Pokerseiten Übersicht
EPT Übersicht
Pius Heinz bei der WSOP
Legalisierung von Poker

Quo vadis, Pokerszene Deutschland - direkt ins nächste Debakel!

Nur ein Monat ist vergangen seit dem Desaster der Akropolis Poker Challenge. Die Wunden sind noch nicht geleckt, von Heilung weit entfernt. Und dennoch läuft man in die nächste Katastrophe, die den Namen “EU Poker Summit” trägt. Augen zu und einfach All-in gehen. Hat der deutsche Pokerspieler denn gar nichts gelernt?

Doch wie kann es nur so schnell zum nächsten Debakel kommen? Vor Wochen überfiel die Meldung des Weltrekords in der Dortmunder Westfalenhalle die Newsportale. Neu, aufregend, ein spannender Name und dann gleich ein Weltrekordversuch. Da muss man doch dabei sein. “Stell’ dir vor, die schaffen den Weltrekord und du warst nicht dabei! Das kann nicht sein!” Die Neugier war geweckt und die Pokerszene Deutschlands hellhörig.

Vielleicht zu hellhörig, weil nach dem Spiel ist immer noch vor dem Spiel. Doch nach Asch ist nichts mehr wie davor. Kritisches Denken und erhöhte Sensibilität gegenüber Großveranstaltungen war deutlich spürbar. Vor allem in manchen Foren und auch hier auf PokerOlymp. Nicht alle groß angekündigten Events sind auch tatsächlich große Events. Von vielen belächelt, begaben sich einige User von MyPokerOlymp doch auf Konfrontationskurs mit dem Team des EU Poker Summit.

Viele Parallelen gibt es zu Asch, um nicht zu sagen – zu viele. Wer steht denn tatsächlich hinter der Deutschen Media Holding AG? Wie sieht der Preispool aus? Wie sieht die Struktur aus? Wer leitet und organisiert dieses Mega-Turnier? Alle respektablen Turnierleiter und Eventveranstalter haben mehr oder weniger dankend abgelehnt und sich sogar öffentlich distanziert. Trotz wiederholter konkreter Fragen an die namentlich unbekannten Veranstalter gab es nur unbefriedigende und vertröstende Antworten.

Letzte Woche dann schließlich kam das erste Teilgeständnis von Seiten des Veranstalters. Man gab zumindest zu, dass man die Sache doch unterschätzt habe. Statt protzigem “Pokerwissen kann man jederzeit einkaufen” erste Ansätze einer viel zu späten Lernleistung . Man arbeite mit Hochdruck daran, die begangenen Fehler zu korrigieren. Der wichtigste Fehler aber wurde nicht korrigiert. Und es ist derselbe Fauxpas, der schon die Akropolis Poker Challenge zum Scheitern gebracht hat – die fehlende Genehmigung!

Wieder gibt es unzählige Geschädigte. Laut Aussagen des Veranstalters sind bereits 5.000 Tickets verkauft worden. Dass diese Zahl den Tatsachen entspricht, sei hier aber doch ernsthaft in Frage gestellt. Fast bin ich verleitet zu sagen, wer 50 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr an einen Veranstalter überweist, ohne auch nur über irgendeine essentielle Information zu verfügen, dem ist nicht mehr zu helfen. Beim nächsten Mal möge derjenige das Geld einfach an mich überweisen.

Zu ähnlich sind die Sachverhalte bei der Akropolis Poker Challenge und dem EU Poker Summit. Aber offenbar doch nicht genug. Denn wieder sind die Turnierveranstalter über die Schlagzeilen in die offensichtliche Falle getappt. Auf Gedeih und Verderb haben sie ihre Spieler dem nächsten Desaster ausgeliefert. Warnungen wurden in den Wind geschlagen, ja sogar verurteilt! Der VFDDP meinte, bei der Affäre Asch zu Hilfe eilen zu müssen und gratulierte mir noch zu meinem Resümee. Aber verstanden hat man nichts. Denn kaum wurde Kritik am EU Poker Summit laut, musste man schlichtend eingreifen und die Vorwürfe abschwächen. Wieder gab es Veranstalter, die offen zugaben, man nehme die Tickets einfach deshalb, weil sie kostenlos und gesponsert sind. Wer aber sind auch hier wieder die Leidtragenden? Diejenigen, die einfach nur etwas Pokerspaß haben möchten. Beim Turnierveranstalter die Sit & Gos bezahlt, mit gutem Spiel ins Finale gekämpft und als Preis ein wertloses Ticket für eine abgesagte Veranstaltung! Das ist der Stoff, aus dem Albträume sind!

Was muss denn noch alles passieren? Das Chaos rund um Asch ist nicht weniger geworden. Zu viele Turnierveranstalter, die damals Tickets ausgespielt haben, gibt es gar nicht mehr. 888 zieht sich elegant aus der Affäre und eilt als edler Retter in schillernder Rüstung herbei. Offenbar verzeiht man hier die Tatsache, dass 888 an dem Desaster ganz erheblich mitbeteiligt war. Denn schließlich dementierte der Online-Anbieter die Absage noch zu einem Zeitpunkt, als jeder in Asch schon wusste, dass es kein Turnier geben würde.

Ich kann nicht anders – Leute, werdet doch endlich erwachsen! Nicht jedes glänzend verpackte Geschenk ist auch wertvoll! Packt es doch aus, bevor Ihr Euch überschwänglich bedankt.

