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WSOP 2008 – Event # 1: Jan „Check behind“ von Halle

Fast könnte Mitleid aufkommen. Da beginnt die World Series of Poker endlich mit dem $10.000 Pot Limit Hold’em Event und ein Deutscher füllt sofort alle Schlagzeilen und Foren. Doch leider nicht weil er Chipleader ist. Jan von Halle hatte ein Royal Flush „übersehen“ und sich so dem Spott und Hohn der Pokerwelt ausgeliefert.

Poker als Beruf

Keine leichte Aufgabe hatte Jan von Halle mit Allen Cunningham, Kathy Liebert, Amnon Filippi, Mel Judah, Andy Black und Joe Sebok am Tisch. Mit HaHkHq am Flop sieht man normalerweise doch noch mal nach, ob man nicht zwei Herz hat. Das hatte Jan offenbar verabsäumt, denn da Kathy Liebert Turn und River checkte, tat er das auch – mit einem Royal Flush. Aufregung pur, Floorman am Tisch, aber nur eine Verwarnung für Jan. Mit Nuts in letzter Position zu checken ist nun mal nicht erlaubt, um das Risiko von Collusion zu mindern.

Erich Kollmann hatte letztes Jahr in Monte Carlo einen Vierling nur gecallt, weil er einen falschen Chip erwischt hatte. Jetzt weiß Jan von Halle, dass man auch einen Royal Flush übersehen kann. Denn Collusion mit Kathy Liebert? Nein, das schließen wir mal aus. Außerdem war es Kathy Liebert, die ihn später nach Hause schickte. Jan war mit XaXq all-in. Keine Treffer am Board und er musste sich XkXk geschlagen geben.

Insgesamt hatten 352 Spieler am $10.000 Pot Limit Hold’em teilgenommen und so geht es um $3.308.800. Auf den Sieger warten $794.112, 36 Plätze werden bezahlt. Mit dabei natürlich unzählige Pros. Und natürlich auch ein paar deutschsprachige Spieler – Jan von Halle samt Katja Thater, Markus Golser, Andreas Krause, Markus Lehmann und Sasa Biorac.

Eröffnet wurde das Turnier von Doyle Brunson, der die Ehre hatte, das Kommando „Shuffle up and deal“ an die Dealer auszugeben. Die Tische waren regelrecht mit Stars überladen. Phil Ivey, Doyle Brunson, Phil Laak, Chris Ferguson, Mike Sexton, David Benyamine, Chris Moneymaker, Allen Cunningham, Chad Batista, Jeff Madsen, Jennifer Harman, Daniel Negreanu, David Pham, Eli Elezra und viele andere mehr.

Eine kleine Panne gab es auch gleich mal. Denn Zuseher hatten festgestellt, dass die Turnieruhr ein wenig zu schnell die Minuten zählte. Doch auch die Turnierleitung war der fliegenden Zeit schon auf die Schliche gekommen und so wurde das zweite Level nach der Pause kurzerhand um zehn Minuten verlängert. Die Uhr hat ihren Rhythmus wiedergefunden und es konnte ungestört fortgesetzt werden.

Nur rund 70 Spieler beendeten den ersten Tag. Sicher nicht mehr wiederkommen werden Katja Thater und Jan von Halle und auch Markus Golser. Allerdings war natürlich auch für viele internationale Stars das erste Event der WSOP 2008 schon nach wenigen Levels zu Ende. So krachte Shannon Elizabeth schon nach wenigen Händen mit XaXa gegen Drilling 6 von Beth Shak. Nur kurz darauf hatte sie wieder Asse und ihr Gegner wieder einen Drilling – diesmal 10. Das war es dann auch schon für Shannon Elizabeth. Aber auch Jennifer Tilly beendete ihre Premiere beim Pot Limit Hold’em sehr schnell, als sie mit XaXq an der Straight von Hasan Habib scheiterte.

Howard Lederer scheiterte mit XaXk an XqXq. Dagegen brachten die Damen Greg Raymer kein Glück. Am Flop von XjX9X5 ging Raymer all-in. Sein Gegner callte mit X8X8. Die Xq am Turn erschütterte Raymer noch nicht, aber X10 am River brachte seinem Gegner die Straight und Raymer den Marschbefehl.

Doyle Brunson ging am Flop SjC7C2 mit CaCk und dem Flush Draw all-in. Lyle Berman callte mit XjXj. Keine Kreuz ließ sich mehr blicken und auch für Doyle Brunson war der Tag zu Ende.

