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Rückblick WSOP 2006 - Event 14

/ Allen Cunningham gewinnt sein viertes Gold Bracelet, das zweite in zwei Jahren.
Der ruhige 29jährige Poker-Profi spielt sich an die Spitze eines harten Finaltisches und gewinnt $625,830.

Die lautesten Poker-Persönlichkeiten mögen den Ruhm bekommen, aber die talentiertesten bekommen das Geld. Allen Cunningham ist weder laut noch berühmt. Fakt ist, dass er normalerweise einer der leisesten Pokerspieler im Raum ist. Aber er ist der vielleicht perfekteste Poker-Profi, und er bekommt auf jeden Fall Geld – viel Geld.
Cunningham stand an der Spitze eines erstklassigen Feldes von 752 Spielern im $1,000 No Limit Hold’em World Championship bei der 2006 World Series of Poker. Er gewann beeindruckende $625,830 an Preisgeld. Dieser Sieg war der vierte WSOP-Titel für den 29jährigen Pokerprofi aus Süd-Kalifornien.

Dies war das erste Turnier der diesjährigen World Series, welches mit Rebuys gespielt wurde. Alle anderen bisher gespielten Turniere waren Freezeouts. Die 1,670 Rebuys in diesem Event trugen zu einem gesamten Preisgeld von $2,317,877 bei. Nach zwei langen Spieltagen betraten die neun Finalisten die hell beleuchtete Bühne im Rio Casino, umringt vom Publikum und den ESPN-Kameras, die das Event aufzeichneten.

Zu Beginn des Finaltisches teilten sich “Captain” Tom Franklin und Tim Phan die Chipführung. Von den neun Finalisten haben nur Franklin und Cunningham bis dato ein Armband gewonnen. Franklin gewann seines 1999 (Limit Omaha), Cunninghams WSOP-Siege waren 2001 (Seven Card Stad), 2002 (Deuce to Seven Lowball) und 2005 (No Limit Hold’em).

Name Chip Count Sitz #
Alex Jacob 106,000 1
Allen Cunningham 234,000 2
Tim Phan 551,000 3
Everett Carlton 86,000 4
John Hoang 274,000 5
Captain Tom Franklin 590,000 6
Steve Wong 295,000 7
David Rheem 145,000 8
Andy Bloch 157,000 9

Alex Jacobs Aufenthalt am Finaltisch war kurz und nicht süß. In der siebenten Hand hatte Jacob nur mehr 30,000 in Chips, nach dem er einen großen Pot verloren hatte und bezahlte schließlich ein All-in mit 10-9. Andy Bloch hatte A-K. Der Flop kam mit zwei Assen und Jacobs war chancenlos. Es waren unschöne zehn Minuten. Alex Jacob, ein Yale-Absolvent, sackte $46,358 als erster ausgeschiedener Spieler ein.

Es gab vor einiger Zeit Diskussion über die besten Pokerspieler, die nie ein Armband gewonnen hatten. Diese kurze Liste würde auch Andy Bloch einschließen, ein MIT und Harvard Absolvent, der seine geistigen Fähigkeiten in den letzten Jahren dazu eingesetzt hat, Geld beim Pokerspiel zu verdienen. Bloch, der letztes Jahr ein WSOP Circuit Event gewonnen hat (wofür er einen Gold- & Diamant-Ring, aber kein Armband erhalten hat) war konnte sich auch hier nicht etablieren und musste als Achter gehen. Bloch verlor seine verbleibenden Chips mit 9-9 gegen Allen Cunninghams A-Q. Ein geflopptes As und Bloch konnte sich nicht mehr verbessern. Bloch ging mit $67,537.

Allen Cunningham nahm einen anderen Spieler aus dem Turnier, als sein A-10 Everett Carltons K-J schlug. Cunningham schaffte zwei Paar und zerstörte Carltons Chancen auf einen Sieg. Es war Carltons zweites Mal im Ranking bei der WSOP. Carlton kam aufs Pokern, als er im Spital lag und Poker im TV sah. Er wusste fast nichts übers Pokern, und jetzt saß er am ESPN Finaltisch und bekam $92,715 Preisgeld.

