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Rückblick WSOP 2006 - Event 16

/ Unternehmer und Tierrechts-Aktivist verspricht Geld für Schimpansen-Heim.

Der heilige Franz von Assisi ist allen bekannt als der Patron der Tiere. Franz von Assisi war ein Pater, der im 13. Jahrhundert lebte und alle Tiere rettete, bei sich aufnahm und beschützte, wenn sie es nicht selber konnten. Wenn es ein modernes Abbild von ihm gäbe, so wäre es Lee Watkinson. Und wenn Sie es nicht glauben, fragen Sie einen Schimpansen.

Am 12. Juli 2006 hatte Watkinson einen 800 Pfund schweren Gorilla auf seinem Rücken. Nachdem er alle großen Turniere in Nordamerika gespielt hat und Dutzende Male im Ranking war seit 2002, hat Watkinson schließlich sein erstes WSOP Goldarmband gewonnen. Watkinson beherrschte ein mörderisches Feld von 218 Spielern, mit den besten Pot Limit Omaha Spielern der Welt. Jeder Spieler bezahlte $10,000 für die Teilnahme an diesem Event, welches einen Gesamtpreispool von $2,049,200 hatte.

Es dauerte zwei Tage, bis nur die letzten neun Konkurrenten übrig waren. Der Finaltisch sah drei ehemalige WSOP Goldarmband-Gewinner – Rafi Amit (1), Mickey Appleman (4) und Hasan Habib (1). Wirklich erwähnenswert ist die Internationalität der neun Finalisten. Es zeigte sich auch, dass Pot-Limit Omaha eine “europäische” Pokervariante ist, fünf verschiedene Länder waren vertreten – inklusive drei Spieler aus Europa. Diese Veranstaltung war auch deshalb besonders, denn es war das erste Mal bei der diesjährigen World Series, dass der Titelverteidiger am Finaltisch saß. Rafi Amit hatte das Event 2005 gewonnen.

Es gab auch ein stärkeres Kameradschaftsgefühl an diesem Tisch, als man es irgendwo anders gesehen hatte. Im selben Moment bestellten alle gleichzeitig einen Drink und brachten einen Toast aus. Alle anderen Pokerspiele in der Welt sollten so erfreulich sein, wie dieses hier. ESPN-TV hat alles aufgezeichnet.

Name Chip Count Sitz #
Jani Vilmunen 485,000 1
Mark Dickstein 212,000 2
Mickey Appleman 102,000 3
Mike Guttmann 283,000 4
Thomas Wahlroos 168,000 5
Hasan Habib 349,000 6
Rafi “Refael” Amit 99,000 7
Lee Watkinson 276,000 8
Nick Gibson 207,000 9

Von allen Finalisten brachte kein Spieler soviel Erfahrung mit an den Tisch als der 60jährige Mickey Appleman. Der vielseitige Ex-Sozialarbeiter machte in Sportwetten, wurde irgendwann ein Hippie Pokerspieler. Er kam mit den zweitwenigsten Chips and den Tisch und ging mit vielen Möglichkeiten, weil keine eintraf. In seiner letzten Hand hatte Appleman 9-8-8-7. Das Board zeigte 10-6-3-4-2. Appleman verpasste alles – die Straße, das Flush, den Drilling. Ein Paar Buben reichte um den großen Pot zu gewinnen und den viermaligen WSOP-Gewinner Appleman auf Platz neun mit $40,984 zu verabschieden.

Thomas Wahlroos ging als Nächster. Der finnische Poker-Profi hatte nur mehr 44,000 (der Durchschnitt lag bei 300,000) und ging all-in mit K-10-9-4. Das Board zeigte 10-7-4-Q-5. Wahlroos schaffte zwei Paar, aber sein Gegner hatte zwei höhere und endete in einem achten Platz. Wahlroos erhielt $61,476.

Jani Vilmunen hatte bessere Aussichten als einen siebenten Platz. Der zeitige Chipleader hatte eine brutale letzte halbe Stunde. Vilmunens schlimmster Moment kam, als er ein Full House hatte (Sechser und Fünfer) mit 8-7-6-5 in der Hand und J-6-5-6-Q am Board. Unglaublicherweise hatte Lee Watkinson A-A-Q-Q in der Hand. Nur die Dame am River bewahrte Watkinson vor dem Ausscheiden. Wäre sie nicht gekommen, wäre der Finaltisch in einer ganz anderen Richtung verlaufen. Es kann sogar sein, dass besagte Dame Vilmunen das Armband gekostet hat. Es ist auf jeden Fall eine Hand, die er nie vergessen wird. Vilmunen, der zweite Finne am Tisch, musste sich kurze Zeit später endgültig verabschieden. Der siebente Platz zahlte $81,968.

Als nur mehr sechs Spieler waren, hatte der Engländer Nick Gibson nur mehr sehr wenige Chips und riskierte seine letzten 90,000 für einen inside straight draw. Gibson hatte Q-J-J-10. Er war all-in nach dem Flop mit K-9-6. Der Titelverteidiger Amit hatte A-K-J-2 und bezahlte mit dem Top-Pair. Ein As am Turn brachte Amit das zweite Paar. Gibson verpasste den Draw am River und ging als Sechster. Er erhielt $102,460.