Dass auch Live-Poker mitunter grausame Konstellationen bringen kann, bewies die Hand von Tony Licastro. Nach Raise und Reraise Action waren zwei Spieler preflop all-in, Licastro coverte beide. Ein Spieler zeigte XkXk, der zweite XaXa und Licastro selbst hielt X10X10. Wie das Leben so spielt, am Turn kam die X10 und Licastro eliminierte beide Spieler.

Phil Ivey hatte sich recht gut gehalten, doch dann verspekulierte er sich mit XkX10 gegen XaXk und viel weit zurück. Mit XaXk gegen XqXq von Jonathan Little konnte er sich wieder zurückkämpfen auf rund 60.000. Noch vor Ende des letzten Levels waren aber beide nicht mehr mit dabei. Phil Ivey scheiterte mit XkXq an XaXj, Little mit XaXj an XaXa.

Gegen Ende des Tages mussten sich viele Pros verabschieden – Bill Edler fiel Andy Black zum Opfer, Alexander Kostritsyn schickte Chris Moneymeaker nach Hause und hintereinander gingen auch Erik Seidel, John Juanda, Joe Sebok und Alex Kravchenko.

Zwei Deutsche nehmen den zweiten Tag in Angriff – Andreas Krause liegt mit 89.200 auf Rang 35 im Chipcount. Robert Zipf muss das Feld von hinten aufrollen – er ist letzter mit 12.300. 70 Spieler gehen in Tag 2 des $10.000 World Championship Pot Limit Hold’em:

Eli Elezra 302.900 12 09
Amit Makhija 251.100 10 02
Nenad Medic 240.200 05 09
Patrik Antonius 236.300 09 06
Justin Newton 233.000 13 06
Mike Sowers 216.700 13 07
Anthony Licastro 211.000 10 06
Nikolay Evdakov 206.200 05 02
David Bach 204.100 10 01
Vivek Rajkumar 194.000 12 08
Chuck Pacheco 191.600 13 04
Tuan Le 190.000 11 07
Phil Laak 169.000 08 07
Raphael Zimmerman 168.800 09 04
Richard Toth 163.400 10 03
David Stroj 160.000 12 01
Ben Sprengers 153.700 04 07
Alexander Kostritsyn 144.000 13 02
Chris Bell 141.000 10 07
David Benefield 131.900 09 05
Joseph Sanders 131.000 09 07
Grant Lang 125.500 04 02
John Patgorski 117.100 11 08
Mark Newhouse 116.000 12 03
Andy Bloch 113.100 04 05
Shawn Keller 112.100 12 02
David Benyamine 107.200 09 02
Humberto Brenes 103.300 05 06
Lyle Berman 103.200 05 07
Chris Ferguson 101.700 04 03
Ryan Young 99.300 08 05
Bill Chen 99.200 11 03
Chris Gildone 94.400 13 05
Marco Johnson 93.000 12 05
Andreas Krause 89.200 08 01
Kazuki Ikeuchi 88.000 11 06
Mike Sexton 76.000 12 06
Emad Tahtouh 73.600 11 05
John Kabbaj 66.900 04 06
Tommy Vinas 60.400 05 03
James Gorham 60.300 05 08
Paul Zuzelo 60.300 08 09
Jason DeWitt 59.100 08 04
Kathy Liebert 55.500 13 01
Greg Hopkins 52.100 11 01
Joe Patrick 50.000 09 09
Dustin Woolf 49.700 10 04
Bill O’Connor 49.000 12 04
Andew Scott 48.200 04 09
Allen Kessler 47.700 09 08
David Peters 45.000 09 01
Darryl Ronconi 44.800 08 06
Jeremiah Vinsant 42.300 12 07
Michael Pesek 41.000 04 01
Josh Egan 40.800 08 03
Ted Lawson 40.000 11 04
Luke Staudenmaier 39.700 04 08
Beth Shak 38.600 09 03
Clark Hamagami 38.600 11 02
Rolf Slotboom 37.100 08 02
Matthew Graham 37.000 04 04
Mario Silvestri III 34.500 13 09
Anna Wroblewski 34.400 05 01
Jerri Thomas 32.700 08 08
Jennifer Harman 28.700 10 09
Michael Martin 28.000 13 08
Hasan Habib 25.800 10 05
Mats Rahmn 22.000 11 09
Al Adler 18.900 05 06
Robert Zipf 12.300 13 03

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Kommentare


Stefan "vodoo" Schüttler
  • Stefan "vodoo" Schüttler
  • 31.05.08

Die Verwarnung war sicher eher symbolisch gemeint, bzw. entsprach eben den Regeln. Absichtlich war das ganz bestimmt nicht. Aber vielleicht ein ernsthafteres Symptom?