Tim Phan ging als Nächster, als sein A-Q suited von Chino Rheems A-K geschlagen wurde. Keiner der beiden Spieler schaffte ein Paar, A-K gewann und der geborene Vietnamese Phan war draußen. Der aus Westminster, CA stammende Pokerspieler bekam $115,894.

Als Allen Cunningham Chipleader war, versuchte John Q. Hoang einen schönen Move mit einem All-in Raise (mit seinen letzten 240,000 Chips), als er 7-6 am kleinen Blind hielt. Der furchtlose Versuch ging aber schief, als Tom Franklin bezahlte und A-Q zeigte. Hoang hatte keinen Treffer und musste den Finaltisch verlassen. Hoang, der letzte Woche beim Seven Card Stud Championship Runner-Up war, nahm hier Platz Fünf und $139,073.

Der Holländer Steve Wong wurde Vierter als er einen Bluff versuchte – mit einen 500,000 Pot, As hoch in der Hand und einem Backdoor Flush Draw. Chino Rheem stieg aber mit seinem gefloppten Sechser-Drilling nicht aus. Er bezahlte und nahm sich Wongs letzte Chips. Wong erhielt $162,252.

“Captain” Tom Franklin glaubte an sein zweites Goldarmband. Er war sehr früh Favorit, aber er verlor die Chipführung an Allen Cunningham und er erholte sich nicht mehr wirklich. Franklin, der zwei College-Abschlüsse hat, in der US-Army in Vietnam gedient hat und auch Schlagzeug spielt, wurde in seiner letzten Hand geschlagen, als er sein geflopptes Top-Pair gegen Chino Rheems Flush verlor. “Captain” Tom Franklin wurde angemessen für den dritten Platz belohnt, welcher $185,431 zahlte.

Das Cunningham-Rheems Heads-Up Match dauerte fast drei Stunden. Die entscheidende Hand fand schon sehr zeitig statt, als Cunningham die überlegene Chipführung übernahm. In dieser Schlüsselhand raiste Cunningham pre-flop auf 50,000, Rheem re-raist auf 250,000, Cunningham ging all-in und Rhem bezahlte. Als Cunningham Q-Q gegen Rheems A-Q aufdeckte, hielt die Menge kurz den Atem an. Ein As hätte das Turnier beendet und Rheem wäre Champion gewesen. Aber das As kam nicht und Cunningham gewann den großen Pot.

Es dauerte noch 50 Hände, bevor Cunningham den Widerstand seines Gegners schließlich gebrochen hatte. Rheem hatte schon wenig Chips und probierte einen Pre-flop Move mit J-9. Cunningham bezahlte das All-in mit A-Q und traf das As am River. David “Chino” Rheem, ein 26jähriger Profi aus Miami, erhielt $327,981 für seinen ersten WSOP-Finaltisch.

Entsprechend seinem Charakter ist auch Allen Cunninghams Lebensgeschichte nicht aufregend. Er war Vorzeige-Student an der UCLA und entdeckte sein verborgenes Talent für das Pokerspiel. Noch während er seinen Abschluss machte, begann er das Spiel immer ernsthafter zu betreiben und auch Geld zu gewinnen. 1999 kam für Cunningham der Durchbruch im Turnierpoker – das selbe Jahr in dem auch Phil Ivey, John Juanda und Daniel Negreanu in der Pokerwelt auftauchten und Millionen gewannen. Im Nachhinein betrachtet war Cunningham Teil einer Revolution des Pokerspiels, weg von den traditionellen alten Spielern hin zu den neuen, dynamischen Champions.

Mit diesem Sieg betrag Cunningham das Gebiet des Elite-Pokerns. Neun weitere Spieler haben bisher vier WSOP Armbänder gewonnen – Mickey Appleman, Bobby Baldwin, David Chiu, Artie Cobb, Tom McEvoy, Scotty Nguyen, Puggy Pearson, Amarillo Slim Preston und Huck Seed.

Mit seinen 29 ist Cunningham einer von nur vier weiteren Spielern, die vier Armbänder vor ihrem Dreißiger gewinnen konnten. Die anderen sind Stu Ungar, Phil Hellmuth, Layne Flack und Phil Ivey.



Originaltext: Max Shapiro

 


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