Anders gesehen: Es lebe die Prohibition!
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- Don Quijote, Montag. 19. Mai 2008
Danke! Endlich hat das Innenministerium von Rheinland-Pfalz Nägel mit Köpfen gemacht und Pokerturniere verboten. Endlich muss der deutsche Bürger nicht mehr selbst denken und Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Könnte man nicht gleich ein Gesetz erlassen, dass jeder Bürger monatlich ein Budgetplan erstellen und diesen beim Ministerium zur Genehmigung einreichen muss?
Es wurde nun schon so oft darüber diskutiert und debattiert. Glauben die Politiker tatsächlich, dass der deutsche Bürger so unmündig ist, nicht darüber entscheiden zu können, ob er 15 Euro für ein Sachpreisturnier investiert oder nicht?
Ich will mich gar nicht damit aufhalten, was ohnehin schon unzählige Male gesagt wurde. Ja, ich kann mein nicht vorhandenes Geld unter staatlicher Aufsicht in einen Automaten schmeißen oder meine noch nicht gemachte Erbschaft mit staatlicher Genehmigung und ohne Überprüfung beim Lotto verzocken. Das ist alles ganz korrekt. Aber 15 Euro in ein Pokerturnier investieren, das ist ja wirklich was ganz was Schlimmes.
Und vor allem die Jugend, die muss ja geschützt werden. Ein 18jähriger darf wählen gehen und die Politik mitbestimmen. Ein 18jähriger darf Alkohol kaufen und sich bewusstlos saufen. Ein 18jähriger darf in seinem Job Entscheidungen treffen, die vielleicht sogar Konsequenzen für andere haben. Aber ein 18jähriger darf keine 15 Euro investieren, um an einem Pokerturnier teilzunehmen, bei dem er vielleicht eine Playstation gewinnt.
Wer wählt eigentlich die Wahlkandidaten aus? Wählen gehen ist doch zumeist nur eine Auswahl zwischen Schlimm und noch Schlimmer. Ist es ein generelles Bewerbungskriterium, hirnlos, unlogisch und despotisch zu sein?
Der Glücksspielstaatsvertrag ist schon eine Verhöhnung an sich. Aber nun tatsächlich auch noch 15 Euro Turniere zu verbieten, dass fällt schon unter Diktatur. Vor allem die Gewinngrenze bei 40 Euro anzusetzen, verhindert, dass noch irgendein Veranstalter irgendein Turnier anbieten kann.
Natürlich gibt es da noch die über alles hochgelobten Vereine, die nur um des Pokerspiels Willen pokern. Aber ich traue mich dennoch zu behaupten, dass über 90 Prozent der Vereinsmitglieder entweder im Internet, bei einem Turnierveranstalter oder auch im Casino um Geld spielen. Es ist eine Sache, ein Turnier als sportlichen Wettkampf zu sehen. Und es ist eine ganz andere, wenn es auch etwas zu gewinnen gibt. Um nichts als die Ehre zu spielen ist Spaß und Unterhaltung. Aber um einen Preis oder Geldgewinn zu spielen, ist auch nichts moralisch Verwerfliches. Denn schließlich ist es in Casinos unter staatlicher Aufsicht und mit dem Finanzamt im Nacken ja sogar erwünscht.
Hat sich im Ministerium schon jemand mit Poker auseinandergesetzt? Ich empfehle das Frontal21-Interview, das vor kurzem auf ZDF lief. Abgesehen davon, dass sicherlich 30 Mal Poker als unerlaubtes Glücksspiel bezeichnet wurde, hat Thomas Zoissl das gesagt, was passiert. Werden die 15 Euro Turniere verboten, gibt es eben unzählige Cashgames im Hinterzimmer von diversen zwielichtigen Gestalten. Das ist ja auch viel ungefährlicher und kostet vielleicht gerade mal ein paar hundert Euro mehr. Ist doch wirklich viel besser, als zu einem existenzbedrohenden 15 Euro Turnier zu gehen.
