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Der Star der WSOP 2009 - Jeffrey Lisandro im Interview

Geradezu unglaubliche drei Bracelets konnte Jeffrey Lisandro dieses Jahr bereits bei der WSOP gewinnen und damit den bisherigen Rekord einstellen. Doch noch laufen die WSOP und Lisandro könnte der erste Spieler sein, der bei ständig steigenden Teilnehmerzahlen vier Bracelets in einem Jahr gewinnt. Der in Italien lebende Australier gab nach seinem dritten Triumph ein Interview, das wir unseren Lesern auf keinen Fall vorenthalten möchten.

Jeff_Lisandro Jeff mit einem seiner drei Bracelets

Was waren Deine Erwartungen, als Du in diesem Jahr zur WSOP angereist bist?

LISANDRO: Vor Turnierbeginn war ich sehr enttäuscht, da ich keinen Sponsor fand. Ich drehte die üblichen Runden, um herauszufinden, ob jemand einen Spieler braucht, bekam aber keine Antwort. Dann sprach ich mit einigen meiner Freunde. Letztlich dachte ich mir, halb so wild. Ich werde es ihnen schon zeigen. Meines Erachtens habe ich beim Poker viel erreicht, aber mir ist nie der ganz große Erfolg geglückt. Daher gab es diesen Zweifel und vielleicht auch eine Entschuldigung, dass ich es nicht richtig verdient hatte, gesponsert zu werden. Dieses Jahr fragte ich herum und bekam keine Antwort. Niemand setzte sich mit mir in Verbindung. Ich sagte zu einigen meiner engsten Freunde, ich setze mich einfach an die Tische und gewinne drei Bracelets. Das ist mir gelungen.

Ist das Glücksgefühl, gewonnen zu haben, dadurch größer, nachdem Dir die verdiente Unterstützung versagt blieb?

LISANDRO: Es ist schon bemerkenswert. Selbst nach dem Gewinn von drei Bracelets hat sich kein Sponsor an mich gewandt. Vielleicht liegt es am Neid oder weil ich so viele berühmte Spieler ausgeschaltet habe.

Jeffrey, Du gehörst zur absoluten Elite der Pokerspieler. Dennoch weiß ein Großteil der Öffentlichkeit nicht, was in diesem erlauchten Kreis vor sich geht. Gibt es Rivalitäten oder Prahlereien, wenn Du mehrere Bracelets gewinnst?

LISANDRO: Nein. Für mich nicht. Es gibt niemanden, mit dem ich um die Wette spiele. Ich möchte beim Poker etwas für mich erreichen. Wenn ich auf Platz Fünf der Geldrangliste liege, wäre das großartig. Und als Zehnter wäre es in Ordnung. Komme ich unter die besten Hundert, ist dies immer noch eine Leistung. Man kann nicht sagen, dass man mit dem besten Spieler konkurriert.

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Du hast vermutlich die besten Chancen, vier Bracelets in einem Jahr zu gewinnen, die je ein Spieler hatte. Hast Du schon an die historische Bedeutung gedacht, die ein weiterer Sieg mit sich brächte?

LISANDRO: Das wäre schön, wenn man sich in hundert Jahren noch an mich erinnert.

Du spielst schon sehr lange um viel Geld Poker. Doch erst in den vergangenen Jahren hast Du Dich auf Turniere konzentriert und Titel bei der WSOP gewonnen. Warum hast Du Deine Ziele verändert?