Hasan Habib überlebe einige All-In-Situationen bevor er Fünfter wurde. In seiner letzten Hand in dieser Nacht ging Habib all-in, floppte zwei Paar und hatte einen straight draw am Turn. Aber er schaffte es nicht, sich zu verbessern und Rafi amit zeigte zwei höhere Paare. Habib, der schon Millionen von Dollar bei Pokerturnieren gewonnen hat, inklusive einem WSOP-Titel 2004 in Stud Eight or Better, erhielt $122,952.

Als nur mehr vier Spieler dabei waren, hätte jeder von ihnen das Turnier gewinnen können. Lee Watkinson hatte eine knappe Chipführung, aber in einem Spiel so unberechenbar wie Pot Limit Omaha, konnte alles passieren. Rafi Amit hatte diese Lektion auf dem harten Weg gelernt, als er einige entscheidende Pots und die meisten seiner Chips verlor. Schließlich schied Amit mit zwei Paar gegen Watkinsons gefloppte Straße aus. Amit hatte noch immer vier Outs für ein Full House, aber keinen Treffer. Rafi Amit, aus Israel, spielte brillant und war stolz auf das Erreichen des Finaltisches. Der 26jährige bekam $143,444 für den vierten Platz.

Mark Dickstein, ein New Yorker Investment-Manager, machte das Beste aus seinem $10,000 Investment für dieses Turnier. Versuchen Sie mal, das 17fache Ihres Aufwandes in drei Tagen zu bekommen. Dickstein ging, als sein A-K-J-9 von Watkinsons A-Q-J-4 geschlagen wurde. Das Board kam mit drei Pik, Watkinson hatte A-J in Pik und ein komplettes Flush. Dickstein erhielt $184,428 für den dritten Platz.

Das Heads-Up begann mit einer 3:1 Chipführung für Watkinson gegenüber dem Australier Mike Guttmann. Es dauerte über zwei Stunden, bis Watkinson diesen harten Kampf gegen den CEO aus Melbourne gewonnen hatte. Zwischendurch schaffte Guttmann sogar die Chipführung. Aber es war Guttmanns Highlight in diesem Turnier. Der Mann mit dem Nickname “Sticky Micky” kam völlig aus der Fassung am Finaltisch, wirkte fast hilflos gegenüber Watkinsons Angriffen.

Die letzte hand wurde gedealt, als Watkinson A-Q-6-5 gegen Guttmanns J-J-10-8 hatte. Guttmanns Chips gingen mit einem pre-flop Raise in den Pot. Das letzte Board zeigte 5-4-3-7-K. Watkinsons 6-5 schaffte mit 7-4-3 die Straße. Als Runner-up erhielt Mike “Sticky Micky” Guttmann $360,659.

Anschließend beschrieb Watkinson den Sieg mehr als Beruhigung denn als Aufregung. Er war Zweiter im selben Event vor zwei Jahren, was Watkinsons bis dato größter Erfolg bei der World Series war.

“Als wir im Heads-Up waren und ich die Chipführung verloren hatte, glaubte ich schon an eine Deja-Vu und das alles wieder vorbei war.” sagte Watkinson in Erinnerung an seinen zweiten Platz. “Aber dann bekam ich mein Spiel wieder in den Griff und realisierte, dass es verschiedene Strategien gibt, um ein Pot-Limit Omaha Turnier zu gewinnen. Ich spielte nur jene Situationen, in denen ich auch sicher war, mein Geld zu bekommen.”

Watkinson hat einige Firmen, inklusive einer Plattenfirma und einer Bekleidungslinie. Der aus Washington State stammende Watkinson hat ein Wirtschaftsdiplom, was vielleicht erklärt, warum er ein derart gerissener Geschäftsmann und Pokerspieler ist.

Genauso aufgeregt wie Watkinson war, weil er über eine halbe Million Dollar und ein Gold Bracelet gewonnen hatte, war er auch schnell auf der Bühne, um gemeinsam mit seinem Finanzier Timmit DeRosa, die Aufmerksamkeit auf ein anderes Anliegen zu lenken.

Gemeinsam beschreiben sie ihre Pläne wie die $655,746 an Preisgeld verwendet werden sollen. Watkinson und DeRosa haben ihr Leben der Rettung alter Schimpansen verschreiben, welche von Filmfirmen oder Laboratorien ausrangiert werden.
Watkinson und DeRosa erzählten, was mit Schimpansen passiert, wenn sie älter werden und ausrangiert werden. Ein paar Jahre zuvor hatten die beiden begonnen, so viele Schimpansen wie möglich zu retten und ihnen ein Zuhause zu geben. “Alle Tiere brauchen unsere Hilfe”, sagte De Rosa, “aber wir versuchen uns auf die Schimpansen zu konzentrieren” Die Cortland Brandenberg Foundation (www.corlandbrandenberg.com) wurde von Watkinson und DeRosa mitgegründet.

Das ist der erste Mal in der Geschichte, dass Schimpansen von einem World Series of Poker Sieg profitieren. Watkinson sagte, dass er später noch Kuchen und Eiscreme für die Schimpansen besorgen wolle. Vielleicht sollten wir statt “Hl. Franziskus” den neuen WSOP-Champion “Hl. Watkinson” nennen.



Originaltext: Nolan Dalla

 


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