Ich will die Turnierveranstalter nicht als barmherzige Samariter hinstellen. Wir alle wissen, dass sie sich doch mitunter ein schönes Leben verdienen. Und sicherlich gibt es genug Veranstalter, die die bestehenden Gesetze weit ausgereizt haben, um vielleicht noch den ein oder anderen Euro mehr zu verdienen. Aber kein Turnierveranstalter trägt dazu bei, dass jemand spielsüchtig wird und Haus und Hof verspielt. Da gibt es ganz andere Möglichkeiten.
Voran liegt es, dass Poker als solche Bedrohung angesehen wird? Bringen wir es doch auf den Punkt. Dem Staat entgehen Steuereinnahmen in Millionenhöhe, wenn außerhalb der Casinos gepokert wird. Und genau das ist es und sonst gar nichts. Kein Jugendschutz, keine Spielsuchtprävention ist die Motivation, die solche Erlässe oder einen Glücksspielstaatsvertrag zustande kommen lässt. Oder wie kann man es sich sonst erklären, dass die Schweiz Pokerturniere außerhalb der Casinos genehmigt. Oder auch die Dänen und die Engländer in öffentlichen Lokalen um kleine Einsätze spielen dürfen und das mit staatlicher Genehmigung. Sind unsere Nachbarn geistig mündiger und brauchen deshalb nicht vor der Spielsucht geschützt werden?
Warum geht man in Deutschland den komplizierten Weg? Kann man sich nicht einmal mit Pokerveranstaltern, Vertretern der Online-Pokerrooms und Casinobetreibern hinsetzen und eine ernsthafte und sinnvolle Lösung suchen? Nein, denn das wäre ja logisch und hätte einen Schimmer von Demokratie.
Vielleicht sollte sich die Regierung auch noch überlegen, den freien Verkauf von Pokerkarten und Jetons zu verbieten. Achja, und Computer und Internet dürfen nur noch im Büro und nicht mehr für private Zwecke genutzt werden, denn die Gefahren, die da lauern, kommen aus der Hölle persönlich.
Was vor Jahrzehnten in den USA gescheitert ist, wird sicherlich in Deutschland funktionieren. Es lebe die Prohibition!
Kommentare
















Mir scheint ja beinahe, jede Seite wiederholt gar windmühlenhaft nur die eigenen Argumente. Dort hat man wenig bis keine Ahnung und hie schimpft man eben weiter auf die so doofen Politiker.
Schaue ich nur DSDS, dann werde ich beständig dazu eingeladen, irgendwelche SMS zu schicken oder anzurufen, um 5000€ zu gewinnen. Das Mitmachen kostet einen Beitrag jenseits der Telefongebühr, wirklich gesponsort ist der Preis also nicht, also auch hier gar ein illegales Glücksspiel am Rande?!
Mit den “Dummen” treibt man die Welt um. Man muss sich nur was einfallen lassen, und “die” Politik machts halt genauso.
Ein großes Spiel, Hase und Igel.
Ich glaube ja Cashgames im Hinterzimmer und diese 15-30€ – Playstation oder Las Vegas Kaffefahrt-Turniere, das sind doch zwei völlig voneinander unabhängige Welten, mit recht wenigen Berührungspunkten, sofern man das eine nicht als Art Werbeveranstaltung furs andere sieht.
Solange man die Hütchenspieler etc. nicht zuläßt, muss man konsequenterweise sicher auch nach irgendwelchen Regeln die Pokerturnierveranstalter ja zumindest kontrollieren können. Mehr als 15€ Startgeld zu nehmen sieht nunmal schnell nach einem gewerblichen Hintergrund aus… In diesem Staat hat der Verbraucherschutz eine durchaus recht hohe Bedeutung.
Wie wäre es denn, wenn wir Pokerspieler UNS SELBST einmal klare Regeln und Mindeststandards geben würden?
Ich glaube erst dann könnten wir dieser wohl staatlichen “Willkür” etwas Substanzielleres entgegensetzen. Die Pokergemeinschaft braucht mehr Gemeinschaft und weniger Einzelkämpfer bzw. Don Quijotes, so meine These nun hierzu. Solange uns das nicht gelingt, trifft eine “WildWest-Anything-Goes”-Gemeinde eben auf einen Staat, der sich eben recht einsilbig diesem primitiv anmutenden Wildwuchs entgegenstemmen möchte.
