimme sagt, „Oh, neue Haarfarbe?“ Ich denke, das ist doch Florian Langmann? Ich schaue hoch und sehe Florian Langmann und mein erster Gedanke ist, ja, super ich komme ins Finale. Ups, sofort entdecke ich mich wieder bei einem Aberglauben. Bisher war es immer so, erst kam Florian, dann das Erreichen des Finales. Das begann 2007 in Bad Zwischenahn, eine Stunde, nachdem Florian Langmann an meinen Tisch kam, erreichte ich das Finale. 2008 ebenfalls und jetzt kam wieder Florian und motivierte mich in meinem Aberglauben.

Schnell löschte ich meine Gedanken und machte mir klar, dass ich weiterhin gutes Spiel mit gesunden Entscheidungen treffen muss, um mein Tagesziel zu erreichen. Keine Hoffnung, kein Aberglauben.

Es beginnt wieder mal eine nette Unterhaltung am Tisch mit Florian. Gerade an dem Tag, an dem ich völlig frei vom Aberglauben sein will, motiviert mich Florian immer wieder, leicht abergläubisch zu werden. Einmal raise ich seinen Big Blind, er foldet und sagt im Spaß, „Nein, ich kann nicht bezahlen, nachher gewinnst Du noch.“ Bei dem Gespräch stellten wir fest, dass wir, obwohl wir einige Male am selben Tisch waren, nie gegeneinander eine Hand gespielt hatten.

Ein paar Runden später raist Florian meinen Big Blind und ich folde genau mit demselben Satz, „Nein, nachher gewinnst Du noch.“ Unser Tisch war der nächste, der aufgelöst werden sollte. Ich sagte aus Spaß zu Flori, hoffentlich lösen Sie bald den Tisch auf, dann bin ich Dich los. Er lachte und schwor darauf, dass wir wieder an einen Tisch kommen würden. Nein, dachte ich mir, das ist noch nie passiert. Mist, schon wieder ein Aberglaube. Als Spieler war ich kurz davor, mit ihm die Wette einzugehen, dass wir nicht am selben Tisch landen würden. Doch da kamen schon die verdeckten Tischkarten. Ich selbst zog die Karte, die für den Tisch mit Flori. Es gab nur eine Karte, die mich mit Flori an einen Tisch setzen würde. Frei vom Aberglauben zog ich genau die Karte und versuchte weiterhin, die schwankenden Gedanken zu kontrollieren. Persönlich halte ich Florian für einen sehr guten Spieler, der im richtigen Moment das Glück auf seiner Seite hat.

Mit Florian am Tisch fiel es mir manchmal schwer, nicht abergläubisch zu sein. Doch dann kam für mich die entscheidende Hand. Ich ging mit XqXq All-In. Alle Spieler bis auf Florian foldeten, er schaute in seine Karten, lächelte und sagte, „So jetzt ist der Moment da. Ich calle,“ sagte er und ich traute meinen Ohren nicht und fragte nochmals nach, „Du callst?“ „Ja,“ sagte er. Hilfe! Genau in dieser Sekunde holt mich mein Aberglaube ein, er hat Minimum Kings, denke ich mir. Er zeigt ein paar Zehnen und ich denke, jetzt kommt bestimmt noch eine Zehn. Doch bevor der Dealer die Karten aufdeckt, sammele ich mich und sage, nein, kein Aberglaube, das bringt nur Pech. Es kommt keine 10 und es kam keine Zehn. Somit war Florian raus und ich kam ohne Florian ins Finale, das erste Mal seit ich die DPM spiele war, erreichte ich das Finale ohne Florian.

Letztlich bin ich im Finale auf Rang 28 gescheitert, als ich durch eine kleine Unaufmerksamkeit eine Fehlentscheidung getroffen habe. Leider war dieser Fehler nicht mehr wieder gut zu machen. Denn als vor mir ein Spieler mit JJ auf 6 000 raiste, habe ich mit AQ gehofft, dass mein Gegner foldet und keine gesunde Entscheidung getroffen. Die alte Routine hatte mich eingeholt.

Dreimal in Folge schied ich als letzte Frau bei der Deutschen Pokermeisterschaft aus. An diesem Wochenende habe ich so viel für meine Pokerzukunft mitgenommen, dass ich wieder richtig Lust habe zu pokern. Ich weiß, dass gerade dieses Turnier und meine neue Denkweise mir viele richtige Erfolge bescheren werden.

Ich komme in Zukunft wieder an die Tische, bereit für den Sieg – ohne jede Hoffnung.

