Rückblick WSOP 2006 - Event 5
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- PokerOlymp Redaktion, Montag. 25. Dezember 2006
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Russ “Dutch” Boyd zerschmettert WSOP-Champ Joe Hachem’s Chance auf Armband Nr. 2.
Las Vegas, NV – In der oberen Reihe an der Aluminiumabsprerrung zu stehen und auf die ausgedehnte Spielzone der 2006 WSOP hinunterzuschauen, ist im Normalfall nicht gerade der beste Aussichtspunkt. Aber um 19:38 am Sonntag den 2. Juli 2006 kann es sein, dass dies der beste Platz im ganzen Haus war.
Russ “Dutch” Boyd hatte gerade $475,712 und sein erste WSOP Goldarmband beim Short-handed Hold’em World Championship gewonnen. Gesenkten Hauptes in tiefer Enttäuschung stand der regierende World Poker Champion Joe Hachem daneben. Es war ein Schnappschuss, der alles darüber aussagte, was man wissen muss über den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage. Boyd’s Fanclub vor Freude schreiend, dass es in den Ohren wehtat, wild herumhüpfend und schließlich schupften sie noch ihren Gewinner in der Luft herum. In der Zwischenzeit schloss Hachem seine Augen und trauerte, seine Frau Jeanie legte ihren Arm um ihn. Greg Raymer, 2004 WSOP-Champion und Hachem’s Fraund, war mit Trost und Unterstützung zur Stelle.
Die letzte Hand war genauso faszinierend wie schockierend. Nachdem sie 1.066 Rivalen in drei langen Tagen und Nächten besiegt hatten, dauerte das Heads-Up Duell zwischen Boyd und Hachem zwei volle Stunden. Immer wenn es so aussah, dass Hachem die Chipführung übernehmen konnte, schmetterte Boyd den Angriff seines Gegners nieder. Dutch Boyd ist ein absolut talentierter Pokerspieler.
Hachem streckte die geballte Faust in die Luft, als er die Hole Cards sah, und dies die entscheidende Hand im größten Short-handed Turnier in der Geschichte sein könnte. Die Falle, die er Boyd schon über Stunden gestellt hatte und der Boyd immer wieder entkam, sollte endlich zuschnappen. Hachem zeigte AQ gegenüber A5 von Boyd. Hachem war überlegender Favorit. Wenn seine Hand halten würde, wäre er überlegener Chipleader, wenn nicht, wäre alles vorbei. Sollte Hachem jemals ein Buch darüber schreiben, wie man ein Turnier gewinnt, er würde diese Hand sicherlich erwähnen.
Wahrscheinlich war dieses Turnier jenes, welches die meisten Zuschauer aller Zeiten anlockte. Die Zuschauer standen in Zehnerreihe, alle Augen auf die ESPN-Monitore gerichtet. Alle blickten auf, als der Flop kam: A-K-9 rainbow. Hachem’s Grinsen wurde langsam zu einem Lächeln. Boyds Angst wurde zum Elend. Ein Bube am Turn half keinem der beiden. So kam es auf die letzte Karte an, eine Karte die den Unterschied über eine Viertelmillion Dollar Preisgeld und ein goldenes Armband machte. Boyd brauchte verzweifelt eine Fünf. Dann der River, durch das grelle Scheinwerferlicht fast nicht zu sehen. Hachem wusste, dass er in Schwierigkeiten war. Es war eine niedrige Karte, aber nicht zu niedrig. Es war eine mittlere Karte, aber man konnte nicht genau erkennen welche. Doch dann..es war eine (je nachdem für wen) fabelhafte, wunderschöne, häßliche, grausame – Fünf.
Ein Pokerturnier kann gleichzeitig berauschend und schmerzhaft sein.
Der Finaltisch begann Stunden früher mit sechs Spielern:
| Name | Chip Count | Sitz # |
| Pete Hassett | $148,000 | 1 |
| Dutch Boyd | $909,000 | 2 |
| David Solomon | $93,000 | 3 |
| Joeseph Hachem | $287,000 | 4 |
| Michael Goodman | $575,000 | 5 |
| Jeff Knight | $62,000 | 6 |
David Solomon schied als erster Spieler aus. Der Yogalehrer aus Austin, Texas, war shortstacked und ging mit seinen letzten 25,000 Chips mit K6 all-in. Er verlor gegen Mike Goodman’s KQ suited. Solomons Pokerweisheit brachte ihm $68,227.
Als nächster ging Pete Hasset mit KQ gegen Joe Hachem’s AJ. Hachem traf ein As, Hassett war geschlagen. Pete Hasset, ein Videospieltester aus Chicago musste den Finaltisch verlassen, erhielt aber immerhin $91,917 Preisgeld.
Mike Goodman wurde als 4. eliminiert. Der New Yorker, der gerade seinen Uni-Abschluss hinter sich hatte, saß zum ersten Mal an einem WSOP Finaltisch. Er kam als Zweiter in Chips an den Tisch, viel aber zurück und schied schließlich als Vierter mit $115,607 aus.
Jeff Knight sagte nur kurze Zeit gute Nacht, als er bei einem Bluff erwischt wurde. Knight ein Profi-Spieler (nicht Poker) aus Las Vegas erhielt $153,511.
Was übrig blieb war der erwartete Kampf. Es war ein kompletter Kontrast zwischen Stil und Charakter. Dutch Boyd – unverschämt, dreist und vielleicht brillant. Joe Hachem – graziös, galant und gut. Es gab einige bemerkenswerte Hände während dieser finalen Konfrontation. Aber es war keine so herausragend wie diese mit der Fünf.
“Du gehst in diesen Raum, schaust dich um und alles sind so gut”, sagte Dutch Boyd in einem Interview mit Norman Chad von ESPN nach dem Turnier. “Ich komme seit vier Jahren hierher, seit drei Jahren spiele ich. Dieser Raum ist voll von großartigen Spielern, was ich nicht wusste, ob ich jemals eines der Armbänder haben könnte.”
“Es ist nicht einfach so, dass man eines bekommt. Ich habe mir die Namen angesehen, die eines haben, Spieler wie Doyle Brunson, TJ Cloutier und Joe Hachem… und es ist unglaublich hier zu sitzen. Es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl.”
Originaltext: Max Shapiro
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