Wo bleibt also der Selbstschutz aus unseren eigenen Reihen?
ich kann es nur immer wieder sagen, alle pokerspieler sollten nach österreich auswandern
was in deutschland passiert ist nicht mehr witzig, und es geht den politikern letzendlich nur drum die spieler in die deutschen casinos zu treiben.
was soll das denn von spielsucht etc. 15 euro gibt man auch für 2 runden bowling aus.
wenn man dort für einen turkey nen i pod gewinnen würde dann würden die es auch nicht verbieten.
seit hier bei uns in der stadt (namen brauch ich nicht erwähnen) die sachpreisturniere letzets jahr verboten wurden hat wirklich jeder hier mit dem cashgame angefangen.
mittlerweile weiß ich von ca. knapp 10 cashgame ’’veranstalter’’ die fast täglich 1/2 euro cashgames anbieten.
mit einem rake von 5% (ohne maximum).
so etwas bringt die leute zur spielsucht und den veranstaltern eine goldene nase.
und was das pokern in den deutschen casinos angeht, habe ich bis jetzt noch in keinem land ein schlechteres angebot sowohl an cashgames als auch an turnieren gesehen.
hierzulande ist doch in den casinos absolut nichts los.
wenn man so etwas sieht wie die hamburger pokermeisterschaft als highlight in den deutschen casinos (siehe struktur und teilnehmer) dann kann man ja verstehen das keiner mehr lust hat dort zu spielen.
und bis jetzt habe ich auch nur 5/10er blinds an den cashgame tischen gesehen.
das ist für den deutschen staat natürlich ok, aber ein ganzes turnier für 15 euro zu spielen das geht nicht.
spätestens in ein paar jahren reicht es den politikern auch das soviele deutsche online spielen und dann drohen die wie bei den raubkopieren mit haftstrafen von bis zu 5 jahren.
ist nur noch eine frage der zeit.
“[...]Bringen wir es doch auf den Punkt. Dem Staat entgehen Steuereinnahmen in Millionenhöhe[...]”
Entgehen dem Staat etwa keine Steuereinnahmen, wenn Pokerfreunde, die sich nicht trauen in ein Casino zu gehen, es sich nicht leisten können oder wollen, Cashgame zu spielen und anstelle dessen auf Sachpreisturnieren spielen ?
Nehmen wir das Beispiel eines x-beliebigen Pokerveranstalters, der sein Sachpreisturnier in einem gut besuchten Lokal ausrichtet. Der geneigte Spieler wird nicht nur ein Getränk, sondern gleich zwei, drei oder mehr Flüssignahrungen zu sich nehmen. Darüber hinaus wird er auch vielleicht die eine oder andere Speise bestellen. Was passiert also betriebswirtschaftlich ? Es wird Umsatz generiert. Der geschäftsführende Wirt muß als auch auch Waren einkaufen… Geldkreislauf ist hier der springende Punkt. Aus den Gewinnen, die der Wirt erzielt, müssen Steuern abgeführt werden. Ach so… Tabaksteuer haben wir ja auch noch… Denn es wird ja auch Pokerturnieren ja kaum geraucht…
Dann nehmen wir auch mal die Organisationsstrukturen von Pokerveranstaltern. Viele existieren in irgendeiner Form der juristischen Person…. Und was müssen diese machen ? Richtig: Steuererklärungen.
