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Rückblick WSOP 2006 - Event 3

/ High-Tech Genie Rafe First gewinnt sein erstes WSOP-Armband! “Tiltboy” triumphierte in einem unglaublichem Finale, und streift dafür $345,984 ein.

Es bedarf schon außergewöhnlich seltener Umstände, dass ein Pokerturnier und der Gewinner dieses Turnieres so erstaunlich viel Charakter und Wendungen haben, dass Worte, Sätze und Paragraphen die Tiefe dieser Ausstrahlung fast nicht wiedergeben können. Event # 3 der World Series of Poker war so ein Turnier.

Nach zehn Jahren im Turnierzirkus, nach einem wüsten Leben, nachdem er fast alle seine Energien in Charity und in seine wissenschaftlichen Arbeiten gesteckt hat, konnte Rafe Furst, ein 37jähriger Chef-Technologe aus Los Angeles sein erstes WSOP-Armband gewinnen. Es ist schwer, aber nicht unmöglich, Furst in ein paar Worten zu beschreiben: “Tiltboy”, High-tech-Genie mit Stanford-Abschluss. Buch-Co-Autor. Karitativer Philantrop. Ehemaliger Roshambo-Champion. Und jetzt – World Series of Poker Champion.

Dieser moderne Renaissance-Mann steht an der Spitze eines Rekordfeldes von 1,102 Teilnehmer im $1,500 Pot Limit Hold’em Turnier. Es war das größte Pot Limit Hold’em Event aller Zeiten in der 37jährigen Geschichte der World Series of Poker und übertraf noch den 1,071-Rekord vom letzten Jahr. Fursts Sieg ist nicht nur unvergesslich, weil er gewonnen hat, sondern wie er gewonnen hat. Der California-Tiltboy spielte das beste flat-out Poker seines Lebens, überlebte zehn Chiplead-Änderungen am Finaltisch. Es ist tatsächlich so, dass Furst in zwei extrem kritischen Situationen am River die lebensrettende Karte traf und so das Finale in diese Richtung lenken konnte.

Nach zwei Spieltagen war der Finaltisch mit den neun überlebenden besetzt. ESPN zeichnete das Finale für eine spätere Übertragung auf.

Der Finaltisch und die Chipcounts:

Name Chip Count Sitz #
Rocky Enciso 247,000 1
Eric Lynch 455,000 2
Rafe Furst 222,000 3
Rick Chase 95,000 4
George Bronstein 15,700 5
Can Hua 122,000 6
Burt Boutin 140,000 7
Alan Gilbert 88,000 8
John Juanda 147,000 9

Der Erste, der gehen musste, war Alan Gilbert, ein Software-Ingenieur aus Südkalifornien. Gilbert kam mit den zweitwenigsten Chips. Er konnte keine spielerischen Akzente setzen. In seiner letzten Hand rannte er mit Pocket Tens in Can Kim Hua’s Pocket Queens. Der neunte Platz zahlte $33,845.

John Juanda’s drei vorangegangenen WSOP-Bracelets sollten normal an jedem Finaltisch zählen, vor allem als Zeichen von Selbstvertrauen. Aber Juandas Anstrengungen für Nummer Vier wurden nicht verwirklich. Juandas Aufenthalt am Tisch war kurz und unerfreulich. Er verabschiedete sich mit Pocket Queens gegen Huas A-K und einem König am Flop. Juanda bekam für ihn nur unerfreuliche $37,606 für den achten Platz.

Rick Chase kam mit wenigen Chips an den Tisch, schaffte es aber ein paar Stunden vor der Kamera zu bleiben. Der TV-Produzent aus Malibu, CA, wurde mehr oder weniger ausgeblindet. Chase ging mit $45,127 für den siebenten Platz.

Dann geschah das “Furst-Wunder”. Göttliche Hilfe war gefragt, als Furst A-A gedealt bekam und auf einmal all-in war gegen Can Kim Hua mit 7-2. So bizarr sich das anhört, Hua’s 7-2 war überlegener Favorit, als alle Chips in die Mitte des Tisches wanderten. Die vier Karten am Board zeigten Q-7-7-3. Huad hatte Drilling 7 und Furst nur mehr zwei Outs im Deck. Aber es kam ein As am River und rettete Fursts Traum von Sieg.

