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Ironien des Schicksals von Tommy Angelo
Tommy Angelo

Draw Poker

Ich spielte an einem Shorthanded-Tisch im Bay 101 mit Blinds von 40 $/80 $ und hatte im Big Blind XaX10. Der Button eröffnete mit einem Raise. Der Small Blind foldete und ich callte, wodurch wir im Heads-Up landeten.

Der Spieler auf dem Button war einer dieser Typen, der mit seinem Mund und nicht mit seinen Händen setzt. Ist er am Zug und plant einen Einsatz, schiebt er keine Chips in die Mitte, sondern sagt erst „Ich setze“ und führt dann seine Aktion aus. Er macht das nicht immer, aber wenn er in einer Hand damit anfängt, zieht er es in der Regel bis zum Ende durch.

Auf dem Flop kamen X9X4X3 in drei verschiedenen Farben. Ich checkte und er sagte, „Ich setze“. Ich callte. Dann setzte er. Auf dem Turn kam eine weitere X3. Ich checkte und er sagte, „Ich setze“. Ich callte. Dann setzte er. Auf dem River kam ein Xj. Ich checkte. In diesen Momenten kann ich ein Gähnen nicht unterdrücken. Hätte er zügig „Ich setze“ gesagt, hätte ich direkt folden oder callen können, ich hätte meine Entscheidung aber auch treffen können, während oder nachdem er seine Chips gesetzt hat. Ich hatte noch nicht entschieden, wann ich mich entscheiden würde.

Pokerblatt

Hätte ich mich direkt zu einem Call entschieden, hätte ich meine Chips für einen Call wie in den anderen Setzrunden schon vor seinem Einsatz in die Mitte geschoben und er hätte seine Hand auch dann zeigen müssen, wenn er nichts hatte. So hätten wir es machen können. Hätte er die bessere Hand gehabt, hätte ich mein Blatt weggeschmissen und er hätte sich die Chips nehmen können, ohne den letzten Einsatz in die Mitte zu schieben. Wenn ich aber mein Blatt nach seinem Aufdecken gezeigt hätte, wäre einige Zeit verstrichen, bevor er die geforderten vier Chips nachlässig in die Mitte wirft und der Dealer mir den Pot zuschiebt. Das ist alles ganz normal und völlig in Ordnung.

Aber so kam es nicht. Die Zeit verstrich. Plötzlich befand ich mich an einem Ort, an dem das Verstreichen der Zeit für sich genommen Sinn hatte. Und heraus kam meine Überzeugung, dass ich die beste Hand hatte.

Er hatte jedoch noch nicht “Ich setze” gesagt. Ich entschied mich zu callen, falls er dies tun würde. Ein weiterer elastischer Moment verstrich. Ich fühlte mich immer stärker, war mir erst ziemlich sicher, die beste Hand zu haben, dann wirklich sicher und schließlich absolut sicher. Würde er jetzt „Ich setze“ sagen, bekäme er einen Check-Raise vorgesetzt. Damit brächte ich ihn zum Folden und konnte den Pot wieder einstreichen, ohne meine Karten zu zeigen.

Auf jetzt. Sag es. Du traust dich ja doch nicht.

Auf jetzt. Mach es. Zieh!

Greif nach deiner Waffe. Und stirb. Oder wende Dich ab. Und geh.

Wie auch immer. Du verlierst. Die einzige Frage ist. Wie viel.

Plötzlich brach er zusammen und foldete. Er war als Letzter auf dem River am Zug, ich hatte bereits gecheckt und er gab sich nicht einmal die Mühe nach mir zu checken, um zu sehen, was ich hatte. Er warf einfach seine Karten weg. Vielleicht spürte er meine Energie. Ich war stärker. Reine Übungssache.


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