Konfrontationen mit schwachen Gegnern
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- Alex Lauzon, Mittwoch. 23. September 2009
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- gegner, konfrontationen, lauzon, schwache
Während erfahrene Pokerspieler, wie z.B. Sam Farha, gelegentlich von sich geben, dass es ihnen leichter fällt, gegen gute Gegner zu gewinnen als gegen schlechte, lesen wir in den Chatfenstern der Online-Seiten regelmäßig Sätze wie, „You can’t win against a moron!“, und Schlimmeres. Natürlich fehlt es diesen Frustausbrüchen nach erlittenen Bad Beats an jeglicher Objektivität. Trotzdem steckt eine gewisse Wahrheit dahinter. Wie lassen sich die Gedanken eines Gegners analysieren, der scheinbar überhaupt nicht denkt?
Wir spielen Heads-up. Ein Raise mit 
und der überaggressive Gegner callt wie erwartet. Im Flop fällt 

. Ohne lange zu zögern, erfolgt sein Einsatz. Anderthalbfacher Pot. Seine gewohnte Strategie. Die Wahrscheinlichkeit, dass er gerade jetzt ein Set, Two-Pair oder Overpair in der Hand hält, ist nicht gerade groß. Um die Sache sofort klarzustellen, antworten wir mit einem All-in. Der Call erfolgt blitzschnell. Womit? 
! Der Kerl ist verrückt, denken wir. Wie kann er dieses All-in mit nichts besserem als einen Gutshot callen? Dieser Call ist so ziemlich der schlimmste Fehler, den man sich an einem Pokertisch erlauben kann. Kopfschüttelnd beobachten wir den Dealer, der dem Board eine Sieben hinzufügt. Und über wen ärgern wir uns plötzlich? Über den Dealer, den Zufall oder die Dummheit des Gegners?
Der Grundsatz des Pokerspiels lautet, mit dem besseren Blatt so viel wie möglich zu gewinnen und mit dem schwächeren so wenig wie möglich zu verlieren. Während wir uns als erstes an Berechnungen halten, ergänzen wir unser Spiel durch Täuschungsmanöver, während wir gleichzeitig darauf achten, die Strategie des Gegners zu durchschauen.
Auch dazu ein einfaches Beispiel: Mit 
in der Hand fällt ein Flop von 

. Der Gegner setzt Potsize und wir callen. Am Turn fällt die
. Wieder erfolgt ein Einsatz vom Gegner und jetzt raisen wir ihn. Er hat 
vor sich liegen. Wie könnte er die Situation verstehen?
Geschlagen wäre er nur durch ein Set beziehungsweise durch 
. Mit Flush- und Straight-Draw im Flop, wäre damit jedoch ein Raise angebracht gewesen. 99 ist nicht nur auf Grund der Neun in der eigenen Hand unwahrscheinlich, auch wäre ein Call am Flop, bei zwei Overcards, damit kaum zu erwarten gewesen. Auch wenn beides, also 
oder Set, nicht ganz auszuschließen ist, wahrscheinlicher wäre doch eher ein Bluff oder Semi-Bluff, etwa mit 
. Der Draw muss in jedem Fall verteuert werden. Alle Fakten bedenkend, scheint ein weiteres Raise empfehlenswert.
Der Cold Call mit dem gefloppten Set birgt zwar das (kalkulierte) Risiko in sich, den Gegner billig kaufen zu lassen, erweckt aber gerade dadurch einen völligen falschen Eindruck und kann in Folge zu einem beachtlichen Pot führen.
Die Varianten der möglichen Täuschungen sind vielfältig, doch zeichnen sie sich fast ausnahmslos durch eine bestimmte Begleiterscheinung aus. Wir spielen nicht nach den optimalen Berechnungen, wir ermöglichen dem Gegner kostengünstig die Verbesserung seines Blattes oder zahlen selbst zuviel für unseren Draw. Den Profit erzielen wir dadurch, dass wir dem Gegner einen falschen Eindruck vermitteln und er, unter Umständen, seine eigene Stärke dadurch überbewertet.
