Ironien des Schicksals von Tommy Angelo
Tommy Angelo

Der Bastard

In dieser Hand hat er mich wirklich erwischt. Ich war All-In und völlig aufgeschmissen. Ich war komplett am Ende und Drawing Dead. Kurz gesagt, es war entsetzlich.

Ich spielte in einer 40 $/80 $-Partie im Lucky Chances, es war wohl 2002. Alex saß am Nachbartisch und spielte No-Limit. Mit einer Handbewegung sprach er mich an und fragte, „Willst Du bei deinem nächsten Big Blind eine Pause einlegen?“ Ich gab ihm ein Zeichen der Zustimmung. Einige Hände später stand er hinter mir und war bereit zum Aufbruch. Ich war in UTG, sah in meine Karten und raiste. Ich kann mich nicht an den genauen Verlauf der Hand erinnern, aber relevant für die Geschichte ist, dass ich zu einem bestimmten Zeitpunkt foldete. Anschließend sprang ich auf und wir verließen den Saal.

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Auf dem Weg nach draußen fragte mich Alex, “Was hattest Du?” Ich sagte, “Ass-Dame.” Ziemlich belustigt schaute er mich an und sagte, “Wirklich?” „Ja“, erwiderte ich. Ich weiß nicht mehr, was ich sagte, aber ich kann ungefähr den Grundton und den Inhalt wiedergeben. Ich sagte ungefähr folgendes, „Als der Small Blind vor dem Flop callte, wusste ich, dass er zumindest Blablabla hatte und als er auf dem Flop checkraiste, musste er entweder Blablabla oder Blablabla haben, daher war es auf dem Turn ein klarer Fold, als Blablabla kam.

Ich kann ihnen versichern, dass alles, was ich sagte völlig vernünftig war. Es handelte sich um eine perfekte Erklärung, warum ich XaXq so gespielt hatte. Mit einer Ausnahme… In Wirklichkeit hatte ich gar nicht XaXq, sondern XkXq. Ich hatte gelogen. Es war aber nicht irgendeine Lüge. Bei Lügen über meine Karten bin ich so gut, wie man nur sein kann. Ich kann immer genau zwei Karten benennen, um die gewünschte Botschaft zu übermitteln. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich meinen Gegnern am Ende einer Hand weismachen will, dass ich besser oder schlechter als in Wirklichkeit gespielt habe, ob ich mein Gesicht wahren oder ein solides Image erhalten will oder mit meinem besten Freund den Raum verlasse. Was mich betrifft, sind alle Lügen gleich und damit meine ich gleich gut.

Nachdem einige Minuten seit meiner Erklärung verstrichen waren, fragte mich Alex erneut, „Was hattest du in der letzten Hand?“ „Ass-Dame“, sagte ich, „sag es mir, wenn du meinst, ich hätte die Hand schlecht gespielt.“

“Du hattest wirklich Ass-Dame?”

An diesem Punkt unserer Gespräche kann sich keiner von uns mehr zusammenreißen. Immer wenn ich ihm eins auswische, lasse ich es nicht zu weit kommen und verrate mich mit meinem Lächeln oder einem unpassenden Kommentar. Genau das wollte Alex erreichen. Er hatte ein Grinsen auf dem Gesicht und seine Frage war zu diesem Zeitpunkt absolut sonderbar. Ich betrachtete mir eingehend sein böses, hinterhältiges und feiges Gesicht und kam dahinter.

“Du Bastard!”, sagte ich, “du hast meine Hand gesehen!”

Er lachte. Ich auch.

Ich fuhr fort. „Du hast dich nach vorne gebeugt und in meine Karten gesehen, und dann hast mich nach meinem Blatt gefragt, obwohl du genau wusstest, dass ich nicht damit rausrücken würde, König-Dame gehabt zu haben. Du hast mich reingelegt. Und dann hast du mich gezwungen, noch einmal zu lügen. Wenn du nicht so ein riesiger Idiot wärst, hätte ich wegen meiner Lüge jetzt ein schlechtes Gewissen!“


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