Sevinc Neumann


Kommentare


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  • sick
  • 20.11.09

Oh man, selten so viel mühl auf ein mal gelesen. Danke für die verlorenen 3 minuten meines lebens. Sad Wer schreibt bei pokerolymp als nächster? Vlt Horst Koch? Glare


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  • stefan vodoo
  • 20.11.09

” Ich weiß, dass gerade dieses Turnier und meine neue Denkweise mir viele richtige Erfolge bescheren werden.

Ich komme in Zukunft wieder an die Tische, bereit für den Sieg – ohne jede Hoffnung.”

...

Es ist verflucht ärgerlich, durch eigene Fehler zu scheitern, und die Geschichte, man hätte daraus nun unendlich viel gelernt, scheint mir ein eher schwacher Versuch, sich selbst zu trösten.

Sich dann aber gleich auch noch jede Hoffnung abzusprechen, weil man nicht mehr so von sich enttäuscht werden will, das ist dann doch der Übertreibung zuviel, und so ist es Zeit, “Drei Steine” zu werfen ;-)

Die drei Steine

“Wie lange kann ich noch leben wenn mir die Hoffnung verlorengeht?” frage ich die drei Steine

Der erste Stein sagt: “Soviel Minuten du deinen Atem anhalten kannst unter Wasser noch soviel Jahre”

Der zweite Stein sagt: “Ohne Hoffnung kannst du noch leben solange du ohne Hoffnung noch leben willst”

Der dritte Stein lacht: “Das hängt davon ab was du noch Leben nennst wenn deine Hoffnung tot ist” Erich Fried

LG

stefan Huh


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  • setarkos
  • 20.11.09

@sick Wenigstens Müll sollte man richtig schreiben können, wenn man sich über andere Menschen so abfällig äußert. Aber eigentlich sollte man sich über Mitmenschen gar nicht in dieser abwertenden Art auslassen. Oder tust Du das auch, wenn Du ihnen gegenüber stehst? Ich hoffe für Deine Nase, dass dem nicht der Fall ist – die ist sonst sehr in Gefahr … Glare

Gruß, setarkos


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  • Pokerer
  • 20.11.09

Für die einen ist es Mühl, die anderen verstehen es und finden es eben Guud. Was für eine Sinnfreier Kommentar, sick!

Was die Hoffnung betrifft, kann ich den Bericht absolut nachvollziehen. Wer steigt schon ins Auto und hofft das nichts passiert. Wenn einem doch einer hinten drauf fährt, ist es eben Pech. Glück und Hoffnung kann gutes Pokerspiel nicht ersetzen! Es geht hier glaube ich nicht um selbstbeschiss, sondern um die tiefgreifende Einsicht, dass man mehr als Aberglaube und Hoffnung braucht um ein Turnier zu gewinnen.

PS.: Netter Beitrag! Smoke


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  • Dr. Mabuse
  • 20.11.09

Also wenn der Beitrag “Mühl” gewesen sein soll bekenne ich mich als Müll Fetischist! ;) ich finde den Beitrag sehr gut da er nicht nicht von so vielen händen die gewonnen oder verloren erzàhlt,sondern von den falschen Gedanken und hoffnungen die man sich machen kann.so wie dieser mattusow Heini(der ewige zweite,wie Ballack) immer sagt :”positiv denken!” aber ich bin nur ein kleiner Bingo Spieler….danke für den Beitrag!


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  • nick
  • 20.11.09

naja über den autoren könnte man streiten, wenn man den artikel gelesen hat. aber gefällt mir, nette abwechslung zum vorherrschendem thema isildur und wie ich auch schon mal sagte, den haarfarbenwechsel fand ich auch gut Cool


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  • Sevinc Neumann
  • 22.11.09

@stefan voodoo: der dritte Stein gefällt mir sehr gut Laugh Tatsächlich besteht das Leben aus vielen Hoffnungen. Es sind ja auch die Hoffnungen die letzlich zu Wünschen führen. Die Wünsche wiederrum können bei Erfüllung für wunderschöne Glücksmomente sorgen. Ich erhoffe mir von meiner Zukunft nicht ein Hoffnungsloses Leben. Gerade jetzt hoffe ich auch, dass mein Mann morgen aus dem Krankenhaus entlassen wird Laugh ich hoffe, weil ich es nicht zu entscheiden habe. Beim Pokern ist es anders, wenn ich sage, ich treffe gesunde und überlegte Entscheidungen und keine Entscheidungen die Ihre einzige Berechtigung in der Hoffnung haben. Selbst wenn Du es als schwachen selbst Trost siehst, ist ein Trostloses Leben doch auch nicht erstrebenswert.