Um in diesem Sinne dem Gegner eine Falle zu stellen, ist es natürlich Voraussetzung, dass dieser die Situation nach den bekannten Kriterien analysiert. Ist er dazu aber nicht fähig, reduzieren wir durch eingesetzte Täuschungsmanöver unseren mathematisch fundierten Vorteil.
Ein wunderbares Beispiel, um die Entwicklung einer Hand, an der ausschließlich Experten beteiligt waren, zu analysieren, ist eine bekannte Konfrontation aus der Serie High Stakes Poker.
Ein Raise von Todd Brunson mit 
, gecallt von Sam Farha mit 
und Daniel Negreanu mit 
. Der Flop bringt: 

. Sam Farha checkt seine Trips, vermutlich in der Absicht eines Check-Raises. Negreanu checkt und auch Todd Brunson. Ungeachtet, dass er das Top-Pair getroffen hat, als Preflop-Raiser wäre ein Bet bei diesem ungefährlich aussehenden Board durchaus angebracht gewesen. Nachdem am Turn 9s fällt, entschließt sich Farha nun doch zu einem Einsatz. Negreanu callt mit einem Paar Neunen und Nutflush-Draw. Cold Call von Todd Brunson!
Hierzu eine weitere Überlegung. Warum hat Brunson als Preflop-Raiser auf ein Conti-Bet verzichtet, bleibt jetzt aber im Pot?
Der River bringt ein weiteres Pik:
Farhas Drilling sieht bei vier Pik im Board nicht mehr sonderlich gut aus. Er checkt. Auch Negreanu checkt sein Nutflush. Und plötzlich bringt Todd Brunson einen Einsatz von 21.000 Dollar, knapp 60 Prozent vom Pot! Farha passt, ohne zu zögern. Negreanu überlegt einige Zeit, um sich ebenfalls von seinem Blatt zu verabschieden.
Die Überlegung, die insbesondere hinter Negreanus Fold steckt, ist durchaus einleuchtend. Wenn Brunson auf das Conti-Bet in Position, nach zwei Checks, verzichtet, dann hat er entweder überhaupt nichts getroffen oder ein Monster. Sein Cold Call am Turn, mit drei Pik im Board, verweist dabei eher auf die zweitgenannte Möglichkeit. Genau aus diesem Grunde checkt Negreanu den River, um nicht mit einem Monster-Raise konfrontiert zu werden. Plötzlich ignoriert Brunson die Gefahr des Pik-Ass in der Hand eines der beiden Gegner. Er setzt weniger als 60 Prozent vom Pot, was einer Einladung zum Call gleichkommt. Full House, riskantes Value-Bet oder ein reiner Bluff? Den Aufbau analysierend führt dies zu einem einzigen logischen Schluss: 
.
Und jetzt stelle man sich genau diese Konstellation unter Amateuren vor, ungeachtet ob im deutschen Casino oder im Internet. Ich glaube, ich brauche nicht zu erwähnen, dass dieser Bluff dort niemals funktioniert hätte.
Um die Gedankengänge des Gegners verstehen zu können, ist es Voraussetzung, dass dieser auch denkt. Um ihn meine Gedanken nachempfinden zu lassen, muss ich davon ausgehen könnten, dass er sich auch bemüht, dies zu tun. Denkt er selbst nicht oder abwegig, kann ich aber nicht erwarten, dass er bei mir derartige Fähigkeiten berücksichtigt.
Je mehr taktische Manöver eingebaut werden, desto interessanter wird das Spiel. Phasen, während denen sich die erhofften Karten einfach nicht zeigen wollen, lassen sich in solchen Fällen trotzdem mit Gewinn abschließen. Bad Beats erfolgen selten, weil wir uns kaum mit schlechten Calls konfrontiert finden.