Hua musste sich wie ein Fallschirmspringer ohne Fallschirm fühlen für diesen freien Fall am Finaltisch. Innerhalb von drei halsbrecherischen Händen wanderte er vom Chipleader in den Keller. Can Kim Hua, ein Poker-Pro und Veteran vieler Finaltisch-Schlachten, wurde von Burt Boutin eliminiert und platzierte sich als Sechster, wofür er $52,648 erhielt.

Aber es kam, wie es kommen musste. Boutin musste fast glauben, dass er ein Mini-Trampolin unter seinem Stack hatte, so schnell wie es angewachsen war. Aber so schnell wie er es gewonnen hatte, so schnell verlor er es auch wieder – und einiges mehr. Boutin, ein Stockbroker aus Las Vegas hatte das Pokerpendant zum Margin Call, als seine zwei Paar (Siebenen und Vieren) von Rocky Enciso’s höheren zwei Paar (Könige und Siebenen) ausgeraubt wurden. Boutins Dividende betrug rund $60,000.

Ander als die möglichen Sieger genoss George Bronstein seinen Aufenthalt am Finaltisch mit Zufriedenheit. Er kam mit einem sehr niedrigen Stack (15K gegenüber 455K vom Chipleader). Am Ende bekam er mehr Geld, als er mit gerechnet hatte. Hätten seine Pocket Tens gegenüber A-K gehalten (es kam leider ein As), hätte er sich vielleicht noch weiter vorne platziert oder um das Armband mitgespielt. Stattdessen bekam er den vierten Platz, welcher $75,212 zahlte.

Dann kam das “zweite Furst Wunder”. In der Schlüsselhand, re-raised Furst all-in mit A-8 suited in der Hand. Er hing ziemlich in der Luft, als er geradewegs auf Erick Lynch’s A-K sah. Schlussendlich kam es zum Split-Pot, als das Board am Ende J-10-6-J-6 zeigte, und beide das As als Kicker hatten.

Die Lage für Eric Lynch änderte sich von schlecht auf noch schlechter bis hin zu am schlechtesten. Es gab zahlreiche Chancen für die Chipleader, aber es reichte nie, um den Sieg frühzeitig zu sichern. Eine der spannendsten Hände begann, als Rocky Enciso vor dem Flop mit K-Q raiste. Eric Lynch ging mit noch mehr Chips all-in, A-7 in der Hand. Rafe Furst hatte A-K und bezahlte. Enciso war bereits pot-committed und somit zahlte er. Der Flop kam mit K-J-3 und Fursts Fanclub flippte aus. Mit der stärksten Hand stand Furst an der Türschwelle zum Sieg. Aber die Tür wurde zugeschmissen. Als eine Dame kam und Enciso sein zweites Paar brachte, gingen die Emotionen auf Encisos Familie und Freunde über. Währendessen konnten es Furst, Lynch und einige mehr nicht glauben. Eine blank-card am River und Lynchs Schicksal war besiegelt. Eric Lynch, ein bekannter Online-Turnierspieler (unter dem Namen “Rizen”), wurde Dritter. Sein Preisgeld beträgt $104,544.

Obwohl er die teuereste Hand im Turnier verloren hatte, war Furst noch immer in Chipführung. Und Enciso hatte keine Chance dagegen. Schließlich musste er mit J-4 all-in gehen. Er verlor gegen Fusts 8-4, als am Board 10-8-4-10-2 lag.

Rocky Enciso endete als Runner-Up. Der Vollzeit-Pokerspieler aus Glendale, CA (er war bereits 12. im H.O.R.S.E.-Event bei der WSOP 2004) freute sich über seinen höchsten Gewinn bislang mit $180,508.

Rafe Furst gewann sein erstes WSOP Gold Bracelet und kassierte $345,984 Preisgeld. Furst ist Mitbegründer von “Put a Bad beat on Cancer”, einer Vereinigung von Pokerspielern, welche sich verpflichtet haben, ein Prozent ihrer WSOP-Gewinne für eine karitative Einrichtung, die sich mit der Krebsforschung befasst, zu spenden. Vor vier Jahren gründete Furst (gemeinsam mit Phil Gordon) dieses Projekt, welches zum ersten Mal bei der WSOP 2003 von sich reden machte. Die Stiftung hat bereits viele Zusagen, aber Rafe Furst hat ausgesprochen, dass er hofft, dass noch mehr Spieler dieser Vereinigung beitreten. Denn es gibt niemals genug gute Leute, die Gutes tun.

Originaltext: Max Shapiro

 


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