Suchtexperten zeigen Uneinigkeit
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- PokerOlymp Redaktion, Sonntag. 08. Juni. 2008
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Stellt Poker jetzt eine potentielle Suchtgefahr dar oder nicht. Während sich die Ministerien unter dem Deckmantel des Jugendschutzes immer einiger werden, kommen die Suchtexperten zu verschiedenen Ergebnissen in ihren Analysen.
Auf der einen Seite gibt Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des Fachverbands Glücksspielsucht in Herford, ein Interview und sieht in Poker eine absolute Bedrohung. Auf der anderen Seite kommt die Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim zum Schluss, dass ein Pokerverbot in Deutschland kontraproduktiv wäre.
Füchtenschnieder geht im Interview bei Welt-Online sogar soweit, dass sie die Regierung auffordert, Druck auf Internetprovider und Banken auszuüben. Sachpreisturniere seien die Einstiegsdroge für Internet-Poker und das muss aufhören. Denn wer im Internet pokert, verspielt laut ihren Aussagen Haus und Hof. Sie spricht von rund 30.000 Poker-Spielsüchtigen in NRW. Auch Boris Becker kritisiert sie. Denn als Werbepartner von PokerStars verleite er viele Jugendliche zum illegalen Glücksspiel.
Anders sieht die Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim die Sachlage. Da heißt es in einer Aussendung, dass das Verbot der Sachpreisturniere einen gegenteiligen als den erwünschten Effekt habe. Je mehr Turnierveranstalter auf Sponsoren angewiesen seien, desto mehr Spieler würden auch für Online-Poker geworben. Weiter heißt es, dass der Staat die Pokerspieler ja in staatlich konzessionierte Spielbanken umleiten möchte. Dort werden aber zumeist Cashgames um einen weit höheren Einsatz gespielt und das kann nicht der Wunsch des Staates sein, dass ein Spieler mehr Geld riskieren soll. Die Forschungsstelle Glücksspiel spricht von einer gut gemeinten staatlichen Aktion, die aber ohne Überlegungen von Für und Wider gesetzt wurde und so den falschen Effekt habe.
Sucht-Experten wie Ilona Füchtenschnieder gibt es aber leider einige. Nicht, dass es die Suchtgefährdung durch das Pokerspiel nicht geben würde, aber jeden, der ein 15 Euro Turnier spielt, als Süchtigen hinzustellen, ist schon gewaltig. Da der Fachverband auch mit dem Ministerium in NRW zusammenarbeitet, darf man sich vor einem baldigen Pokerverbot in NRW fürchten.
Es gibt so viele Varianten von Sucht. Und alle können Existenzen zerstören. Seien es Versandhäuser, Shopping-Kanäle im TV und ähnliches. Ein Automat verschlingt in der Minute Unsummen. Aber immer wieder ist es das Pokerspiel, das in die Schusslinie gerät. Alkohol kann an jeder Straßenecke gekauft werden und es gibt weit mehr Alkoholiker als Pokersüchtige. Doch für die Ministerien bleibt Poker die größte Bedrohung. Da bleibt nur die Frage: „Warum?“
Kommentare

















Einer der Hauptgründe, warum es zum Verbot in den Usa meiner Meinung nach kam, war die Steuersituation. US-Amerikanische Unternehmen machen das grosse Geschäft und stellten ihre Server in Curacao und sonstwo auf. Keine Spur an den Gedanken von Suchtgefährdung oder Prävention.
Und die Entwicklung in Richtung Liberalisierung pfeiffen schon die Spatzen von den Dächern. Unter anderem auch mit nicht ausgespochenen Deals unter der Hand und für die Rückkehr aller in “home sweet home”.
Davon haben diese Menschen, die sich öffentlich gegen Poker aussprechen keine Ahnung. Da verteigt jemand seinen Job und die Berechtigung dazu, als Suchtexperte(in). Nicht mehr und nicht weniger.
Interessant auch wie anmassend diese Diskussionen verlaufen. Es wäre in etwa so, wie wenn ich auf einem Symposium der Gynäkologen als Vortragender die Zunft maßregeln würde. Und genauso viel weiß ein Suchtexperte über Poker. Die Aussagen beweisen es.
Der Text der Uni Hochheim ist hier zu finden: https://gluecksspiel.uni-hohenheim.de/fileadmin/e...8.pdf So sehr ich mit dem Ergebnis inhaltlich übereinstimme, ist die Argumentation doch schwach und unwissenschaftlich polemisch.