Solch eine Fehlleistung kann einen heftig zurückwerfen und nicht nur der Spott auch der eigene Zweifel könnten einen heftig zurückwerfen.

2008 scheinen sehr viele Deutsche vor Ort zu sein und ich befürchte die großen Erfolge von 2007 könnten sich so leicht nicht wiederholen lassen, trotz größerer deutscher Teilnehmerzahl.

Ein konzentrierter Beginn sieht sicher etwas anders aus.Andererseits können gerade Frustrationen sehr entwicklungsförderlich sein, und so ein “Bad-(self) Beat” ist hier sicher besonders geeignet…

Ich drücke Andi und co die Daumen!


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  • AK
  • 31.05.08

Das “Check-behind” mit Nuts in letzter Position ist aber doch nur am River nicht erlaubt, oder?

Darüber hinaus: Ist das eigentlich sezielle eine WSOP-Regel oder wird das im Allgemeinen so angewendet?

Ich kenne mich da nicht so gut aus, da man das ja nicht alle Tage mitbekommt.

Danke.


Stefan "vodoo" Schüttler
  • Stefan "vodoo" Schüttler
  • 31.05.08

Ja nur am River.

Wenn man die Nuts hat und dadurch die Aktion beendet indem man am River als Letzter checkt, dann mancht man offensichtlich einen Fehler. Weil man erspart den Gegner die Möglichkeit noch mehr zu verlieren. Am Turn darf man natürlich checken, um einen Bet zu induzieren…

Deshalb der Vorwurf des “Zusamenspiels”.

Natürlich kann so eine Fehlleistung vorkommen, aber wer als Profi-Autorennfahrer solch einen krassen Fehler macht, der bezahlt schnell mit seinem oder eines anderen Leben…

Das ist schon heftig finde ich und 50 Outs ist ja kein Anfänger. Aber Menschen machen eben Fehler. Manchmal kann man Ursachen analysieren…


Stefan "vodoo" Schüttler
  • Stefan "vodoo" Schüttler
  • 31.05.08

Aus aktuellem Anlass:

Also ich kann mir einen Pokerspieler vorstellen, der aktuell fitter und gesünder dreinschaut. Ich glaube Andy Krause ist da z.B. aus “anderem Holz” bzw. “disziplinierter”…

Sollte man die körperliche Verfassung derart ignorieren bzw, könnte es da vielleicht sogar einen Zusammenhang geben?

Zugegeben, das ist reine Spekulation aus der Ganz-Ferne, aber auch solch ein Verdacht muss doch mal zu äußern erlaubt sein.

Ein bißchen körperliche Disziplin könnte auch für geistige Beweglichkeit vielleicht nicht schaden, bzw. zuviel Stress oder Ablenkung macht vielleicht dann doch anfällig für solche Fehlleistungen? Wenn Poker ein Sport sein soll, welche Rolle spielt da Fitness?

Gerade wo Andy Krause weiter im Turnier kämpft, den ich hier als besonders vorbildlich sehen würde und so auch kennenlernen durfte.

Es scheint ja einige Pokerspieler zu geben, die deutliche Schwierigkeiten u.a. mit ihrem Körpergewicht haben. Spielt die Physiologie denn keine oder nur eine geringe Rolle? Gerade wenn man “älter” wird… ist es dann irgendwann “egal”?

Oder sollte das vielleicht doch zu Denken geben? Im Sinne Frustrationen können auch entwicklungsförderlich wirken.

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Stefan "vodoo" Schüttler
  • Stefan "vodoo" Schüttler
  • 05.06.08

Leider scheint das eine Fortsetzungsgeschichte zu werden. Wieder ein 10000$ Event diesmal Nr 8:

Auch hier ein Mega-Bock, indem Jan nicht mitbekommt, dass noch eine Wettrunde aussteht, beim 2-7 triple draw 34567 aufdeckt und nicht realisiert, dass er ne Sraight hält. Johnny Chan hats sicher gefreut, denn der war der Nutznießer.

Ob nun eine neues T-Shirt folgt? 2-7 triple draw – straight – who cares? Huh