Sitzen wir jedoch mit reinen Anfängern oder unverbesserlichen Zockern am Tisch, endet die Mehrzahl der Hände in einem Showdown, dann gilt es schlicht, mit dem besseren Blatt so viel Geld wie möglich in den Pot zu bringen. Aktive und passive Spielphasen werden nicht mehr strategisch eingesetzt, sondern werden durch den Fall der Karten bestimmt. Finden wir uns mit einem Gegner konfrontiert, der nichts anderes berücksichtigt als sein eigenes Blatt, dann können wir auch die beste Geschichte erzählen, er wird uns aber nicht zuhören. All die Erfahrungen, die wir mit guten Spielern gesammelt haben, können wir vergessen. Wir greifen mit dem besseren Blatt an und ziehen uns mit dem schwächeren zurück. Kauft er seinen 4-Outer, gut, das ist eben Pech. In 90 Prozent der Fälle bleibt ihm die Gewinnkarte versagt. Einzelne Verluste mögen schmerzhaft sein, doch ändern sie nichts am langfristigen Gewinn.
Während es gegen auch nur halbwegs erfahrene Spieler keinesfalls ausreicht, sich an die Berechnung der Wahrscheinlichkeit zu halten, so brauchen wir gegen schwache Gegner praktisch nichts anderes zu tun. Gewiss, erfordert es entsprechende Geduld, darauf zu warten, dass wir ihn mit dem besseren Blatt erwischen, doch, wenn es früher oder später der Fall ist, dann wird er bezahlen. Und tunlichst werde ich es unterlassen, ihm dieses Geld durch unangebrachte Täuschungsmanöver, die er ohnehin nicht versteht, wieder zurück zu geben.
Kommentare

















Gegen schwache Spieler hilft nur eins zuverlässig: - Nicht selbst tilten, Pause machen nach den übelsten Sachen - ein Blick in das Stat-Tool und die durchschnittliche Earnrate begrunzen
Kann Sammy nicht selbst das Ace of spades repräsentieren?
das As repräsentieren? Sicher nicht nach dem Handverlauf..
Noch ein Beispiel: Wiener Realität am Mikrolimit Livetisch (NLH):
Am Tisch mit 9 vorsichtigen Calling Stations gegenüber:
1. Eröffnung: Raises bis 7 BB werde mit jedem Blatt ignoriert – aber auch nie geraist
2. Weil Flop immer Multiway (6+) fürchtet sich jeder vor einem gegnerischen Monster und spielt selbst starke Treffer niedrig an (10% Pot abwärts)
3. Was natürlich von den meisten gecallt wird und so findet sich die ganze Truppe am Turn wieder, die einen hoffen auf ihren Gutshot, die anderen aufs Full, andere auf Runner Runner Flush mit 74s.
4. Am Turn sieht man dann die ersten weißen Flaggen, überraschenderweise schon nach Mikro-Bets wie 0.6,- in einen Pot von 20,- , weil jeder vermutet dass der andere sein Monster getroffen hat und sich niemand in die Falle locken lassen will
5. Im Showdown werden dann Lower Straights und niedrige Flushes kaum angespielt – aber trotzdem immer gecallt – weil natürlich immer die Gefahr einer höheren Straight oder eines höheren Flush lauert. Ab und zu gewinnt auch Mid Pair wenn mal keiner getroffen hat obwohl auch keiner folden wollte.
Wie macht man an so einem Tisch Geld ?
Meine Spiel (mit bescheidenem aber regelmäßigem Plus):
- Bevor ich setze nehme ich bei jedem Mitspieler Fold Equity 0 an - Ich seh mir nur 35% der Flops an (mit Drawing Potential) - Hab dadurch ein sehr tightes Image dass aber nicht gegen mich verwendet werden kann weil am Tisch nur gecallt wird (dass ich aber auch nicht ausnützen kann weil immer gecallt wird) - Mehr Setplay, High Cards als Draw spielen (Top Pair gewinnt nie) - Geduldig auf einen starken Treffer am Flop warten - Während der langen Wartezeit Mitspieler trösten deren Gutshot nicht gekommen ist, bzw. dessen Hand sich zu einem Monster entwickeln hätte können wenn … - Starken Treffer am Flop überbetten und trotzdem hoffen wenigsten einen Mitspieler zum Folden zu bringen (Mitleidseffekt und Smphathiewerte spielen lassen) - Bis zum Showdown hoffen und gleichzeitig mit dem Schlimmsten rechnen
Selbst die gewonnen Sessions hinterlassen dabei ein Gefühl 1. schwach und eierlos gespielt, und 2. Poker verlernt zu haben.