LISANDRO: Du hast Recht. Bis vor einigen Jahren habe ich nicht viele Turniere gespielt. Ich erinnere mich an 1994 und 1995, da habe ich in Europa zehn Turniere gewonnen. Mein Lauf war unglaublich. Aber ich erinnere mich daran, dass einige Zeitschriften und Internetseiten meinen Namen falsch schrieben und ich nie die Anerkennung für diese Resultate bekam. Während dieses Laufs war ich in Irland und spielte vier Turniere, an denen nur starke Spieler teilnahmen. Bei jedem spielten irische Profis mit – etwa 150 in jedem. Ich ging hin und niemand kannte mich. Ich gewann das erste Turnier und sie sagten, „Wir kennen diesen Typen gar nicht. Was macht er hier?“ Auch das zweite Turnier gewann ich. Und das dritte auch. Im vierten hatte ich im Heads-Up die Chiplead inne und wurde letztlich Zweiter. Danach gewann ich drei weitere Turniere, betrachtete meine Gewinne und stellte fest, dass sie lächerlich waren. Ich hatte gerade einmal 100.000 Dollar gewonnen. Und ich sagte mir, ich konnte gar nicht besser abschneiden und habe dennoch nur 100.000 Dollar gewonnen, womit ich nicht einmal meine Spesen und die Reisekosten decken konnte. Aus diesem Grund spielte ich in den nächsten Jahren kaum noch Turniere. Erst 2003, als die Preisgelder deutlich nach oben gingen, fing ich wieder mit dem Turnierspiel an. Jetzt lohnt es sich.

Stell Dir vor, Du hättest in dieser Zeit bei der WSOP teilgenommen. Wie viele Bracelets hättest Du wohl gewonnen?

LISANDRO: Ja, ich habe wirklich ein wenig zu lange mit meinem Comeback gewartet. Ich hätte etwa im Jahr 2000 wiederkommen sollen. Dann hätte ich sicher ein paar Siege mehr auf meinem Konto. Vielleicht wäre ich sogar ein noch besserer Spieler. Ich halte mich für einen recht guten Spieler, der sich ständig verbessert. Jedes Mal werde ich ein Stückchen besser.

Das ist eine bemerkenswerte Aussage. Du verbesserst Dich ständig. Was meinst Du damit?

LISANDRO: Ich habe gelernt, wie man in Turnieren bessere Resultate erzielt.

Was meinst Du genau? Du spielst seit vielen Jahren Poker. Was hast Du Dir zuletzt Neues beigebracht, was Du vor ein oder zwei Jahren noch nicht wusstest?

LISANDRO: Nehmen wir zum Beispiel das H.O.R.S.E.-Turnier. Als eine von fünf Varianten muss ich auch Limit Hold’em spielen. Das gesamte Feld weiß, wie man Limit Hold’em spielt und daher muss ich meine Strategie leicht anpassen. Ich will in dieser Variante keine Chips verschwenden. Beim Cash Game würde ich eine Value Bet vielleicht bringen, aber in einem Turnier spare ich diese Chips. Ich will sie in einer Variante einsetzen, in der ich einen großen Vorteil besitze, wie Stud, Omaha und Razz. Bei Limit Hold’em spiele ich mit Kontrahenten, die sich in dieser Variante genauso gut auskennen wie ich. Also folde ich in marginalen Situationen und spare die Chips für die Varianten, in denen ich einen Vorteil besitze. Dies versuche ich zu perfektionieren. Man hat nur eine bestimmte Anzahl von Kugeln und man muss die beste Gelegenheit für den Schuss auswählen.

Eine etwas persönlichere Frage. Dein Markenzeichen ist ein Filzhut? Warum?

LISANDRO: Mit diesem Hut fühle ich mich besser. Mit diesem Hut kann ich mich vollständig konzentrieren. Die Pflicht beginnt, der Krieg, die Arbeit. Nehme ich meinen Hut ab, beginnt die Erholung.

Wie viele Hüte hat Jeffrey Lisandro denn in seinem Kleiderschrank?

LISANDRO: Sagen wir einige (schmunzelt).

Wer ist der beste Pokerspieler Australiens? Joe Hachem or Jeffrey Lisandro?

LISANDRO: In Australien gibt es meines Erachtens keinen Besseren als Joe Hachem. Der Gewinn des Main Events ist eine enorme Leistung. Man wird sich daran immer erinnern. Es ist wie beim Pferderennen. Ich könnte zehn Rennen am Stück gewinnen, aber jeder erinnert sich an den Sieger des Kentucky Derbys.


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