Ich finde den Artikel gut geschrieben und hoffe, dass das Land NRW sich nicht dieser unsinnigen Entscheidung anschließt und wir vielleicht den einen oder anderen pokerliebenden Politiker im Land haben.
wenn sich NRW anschliesst, (was ganz sicher passieren wird) dann werden die holland casinos davon provitieren. denn in venlo oder eindhofen kommen schon jetzt immer mehr deutsche spieler. dann hat der deutsche staat mal wieder alles richtig gemacht
.... tja da sind wir uns wohl alle zum ersten mal einig …. ich finde allerdings auch das der staat ruhig teilhaben kann kann den turnieren … aber wenn er doch nicht fragt …. nun ja, kann rockhound nur rechtgeben, bei uns spriessen die illegalen pokerrunden und ich weiss nicht wie man das unterbinden kann …. ich glaub ich will es auch gar nicht …. aber es ist ja ganz einfach, eine “private” runde aufgezogen und die gesetzgebung kann sich auf den kopf stellen, aber nichts machen !!! schade schade … ich frag mich nur was sie gegen das EU recht tun wollen das 2009/10 in kraft tritt … da kann man nicht einfach sagen wir sind anders europa als die andern … naja wie heisst es so schön? das leben finden einen weg ….. POKERN FINDET EINEN WEG ….. treibt uns alle in die kriminalität und es werden neue gefängnisse gebaut werden müssen …. voll mit 5 millionen pokerspielern …....... HAHAHA da will ich auch rein … was wär das für ein spass …. freies land meine meinung
Hallo Rockhound,
online pokern ist schon lange verboten und wird mit Haft oder bis zu 180 Tagessätzen bestraft. Nur verfolgt wird es ( noch ) nicht. Du musst mal bei der Werbung von PS und FT, etc. mal genau hinsehen. Irgendwo ist eingeblendet: ...es kann ausschließlich nur mit Spielgeld gespielt werden….Anders: wenn dich jemand auf dem Kicker hat und bei der Staatsanwaltschaft anschwärzt, dann stehst du vor Gericht.
Die ersten Schritte des Staates ( s. USA ) werden sein, dass die Banken keine Transaktionen mehr ausführen dürfen und dann werden die Daumenschrauben weiter angezogen. Das einzige was hoffen läßt, ist das die unheimliche Masse von Spielern nicht zu kontrollieren ist. Vielleicht kommt ja auch aus Brüssel mal ein nachhaltiges Donnerwetter.
Ansonsten bliebe nur die Unterwelt oder bürgerfreundliche Staaten wie die Schweiz, Österreich oder England.
Es ist schlimm zu sehen, wie der Gesetzgeber eines Staates versucht im Zusammenspiel mit den Gerichten seinen Bürgern vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Besonders peinlich ist es, daß immer der Jugendschutz für Zensur und Verbote vorgeschoben wird. Bereits im letzten Jahr wurde mit diesem Vorwand – von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – versucht mit Sperrungsverfügungen einzelne Internetseiten in Deutschland unzugänglich zu machen, also eine Art von Zensur, wie man sie sonst nur aus Diktaturen wie z. B. China kennt.
Das Gleiche passiert nun mit dem Pokern, wo wieder der Jugendschutz herhalten muß. Klar, es macht sich natürlich besser zu sagen, man schütze die Jugend vor illegalem Glücksspiel als zu sagen, man wolle ein Staatsmonopol mit allen Mittel durchsetzen. Im Prinzip ist dies nichts weiter als billige Rhetorik aus einem Versicherungsvertreter-Seminar.
Einigkeit und Recht und Freiheit, heißt es in der deutschen Nationalhymne. Letzteres sehe ich zunehmend in Gefahr, je mehr Gesetzgeber und Gerichte sich in die privaten Dinge der Bürger einmischt. Ein Staat, der sich das Wort “Freiheit” an die Fahnen heftet, sollte es tunlichst seinen Bürgern überlassen, mit welchen Spielen sie sich die Zeit vertreiben.
Anfügen möchte ich noch meine ganz private Ansicht, daß die ausufernde Bevormundung der letzten Jahre meines Erachtens ein typisches Phänomen der sogenannten 68er-Generation ist. Die damaligen haschischrauchenden Love, Peace and Freedom proklamierenden Hippie-Chaoten mutierten im Laufe der Jahrzehnte zu Spießern der übelsten Sorte, sitzen jetzt an den Schalthebeln, wurden zu Politikern, Richtern und Juristen und wollen alles regulieren und zensieren und den Menschen vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.