Chronik der WSOP: 1976 - Doyle Brunson zum Ersten
Die USA waren wieder im Aufwind. Die Watergate-Affäre war überstanden, die Erinnerungen an den Vietnam-Krieg verblassten. Die Amerikaner fanden zurück zur Leichtigkeit des Lebens und so auch Las Vegas profitierte von der guten Stimmung.
Zum siebenten Mal gab es im Mai 1976 nun schon die World Series of Poker (WSOP). Die Teilnehmer wurden mehr und auch die Turniere. Das goldene WSOP-Bracelet feierte in diesem Jahr die Premiere. Allerdings hatte es noch recht wenig mit der uns heute bekannten Form des Bracelets zu tun. Es glich viel mehr einem platt gehämmerten Goldnugget.
Sieben Side-Events und natürlich wieder das $10.000 No Limit Hold’em Championship Event standen auf dem Programm. Die Turniere wurden vielfältiger und auch die Buy-Ins variierten ein wenig mehr. So gab es zum ersten Mal ein $500 Seven Card Stud Turnier. Neben dem Main Event fanden auch ein $1.000 und ein $2.500 No Limit Hold’em Turnier statt.
Die Stud-Varianten waren aber noch immer dominant. Johnny Moss bewies einmal mehr seine Klasse und sicherte sich nun tatsächlich sein erstes Bracelet für den Sieg beim $500 Seven Card Stud. Beim $1.000 Seven Card Stud Split war es Doc Green, der sich durchsetzte, beim Ace to Five Draw Perry Green. Die beiden No Limit Hold’em Side Events gingen beide an Howard Andrew. Es waren seine einzigen beiden Bracelets, die er in seiner Karriere gewinnen sollte. Aber er ist heute noch immer aktiv im Turniercircuit und feiert auch noch immer Erfolge. Zuletzt konnte er beim WSOP Circuit im Januar 2008 ein $300 Pot Limit Hold’em Turnier für sich entscheiden.
Doyle Brunson war es jedoch, dessen Stern 1976 am Turnierhimmel aufging. Bei jeder WSOP war er bislang dabei gewesen. Doch Sieg hatte er noch keinen eingefahren. Was Doyle aber jedes Jahr gemacht hatte, war, von anderen und vor allem von Johnny Moss zu lernen. Er hielt den Stil von Johnny Moss für den besten und versuchte ihn nicht nur zu imitieren, sondern zu optimieren. Seine Bemühungen haben sich rentiert, denn zunächst setzte er sich beim $5.000 Deuce to Seven durch und dann holte er sich auch seinen ersten Weltmeistertitel.
$80.000 hatte ihm der Sieg beim Deuce to Seven gebracht. Sein Selbstvertrauen war gestärkt und so ging er gemeinsam mit 21 anderen Spielern an den Start des Main Event. Er fand sich im Heads-Up gegen Jesse Alto wieder. Obwohl er zurücklag, hatte er einen Plan, wie er das Ruder herumreißen könnte. Denn Jesse Alto war ein emotionaler Spieler. Und wer sich ein wenig mit Doyle Brunson auseinandergesetzt hat, der weiß, dass Doyle nicht nur mit den Karten ein Profi ist. Auch sonst weiß er Menschen einzuschätzen und zu manipulieren. So wusste er auch, welche Knöpfe er bei Jesse Alto drücken musste, um diesen on tilt zu bringen.
Doyle holte sich die Führung geholt und versuchte, weiter Druck zu machen. Legendär ist sein Sieg mit 10-2 geworden. Ausgerechnet die nahezu schlechteste Hand, die man beim Pokern halten kann, brachte ihm den Titel. Doyle callte einen Bet von Alto und hoffte auf einen Treffer am Flop. Der kam auch sofort – A – J – 10. Doyle glaubte nicht an eine gute Hand von Alto. Der hielt aber A-J und weiter ging es. Der Turn 2 brachte Doyle das zweite Paar und es war Zeit für Doyle all-in zu gehen. Jessy Alto wollte schon feiern, als er A-J umdrehte. Doch der River brachte das Lachen in Doyle Brunsons Gesicht, als tatsächlich eine weitere 10 kam und somit das Full House für Doyle brachte.
Für seinen Sieg wurde er mit den $220.000 belohnt. Er hatte mit einer Hand, die er normalerweise gar nicht spielen würde, tatsächlich Sieg und Titel geholt. Dass es im nächsten Jahr exakt dieselbe Hand sein würde, die die Weltmeisterschaft 1977 entscheiden würde, ahnte aber zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
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