Ich bleib dabei, Cash Game ist die schlimmste Strafe für den Turnierspieler.
.......Cashgame ist die schlimmste Strafe für einen Turnierspieler…....; ich habe selten einen treffenderen Satz gelesen, auch ich empfinde Cashgame sehr häufig als absoluten Mumpitz.
sehr nette und leider auch sehr wahre geschichte @zawi ;-)
@lol:
Bei
F-T-R: check/check/check-bet/call/call-check/check/bet
... auf einem paired board hat Todd sicherlich so viel Stärke gezeigt, dass das Ace of spades nicht da sein kann, LOL. Dumpf!
Den Beitrag finde ich sehr gelungen. Es beschreibt ein wenig das “Ebenen-Denken”, was man in einigen einschlägenen Poker-Büchern nachlesen kann. Mein Rezept gegen weniger erfahrene Spieler ist eiserne Disziplin. Irgendwann laufen die Jungs schon mal in die Nuts, und dann wird es meistens sehr teuer
@zawi: ich habe es nicht anders erlebt. Meine Spielweise gleich deiner. In Punkto Fold Equity habe ich die Erfahrung gemacht, dass in Position spielen etwas mehr als 0 herausspringt
“Ich seh mir nur 35% der Flops an” Auch ein bisschen viel, LOL. Spiel gegen die Donks nicht die zweitbesten Hände. Eventuell Short Stack Strategie spielen und gelegentlich aufdoppeln oder verdreifachen, Schnitzel fressen und wiederkommen. Du kommst dann irgendwie auf Deine Earn Rate von 20 Bets auf 100. Mehr geht auch nur schwer und Du musst Dich nicht ärgern.
Ich hatte es vor kurzem bei einem deepstack auch mit so einem fisch zu tun. alles wurde gecallt. jedes schwace ass wurde gereaist… Ich halte dann KK in der Hand. Board zeigt am Ende Q58J8. Ich setze jedes mal min. pot size und kriege auf flop und turn noch ein raise. Beim Turn habe ich dann überlegt ob mein Gegner evtl. 9-10 hält, habe es dann aber für unwahrscheinlich gehalten. Auf dem River checkt mein Gegner und da der Pot schon hoch genug war checke ich hinterher. Er deckt Q5 auf und ärgert sich über die 8 auf dem River. Ich hätte nur Glück. Ich habe nur geantwortet das er zu viele Karten spielt und sein Glücksfaktor sich mal anschauen soll. Ein par Hände später calle ich ein Raise aus dem SB vom gleichen Gegner mit K10 da ich im BB sitze und nur noch wenig nachlegen muss. Flop A-K-10. Bet vom Gegner. Ich reraise 1,5 fachen Pot. Call vom Gegner. Turn 10. Gegner checkt. Ich setze halben Pot und werde gecallt. River 10. Mein Vierling ist komplett. Gegner lacht und meint “Splitpot” und checkt dann. Ich sage dann kannst du ja callen und gehe all in mit etwas mehr als er. Er lacht weiter und callt. Beim aufdecken der Karten (Er hatte A5) hört er auf zu lachen und geht wortlos. Ich habe mir nur gedacht das mit Geduld die Situation sicher mal kommen wird in der ich diesem Fisch die Chips abnehmen werde und so war es. Es ist wirklich eines der schönsten Gefühle wenn man einem Fisch mit grosser Klappe die Leviten lesen konnte.
Mit Geduld und etwas Glück ist Pokern ein schöner Sport.