Es schadet nicht, die Medaille manchmal umzudrehen. Zuviel Missbrauch wird betrieben. Definiert endlich einen Standard für gute Sachpreisturniere! Arbeitet nicht weiter gegeneinander. Konkurrenz belebt das Geschäft, aber sie macht auch angreifbar. Jede negative Schlagzeile trägt doch dazu bei, dass sich die Gesetzgeber in Deutschland bestätigt fühlen. Ihr alle, Veranstalter und Pokerspieler, unterstützt mit Eurem naiven und schier kindlichen Verhalten die Fronten gegen eine Liberalisierung des Glückspielrechts. Hier geht es nicht darum, ob Poker ein Glücks- oder Geschicklichkeitsspiel ist. Ihr alle schadet dem öffentlichen Ansehen von Poker, wenn Ihr einfach nur zuseht. Etwas gesundes Misstrauen hat noch niemandem geschadet und würde vielleicht katastrophalen Veranstaltungen wie dem EU Poker Summit Einhalt gebieten.

Es geht um unser geliebtes Pokerspiel. Lasst es uns nicht von unwissenden, planlosen Agenturen und Hinterzimmerbetrügern kaputt machen. Zu lange haben wir gekämpft, um das Ansehen von Poker in der Öffentlichkeit auf Hochglanz zu polieren. Kratzer hat dieses Ansehen schon bekommen. Lasst nicht zu, dass der Lack komplett zerstört wird. Fangt einfach an, die Bluffs zu durchschauen und sucht nach der richtigen Strategie, um am Ende als Sieger dazustehen!


Kommentare


Login-with-facebook
Stefan "vodoo" Schüttler
  • Stefan "vodoo" Schüttler
  • 20.10.07

Der wilde Westen ist nunmal wild. Die Gesetzesvorgaben sind nunmal mehr als wachsweich, bzw. es kümmert sich meist nicht wirklich wer darum. Einmal heißt es, Sachpreisturniere ja, maximales Buy in bis 15 €, nur gesponsorte Preise, dann wieder hört man an jeder Ecke von 50 € Turnieren, wo doch Rebuys zugelassen werden, Autos und Las Vegas Reisen … in größerer Anzahl ausgespielt werden, Sponsoren werden weit und breit keine benannt…

An jeder Ecke z.B. hier in Berlin versucht nun irgendeine Keipe oder ein “Veranstalter” mit auf den Zug aufzuspringen, und man könnte fast schon Panik dahinter vermuten: “mensch schnell- unbedingt muss ich mir auch noch ein Teil des Kuchens sichern”. Offensichtlich gibt es Unmengen bereitwillig zur Verfügung gestelltes Geld abzusahnen (und gewaltige Phantasien diesbezüglich). Know how, Erfahrungen, und vor allem soziale Kompetenzen jedoch scheinen Mangelware. Es ist nunmal wilder Westen: und jene, die sich dorthin in diese Wildnis aufmachen, meist lonesome Cowboys, man könnte auch vermuten, auf ein funktionierendes soziales Gefüge legen solche Charaktere nicht unbedingt ihre Priorität.

“Pokerspieler sind nunmal Autisten” -würde meine Frau wohl jetzt wieder sagen, und dies durchaus mit einem liebevoll, verständigen Unterton.

Schneller Gewinn, andere zu bluffen, gut zu beobachten, aber möglichst wenig von sich selbst preiszugeben: kategorische Imperative, einer Welt, besonders Asperger hätte seine Freude daran.

Hier zu warnen “Leute achtet auf Qualität”; hier sich zu wünschen “Veranstalter, arbeitet kooperativ zusammen”, tatsächlich kommt man sich wohl wie bei Don Quixote vor und vielleicht noch am Besten, man hält es wie jener Sancho Pansa, der Franz hat uns erzählt…

Die Wahrheit über Sancho Pansa Franz Kafka

Sancho Pansa, der sich übrigens dessen nie gerühmt hat, gelang es im Laufe der Jahre, durch Beistellung einer Menge Ritter- und Räuberromane in den Abend- und Nachtstunden seinen Teufel, dem er später den Namen Don Quixote gab, derart von sich abzulenken, daß dieser dann haltlos die verrücktesten Taten aufführte, die aber mangels eines vorbestimmten Gegenstandes, der eben Sancho Pansa hätte sein sollen, niemandem schadeten. Sancho Pansa, ein freier Mann, folgte gleichmütig, vielleicht aus einem gewissen Verantwortlichkeitsgefühl, dem Don Quixote auf seinen Zügen und hatte davon eine große und nützliche Unterhaltung bis an sein Ende.


Guru9999
  • Guru9999
  • 20.10.07

Tja, ich bin mal gespannt ob alle Ihre 50 Euro wieder bekommen,

5000 Anmeldungen mal 50 Euro.

Bisher keine Kosten sondern nur eingesammelt.

Wird wie Asch. Nachher erzählen die uns wieder das sie noch Geld drauf gelegt haben.

weil es ja wahnsinnig teuer ist eine Veranstaltung anzukündigen, die Antrittsgelder zu kassieren und dann die Veranstaltung platzen zu lassen.

Bei mir im Garten findet alternativ zur Summit der Open Air Weltrekord im Pokern statt, wer dabei sein will muss nur 20 Euro zahlen, aber nicht sauer sein, wenn ich ein Tag vorher wegen schlecht Wetter absage. ;-)

Geld behalte ich dann aber, wegen der ganzen Kosten für Planung und so.

ich kann ja nix dafür wenn wir im November keine 25 Grand und Sonne haben


houtbay
  • houtbay
  • 21.10.07

ich habe die 20 Euro überwiesen. Und glaube mir…ich erscheine zu deiner Gartenparty…egal wie kühl es ist, hehe